Leute, wie die Zeit vergeht! Vorgestern Abend hat der Verein Digitalcourage in Bielefeld wieder den Big Brother Award verliehen. Das BKA bekam einen und Lieferando bekam ihn auch geliefert. Ein weiterer Negativpreis ging auf das Konto von Klarna – und auch die Bundesdruckerei erhielt ihre Datenschutz-Rüffel schwarz auf weiß. Netzpolitk.org informiert:

Seit mehr als 20 Jahren wird der Big Brother Award vom Verein Digitalcourage verliehen. Der Negativpreis geht an Unternehmen, Behörden oder Personen, bei denen die Jury Nachholbedarf in Sachen Datenschutz sieht.

In der fünfköpfigen Jury sind Expert:innen aus unter anderem Wissenschaft und Datenschutz. Im Vorfeld konnten Interessierte Nominierungen einreichen. Redaktionen wie auch netzpolitik.org wurden vor der Preisverleihung informiert, um die Preisträger:innen vor der offiziellen Verkündung kontaktieren zu können.

BKA in Kategorie „Behörden und Verwaltung“ ausgezeichnet

Die Negativpreise werden in verschiedenen Kategorien verliehen. In der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ ist es dieses Jahr das Bundeskriminalamt. Die Jury begründet dies mit der „Art, wie personenbezogene Daten in Dateien abgespeichert und genutzt werden“. Weiter heißt es: „Entgegen der verfassungs- und europarechtlichen Vorgaben werden die Daten in Dateien nicht oder unzureichend gekennzeichnet.“ Es bestehe die Gefahr, dass Millionen Menschen von der Polizei oder anderen Behörden ungerechtfertigter Weise als Gefährder oder Straftäter behandelt würden.

Naturgemäß löst der Big Brother Award bei den Prämierten wenig Freude aus. Das BKA teilt netzpolitik.org mit: „Die Polizeien des Bundes und der Länder verarbeiten personenbezogene Daten auf Grundlage der geltenden Gesetze und nach europarechtlichen Vorgaben.“

In der Kategorie „Verbraucherschutz“ bekommt die schwedische Bank Klarna Bank AB den Big Brother Award. Klarna ist ein Zahlungsanbieter, der insbesondere beim Online-Shopping eingesetzt wird. „Klarna bündelt intransparent Daten und Macht als Shopping-Service, Zahlungsdienstleister, Preisvergleichsportal, persönlicher Finanzmanager, Bonitätskontrolleur und Bank“, schreibt die Jury. Klarna schreibt netzpolitik.org, sich an die europäischen Datenschutzgesetze (DSGVO) zu halten. „Auch können unsere Kund*innen jederzeit eine Kopie ihrer personenbezogenen Daten anfordern und ihre Daten berichtigen und löschen lassen.“

Irland als „Oase für Geschäftsmodelle des Überwachungskapitalismus“

Auch die Bundesdruckerei GmbH erhält in diesem Jahr einen Big Brother Award, und zwar in der Kategorie „Technik“. Das staatliche Unternehmen ist unter anderem für Personalausweise, Visa oder Briefmarken zuständig. Die Jury bemängelt „die unsinnige Verwendung und Beförderung von Blockchain-Technik“. Die Bundesdruckerei hat sich gegenüber netzpolitik.org nicht geäußert.

In der Kategorie „Lebenswerk“ gibt es einen Negativpreis für die irische Datenschutzbehörde. Die Jury kritisiert das Verhalten der Behörde in Bezug auf das europäische Datenschutzrecht. „Unter der Obhut der Behörde hat sich Irland zur Oase für Geschäftsmodelle des Überwachungskapitalismus von Facebook, Google, Apple, Microsoft, Oracle und Salesforce entwickelt“.

Die Behörde wirke als Lobbyistin für diese Konzerne und versuche, europäische Richtlinien in deren Sinne zu beeinflussen, heißt es in der Laudatio. Die irische Datenschutzbehörde verweist gegenüber netzpolitik.org auf die eigenen Berichte über die Einhaltung der DSGVO.

Lieferando: Standortbestimmung für Fahrer:innen

Den Big Brother Award in der Kategorie „Arbeitswelt“ erhält Lieferando. Die Jury begründet die Auszeichnung damit, dass Lieferando die eigenen Beschäftigten kontrollliere. Die Kontrolle erfolge mit Hilfe der Scoober-App, die detailliert und sekundengenau eine Fülle von Verhaltensdaten erfasse. „Hierzu gehört neben dem Zeitpunkt der Abholung im Restaurant und der Übergabe an Kunden auch alle 15 bis 20 Sekunden eine Standortbestimmung“, so die Jury. Weiter heißt es von Digitalcourage, dass für Lieferdienste oft prekarisierte Menschen arbeiten. Für sie sei es besonders schwer, auf ihre Datenschutzrechte zu bestehen, da sie ohne Job ihre Aufenthaltserlaubnis riskieren.

Lieferando teilt mit: „Die Fahrer-App entspricht den geltenden Datenschutzbestimmungen.“ Die ermittelten Orte und Zeiten seien unerlässlich für einen ordnungsgemäßen Betrieb des Lieferservices. „Wir können nicht per Fax mit unseren Fahrern kommunizieren, hätten der Jury die App gerne erläutert“.

Der Negativpreis ist eine jährliche Erinnerung an Unternehmen, Behörden und Organisationen, es beim Datenschutz nicht zu versemmeln. Ein Archiv der vergangenen Preisträger:innen gibt es auf der Website des Big Brother Awards. Im Jahr 2000 waren es unter anderem die Deutsche Bahn, Payback und der E-Mail-Anbieter GMX.

 

Nachtrag von @HalFaber

„Gegenwärtig sind die Zeitungen voll mit rührenden Geschichten, wie den geflüchteten Menschen aus der Ukraine fast überall in Europa geholfen wird. Das ist gut und richtig, sollte aber nicht von einem strukturellen Skandal ablenken, der die europäische Grenzsicherungsbehörde Frontex erschüttert. Dort ist der Direktor Fabrica Leggeri zurückgetreten. „Ich gebe mein Amt zurück, weil es aussieht, als ob das Frontex-Mandat, für das ich gewählt wurde, leise, aber effektiv geändert wurde“, heißt es zu Lügeris Abschied.

Denn die Unterstellung von Leggeri, Frontex würde zu einer Art Menschenrechtsorganisation umgebaut, ist falsch. Frontex hat nachweislich Menschenrechte verletzt und das in der Frontex-Datenbank Jora kaschiert. Einsätze gegen Flüchtlingsboote wurden in türkische Gewässer verlegt, obwohl sie in griechischen Hoheitsgewässern stattfanden. Der Skandal ist, dass sich Leggeri für diese Fälschungen disziplinarrechtlich nicht verantworten muss, sondern einfach seinen Rücktritt erklären kann. Derweil wird Frontex als Polizeitruppe mit eigenen Waffen munter weiter ausgebaut, während Aija Kalnaja, die Chefin dieser Truppe, vorerst die Leitung von Frontex übernimmt. Mit dem Wechsel an der Spitzen wird sich die EU-Migrationspolitik leider nicht ändern.

Vielleicht reicht es ja im nächsten Jahr für einen Big Brother Award. Bislang hat Frontex nur eine tadelnde Erwähnung kassiert, im Jahr 2013.


 auf netzpolitik.org / Hal Faber auf wwww
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1 Mio (!)

22. August 2019

Witze zur „Bielefeld-Verschwörung“ sind so alt, dass man längst dabei gähnt, sobald jemand einen solchen zu reißen versucht. Die Stadt Bielefeld selbst allerdings nutzt den 25 Jahre alten, nicht mehr sonderlich lustigen, Sachverhalt aktuell zu einer recht amüsanten Marketing-Kampagne. Die Stadt will nämlich demjenigen, der beweisen kann, dass es Bielefeld tatsächlich nicht gibt, eine Million Euro zahlen.

Beweise dafür, dass Bielefeld nicht existiert, können bis zum 4. September eingereicht werden. Ohne einen Beweis wolle sich die Stadt von der Bielefeld-Verschwörung verabschieden – in einer offiziellen Zeremonie, gemeinsam mit ihrem Schöpfer Achim Held.


Foto Rathaus der Stadt Bielefeld –  Zefram   – CC Namensnennunng Deutschland 2.0

Big Brother Award

12. Juni 2019

Ich muss die Verleihung des Big Borther Awards vom vergangenen Samstag im Stadttheater Bielefeld noch nachtragen. Die BBA sind Negativpreise, die jährlich  an Behörden, Unternehmen, Organisationen und Personen vergeben werden. Die Preise werden, so die Stifter, an die verliehen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Personen beeinträchtigen oder Dritten persönliche Daten zugänglich gemacht haben bzw. machen.

Für mich besonders überraschend war, in diesem Jahr dass der Online-Auftritt der „Zeit“ den Big Brother Award 2019 in der Kategorie Verbraucherschutz erhalten hat und zwar erstens für Werbetracker und den Facebook-Pixel, zweitens für die Nutzung von Google-Diensten beim Projekt „Deutschland spricht“; damit werden politische Ansichten von Menschen auf Servern in den USA gespeichert. Drittens dafür, dass sie sich das Nachfolgeprojekt von „Deutschland spricht“ von Google haben finanzieren lassen. „Dieser faustische Pakt mit einer der größten Datenkraken beschädigt die journalistische Unabhängigkeit.“m lese ich auf der webseite von Digitalcourage eV, die die „Auszeichnung“ alljährlich ergibt.

Die BigBrotherAwards 2019 in voller Länge gibt es online auf media.ccc – vielen Dank VOC

Hier geht es zu den Videos der einzelnen Laudationes:

Inzwischen hat ZEIT online Stellung genommen. Die Vorwürfe von Digitalcourage seien „nur teilweise zutreffend. So sei es richtig, dass auf den Internetseiten Werbung ausgespielt werde, und der Facebook-Pixel sowie Werbetracker eingesetzt würden. Diese mache „Zeit Online“ mit einem Link ersichtlich. Die individualisierte Werbung sei zudem abschaltbar.“

Beim Projekt „Deutschland spricht“, räumt „Zeit Online“ ein, nutze man derzeit nur einen vorgeschalteten Google-Dienst, der unerwünschte Internet-Attacken blockiere. Lediglich im allerersten Testlauf von „Deutschland spricht“ seien Dienste von Google verwendet worden, unter anderem einer von Google Apps, um Daten zu speichern. Die Redaktion von „Zeit Online“ sei „journalistisch unabhängig„. Tja ich frage, was bei den Vorwürfen“ nur „teilweise richtig“ sei. Sie stimmen offenbar komplett.

Für den Terminkalender: Die Big Brother Awards 2020 werden am Donnerstag, 30. April 2020 im Stadttheater Bielefeld und online verliehen!

Wer aktuelle Infos möchte, kann hier den E-Mail-Newsletter von Digitalcourage abonnieren.

BigBrotherAwards

4. Juni 2019

Das Jahr ist rum und deshalb verleiht die NGO Digitalcourage eV an diesem Samstag vor Pfingsten im Stadttheater Bielefeld  wieder die Big Brother Awards. Ihr Name ist George Orwells  Dystopie „1984“ entnommen, in der der Autor bereits vor 70 Jahren seine Vision einer totalitären Überwachungsgesellschaft entwarf. Die Preisskulptur, eine von einer Glasscheibe durchtrennte und mit Bleiband gefesselte Figur, wurde von Peter Sommer entworfen und zeigt eine Passage aus Aldous Huxleys „Schöne Neue Welt“.

Die BigBrotherAwards wirdauch im Livestreamgeboten, und zwar mit englischer Simultanübersetzung.  

Zur Einstimmung gibt es die Awards 2018 zum online anschauen (vimeo.com) und die Laudatiotexte aller Preisträger im Volltext zum online lesen. Auf der Seite von Digitalcourage ist außerdem der Pressespiegel zu den Awards 2018 zu finden.

Was sind die BigBrotherAwards?

Spannend, unterhaltsam und gut verständlich werden die ‚Oscars für Überwachung‘ (Le Monde) an die größten Datensünder des letzten Jahres vergeben. Die Jury besteht aus prominenten Bürgerrechtlern unabhängiger Organisationen wie Digitalcourage e.V. (ehemals FoeBuD e.V.), Deutsche Vereinigung für Datenschutz (DVD), Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft (Fitug), Chaos Computer Club (CCC), Humanistische Union (HU) und der Internationalen Liga für Menschenrechte (ILMR). Die Juroren haben ausgewählt, welche Firmen, Organisationen, Behörden und Politiker diesen Datenschutz-Negativpreis erhalten

Die BigBrotherAwards bewirken übrigens viel: Sie machten zum Beispiel Rabattkarten, Scoring, Mautkameras, Farbkopierer und Handyüberwachung als Gefahr für Grundrechte und Privatsphäre bekannt. Sie warnten schon früh vor der Gesundheitskarte, der Steuer-ID und der Vorratsdatenspeicherung. Schon lange vor den Skandalen bei Lidl, Telekom, Bahn und Co. wurden die BigBrotherAwards an diese Konzerne verliehen. Ein Abend der gelebten Politik mit den Mitteln des Theaters, geschliffener Rede, Musik und Tanz.

Heute

13. Dezember 2016

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Genau heute vor 75 Jahren, am 13. Dezember 1941, fand der erste von acht sog. Bielefelder Transporten statt. Der erste Transport brachte Hunderte Jüdinnen und Juden aus der Regionen Münster und Osnabrück nach Bielefeld. Von dort ging es für insgesamt 1000 unter schrecklichen Bedingungen in ungeheizten Waggons bei minus 20° nach Riga (Lettland), wo die Deutschen jüdischen Glaubens in das Ghetto kamen, dessen lettische Bewohner die Nazis zuvor ermordet hatten: Beinahe 27.000 lettische Juden waren am 30.11.41 und am 8.12.41 erschossen worden, um „Platz für die Juden aus dem Reich“ zu schaffen. Acht Lingener und Lingenerinnen jüdischen Glaubens waren dabei, darunter die 21jährige Ruth Heilbronn, die ihre Eltern nicht allein  lassen wollte. Ruth (Foster-)Heilbronn berichtet:

It was on a Saturday morning, the 10th of December ’41, that the police came, one policeman and a Gestapo man came to us, and the policeman cried like a child, that he had to take us away. The Gestapo man put a seal on the door, and we were taken, it was a town hall where already the family Gruenberg and their daughter were waiting, and an uncle and aunt of mine. We were allowed to take a hundred pounds of luggage and hand luggage with us; we had to make a list of the inventory of our – we only had two rooms, what we left behind. And we were the eight deported at that time. We were taken by train to Osnabruck; this policeman, Brand [phon.], was his name, he accompanied us, and he cried all the way. And my mother was only upset, not because we were deported, but this was the first time in her life that she was on a train or that she rode on a shabbat.

fullsizeoutput_2334Genau heute, 75 Jahre später, haben die Stadt Lingen (Ems), das Forum Juden Christen Altkreis Lingen eV und das Kinder- und Jugendparlament aus diesem Anlass in der Lindenstraße 45 zwei neue Stolpersteine verlegt, die an die in die Niederlande emigrierten, später in Auschitz-Birkenau ermordeten Lingener Ihmo und Riekchen ten Brink erinnern. Imo wurde nur 12 Jahre alt, seine Mutter starb mit 48 Jahren im Gas.

Vorgestern Abend war ich am Hauptbahnhof Dortmund. Nach wenigen Minuten hörte ich das Geschrei des neonazistischen Pöbels: „Deutschland den Deutschen!“ und „Sieg Heil!“ Mir wurde kalt.

Es ist hohe Zeit, jede/n daran zu erinnern, was u.a. genau heute vor 75 Jahren bei uns in Deutschland geschah.

Big Brother Awards

22. April 2016

Heute, 18 Uhr werden in der Hechelei in Bielefeld die BigBrotherAwards 2016 verliehen, mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als Gastrednerin.

Seit 16 Jahren werden in Deutschland die BigBrotherAwards an Firmen, Organisationen und Personen verliehen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder persönliche Daten Dritten zugänglich machen.

 

update:
Hier die Preisträger der BigBrotherAwards 2016

traumatisiert

4. Februar 2016

safe_place_oL-300x300Deutlich mehr Geld als bisher soll in diesem Jahr Refugio Bremen bekommen: Für den Betrieb des therapeutischen Behandlungszentrums für Flüchtlinge will die Bremer Landesregierung 178.000 Euro statt wie im Vorjahr 128.000 Euro ausgeben. Die Bremische Bürgerschaft muss noch zustimmen. 2014 lag die Fördersumme bei 74.000 Euro.

Damit reagiert Bremen auf den steigenden Bedarf an psychotherapeutischen Angeboten. Es sei „möglich, dass bis zu 40 Prozent der Flüchtlinge Anzeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung aufweisen“, heißt es im kürzlich vorgestellten Integrationskonzept der Hansestadt. Viele ExpertInnen gehen davon aus, dass weit mehr als die Hälfte belastet sind. Die Anzeichen dafür sind nicht immer zu erkennen, weil die Betroffenen in der von vielen Unsicherheiten geprägten Ankunftszeit die Erlebnisse verdrängen müssen…. [weiter bei der taz]

Ähnliche Einrichtungen für traumatisierte Flüchtlinge im Emsland und der Grafschaft Bentheim sucht man hier vergebens. „Wir schicken sie nach Bremen“, hieß es auf meine entsprechende Frage vor einem Jahr. Dort aber ist man längst an der Kapazitätsgrenze angekommen. Danach müssen laut Refugio Bremen die meisten Hilfesuchenden drei bis sechs Monate warten, bis sie eine Therapie beginnen können. Im schlimmsten Fall beträgt die Wartezeit ein Jahr. Voll finanziert sei das Behandlungszentrum noch lange nicht, sagt  Marc Millies, Sprecher von Refugio: „Bisher haben die Zuschüsse 20 Prozent unserer Kosten abgedeckt, jetzt sind es etwas mehr.“ Weitere Behandlungszentren gibt es in Oldenburg, Münster und Bielefeld – doch alle sind überlaufen. Dasselbe gilt für die MediBüros; Anlaufstellen dieses Netzwerkes für Menschen, die sonst keinen Zugang zum Gesundheitswesen finden, finden sich -ausgenommen Oldenburg und Bremen-  ebenfalls nicht in Weser-Ems (Grafik lks).

Bildschirmfoto 2016-02-03 um 21.43.49Gleichzeitig schränken die im „Asylpaket II“ von der Großen Koalition geplanten Maßnahmen die Grund‐ und Menschenrechte von vor Krieg, Verfolgung und struktureller Diskriminierung geflohenen Menschen ein und verhindern faire Asylverfahren. Dies betrifft vor allem neue Aufnahmezentren, Aussetzen des Familiennachzugs und das Bagatellisieren von Traumatisierungen sowie die Abschiebung schwer erkrankter Menschen.

Die bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF e.V.) kritisiert denn auch den neuen Gesetzesentwurf deutlich: „Über die Asylanträge für bestimmte Gruppen von Geflüchteten soll innerhalb von einer Woche entschieden werden. Darunter fallen alle Menschen, die aus sicheren Herkunftsländern kommen, im Folgeverfahren sind oder ihre Papiere vernichtet haben sollen. „Insbesondere Asylsuchende, die durch Gewalterlebnisse in ihrem Herkunftsland psychisch schwer belastet sind, werden in Eilverfahren Probleme haben, ihre Bedarfe entsprechend vorzubringen“, sagt Elise Bittenbinder, Vorsitzende der BAfF e.V. 

„Es ist zynisch, davon auszugehen, dass sich Flüchtlinge so schnell Termine und Atteste vom Facharzt beschaffen können, wenn selbst langjährige Patient*innen wochenlang warten“ stellt Dr. Vera Bergmeyer vom MediNetz Bremen fest. Zudem sollen lebensbedrohlich erkrankte Flüchtlinge abgeschoben werden, wenn es in einem Landesteil des Herkunftslandes Behandlungsmöglichkeiten gibt, unabhängig davon, ob diese den Menschen auch zugänglich sind. „Psychische Störungen werden als unbedeutend hingestellt“ erklärt Björn Steuernagel, vom Refugio-Vorstand Bremen. Elise Bittenbinder: „Gerade traumatisierte Geflüchtete können erlittene Menschenrechtsverletzungen oftmals nicht sofort so zusammenhängend und ohne Zeitsprünge vorbringen, wie das der Gesetzgeber von ihnen erwartet. Das braucht Schutz und Zeit, die in dem beschleunigten Verfahren nicht gegeben ist.“

Bielefeld

15. Mai 2014

140px-Wappen_Bielefeld.svgDie SPON-Erfindung einestages interviewt Achim Held. Der Informatiker aus Kiel ließ vor 20 Jahren Bielefeld verschwinden. Hier ein Auszug über die Bielefeldverschwörung:

„…einestages: Klingt beängstigend. Gab es auch Momente, in denen Sie auf Ihre Erfindung stolz waren?

Held: Besonders gefreut habe ich mich natürlich, als sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Zweifel an der Existenz Bielefelds geäußert hat.

einestages: Immerhin – Sie haben der Stadt, die außer für „Dr. Oetker“ und vielleicht noch ihre Universität kaum bekannt war, offenbar zu ungeheurer Popularität verholfen. Sollte Bielefeld Ihnen dankbar sein?

Held: Ja, ich denke in gewisser Weise schon. Welche Stadt in Deutschland hat schon ihre eigene Verschwörungstheorie? Das geht mittlerweile so weit, dass das 800-jährige Stadtjubiläum unter dem Motto „Das gibt’s doch gar nicht“ stattfindet.“

[mehr…]

 

Ansporn

17. Januar 2014

Man durfte es schon vermuten: Der Landkreis Emsland hat eine neue Spitzenposition erklommen. Die Tierschutzorganisation PETA hat unseren Lieblingslandkreis ganz vorn eingestuft. Im alljährlichen PETA-Ranking der deutschen Veterinärämter belegt der Meppener Beamtentross den Spitzenplatz 2 – bei den „schlimmsten Veterinärämter Deutschlands“.

Veterinärämter sind bekanntlich für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet diesen Behörden zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert anschließend, ob und wie die Behörden im Sinne des Tierschutzgesetzes daraufhin tätig werden. PETA: „Während wir in vielen Fällen in kooperativer Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielen konnten, gibt es noch immer viel zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht umsetzen. Ein Grundproblem ist das Fehlen einer neutralen Aufsichtsbehörde, welche schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert und maßregelt. Wir nennen dann die gesamte Behörde, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstechen.“

Das schlimmste deutsche Veterinäramt 2013 ist laut PETA die Behörde im Landkreis Cuxhaven. Direkt dahinter dann der zweifelhafte Vizetitel für unser Veterinäramt des Landkreises Emsland und folgende Begründung:

„Im Emsland sorgte 2013 ein Fall von abgemagerten Pferden und in kleine Käfige (sogenannte Fangwagen) eingesperrte Galloway-Rinder für großes Aufsehen. Die Rinder schrien Zeugen zufolge stundenlang vor Durst, so dass sich auch Nachbarn bei den Behörden beschwerten. Trotz Strafanzeige von PETA gegen den Tierhalter bei der Ortschaft Klein Hesepe sowie zahlreicher Meldungen an das Veterinäramt änderte sich an den tierquälerischen Zuständen monatelang nichts. Daher wurde seitens PETA auch Strafanzeige gegen das Veterinäramt im Landkreis Emsland erstattet. Eines der Pferde wurde im Dezember 2013 nach Hinweis eines örtlichen Tierschutzvereins von der Polizei tot auf dem Gelände des Tierhalters aufgefunden. Weitere Informationen hier.“

Die besten Veterinärämter fand PETA im vergangenen Jahr übrigens im Landkreis Segeberg, den Städten Lübeck,  Bielefeld und Halle sowie dem Landkreis Aichach-Friedberg.

„Ausgezeichnet“ hat PETA solche Behörden, „die bei ihrer Arbeit besonders positiv oder negativ aufgefallen waren, nachdem sie von PETA über einen Missstand informiert wurden. Die Organisation fordert alle Veterinärbehörden dazu auf, jede Missstandsmeldung ernst zu nehmen und dem Tierschutz insgesamt einen höheren Stellenwert einzuräumen.“

„Diese Negativ-Auszeichnung ist auch als Ansporn zu verstehen, damit sich das Veterinäramt im Landkreis Emsland künftig engagierter für die Tiere einsetzt“, so Peter Höffken, Kampagnenleiter bei PETA.

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PETAPETA-Tipps, „wie Sie persönlich Tierquälerei stoppen können:
Bitte melden Sie Missstände und Tierquälerei konsequent der zuständigen Veterinärbehörde in Ihrer Stadt oder Ihrem Landkreis. Fassen Sie Ihre Beobachtungen detailliert und sachlich zusammen. Fertigen Sie möglichst Bild- und Videomaterial an. Unbedingt sollten Sie nach Ihrer Meldung beim Veterinäramt so lange nachfassen, bis der Missstand beseitigt ist (Fallbericht). Das kann ermüdend sein, ist aber für das jeweilige Tier die einzige Chance! In dieser Übersicht finden Sie ausführliche Tipps, wie Sie vorgehen sollten.“

Abenteuerroman

3. Oktober 2012

Vor einigen Tagen hat die Hamburger Autorenvereinigung  Gerhard Henschel den „Hannelore-Greve-Literaturpreis“ überreichen. Der heute 50-Jährige Schriftsteller hat seine Jugend in Meppen verbracht und ist, nach Siegfried Lenz, Hans Pleschinski, Arno Surminski und Lea Singer, der fünfte Preisträger des mit 25.000 Euro dotierten Literaturpreises. Seinen Durchbruch feierte Henschel mit dem Briefroman «Die Liebenden». 2004 erschien mit «Kindheitsroman» die erste autobiografische Abenteuergeschichte um den Protagonisten Martin Schlosser, die Henschel mit «Jugendroman» (2009, mehr) und «Liebesroman» (2010) fortsetzte. Mit «Abenteuerroman» ist jetzt der vierte Teil der emsländischen Chronik erschienen:

Martin Schlosser wird darin erwachsen und bricht in die weite Welt zu seinen Abenteuern auf. Endlich hat er eine Freundin gefunden, und schon beginnen die zermürbenden Beziehungsdiskussionen. Es sind die frühen achtziger Jahre, Kohl wird Kanzler und Martin möchte nichts dringender, als dem emsländischen Meppen entfliehen. Dafür muss er aber erst einmal sein Abitur bestehen. Wird ihm das gelingen? Wird er sich danach wie geplant als Spülkraft in einem Hotel auf Norderney bewähren? Wird er Soldat oder doch Zivildienstleistender? Wie bekommen ihm seine Drogenexperimente? Wie wird ihm das Wohngemeinschaftsleben schmecken? Und kann er seine Beziehung durch die Zeiten retten? Martins Lebensweg führt ihn diesmal nach Brokdorf, Hamburg, Amsterdam, Osnabrück, Bielefeld, München, Venedig, Wien und Göttingen – und immer wieder zurück nach Meppen, die ihm so verhasste Kleinstadt. Hier eine winzige Kostprobe:

Gerhard Henschel
Abenteuerroman
Verlag: Hoffmann Und Campe
572 Seiten, 24,99 Euro
ISBN-13: 9783455403619
ISBN-10: 3455403611

Ich hab mein Abenteuerroman-Exemplar in der Buchhandlung Holzberg, Clubstraße 2, Lingen (Ems) erworben. (Öffnungszeiten Montag – Freitag: 9.00 – 18.30, Samstag: 9.00 – 16.00)

(Quelle)