Bürgerreise nach Bielawa

4. Februar 2020

Bürgerreise 2020 nach Bielawa:
Einblicke in die polnische Kultur
6tägige Busreise vom So 23. bis zum Fr 28. Aug. 2020

DZ/HP, 499,-€ pP (EZ + 90 €)

Im kommenden August bietet die Stadt Lingen (Ems) in Zusammenarbeit mit der Firma Dartmann Reisen eine 6tägige Bürgerreise in die polnische Partnerstadt Bielawa (Foto links) an. Vom Sonntag, 23. bis zum Freitag, 28. August 2020 heißt es „Witamy“ in Lingens polnischer Partnerstadt am Fuße des Eulengebirges. Während der Reise erhalten die Teilnehmer/innen spannende Einblicke in polnische Kultur und Lebensart – und sie lernen die schönen Seiten Bielawas und der sie umgebenden Region kennen. Neben einer Stadtrundfahrt stehen u.a. ein Empfang im Rathaus, voraussichtlich durch den Bürgermeister, sowie ein deutsch-polnischer Begegnungsabend auf dem Programm.

Abgerundet wird die Reise durch eine Tagesfahrt nach Breslau (Foto unten) sowie durch Ausflüge zur größten Fachwerkkirche Europas in Schweidnitz und zum malerischen Schloss Fürstenstein, das wie kaum ein anderes die wechselvolle Geschichte dieses Teils von Europa widerspiegelt. Auch eine Fahrt durch dass Riesengebirge mit Zwischenstopps am sagenumwobenen Kochelfall und an der norwegischen Stabkirche Wang ist geplant.

Die Bürgerreise startet mit dem Bus in Lingen (wahlweise auch in Salzbergen). In Bielawa erfolgt der Aufenthalt im Biowellness- und Spa-Hotel Debowy in Komfortzimmern inklusive Halbpension. Das Hotel verfügt über einen großen Wellnessbereich, der genutzt werden kann. Alle Tagesfahrten und Ausflüge werden mit dem Bus zurückgelegt. Die Kosten für die Reise inklusive der Ausflüge, verschiedener Führungen und Eintritte belaufen sich auf 499 Euro pro Person im Doppelzimmer. Wer lieber in einem Einzelzimmer übernachten möchte, zahlt 90 Euro mehr.

Interessiert? Dann melden Sie sich bei Peter Dartmann von Dartmann Reisen (Tel. 05976 944 80, E-Mail peter (at) dartmann-reisen.de ).

Bielawa liegt 800 Kilometer von Lingen entfernt in Niederschlesien. Die ehemalige Textilstadt mit heute rund 32.000 Einwohnern blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Heute ist Bielawa für großes Engagement im Bereich des Umweltschutzes bekannt. Die Partnerstadt besticht durch viel Natur, Erholung und zahlreiche Sportmöglichkeiten. Die Städtepartnerschaft mit Lingen (Ems) besteht bereits seit 1993.

Persönliche Anmerkung:
Was zunächst als Reiseziel eher nicht spektakulär klingt, ist wirklich eine Reise wert. Davon habe ich mich vor zwei Jahren selbst überzeugen dürfen. Die Menschen in Niederschlesien sind aufgeschlossen und freundlich, das Hotel ist sehr, sehr ordentlich (klickt mal auf booking.com die Bildergalerie an) und die niederschlesische Landschaft ist gleichermaßen beruhigend wie beeindruckend.

(Foto Bielawa von Tom Gold CC Attribution 3.0 Unported; Breslau Marktplatz Petr Kratochvil  C0 Public Domain); Text: lingen.de)

 

Heute: Antikriegstag 2019

1. September 2019

Genau um diese Uhrzeit begann am 1. September vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg. Nazi-Deutschland überfiel das friedliche Polen. Deutsche Bomber brachten um 4:37 Uhr 1200 schlafenden Einwohner der zentralpolnischen Kleinstadt Wielun den Tod, ein erstes terroristisches Kriegsverbrechen an der Bevölkerung einer Stadt, die militärisch keine Bedeutung hatte. Das Kriegsschiff Schleswig-Holstein griff zehn Minuten später die polnischen Soldaten auf der Danziger Westerplatte an. In den sechs Jahren danach kamen 60 Millionen Menschen zu Tode.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht heute die Hauptstadt Warschau und ganz früh das kleine Wielun, wo ihn vor einer knappen halben Stunde der Präsident der Republik Polen, Andrzej Duda, begrüßte. Steinmeier gedenkt dort gemeinsam mit polnischen Politikern des verbrecherischen Überfalls Deutschlands auf seine Nachbarn:

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2019/08/190808-Reiseaufruf-Polen.html

Übrigens hat Wielun inzwischen vier deutsche Partnerstädte, darunter auch das westfälische Ochtrup.

Das ZDF überträgt ab 9.30 Uhr einen Fernsehgottesdienst aus der Friedenskirche in Frankfurt/Oder. Die Predigt dort hält der Ratsvorsitzende der EKD Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

Unter dem Motto „Nie wieder Krieg!“ – ruft der DGB am Antikriegstag bundesweit zum Mitmachen auf.

In Weser-Ems sind offenbar an mehreren Orten Gedenkfeiern vorgesehen.

In Lingens Nachbarstadt Nordhorn beginnt die Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag 2019 um 11.30 Uhr in der Kornmühle in Nordhorn, Mühlendamm 1 und hat dieses Programm: Begrüßung durch  Horst Krügler (DGB-Kreisverband Grafschaft Bentheim), Grußwort: Ingrid Thole (stellv. Bürgermeisterin der Stadt Nordhorn), Vortrag: Gerhard Naber:“Die Grafschaft Bentheim – eine militarisierte Region“, anschließend gemeinsamer Gang zum „Schwarzen Garten“, 11.30 Uhr.

In der Friedensstadt Osnabrück finden diese Veranstaltungen statt:

https://www.dgb.de/themen/++co++bfb67658-b2d6-11e9-944b-52540088cada

Die traditionelle Mahn- und Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag an der Begräbnisstätte in Esterwegen, Friedhof Bockhorst (B 401) beginnt um 18 Uhr.  Nach der Begrüßung durch Anton Henzen (DGB-Kreisverbandsvorsitzender Nördliches Emsland) spricht der Journalist und Autor Hermann Vinke über „Zeit zum Handeln: Antikriegstag 2019 – Pathos und Parolen reichen nicht mehr“.

Weitere Veranstaltungen in Weser-Ems gibt es bereits vormittags in Wilhelmshaven und später ab 15 Uhr im ehemaligen KZ Engerhafe im Dreieck von Emden, Aurich und Norden.

„An’s Herz legen“ möchte ich den Hinweis von Anne-Dore Jakob, die viele in unserer Region aus der pax christi Bewegung kennen, einen Brief von Heinz Missalla. In dem kurz vor seinem Tod am 3. Oktober 2018 verfassten fünfseitigen Brief fordert der Theologe von den katholischen deutschen Bischöfen ein offenes und ehrliches Bekenntnis zum problematischen Verhalten der damaligen Bischöfe zu Hitlers Krieg. Die katholische Friedensbewegung pax christi und die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche unterstützen. Hier findet man den Brief im Wortlaut.

update: Und hier -seit heute früh- weitere Informationen auf telepolis!

Epilog:
Dass heute in unserer Stadt an den Furor des Krieges gedacht würde, konnte man trotz unserer  polnischen Partnerstadt Bielawa nicht erwarten, und es passiert auch nicht. Das provinzielle Nichtbeachten dieses weltgeschichtlichen Datums (hier die Lingener Veranstaltungen an diesem 1.9.)  ist eine Form der Erinnerungsarbeit, über die ich nur den Kopf schütteln kann.

Ich bin zwar kein Kirchgänger, aber es interessiert mich schon, ob und inwieweit das Gedenken an den 1. September 1939 und der Antikriegstag 2019 Eingang in die zahlreichen Sonntagspredigten in unserer Region gefunden haben.


Foto: Wielun am 1. September 1939 Public domain

 

Städtepartnerschaften

29. September 2017

Jede -öffentliche wie nichtöffentliche- Ratssitzung endet mit dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen. Gestern habe ich im Lingener Rat unter diesem Top das Wort ergriffen, weil mich der zunehmende Nationalismus umtreibt. Meine Rede zum Nachlesen:

„(Anrede)
ich melde mich mit einer Anregung. …
Gestatten Sie mir, dass ich ein klein wenig aushole. Es geht um unsere Städtepartnerschaften. Dazu möchte ich zuerst unterstreichen, dass es seit der ersten Städtepartnerschaft im Jahre 1981 mit der englischen Stadt Burton-upon-Trent inzwischen fünf Städtepartnerschaften und –freundschaften gibt.
Nach Burton-upon-Trent bzw. East Staffordshire sind dies
seit 1993 das polnische Bielawa bzw. Langenbielau (Niederschlesien),
dann nach Jahren guter und effektiver Zusammenarbeit seit 1996 offiziell Marienberg (Sachsen), Salt (Katalonien, Spanien), seit 1998 und in Frankreich Elbeuf (Normandie), seit 12 Jahren, also seit 2004. Man sollte auch nicht das kleine ukrainische Juskowzy vergessen, mit dem wir allerdings keine formelle Partnerschaft haben.

Ich weiß nicht, wie Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, es empfinden. Aber ich habe in den vergangenen Jahren zunehmend den Eindruck gewonnen, dass es immer mehr Rituale sind, die diese Städtepartnerschaften ausmachen. Es gibt wenig Neues bzw. wenig neue Begegnungen. Es gibt zu wenig Austausch.

Bei dem insgesamt guten Besuch des Rates in Bielawa vor zwei Monaten ist das sehr greifbar geworden. Ein wirklicher Meinungsaustausch hat leider nicht stattgefunden. Wir haben bereits in der letzten Ratssitzung darüber gesprochen, wie wir das aufnehmen.

Dies vorausgeschickt ergibt sich jenseits der Partnerschaftsrituale Handlungsbedarf, um sich intensiver kulturell und wirtschaftlich auszutauschen. Unsere kommunalen Partnerschaften sollten als Plattform genutzt werden, um Demokratisierungsprozesse, das Eintreten für Toleranz und Menschenrechte, für kulturelle Vielfalt und europäisches Denken und Handeln zu unterstützen.

Ich rege dazu an, in den Gremien des Rates offen zu diskutieren, wie sich dies trotz der Rituale verwirklichen lässt. Der Grund für meinen Vorschlag ist die Entwicklung in letzter Zeit, die uns allen bekannt geworden ist:

In Salt gibt es einen zunehmenden Nationalismus, mit dem die Kommune die Bewegung für ein eigenes Katalonien unterstützt.
In Burton-upon-Trent bzw. East Staffordshire haben im Frühjahr 2017 mehr als 60% der Abstimmungsberechtigten für den Brexit gestimmt, also auch für eine antieuropäische, nationalistische Position.
In Bielawa hat die nationalistische PiS-Partei maßgeblichen Einfluss und den Bürgermeister gewählt.. Sie entzog sich sogar –sagen wir –“protokollarischen Treffen“ mit uns „wegen unaufschiebbarer Termine“.
Und schließlich haben am vergangenen Wochenende bei den Bundestagswahlen in der Partnerstadt Marienberg 30 % der Wählerinnen und Wähler für die rechte, nationalistische AfD gestimmt.

All diese nationalistischen Entwicklungen machen Grund zur Sorge. Denn es war der Nationalismus in Europa, der in unserem Kontinent Jahrhunderte Krieg und Elend schuf. Wem es also um den Frieden in Eruopa geht, der muss gegen Nationalismus aufstehen. Das gilt auch für uns als Kommune.

Meine Bitte ist, offen und ehrlich ein Fazit von fast 40 Jahren Städtepartnerschaften zu ziehen und darüber hier im Rat sowie außerhalb in den Parteien und Gruppen zu diskutieren, wie wir weitermachen, was wir ändern und was wir neu und besser machen müssen, um „Europe first“ auf eine Weise zu befördern, die uns einander annähern lässt, anstelle uns voneinander wegzubewegen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

Bielawa (Polen)

24. Juli 2017

In dieser Woche fährt der Rat unserer Stadt Lingen (Ems) in die polnische Partnerstadt Bielawa. Es wird noch darüber zu sprechen und zu schreiben sein, warum die amtierende polnische Regierung gerade die Gewaltenteilung untergräbt, und dass diese Politik ein Anschlag auf die Europäischen Prinzipien, also völlig inakzeptabel ist. Daher muss ihr klug, nachhaltig und entschlossen Widerstand entgegengesetzt werden, um unsere Europäischen Ideale zu verteidigen. Auch durch die Ratsmitglieder, die nach Polen fahren.

Europäisch

26. September 2011

Heute am 26. September wird der  Europäische Tag der  Sprachen begangen. Jedes Jahr werden an diesem Tag in Europa die vielen Sprachen ins Rampenlicht gestellt, die auf unserem Erdteil erklingen. Seit 2001 bezeugt der jährliche Europäische Tag der Sprachen unser reiches sprachliches Erbe und regt die Menschen ganz europäisch an, neue Sprachen zu lernen.

Apropos neu. Die Stadt Lingen (Ems) hat seit einigen Tagen eine neu gestaltete Internetseite. Ich finde die Neuauflage farblich ansprechender, aber inhaltlich unübersichtlicher als die alte. Viele alte Dateien sind außerdem im Internetnirvana verschwunden. Was mich besonders ärgert: Die Seite gibt es nur in deutscher Sprache. Bielawa, East Staffordshire, Elbeuf sur Seine, Salt und das sächsische Marienberg sind unsere europäischen Partnerstädte. Trotzdem gibt es keine Informationen in Polnisch, Englisch, Französisch, Katalanisch, Spanisch und die niederländischen Nachbarn gehen auch leer aus. Ich weiß nicht, wie Sie dies finden, ich finde es nicht nur am Europäischen Tag der Sprachen  peinlich.

Bielawa

20. Juni 2011

Da entwickelt sich mitten im Strukturwandel Mutiges in Lingens polnischer Partnerstadt Bielawa, dem früheren Langenbielau. Das Verwaltungsgebäude der ehemaligen Textilfabrik „Bielbaw“  wird jetzt mit einem Aufwand von knapp 5 Mio Euro zu einem kreativen Ort für Künstler, Grafiker, Fotografen und Filmemacher umgebaut: „Inkubatora Art-Przedsiębiorczośc“. Ich glaube, dass die Textilfabrik bis 1945 zur Chr. Dierig AG gehört hat, also zur geschichtsträchtigen (mehr…) größten Textilfabrik im damaligen Deutschland (Foto re: © Pudelek (Marcin Szala) CC)

Auch die neue Waldschule in Bielawa („Szkoła Leśna„) ist ein weiteres Vorzeigeprojekt der schlesischen 30.000-Einwohner-Stadt, mit der Lingen seit dem 19. März 1993 eine Städtepartnerschaft verbindet. Diese gehört natürlich in den größeren Kontext  der deutsch-polnischen Beziehungen.

Deren Bedeutung für die Entwicklung der Europäischen Union betonte jetzt Polens Staatspräsident Bronislaw Komorowski  in Berlin. In seiner ‚Berliner Rede‚ bezeichnete er den Nachbarschaftsvertrag, den Polen und Deutschland vor 20 Jahren am 17. Juni 1991 geschlossen hatten, als ‚Fundament für das neue Europa‘, das sich nach dem politischen Umbruch in Osteuropa entwickelt habe. Komorowski verwies auf die historischen Erfahrungen der beiden Nachbarländer und stellte mit Blick auf den europäischen Einigungsprozess fest: ‚Es gibt keine europäische Integration ohne Aussöhnung.‘ Recht hat er und ich frage mich, ob wir dafür -ungeachtet aller ritualisiserten Besuche- eigentlich genug tun.