Schutzauftrag

19. November 2016

vgmuensterKlare Kante gegen alle, die den 7. Tag in der Woche mit aller kommerziellen Macht zum Tralala-Tag machen wollen, zeigt jetzt das Verwaltungsgericht Münster (Foto lks). Die Richter der 1. Kammer unter dem Vorsitz des VG-Präsidenten Manfred Koopmann bestätigten vorläufig das von der Bezirksregierung Münster an die Firma „flaschenpost GmbH“ gerichtete Verbot vorläufig bestätigt, an Sonn- und Feiertagen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit der Auslieferung von Getränken zu beschäftigen.

Die „flaschenpost GmbH“ (Slogan: Getränkelieferung in 90 Minuten) war gegen das Verbot vor Gericht gezogen. Sie betreibt in Münster einen Lieferservice für Getränke jeder Art. Bestellt werden können einzelne Flaschen bis zu einer großen Anzahl an Getränkekisten. Die Bestellung erfolgt dabei ausschließlich über die Internetseite der Firma, die kein Ladenlokal oder eine andere Verkaufsstelle unterhält, sondern lediglich ein Lager. Die flaschenpost-Kunden wurden bisher sowohl an Werktagen als auch an Sonn- und Feiertagen beliefert. Mit einer Ordnungsverfügung vom 7. November 2016 untersagte dann mit sofortiger Wirkung die Bezirksregierung Münster der Antragstellerin die Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit der Auslieferung von Getränken an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen.

flaschenpostHiergegen erhob die Klägerin Klage vor dem Verwaltungsgericht Münster und beantragte außerdem, die Anordnung vorläufig zu stoppen. Diesen Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes lehnte das Münsteraner Verwaltungsgericht gestern ab. In den Gründen des Beschlusses heißt es nach einer Presseerklärung des Gerichts unter anderem:

Die Untersagung der Sonn- und Feiertagsarbeit sei offensichtlich rechtmäßig. Nach dem Arbeitszeitgesetz könne die Bezirksregierung als zuständige Aufsichtsbehörde die erforderlichen Maßnahmen anordnen, die die Antragstellerin als Arbeitgeberin zur Erfüllung der sich aus diesem Gesetz ergebenden Pflichten zu treffen habe. Eine dieser Pflichten sei es, zu beachten, dass Arbeitnehmer an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr nicht beschäftigt werden dürften. Dieses Verbot verwirkliche den gesetzlichen Zweck, den Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung der Arbeitnehmer zu schützen.

Hinter dem Beschäftigungsverbot stehe der verfassungsrechtliche Schutzauftrag an den Gesetzgeber, dass grundsätzlich die typische „werktätige Geschäftigkeit“ an Sonn- und Feiertagen zu ruhen habe. Wie das Bundesverfassungsgericht ausdrücklich festgestellt habe, sei dieser Schutz nicht auf einen religiösen oder weltanschaulichen Sinngehalt der Sonn- und Feiertage beschränkt. Die Regelung ziele in der säkularisierten Gesellschafts- und Staatsordnung auch auf die Verfolgung profaner Ziele wie die der persönlichen Ruhe, Besinnung, Erholung und Zerstreuung.

An den Sonn- und Feiertagen solle grundsätzlich die Geschäftstätigkeit in Form der Erwerbsarbeit, insbesondere der Verrichtung abhängiger Arbeit, ruhen, damit der Einzelne diese Tage allein oder in Gemeinschaft mit anderen ungehindert von werktäglichen Verpflichtungen und Beanspruchungen nutzen könne.

Diese Möglichkeit seelischer Erhebung solle allen Menschen unbeschadet einer religiösen Bindung zuteilwerden. Demgegenüber könne sich die Antragstellerin nicht auf die gesetzliche Ausnahmeregelung berufen, wonach in Gaststätten und anderen Einrichtungen zur Bewirtung und Beherbergung Arbeitnehmer an Sonn- und Feiertagen beschäftigt werden dürften.

Denn bei der Antragstellerin handele es sich nicht um eine Gaststätte oder eine andere Einrichtung zur Bewirtung. Ihre Produkte unterschieden sich vielmehr nicht von sonstigen Produkten des Einzelhandels wie z. B. des Lebensmittelhandels, nach denen auch am Wochenende aus welchen Gründen auch immer ein spontanes Bedürfnis entstehen könne.

Die gesetzliche Ausnahmeregelung diene aber nicht dazu, dem Einzelhandel, zu dem auch der Getränkeeinzelhandel gehöre, die Sonntagsarbeit zu erlauben, auch wenn seitens der Konsumenten eine entsprechende Nachfrage bestehe. Unabhängig hiervon könne sich die Antragstellerin auch deswegen nicht auf die Ausnahmeregelung berufen, weil die Arbeiten auch an Werktagen vorgenommen werden könnten.

Es sei für die Kunden der Antragstellerin ohne weiteres zumutbar, ihre Getränkeeinkäufe, so wie andere Einkäufe auch, werktags zu tätigen. Das bloße wirtschaftliche Umsatzinteresse der Antragstellerin und das alltägliche Erwerbsinteresse („Shopping-Interesse“) ihrer Kunden genügten grundsätzlich nicht, um Ausnahmen von dem verfassungsunmittelbar verankerten Schutz der Arbeitsruhe und der Möglichkeit zu seelischer Erhebung an Sonn- und Feiertagen zu rechtfertigen.

Der Beschluss vom 18.11.2016 ist nicht rechtskräftig. Gegen ihn kann das Unternehmen noch Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen eingelegt werden. Die Beschlussgründe werden in Kürze in der Rechtsprechungsdatenbank www.nrwe.de veröffentlicht. (Az.: 1 L 1701/16)

Das Unternehmen, das über 60.000 treue Kunden in Münster für sich reklamiert, reagierte noch am Freitag so: „Wir lassen uns die gute Laune nicht verderben und liefern nun eben von Montag bis Samstag bei Bestellung von 9 bis 21 Uhr innerhalb von 90 Minuten!“

konstantinIch finde die Entscheidung gut und richtig, dass in all‘ dem überdrehten Deregulierungsgerede noch Grundsätze praktiziert werden – zuvörderst die, die unser Gemeinwesen prägen. Zum Beispiel an § 9 Arbeitszeitgesetz, nach dem  Arbeitnehmer grundsätzlich an Sonn- und Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden. Das gilt auch in Lingen, wo inzwischen die Stadtverwaltung mit ihrem Ableger LWT ohne jede politische Verantwortung die sog. „verkaufsoffenen Sonntage“ beschließen

Übrigens gebot schon Kaiser Konstantin der Große (306–337, lks) die Sonntagsruhe, von dem hier ganz zu schweigen. Und wer es etwas direkter haben möchte: Das sagte das Bundesverfassungsgericht zur Sonntagsruhe. Sie sollte uns sehr wichtig sein.

(Fotos: Verwaltungsgericht Münster – CC BY 2.5; Konstantin der Große, Statue in den Kapitolinischen Museen Rom, Jean-Pol Grandmont CC BY-SA 3.0)

Rund 400 Teilnehmer nahmen heute Abend an dem Friedensgebet teil, das vom Forum Juden Christen im Kulturforum St. Michael organisiert und von christlichen, jüdischen und muslimischen Geistlichen getragen wurde; musikalisch wurden die insgesamt sechs Gebete von Joachim Diedrichs, Maria Tillmann-Bürger und Steffi Heider umrahmt. Das Fazit: Die Teilnehmerzahl spricht sicherlich für die Veranstaltung, mehr aber noch für die Gesellschaft unserer Stadt. 

Der Vorsitzende des Forums, Dr. Heribert Lange, eröffnete das Gebet mit diesen Worten:

Friedensgebet„Erlauben Sie mir, Sie alle, die unserer Einladung zum gemeinsamen Friedensgebet hier im Kulturforum der Stadt Lingen gefolgt sind, herzlich zu begrüßen und ebenso herzlich willkommen zu heißen.

Wir: Das sind das Forum Juden Christen im Altkreis Lingen, die christlichen Kirchen Lingens mit den Pastoren Thomas Burke und Dieter Grimmsmann, die Jüdische Gemeinde Osnabrück mit ihrem Gemeindevorsteher Michael Grünberg und die Moscheegemeinde der Sultan Achmed Moschee Nordhorn mit ihrem Imam Fedai Ar.

Ich freue mich sehr, dass Sie so zahlreich gekommen sind, um heute mitzutun bei unserem gemeinsamen Vorhaben, für den Frieden in unserem Land und den Frieden unter den Menschen und für den Frieden überall in der Welt zu beten. Wir wollen damit zugleich ein Zeichen setzen: Ein Zeichen gegen Terror, Krieg, Mord, Gewalt und Intoleranz. Denn der Gott Abrahams, den wir alle hier, wenn auch jeder auf seine Weise, als den Gott unserer Religionen anerkennen und an den wir glauben, hat seinem Volk ausdrücklich den Frieden aufgetragen: den Frieden, der von der Achtung der Menschen voreinander ausgeht.

Aus dem Koran kennen wir den Satz: „Niemand von Euch hat den Glauben erlangt, wenn er nicht für seine Brüder liebt, was er für sich selbst liebt.“ Und aus der Thora, dem 3. Buch Mose und der christlichen Bibel, dem Evangelium des Matthäus kennen wir die wortgleichen Sätze: „Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst!“

Krieg, Terror, Gewalt, aber auch die Mißachtung oder gar Ächtung von Menschen, ihrer Kulturen und ihrer Lebensweisen, können darum vor dem Gott Abrahams weder Gefallen noch Rechtfertigung finden.

Dem Glauben an die Friedensidee und dem Auftrag der Friedensstiftung fühlen wir alle uns hier verpflichtet, und sind heute zusammengekommen, um diesen Glauben gemeinsam zu bekennen, uns im Vertrauen darauf zu begegnen und Gemeinsamkeit und Gemeinschaft zu erleben und zusammenzustehen, und für ein friedliches Zusammenleben mit allen Menschen Zeichen zu setzen und Beispiel zu geben.

Sie sind eingeladen, nun den Texten aus den heiligen Schriften, der Musik und den Gebeten zu folgen, die unsere Friedenswünsche und unseren Friedenswillen vor Gott tragen und den Menschen nahebringen sollen.

Salam aleikum, Pax vobis, Shalom!“      

 

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