Attac

18. März 2019

Fefe (Felix von Leitner) analysiert in seinem Blog: „Nach dem Attac-Urteil hat jetzt die NGO campact eine Rundmail geschrieben, dass sie davon ausgehen, auch bald die Gemeinnützigkeit aberkannt zu bekommen.

Auf der einen Seite kann man sich fragen, wieso eine politische Pressure Group wie Attac oder campact überhaupt jemals als gemeinnützig galt. Wenn die gemeinnützig sind, müsste man dann nicht auch irgendwelche Industrie-Lobbyisten als gemeinnützig anerkennen?

Auf der anderen Seite ist das halt die Organisationsform der Linken. Die Rechten haben die Bertelsmann-Stiftung und Think Tanks und von der Industrie finanzierte Lobbyisten. Die sind für ihre Wirkmacht nicht auf Gemeinnützigkeit angewiesen.

Insofern habe ich den Eindruck, dass das nicht gut und nicht gerecht ist. Und das obwohl ich wenig bis gar keinen Respekt für Online-Petitionen habe.

Stellt sich die Frage, wie man das in Zukunft organisieren kann. Das ist eine gesellschaftliche Debatte, die ich für gut und wichtig (und überfällig) halte.

Update: Ein (Blog-)Leser weist darauf hin, dass die Bertelsmann-Stiftung und die INSM gemeinnützig sind (und viele andere Lobby-Gesellschaften). Nachzulesen ist sowas häufig auf Lobbypedia. Dass die Atlantik-Brücke gemeinnützig ist, hatte ich ja schon bei der Meldung zum Attac-Urteil im Blog. Ein Leser meinte, dass auch Uniter als gemeinnützig gilt.“

Bei uns  in Lingen (Ems) ist der kleine Verein für das Rosemeyer-Museum gemeinnützig. Offiziell hat das Finanzamt Lingen anerkannt, dass die Erinnerungsstätte für das ehemalige SS-Mitglied Rosemeyer „Kunst und Kultur“ fördert.

prekär

19. Mai 2015

Bremen-TeneverDie taz titelt in ihrer Nachlese zur Bremen-Wahl vor einer Woche: „Orte der sozialen Spaltung – Wo die Nichtwähler wohnen“ und beschreibteine Entwicklung, die unsere Demokratie bedroht. Das Nichtwählen.

„Ein grell-oranger Zettel ist in Tenever [Foto oben] der letzte sichtbare Hinweis auf die Wahl. „Hier geht es zum Wahllokal“, steht da – darunter ein Wort mit 17 Ausrufezeichen: „Hingehen“. Viel gebracht hat’s nicht: Mit 31,8 Prozent hat das Hochhausquartier am Stadtrand die niedrigste Beteiligung in Bremen.

Die Bertelsmann-Stiftung hat bereits nach der Bundestagswahl 2013 konstatiert: Je prekärer die Lebensverhältnisse, desto weniger wird gewählt. In Tenever sind 21,3 Prozent der Menschen arbeitslos, fast 70 Prozent haben Migrationshintergrund. Die seit Freitag vorliegende Anschlussuntersuchung zur Bremen-Wahl bestätigt dieses Bild – die Schere hat sich sogar noch weiter geöffnet. „Deutschland ist längst eine sozial gespaltene Demokratie“, sagt Robert Vehrkamp, der die Studie durchgeführt hat.

In Tenever ist die Situation sogar noch drastischer als die Zahlen angeben. Denn…“

[weiter bei der taz]

Vor einigen Monaten habe ich im Magazin Cicero gelesen, Nichtwählen sei ein „Indiz für Desintegrationsprozesse in einer demokratischen Gesellschaft, ein Indiz für den bröckelnden politischen Zusammenhalt und damit letztendlich doch eine Gefahr für die Demokratie. Die Nichtwählerversteher und die Nichtwählerapologeten, die leichtfertig die Nichtwahl zum Zeitgeist erheben, nehmen dies fahrlässig oder sogar vorsätzlich in Kauf.“

Das stimmt zwanglos, und ich denke dabei nicht nur an Bremen sondern auch an unser Städtchen und seine Bereiche, in denen (fast) nicht gewählt wird. Exemplarisch dafür sind die Wohnbezirke Goosmanns Tannen (ehem. Neue Heimat) oder auch der Bereich östlich der Kaiserstraße. Denn dort sind die Lebensverhältnisse für viele Menschen prekär und eben dort liegt die Wahlbeteiligung (ohne Briefwahl) traditionell mehr als niedrig: Bei der letzten Kommunalwahl bspw. bei rund 24 % (!). Ein Schelm, wer denkt, dass dies der Grund dafür sein könnte, dass für diese Quartiere keine Kommunalpolitik stattfindet…

(Foto: Bremen-Tenever Jürgen Howaldt CC Attribution-Share Alike 3.0 Germany license).

www.weisse-liste.de

20. Dezember 2014

„Wie finde ich den besten Pflegedienst in meiner Nähe? Wo befindet sich die Klinik, die sich am besten um meine Krankheit kümmern kann?“ Antworten auf diese Fragen gibt es jetzt im Internetportal „Weiße Liste“, das der Sozialverband Deutschland (SoVD) mit weiteren Partnern wie etwa der Verbraucherzentrale und der Bertelsmann Stiftung ins Leben gerufen hat.

Als einziges Portal zeigt die Weiße Liste Nutzern nur die Pflegedienste an, die ihren Wohnort auch tatsächlich anfahren. Außerdem kann man auf www.weisse-liste.de ermitteln, welche Dienste spezielle Angebote für Demenzkranke bereithalten oder bei welchen Intensivpflegediensten es noch freie Plätze gibt. Mit dem praktischen Pflegeplaner können Angehörige außerdem eine individuelle Wochenübersicht erstellen.

 „Das Portal ist für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen besonders wichtig, weil sie sich so auf Basis guter Informationen mit den in Frage kommenden Pflegediensten über die Hilfen austauschen können“, sagt dazu Adolf Bauer, Vorsitzender des SoVD-Landesverbandes Niedersachsen e.V.

Auch bei der Arzt- und Krankenhaussuche bietet die Weiße Liste praktische Unterstützung: Der Diagnosen-Dolmetscher erklärt und übersetzt medizinische Fachbegriffe, und mit der Checkliste für den Krankenhausaufenthalt können sich Patienten gezielt auf die Zeit in der Klinik vorbereiten.

Dynamik

20. Februar 2012

Noch ein vorderer Platz für das Emsland in einer bundesweiten Statistik. Ganz so dynamisch wie der andere Platz 4 ist der aber nicht. Eher schlimm. Denn „niedersachsenweit werden im Emsland die meisten Antibiotika für Kinder und Jugendliche verschrieben. Das geht aus einer Studie der Universität Bremen für die Bertelsmann-Stiftung hervor. Demnach haben im Jahr 2010 mehr als die Hälfte aller Emsländer bis 17 Jahre Antibiotika bekommen. Bei den Kindern bis sechs Jahre sind es sogar 67 Prozent. Das Emsland rangiert damit bundesweit unter 412 untersuchten Landkreisen auf Platz fünf, bei den Babys und den Kindern bis sechs Jahre sogar auf dem vierten Platz.

Der Landkreis Emsland äußerte sich zurückhaltend zu den Ergebnissen. Man habe die Studie zur Kenntnis genommen. Das Gesundheitsamt des Kreises wolle sich ab heute mit Ärzten und Experten in Verbindung setzen, um über mögliche Reaktionen zu beraten. Auch die Landesärztekammer will sich erst nach intensiver Lektüre der Studie äußern.

Die Studie der Bertelsmann-Stiftung liefert keine inhaltliche Begründung für die großen regionalen Unterschiede. „Die Erklärung scheint zu sein, dass Antibiotika häufiger Kindern verordnet werden, wo weniger Kinderärzte niedergelassen sind“, …

weiter auf der Seite des NDR

Hier geht es zur Bertelsmann-StudieWeitere Medieninformationen über den negativen emsländischen Zustand gibt es bislang (19.2.12, 2.00 Uhr) nicht. Auch das ist bezeichnend für unseren Landkreis. Kritisches stört eben; denn die Verantwortlichen empfinden es erst einmal nicht als hilfreich, auf Defizite hingewiesen zu werden.

 

(Quelle: NDR, Foto © CitroenAZU flickr CC)

Viel

6. November 2011

Das finde ich interessant, was ich da  auf der NDR-Seite gefunden habe. Ich lese:

„Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Darin sind sich die meisten Experten einig. Was viele nicht wissen: Es gibt große regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Je nachdem wo man lebt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man auf dem OP-Tisch landet. Viel operiert wird offenbar im Emsland. Das zeigt der Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann-Stiftung.

Menschen aus dem Landkreis Emsland und der Grafschaft Bentheim scheinen sich besonders häufig Operationen unterziehen zu müssen. Gebärmutterentfernung, Blinddarm- und Mandeloperationen – das Emsland ist hier in der Statistik oft weit vorne. Auch im Krankenhaus Ludmillenstift…“

weiter auf der Internetseits des NDR

Bei genauerem Hinsehen erfahren wir:
Im Emsland (Faktor 1,63 facher Durchschnitt)  werden statistisch drei Mal mehr Gebärmuttern bei Frauen entfernt als in Heidelberg (0,49 facher Durchschnitt). Überhaupt fällt die OP-Häufigkeit bei den Frauen, die in den (größeren) Städten leben, eher durchschnittlich oder unterdurchschnittlich aus.  Untersuchungen zeigen schon länger, dass ein erheblicher Teil der Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) ohne ausreichende Indikationsstellung erfolgt und allein schon öffentliche Informationskampagnen über regionale Hysterektomiehäufigkeiten und die OP-Notwendigkeit zu deutlich rückläufigen Operationszahlen führen können. Offenbar wird eben bislang im Emsland  die Indikation für eine Hysterektomie nach wie vor „großzügiger“ (Bertelsmann-Stiftung)  gestellt als anderswo. Verstärkt diskutieren Fachleute derweil, welche Indikationen zur Hysterektomie unstrittig sind und bei welchen – auch auf Grund einer Weiterentwicklung der Behandlungsverfahren – Entscheidungsspielräume bei Patientinnen und / oder Ärzten vorhanden sind, die eine Vermeidung der Gebärmutterentfernung möglich machen.

Ähnlich hoch über dem Bundesdurchschnitt (Faktor 1,64) ist die Zahl bei Bypassoperationen. Guckst Du hier. 

Ist also die Schlussfolgerung falsch, dass die emsländischen Ärzte noch viel dazulernen und ihnen dabei informierte Patienten ein gutes Stück helfen können? Das empfiehlt jedenfalls der Faktencheck:

von gestern

25. Juni 2009

Kinder_willkommen„Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wiederholt gebetsmühlenartig, Bildung sei die Zukunft unseres Landes, lässt dem aber keine Taten folgen. Das Zukunftsland Niedersachsen existiert nur in der Phantasie der niedersächsischen CDU“, kritisierte Stefanie Henneke, niedersächsische Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, am Donnerstag (heute) in Hannover. Bei der frühkindlichen Bildung ist Niedersachsen Schlusslicht, wie der ‚Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2009‚ der Bertelsmann Stiftung darlegt.

„Mit einem Betreuungsangebot für nur 9,2 Prozent aller Kinder unter 3 Jahren liegt Niedersachsen weit unter dem westdeutschen Durchschnitt von 12,2 Prozent und Lichtjahre vom Ziel entfernt, in 2013 den Rechtsanspruch für jedes Kind umsetzen zu können“, stellte Henneke fest. Der Vergleich mit unserem Nachbarland Sachsen-Anhalt zeige, dass ein solcher Rechtsanspruch der richtige Weg sei, möglichst allen Kindern gleiche Chancen von Anfang an zu bieten. Dort besuchten 65 Prozent der einjährigen Kinder entsprechende Betreuungsangebote, während die Zahl in Niedersachsen mit 7 Prozent beschämend gering sei. „Die Verlautbarungen der Landesregierung zum Ausbau der Kinderbetreuung sind nichts als hohle Worte. Der Beschluss, die Gebührenfreiheit nicht realisieren zu wollen, macht klar: Chancengleichheit bei frühkindlicher Bildung wird vom Jungvater Wulff offensichtlich unter ferner liefen verbucht“, so die Landesvorsitzende.

Nicht nur bei der Quantität, auch bei der Qualität ist Niedersachsen Schlusslicht. Im Vergleich zum westdeutschen Durchschnitt mit 1.400 EUR (im Osten sind es sogar über 2.200 EUR) werden hierzulande pro Kind unter zehn Jahren nur knapp 1.100 Euro investiert. Die Studie bestätigt, dass der Betreuungsschlüssel ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist. „Es ist völlig unverständlich, dass sich Landesregierung und Große Koalition in Berlin auf Investitionen in Beton beschränken, denn tatsächlich brauchen wir wesentlich mehr Geld für Personal in der Kinderbetreuung. Während die OECD uns mehr als 5 Millionen Arbeitslose prognostiziert, verschenken wir ein enormes Potenzial. Hier müssen Arbeitsplätze geschaffen werden, die sich doppelt auszahlen: Mehr Beschäftigung auf der einen Seite und qualitative wie quantitative Verbesserungen bei der frühkindlichen Bildung auf der anderen Seite“, forderte Henneke.

In Niedersachsen werden von Land und Kommunen für Betreuungsangebote weniger als halb so viel Geld pro Kind aufgewendet wie z.B. in Sachsen. Auch die Personalstandards in den Kindertagesstätten  liegen mit einem Personalschlüssel (eine Erzieherin für 7,5 Kinder in den Krippen und für 12,5 Kinder in den Kindergärten) lweit hinter den internationalen Empfehlungen

 

Foto: Rainer Sturm, pixelio