Schönes Lünne 3

26. Januar 2011

Fünf große Investmentgruppen in den USA haben  ExxonMobil, Chevron, Ultra Petroleum, El Paso, Cabot Oil & Gas, Southwestern Energy, Energen, Anadarko und Carrizo Oil & Gas aufgefordert, ihren Umgang mit den Risiken bei der Gasförderung mittels der umstrittenen Fracking-Methode offen zu legen.

Neben den Umweltrisiken stehen die finanziellen Risiken im Fokus der Investment Unternehmen. Sie fordern, das Fracking Wasser stärker recycelt wird, die Anzahl und Toxitität der Stoffe reduziert wird und die Zementummantelungen an Bohrlöchern bessert kontrolliert und getestet wird.

Oil and gas firms are being too vague about how they will manage the environmental challenges resulting from fracking,” said comptroller Thomas DiNapoli. “The risks associated with unconventional shale gas extraction have the potential to negatively impact shareholder value.”

“Öl- und Gasfirmen sind zu unklar, wie sie mit den Umweltherausforderungen durch Fracking umgehen wollen“, sagte Wirtschaftsprüfer Thomas DiNapoli. „Die Risiken, die mit unkonventioneller Gasförderung verbunden sind, können nämlich den Unternehmenswert sehr negativ beeinflussen.”

“Poor well construction can lead to drinking water contamination, well blowouts and gas leaks, the sponsors [die Investment Unternehmen] said.”

“Schlecht konstruierte Bohrungen können zu Trinkwasser Kontaminierung, Bohrlochausbrüchen und Gaslecks führen“, heißt es von den Investmentfirmen. (mehr…)

Mit ihren Aussagen sind die Investoren deutlich weiter als die Förderfirmen mit ihrem „Machen-wir-Optimismus“. Möglich scheint, dass die deutlich werdenden Bedenken der Finanziers zu Änderungen in den Verfahren führt. Auch das Aktienrecht versteht bekanntlich keinen Spaß, wenn Unternehmen Risiken leichtfertig verharmlosen. In den USA hatte es bei dem dort weit verbreiteten Fracking bereits erhebliche Probleme gegeben. Der im vergangenen Jahr  von Josh Fox gedrehte und vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm Gasland (Trailer unten) dokumentierte die Auswirken der US-Fracking-Methode. Der Streifen zeigt unter anderem, dass die Konzentration des Gases in den betroffenen Wasserleitungen so hoch ist, dass sich das Wasser aus dem Wasserhahn mit einem Feuerzeug entzünden lässt. Die Löslichkeit von Gasen ist über den umgebenden Druck begrenzt. Die möglichen gesundheitlichen Folgen durch mit Erdgas kontaminiertes Trinkwasser sind bislang nicht umfassend untersucht.

In Deutschland  soll allerdings die Fracking-Methode in wesentlich tieferen Gesteinsschichten angewendet werden als in den USA. Im zu Lingen benachbarten Lünne läuft dazu eine Exxon-Mobile-Probebohrung seit knapp zwei Wochen.

Das finden bekanntlich die Lünner in ihrer Mehrzahl gar nicht gut. Inzwischen kommen dort zu den Versammlungen der Interessengemeinschaft (IG)  „Schönes Lünne“ wöchentlich rund 80 Fracking-Gegner, und in nur zwei Wochen hat die BI inzwischen 700 Unterschriften gegen das ExxonMobile-Projekt im südlichen Emsland gesammelt. Zum Vergleich: Übertragen auf  die Stadt Lingen (Ems) bedeutete dies, es kämen zu den Treffen der Bürgerinitiative wöchentlich rund 2200 Lingener und die BI hätte rund 20.000 Protestunterschriften gesammelt. Angesichts der geologischen Verhältnisse kann man die großen Sorgen in Lünne vor dem, was kommt, durchaus nachvollziehen.

Mit Blick auf den von ExxonMobile angekündigten Runden Tisch beschloss am Dienstag die  IG „Schönes Lünne“, sie würde „gern von ExxonMobil selbst und nicht aus der Presse über einen möglichen Runden Tisch und seine Inhalte sowie Rechte erfahren. Die Interessengemeinschaft erwartet von ExxonMobil Maßnahmen, um Vertrauen aufzubauen. Eine erste Maßnahme wäre, keine Horizontalbohrung zur Suche und/oder Förderung von unkonventionellem Gas in Lünne durchzuführen, solange Gespräche geführt werden.“ Eine Horizontalbohrung kann nämlich für Probe-Fracking genutzt werden.

Trotz (oder wegen?) des zunehmenden öffentlichen Protestes bleibt bislang die Rolle unklar, die der Bürgermeister der Samtgemeinde Spelle, Bernhard Hummeldorf (CDU), im Vorfeld der jetzigen Bohrungen eingenommen hat. Lünne zählt zur Samtgemeinde. Jetzt will der Kommunalpolitiker zwar „an der Seite“ der IG stehen. Aber ihm war der Satz zugesprochen worden, er freue sich bereits auf 18 Bohrtürme  (wohl eher auf die damit verbundenen Steuereinnahmen, denke ich). Hummeldorf hatte die Authentizität der Aussage allerdings öffentlich bestritten. IG und der Gemeinderat von Lünne haben derweil beschlossen, am 17. Februar eine öffentliche Bürgerversammlung durchzuführen.

Quelle: Jörn Krüger auf unkonventionelle Gasförderung
Quelle:  environmentalleader.

Schönes Lünne 2

12. Januar 2011

Am kommenden Montag, 17. Januar beginnt die ExxonMobil-Bohrung in Lünne. Die Kosten liegen bei 1,8 bis zwei Millionen Euro, weiß die LT. Sie zitiert auch, dass Samtgemeinde-Bürgermeister Bernhard Hummeldorf (CDU) zu der Darstellung „Quatsch“ sagt, er freue sich schon über 18 Bohrtürme in seiner Gemeinde. Hummeldorf will vielmehr, so zitiert ihn die LT, weitere Gutachten, „wenn es nur den geringsten Zweifel gibt“. Man wird den CDU-Mann seitens ExxonMobil und Bergamt im Zweifel aber nicht groß fragen; denn genehmigt wird nach Bergrecht. Das Bundesberggesetz sieht keine Bürgerbeteiligung vor; Gemeinden erhalten allenfalls eine Gelegenheit zur Stellungnahme.

In der öffentlichen Gemeinderatssitzung der Gemeinde Lünne am 14. Dezember 2010 ging es wie schon im vergangenen Jahr  um die Bohrung „Lünne 1“. Aber ExxonMobil spricht bereits, so Anwohner, von einer zweiten Bohrung „Lünne 2“, diesmal in horizontaler Richtung, sowie  davon, dass der asphaltierte Bohrplatz nicht sofort zurückgebaut werden soll, weil er für einen Probe-Fracing geeignet sei.  ExxonMobil hat Fragen von Anwohnern, ob weitere Planungen bestünden, ob eventuell doch gefördert und nicht nur testgebohrt werden solle verneint; denn es sei nicht bekannt, welche Ergebnisse die Bohrung lieferte. Allerdings hatte der Samtgemeindebürgermeister in dieser Sitzung keine Fragen zu den Planungsänderungen der Exxon, die die Bürger informieren würden. Lässt das nicht den Schluss zu, dass der Samtgemeindebürgermeister doch mehr weiß? Er hat die Lünner Einwohnern allerdings bislang nicht umfassend informiert und beispielsweise Akten und Schriftverkehr  zugänglich gemacht.

Die kritische  „Interessengemeinschaft Schönes Lünne“ trifft sich heute am 12. Januar  um 19.30 Uhr bei Familie Lögers, Ringstraße 6 in Lünne. Eingeladen sind alle interessierten Bürger.
Auf Antrag von SPD und UBS diskutiert auch der Rat der Samtgemeinde Spelle am 20. Januar um 18 Uhr das Gasbohren in Lünne.

Derweil geraten landesweit die betroffenen niedersächsischen Bergbehörden mit ihren öffentlichkeitsfernen Genehmigungsprozeduren zunehmend unter Druck, nachdem erst durch die Medien ein Unfall bei der Gasförderung durch Exxon bekannt geworden ist: Aus den Bohrungen Söhlingen Z 10 und Z 13 bis Z 17 im Landkreis Rotenburg (Wümme) wird seit 1995 Erdgas mithilfe der so genannten Fracking-Technik gefördert. Aus neun Lecks sind 2007 hochgiftige Stoffe wie Quecksilber, Benzol und Ethylbenzol in das Erdreich ausgetreten, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet hatte. Ein Sprecher des Landesamtes für Geologie, Energie und Bergbau  bestritt allerdings einen Zusammenhang der Boden und Grundwasserverschmutzung mit der Fracing-Methode. Mit dem Verfahren versuchen Förderbetriebe  in großer Tiefe mit hohem Wasserdruck und unter Zugabe von zum Teil gefährlichen Chemikalien Gesteinsformationen aufzubrechen und Erdgas herauszulösen.

Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Stefan Wenzel hat jetzt der schwarz-gelben Landesregierung vorgeworfen, Parlament und Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert zu haben. In der im November letzten Jahres erfolgten Unterrichtung des Umweltausschusses des Landtages über die Förderung von Gas habe sie verschwiegen, dass bereits seit den neunziger Jahren umfangreiche Versuche mit dem sogenannten Fracing-Verfahren im Gasfeld Söhlingen durchgeführt worden seien. Auch werde – anders als bisher behauptet – aus den Bohrungen Söhlingen Z 10 und Z 13 bis Z 17 ab 1995 Erdgas mit der so genannten  Fracking-Technik gefördert. Es sei unglaubwürdig, wenn die Bergbehörde jetzt erkläre, bei dem in Presseberichten benannten Unfall im Jahr 2007 habe lediglich Lagerwasser aus undichten Rohrleitungen das Erdreich verseucht. Der Grünen-Politiker forderte die Offenlegung aller Daten zu den Fracking-Versuchen in Söhlingen wie im übrigen Niedersachsen.

Die weitere Forderung Wenzels: Fracing-Bohrungen  dürften nicht weiter ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne jede Öffentlichkeitsbeteiligung durch das Nieders. Landesamt für Geologie, Energie und Bergbau (LBEG) genehmigt werden. Wenzel: „Die Bergbehörde als Genehmigungsinstanz und der Gasförderer ExxonMobil müssen nachweisen, wo die Fracing-Flüssigkeiten, die offenbar seit Mitte der neunziger Jahre in niedersächsischen Erdgasförderstätten verpresst wurden, im Untergrund geblieben sind.“ Entgegen den Beteuerungen von Betreibern und Behörden sei es nicht auszuschließen, dass die eingesetzten giftigen Flüssigkeiten ins Grundwasser gelangen und das Trinkwasser verseuchen.

Übrigens: Zwischen der ExxonMobil-Bohrung in Lünne und dem Wasserschutzgebiet um das Wasserwerk Mundersum des Wasserverbandes Lingener Land der Stadtwerke Lingen GmbH (Planskizze oben) liegen nur wenige Kilometer…