Brandstifter

12. September 2012

Zur Spezies der ganz besonderen Brandstifter zählt der in Kalifornien lebende, aktuell gerade untergetauchte Israeli Sam Bacile. Der 56jährige Mann hat einen – nicht nur handwerklich schlechten- Agitprop-Film über den Propheten Mohammed produziert. In dem Streifen, der vor einigen Monaten einmal in einem Kino in Los Angeles gezeigt wurde, von dem aber Ausschnitte bei Youtube zu sehen sind, wird Mohammed bei sexuellen Handlungen gezeigt und seine Rolle als Überbringer von Gottes Wort angezweifelt; außerem wird er in dem zweistündigen Film als Kinderschänder, Mörder und Betrüger dargestellt.

Es war absehbar und wohl geplant, dass das geschieht, was jetzt geschehen ist und geschieht: Das blasphemische Machwerk erzürnt Millionen Muslims. Die Botschaften und Konsulate der USA in Ägypten und Libyen werden attackiert. Das US-Konsulat in Bengasi wurde in der Nacht in Brand gesetzt und geplündert.

Vier Menschen sind Mittwochfrüh am US-Konsulat in Bengasi durch wütenden Mob ermordet worden. Ausgerechnet am 11. September, der in den USA noch nicht vorüber war, als die Morde geschahen. Ausgerechnet in Bengasi, das vor einem Jahr nur mit US-Hilfe die Gaddhafi-Diktatur besiegen konnte und ausgerechnet Chris Stevens, Botschafter der USA in Libyen (Video unten) – ein ausgewiesener Freund der Araber. Neben ihm starben zwei US-Sicherheitsbegleiter und ein Konsularmitarbeiter. Stevens  Wagen wurde von wütenden Muslimen angegriffen, er und die beiden Leibwächter offenbar erschossen. Zur Stunde werden die Leichen der getöteten US-Bürger über Tripolis nach Ramstein (Deutschland) gebracht.

Es ist zu befürchten, dass die vier Toten von Bengasi  nicht die einzigen bleiben.

Keine Frage: Keine einzige blasphemische Beleidigung kann das Geschehen rechtfertigen.  Die Handelnden müssen vor Gericht, in jedem Fall aber auch der Bandstifter im fernen Kalifornien.

Denn Sam Bacile, der Mittäter, der in seiner Stellungnahme den Islam als Krebsgeschwür beleidigt, ist für das absehbare Geschehen persönlich (mit)verantwortlich. Doch er meinte nur, die Sicherheitsvorkehrungen in den US-Auslandsvertretungen seien zu lasch. Das müsse sich ändern. Bei so viel dummdreister Chuzpe, fehlen mir die Worte.

Nachtrag aus der FAZ vom 14. September:

Die amerikanischen Behörden nahmen unterdessen Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Produzenten des Schmähvideos aufgenommen. Danach soll der 55 Jahre alte Nakoula Basseley Nakoula aus Cerritots in Südkalifornien hinter dem Video stecken. Nakoula, der ein koptischer Christ sein soll, wurde 2010 wegen Kreditkarten- und Bankenbetrugs zu 21 Monaten Haft verurteilt, kam aber nach wenigen Monaten wieder frei. Zu seinen Bewährungsauflagen gehörte, fünf Jahre lang das Internet nicht zu benutzen.

Offenbar stellte Nakoula das von ihm produzierte Video unter einem Pseudonym ins Netz. Nakoula war nach amerikanischen Medienberichten 1997 erstmals zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden, weil er die synthetische Droge Methamphetamin hergestellt und verkauft hatte. Der Film, der den Propheten Mohammed als Schürzenjäger, Homosexuellen und Päderasten schmäht, wurde offenbar im Sommer 2011 in der Umgebung von Los Angeles und auch im Privathaus Nakoulas gedreht.