Schmerzen

18. April 2011

Das  Landgericht Osnabrück hat am Freitag  einem 20-jährigen Fußballspieler aufgrund einer fehlerhaften Operation am Oberschenkel ein Schmerzensgeld zugesprochen. Ein Osnabrücker Krankenhaus wurde daher zur Zahlung von weiteren 5.000,- € Schmerzensgeld zzgl. Zinsen und anteiliger Anwaltskosten verurteilt. Im Vorfeld hatte das Krankenhaus bereits 3.000,- € an den Fußballer gezahlt, Aktenzeichen 2 O 1265/10.

Der Kläger ist angehender Profifußballer und erlitt beim Fußballspielen am vorderen Oberschenkelmuskel eine Zerrung der Leiste mit Sehnenriss. Am 05.11.2009 wurde der Kläger deswegen in einem  Osnabrücker Krankenhaus am linken Bein operiert – allerdings an dem gesunden hinteren Oberschenkelmuskel. Gesund und krank waren verwechselt worden.  Nachdem dies erkannt worden war, wurde der Kläger vier Tage später ein zweites Mal operiert, diesmal an dem verletzten vorderen Muskel.

Die Kammer sah hierin einen schweren Behandlungsfehler des Krankenhauses. Durch die überflüssige erste Operation hat sich die Dauer des stationären Aufenthalts um 4 Tage verlängert. Insbesondere aufgrund der Ausführungen des medizinischen Sachverständigen war die Kammer davon überzeugt, dass der Kläger unnötigerweise eine 13 cm lange Narbe am Oberschenkel erlitten hat und nicht in der Lage ist, länger als 2 bis 3 Stunden schmerzfrei zu sitzen. Wenn der Kläger an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit gelangt, werden die Folgen der ersten Operation seine Leistung etwas herabsetzen. Trotzdem wird er aber Fußball auf hohem Niveau spielen können. Demgegenüber konnte der Kläger nicht beweisen, dass er eine Verhärtung des Unterschenkels und eine relevante psychische Beeinträchtigung erlitten hat. Das Taubheitsgefühl am Oberschenkel ist nicht auf die erste Operation zurückzuführen.

Weil der Kläger ein Schmerzensgeld von insgesamt 20.000,- € eingeklagt hat, aber nur 8.000,- € zugesprochen erhielt, hat er 3/4 und das Krankenhaus 1/4 der Kosten des Rechtsstreits zu tragen.

Ich meine, dass das Osnabrücker Krankenhaus mit dieser Entschidung mehr als gut bedient ist. Ich stelle mir vor, wie sich ein so junger Fußballspieler mit diesen beruflichen Ambitionen fühlt, als er aufwachet und das falsche und gesunde Bein  operiert war, und wie lange man anschließend in Angst und Sorge lebt, dass doch etwas zurückbleibt. Aber “ eine relevante psychische Beeinträchtigung konnte der Patient ja nicht beweisen…