Lücke II

3. August 2010

Die Nachrichtenticker melden m Montag zur Rosneft-Diskussion und damit zur Zukunft der Erdölraffinerie Emsland:

Montag, 2. August 2010, 17:24 Uhr
Moskau (Reuters) – Russlands größter Ölproduzent Rosneft hat kein Interesse an der deutschen Tankstellenkette Aral des angeschlagenen Ölkonzerns BP.

„Rosneft hat keine derartigen Pläne“, sagte ein Rosneft-Manager am Montag. Die „Wirtschaftswoche“ hatte am Wochenende berichtet, BP wolle Aral verkaufen, um Geld für die Begleichung der Kosten der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko zusammenzubekommen. Der Wert der Kette wurde auf gut zwei Milliarden Euro beziffert. Dabei wurde auch Rosneft als möglicher Interessent gehandelt. Aral mit seinen 2500 Tankstellen gehört seit 2002 zu BP. Der britische Konzern dementierte, die Kette verkaufen zu wollen.

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Montag, 02.08.10|09:15

(Comcenture) … Inzwischen betonte BP, man werde sich von Vermögenswerten im Bereich Produktion, nicht jedoch im Servicebereich zudem auch Tankstellennetze gehören trennen. Im Laufe dieser Woche hatte BP den ersten Quartalsverlust seit 1992 als Folge aus der Ölkatastrophe nach der Explosion der „Deepwater Horizon“ im April dieses Jahres vermelden müssen. Mehr zum BP-Quartalsergebnis

Mittlerweile hat auch die „AVIA“ eine angebliche Interessensbekundung zur Übernahme des ARAL-Tankstellennetzes bei BP dementiert. zur AVIA-Website

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Wir erkennen:
Um Aral wird noch gefeilscht und die Erdölraffinerien in Lingen (Foto rechts; © dendroaspis2008, flickr.com) und Gelsenkirchen sind BP-Vermögenswerte im Bereich der Produktion…

Lücke

2. August 2010

Avia kennen Sie und Total auch. Aber kennen Sie Rosneft? Diese Lücke sollten Sie schnell schließen.

Denn  der Mineralölkonzern BP braucht bekanntlich sehr viel Geld für die Kosten, die durch die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko entstehen. Der neue BP-Chef Bob Dudley muss dazu die Trennung von Firmenteilen vorantreiben, damit der Konzern den milliardenschweren Ölpest-Verpflichtungen nachkommen kann. Angekündigt hat BP bereits, bis Ende 2011 Vermögenswerte im Volumen von bis zu 30 Milliarden Dollar zu verkaufen.

Mittendrin ist dabei die deutsche Aral-Kette, die BP gehört. Aral ist mit 2500 Tankstellen Marktführer in Deutschland und insbesondere mit ihren Tankstellen-Shops sehr erfolgreich. Über den Verkauf von Aral wird jetzt spekuliertberichtet. Auf gut zwei Milliarden Euro taxieren die Fachleute den Wert von Aral.

An Aral interessiert sind der französische Ölkonzern Total, der Tankstellenverbund Avia sowie vor allem der russische Ölkonzern Rosneft (Firmenlogo rechts), meldet das Magazin „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf beteiligte Investmentbanker. Die „Wirtschaftswoche“ weiß darüber hinaus, dass Interessent Rosneft außerdem   die beiden deutschen BP-Raffinerien  kaufen will. Dies betrifft Lingen. Die Erdölraffinerie Emsland ist eine der beiden.

Schon im Frühsommer wurde bekannt, dass Rosneft seine Chancen auf dem deutschen Markt prüft. Rosneft will ganz offenkundig ins westeuropäische Endkundengeschäft und Aral mit Benzin beliefern, das aus russischem Erdöl eigener Produktion gewonnen wird. Aus diesem Grund ist für die Russen, die bislang nur zwei Raffinerien in Russland betreiben,  auch ein Erwerb der beiden BP-Raffinerien in NRW und Niedersachsen interessant. Und die liegen bekanntlich in Gelsenkirchen und hier bei uns in Lingen.

Eine BP-Sprecherin bezeichnete zwar am Sonntag den Bericht gegenüber dem Online-Portal „Der Westen“ als „reine Spekulation“. Aber solche Dementis sagen bekanntlich nichts anderes als „Stimmt! Aber wir dürfen/wollen jetzt noch nichts sagen!“

Also rückt das staatliche russische Energieunternehmen Rosneft in den regionalen Mittelpunkt. Denn es sieht ganz so aus, als ob das Ölleck im Gold von Mexico, das am morgigen Dienstag einmal mehr geschlossen werden soll,  jetzt einen neuen Eigentümer der Erdölraffinerie Emsland produziert. Rosneft, Hauptsponsor (TuS Lingen, bitte Obacht geben)  der Olympischen Winterspiele von Sotschi , hat allerdings kein besonders gutes Renomee. Über den 50-Milliarden-Dollar-Konzern gelang es 2004 dem russischen Staat, die Kontrolle über den größten Teil des privaten  Jukos-Konzern zu übernehmen, dessen ehemaliger Chef Michail Chodorkowski dann wegen angeblicher Steuerschulden in einem unfairen, konstruierten Gerichtsverfahren zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Rosneft ersteigerte die Produktionsgesellschaft Juganskneftegas, die wichtigste Jukos-Tochter, weit unter Wert für sieben Milliarden Euro (9,4 Milliarden US-Dollar), nachdem russische Finanzbehörden Jukos mit Steuernachforderungen von rund 28 Milliarden US-Dollar zum Verkauf gezwungen hatten.

Ungeachtet dessen verspricht die strategische Ausrichtung des russischen Konzerns allemal für die moderne Lingener Erdölraffinerie (Foto rechts; © dendroaspis2008, flickr.com )eine sicherere Zukunft und entsprechende Arbeitsplätze als bei der krisengeschüttelten BP.

Nachtrag:
Bevor jemand meint, Total sei gegenüber Rosneft die bessere Adresse: Da gibt es dies (mehr) und dies an Schäbigem.