38.000 aus Deutschland

6. November 2018

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat die Europäische Union einen entscheidenden Vorteil: Wer Arbeit sucht, wird nicht von Nationalgrenzen aufgehalten. Rund 38.000 Arbeitnehmer aus Deutschland machen von dieser Regelung Gebrauch und pendeln zur Arbeit in die Niederlande. Besonders viele Arbeitnehmer aus der Bundesrepublik finden sich in den Grenzprovinzen Limburg (28 Prozent) und Gelderland (22 Prozent), die im Osten des Landes liegen.

Die Studie, die das Zentrale Statistikamt CBS kürzlich veröffentlichte, bezieht sich auf das Jahr 2016. Darin ist die Rede von Arbeitnehmern, die aus Deutschland zur Arbeit einreisen. Unter diese Kategorie fallen deshalb auch Arbeitnehmer, die keinen deutschen Pass haben, aber dennoch in der Bundesrepublik wohnhaft sind. So zeigt sich bei genauerer Betrachtung, dass die meisten aus der Bundesrepublik pendelnden Arbeitnehmer niederländische Staatsangehörige (17.000) sind. Hinzu kommen 14.000 Deutsche und 4.000 Polen, die zwar in Deutschland wohnen, aber im nordwestlichen Nachbarland arbeiten.

Auch zeigt das CBS diejenigen Branchen auf, in denen Arbeitnehmer aus Deutschland besonders oft einer Berufstätigkeit nachgehen: Mit 27 Prozent sind diese am häufigsten in der Vermietungsbranche und dem übrigen Dienstleistungssektor angestellt. Zu diesem Wirtschaftszweig zählen zum Beispiel Leiharbeitsfirmen. Verglichen mit den in den Niederlanden lebenden Arbeitnehmern finden Beschäftigte aus der Bundesrepublik darüber hinaus eine Stelle in der Industrie (D: 17,3 Prozent; NL: 9,3 Prozent) sowie in der Logistikbranche (D: 9 Prozent; NL: 4,6 Prozent).

Obwohl die Pendlerströme zunächst erfreulich sind, weist das CBS allerdings auf ein Problem hin: Wer aus Deutschland zur Arbeit ins Nachbarland fährt, verdient oft unterdurchschnittlich. In der Tat ist mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer aus der Bundesrepublik im Niedriglohnsegment beschäftigt und verdienen nur zwischen 10 und 20 Euro pro Stunde. Der Grund: Gerade im Bereich Vermietung und sonstige Dienstleistungen, also dort, wo Berufspendler aus Deutschland zahlenmäßig überwiegen, kommt Leiharbeit häufiger vor. Daneben verdienten 2016 im selben Sektor besonders viele Arbeitnehmer, nämlich 14 Prozent, nur den gesetzlichen Mindestlohn. Zum Vergleich: Arbeitnehmer aus Belgien, die mit 40.000 Grenzpendlern größte Gruppe, verdienen deutlich besser und sind im Hochlohnbereich sogar überrepräsentiert. Bei den Spitzenstundenlöhnen ab 70 Euro übertreffen die Pendler aus Belgien (3,5 Prozent) beispielsweise sowohl die Niederländer (weniger als 1 Prozent) als auch die Arbeitnehmer aus Deutschland (1,6 Prozent) eindeutig.

Des Weiteren weist das CBS auf eine weitere Auffälligkeit hin: Die meisten Pendler aus Deutschland sind Männer. Während sich bei der niederländischen Berufsbevölkerung ein relativ ausgeglichenes Bild zeigt (52 Prozent männliche, 48 Prozent weibliche Beschäftigte), haben die deutschen Grenzpendler mit 68 Prozent einen deutlichen Männerüberschuss.

 

(Quelle/gefunden bei: NIederlandeNet)

Eimermenschen

17. Dezember 2012

Bildschirmfoto 2012-12-16 um 23.46.52Tönnies Fleischwerk ist die Kurzbezeichnung für die Tönnies Lebensmittel GmbH & Co. KG (vormals: B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH & Co. KG) im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück.  Das Unternehmen gehört zu den größten Schlachtbetrieben Deutschlands und ist auch in der Fleischverarbeitung tätig. Chef ist  Clemens Tönnies, der an diesem Wochenende als Aufsichtsratsvorsitzender eines prominenten Fußballclubs in Gelsenkirchen durch den Hinauswurf eines Trainers von sich reden machte. Auch das Tönnies-Unternehmen steht seit längerem in der Kritik. Beteiligt sind die Tönnies Fleischwerk auch an der Weidemark Fleischwaren GmbH & Co KG, die in Sögel einen florierenden Schlachthof betreibt. Und auch dort gibt es jetzt Nachfragen und Unruhe. Denn osteuropäische Arbeiter arbeiten zu Niedriglöhnen im Weidemark-Schlachthof Sögel und sollen auch sonst diskriminiert werden. Der NDR macht uns -wir schreiben das Jahr 2012- mit „Eimermenschen“ bekannt und weiß:

„Im emsländischen Sögel und Umgebung kennt sie jeder: die „Eimermenschen“. Wenn ihre Schicht im Schlachthof Weidemark beginnt, sind sie tagein, tagaus mit weißen Plastikeimern unterwegs Richtung Werkstor. 950 ausländische Mitarbeiter, meist aus Osteuropa, die über Subunternehmen angestellt und vor Ort unter fragwürdigen Bedingungen untergebracht sind. In den blitzblanken, von Weitem erkennbaren Eimern: die Verpflegung für den Arbeitstag, Getränkeflaschen, belegte Brote. Rucksäcke oder Umhängetaschen sind verboten – es müssen Eimer sein, das sehen die Hygiene- und Kontrollvorschriften des Arbeitgebers vor. Die Eimer ließen sich leicht reinigen, zudem vereinfachten sie die Kontrollen beim Verlassen des Betriebes, argumentiert Weidemark. Schließlich habe es bereits Fleisch-Diebstähle gegeben.

Doch die Tage der weißen Eimer sind gezählt: Nachdem Weidemark vorgeworfen worden war, seine ausländischen Arbeiter…“

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und der NOZ Bericht von Dirk Fisser