Aufklärung

27. Oktober 2019

Wenn Hilfsorganisationen werben, geht es in der Regel darum, Spendengelder einzusammeln. Insbesondere in der Advents- und Weihnachtszeit ist das die gängige Praxis vor allem christlicher Organisatoren. Jetzt haben fünf NGO’s – Brot für die Welt, Christoffel-Blindenmission, German Doctors, Kindernothilfe und Misereor – eine große -Kampagne gestartet, bei der ausdrücklich  Fundraising im Hintergrund steht, und Aufklärung vermeintlich vorn.

Die“Entwicklung wirkt“-Kampagne verdeutlicht, was mit den einzelnen Projekten konkret erreicht wird. Die Botschaften dazu werden von Prominenten wie Schauspieler Til Schweiger und Jan Josef Liefers, TV-Moderator Eckart von Hirschhausen, Musiker Max Mutzke, die Models Stefanie Giesinger und Rebecca Mir sowie die Youtuber Julia Beautx und Gronkh überbracht. Sie alle machen ohne Honorar mit .

Zielgruppe sind vor allem jüngere Menschen, die über digitalen Medien und Plattformen erreicht werden sollen. Geschaltet wird die Kampagne daher in digitalen Kanälen. Das gilt für die Filme. Ganz ohne Printmedien geht es aber wohl doch nicht. Die Motive werden auch Zeitungen und Zeitschriften zum kostenlosen Einsatz angeboten. (mehr bei Horizont…)

Buzzfeed

16. Mai 2016

Felix von Leitner („Fefe“) schreibt in seinem Blog:

Liebe Leser, ich möchte heute mal einen Gedankengang mit euch teilen, der mir seit ein paar Wochen durch den Kopf geht.

Über Filterblasen ist ja schon viel gemeckert worden, aber mir geht es jetzt nicht um den Aspekt, dass man andere Meinungen nicht mehr sieht. Darüber kann man auch geteilter Meinung sein, ob das gut oder schlecht ist, oder wie gut oder schlecht das jetzt ist.

Mir geht es um ein Konzept, was ich ein schwer zu erklären finde, daher mache ich es an einem Beispiel. In meiner Kindheit gab es in Zeitungen Kino-, Literatur- und Theaterkritiken. Die Kinokritiken habe ich gelesen, die Literatur- und Threaterkritiken habe ich weitgehend ignoriert. Hat mich nicht interessiert, fehlte mir die Vorbildung oder der Bezug, was auch immer. War meine Entscheidung. Aber die Zeitung hat mir nur durch die Präsenz dieser Kritiken vermittelt, dass Literatur und Theater wichtige Werte in der Gesellschaft sind, und später in meinem Leben habe ich mich dem dann gewidmet.

Mein Kumpel Erdgeist schlägt den Begriff „Kollateralbildung“ für diesen Effekt vor. Ich finde das Wort super.

Was ich jetzt sagen will: Wenn die Zeitungen alle nur noch Buzzfeed nachbauen und nur noch Artikel bringen, die die große Mehrheit klicken würde, dann fällt die Kollateralbildung weg.

Immanuel_Kant_signature.svgUnd es geht mir hier nicht nur um Bildung, sondern um Kognition allgemein. Wie kann ich über etwas nachdenken, wenn ich das Konzept hinter der Fragestellung schon gar nicht kenne?

Säbeln wir uns hier gerade unseren eigenen Sehnerv kaputt?

Das ist eine ausgesprochene Gruselvorstellung für mich. Es ist ja eine Sache, wenn ich Dinge kenne aber ignoriere. Aber wenn ich sie gar nicht erst kenne, dann wird mir die Entscheidung genommen, ob ich mich für sie interessieren will oder nicht.

Nach Kant geht es bei der Aufklärung um die Überwindung der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Sind wir hier gerade dabei, aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit eine fremdverschuldete zu machen?

Der Rückbau der Aufklärung, sozusagen?