Vertuschung

29. März 2010

Kohl-Regierung vertuschte Wassereinbruch

Jahrelang hat die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Helmut Kohl nach SPIEGEL-Informationen den Wassereinbruch im Atommüll-Endlager Asse vertuscht. So sollte die Kernenergie in Deutschland gesichert werden

Es läuft und läuft und läuft. Seit 1988 plätschert an mehreren Stellen Salzlösung ins marode Atomlager Asse – mit verheerenden Folgen für die Standsicherheit des Bergwerkes. Zunächst war die Herkunft der Flüssigkeit unklar. Nach SPIEGEL-Informationen erbrachten interne Untersuchungen von zwei Wissenschaftlern aber spätestens 1995 den Beweis, dass die Flüssigkeit von außen in das Bergwerk eindringt.

Damit war klar, dass die Müllkippe abzusaufen droht. Als…

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Hervorkramen

27. August 2009

images-2Es werden sich nicht viele erinnern: Aber am 15. Januar 1976 -gerade waren schwere Stürme über die Nordsee gezogen- veröffentlichten die Emsland-Ausgaben der Neuen Osnabrücker Zeitung auf der überregionalen Seite „Nordwest“ einen Artikel mit der Überschrift: „Keine Deponie für Atommüll bei Emden?“ Tags darauf wurden die Leser von der Meldung „Hümmling – Bald atomare Müllkippe der Bundesrepublik?“ geschockt.

Schon seit Mitte 1975 hatte die Lingener Deutsche Schachtbau- und Tiefbohrgesellschaft nahe der Ortschaft Wippingen (Ortsschild links, © Luken Hulsker) Erkundungsbohrungen niedergebracht und als „Ölbohrungen“ getarnt. In Wirklichkeit ging es um die Erkundung der unterirdischen Salzformation dieses Gebietes. Es galt, den Standort für das geplante Atommüllendlager zu finden.

Die Lingener Schachtbau handelte damals im Auftrag des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung und im „Geheimauftrag“ des Bonner Ministeriums für Forschung und Technologie , wie DER SPIEGEL in seiner Ausgabe Nr. 14/1976 zu berichten wusste. In diesen Tagen begann in Wippingen eine beeindruckende Geschichte des Widerstandes im deutschen Nordwesten – allenfalls noch vergleichbar mit dem Aufstand der Menschen rund um den Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range 1973/74. Ein Höhepunkt des Widerstandes: „Unter Berufung auf ein laufendes Flurbereinigungsverfahren zogen Wippinger Bürger längs des Schachtbau-Bohrgeländes einen mehrere Meter breiten Graben, der es der Firma unmöglich machte, das von ihr angepachtete Grundstück zu erreichen.“ Das ging nur per Luft und die getäuschte Landeigentümerin hatte beim Amtsgericht Papenburg eine einstweilige Verfügung gegen das Lingener Unternehmen beantragt. Später im Jahr stellte das Amtsgericht Papennburg dann fest, die Landeigentümerin habe die Täuschung nicht beweisen können und erklärte den Pachtvertrag für wirksam…

Übrigens: Unisono lehnte die lokale CDU seinerzeit das Projekt ab. Die regionale SPD war -sieben Jahre vor dem „Atomkraft-Ausstiegsbeschluss“ der Bundes-SPD – zerstritten: Die jüngeren Sozialdemokraten um den Papenburger Günther Dreyer sagten

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ein klares Nein, die älteren waren dafür. Schließlich favorisierte Niedersachsens CDU-Regierung  Albrecht das Wendland nahe der deutsch-deutschen Grenze und die Pläne für Wippingen wurden auf Eis gelegt. Vergessen wurden sie nie. Zuletzt 2006 tauchten sie wieder auf.

Jetzt wird es wieder Ernst. Weil nämlich das Aus für den Salzstock Gorleben im Wendland als Atommüll-Endlager unvermeidlich ist, melden heute die Nachrichtenagenturen: Aus Sicht von Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) kommen auch andere niedersächsische Standorte für ein Atommüll-Endlager in  in Betracht. Sander nannte das Emsland und die Region Bad Zwischenahn im Kreis Ammerland. Diese Standorte seien bei einem Suchverfahren in den 70er Jahren bereits mit in der Bewertung gewesen, erklärte der umstrittene Minister dem Sender Hit-Radio Antenne am Donnerstag. Der emsländische Standort ist das zur Gemeinde Dörpen zählende Wippingen (Lageskizze rechts, ©  Wikimedia Commons ), meldeten umgehend die Ems-Vechte-Welle und auch Emsland-eins.de.  Sollte Gorleben scheitern, werde man diese Alternativ-Standorte «dann automatisch wieder hervorkramen». Sander sagte laut seiner Sprecherin noch: «Wer glaubt, dass Niedersachsen aus dem Schneider ist, liegt falsch.»

Da wird dann die Bürgerinitiative gegen das Kohlkraftwerk Dörpen noch ein bisschen mehr zu tun bekommen, denk ich mal.