Sicherungsverwahrung

19. August 2010

Heute in der Frankfurter Rundschau. Während gestern das Schwurgericht des Landgerichts Frankfurt den Prozess gegen den Lingener Manfred M. (59) begonnen hat, an dessen Ende die Sicherungsverwahrung stehen dürfte, versteht Arno Widmann partout nicht, warum wir nicht hinnehmen wollen, dass ein entlassener Mörder vielleicht noch fünfzig Jahre ein Sicherheitsrisiko darstellt, gleichzeitig aber erwägen, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern, die 240.000 Jahre ein Sicherheitsrisiko sind: „Wir führen ganz offensichtlich die Debatte um die Sicherungsverwahrung an der falschen Stelle. Führten wir sie beim Atommüll, gäbe es eine klare Antwort: vermeiden. Um jeden Preis vermeiden. Denn anders als bei unseren menschlichen Straftätern besteht beim Atommüll kein Risiko, dass er lebensgefährlich ist. Er ist es ganz sicher.“

Ein starker Aufschrei des Feuilletonchefs der Frankfurter Rundschau, der richtig und gut ist angesichts der Verharmlosung dessen, was Kernenergie anrichtet: 240.000 Jahre ist der Atommüll eine tödliche Bedrohung. Bis zum Jahre 242.010. Mindestens. Gestern Abend habe ich mit einem intelligenten Mann gesprochen, der die Atomenergie befürwortet; ihn hatten auf der Heimreise am Nachmittag schon 2 Stunden Stau auf dem „Kamener Kreuz“ hoffnungslos gestimmt. Und wissen Sie, was hier vor 240.000 Jahren war? Widmann schreibt es: „In unseren Breiten stritten damals Homo heidelbergensis und der Neandertaler um die Vorherrschaft.“ Jetzt dürfen Sie 240.000 Jahre in die Zukunft blickenraten.

Man wird die Menschen, die Atomenergie und Atommüll zu verantworten haben, in deutlich weniger ferner Zeit als in 800 Generationen Verbrecher nennen, die man hätte in Sicherungsverwahrung nehmen müssen. Auch wenn es nächste Woche mit Frau Merkel und den Chefs von EON und RWE schöne Bilder gibt.

(Foto Homo heidelbergensis – Schädel © wikipedia)