Architektur Münster

4. April 2017

Mit seiner zweiten Auflage ist vor einigen Woche der Architekturführer Münster an den Start gegangen, kurz nach dem im Münsteraner Aschendorff-Verlag erschienenen Taschenbuch Rundgänge zur Architektur: Ein Führer zur Baugeschichte.

Der alte Dom St. Paulus aus dem 9. Jahrhundert, die manierierte Gotik der Lambertikirche aus dem 14. und 15. Jahrhundert oder der Barock Conrad Schlauns – die Architektur im westfälischen Münster hat in der klassischen Kunstgeschichte ihren festen Platz. Siedlungen des Neuen Bauens, das Theater aus den Fünfzigern, Bürotürme der Siebziger oder die bekannte Stadtbücherei von Bolles+Wilson (1987–93) zeigen aber auch, dass sich in Münster von der frühen Moderne bis zur zeitgenössischen Architektur fast jede Stilart des Landes widerspiegelt. Dass die Architekturstadt Münster eine systematische Untersuchung wert ist, haben die Kunsthistorikerin Sylvaine Hänsel und der Architekt und Architekturjournalist Stefan Rethfeld bereits 2008 mit ihrem Architekturführer im Reimer Verlag bewiesen.

Doch seit 2008 hat sich viel in Münster verändert: Volker Staab setzte mittlerweile einen markanten Erweiterungsbau an das Landesmuseum, die Wohnungsfrage griff auf ihre Art auf die wohlhabende Universitätsstadt über und das große Transformationsgebiet am Hafen entwickelte sich stetig weiter. Nun haben die beiden Autoren eine zweite, überarbeitete Ausgabe des Buches vorgelegt. 400 Bauten und Gebäudeensembles – anstelle von 365 wie in der ersten, bereits vergriffenen Auflage – haben Rethfeld und Hänsel nun topographisch nach Stadtvierteln und Stadtteilen geordnet. Jedes Bauwerk wird in Text, Bild und Grundriss dargestellt.

Mit ihrer Auswahl setzen sie – noch mehr als 2008 – auf einen erweiterten Baudenkmal-Begriff, denn mit 40 Skulpturen nehmen sie einen Typus in ihre Publikation auf, der selten unter diese Kategorie fällt. Das hängt vor allem mit der spezifischen Rolle Münsters zusammen, das seit 1977 alle zehn Jahre die internationale Kunstschau „Skulptur Projekte“ auslobt; also auch in diesem Jahr wieder. Mit den Billardkugeln am Aasee von Claes Oldenburg oder Thomas Schüttes Kirschensäule dokumentieren einige der dauerhaft im Stadtbild erhaltenen Skulpturen mittlerweile auch 40 Jahre neuere Kunstgeschichte. Ein Einführungstext von Hänsel geht ausführlich auf die Rolle dieses Langzeitprojekts für Münster ein.

Und ich denke, etwas Vergleichbares in und für  unsere/r Region wäre wirklich ein Gewinn. Aber so etwas kommt in unserem, meist nur auf schnelles Geld ausgerichteten und oberflächlich wirkenden Landstrich leider nicht…

Architekturführer Münster
2., überarbeitete Auflage
Sylvaine Hänsel/Stefan Rethfeld

Deutsch – Englisch

übersetzt von Lucinda Rennison
mit Architekturaufnahmen von Roland Borgmann
Dietrich Reimer Verlag, 2017
350 Seiten mit 630 Fotos, 210 Grund-, Aufrissen und Plänen
ISBN-13: 978-3496014881
24,90 Euro

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alternativ:
Münster: Rundgänge zur Architektur: Ein Führer zur Baugeschichte 

Alfred Pohlmann
Aschendorff-Verlag, Münster
ISBN-13: 978-3402131602

125 Seiten
17,90 Euro 

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(Quelle: baunetz)

 

gleichsam exotisch

26. Februar 2014

ArchitekturführerOsnabrückOsnabrück vermarktet sich vor allem als Friedensstadt und ist ein überregional bedeutender Hochschulstandort. Als Heimat außergewöhnlicher zeitgenössischer Architektur scheint die Stadt bisher jedoch kaum Impulse gesetzt zu haben. Das Bild der im Zweiten Weltkrieg umfangreich zerstörten Innenstadt ist geprägt von zahlreichen Gebäuden, bei denen in der Phase des Wiederaufbaus vor allem die Funktion im Zentrum stand.

Das Osnabrück viel mehr ist, zeigt der jetzt erschienene erste Architekturführer für Osnabrück.  Baunetz kommentiert: „Nach Architekturführern zu Frankfurt, Hamburg, Kopenhagen oder Pjöngjang haben Dom Publishers mit Osnabrück nun einen gleichsam exotischen Ort zum Ziel für Architekturtouristen erkoren.“

Tatsächlich stellt das Buch  die guten Osnabrücker Beispiele gebauter Umwelt vor. Neben der Präsentation von 120 Gebäuden und Freiräumen aus Osnabrück sowie einigen Höhepunkten aus dem Osnabrücker Land (Stichwort: Varusschlacht-Museum) bietet der Architekturführer einen Überblick über die städtebauliche Entwicklung der viertgrößten Stadt Niedersachsens. Man sieht: Osnabrück hat außer Daniel Libeskinds Felix-Nussbaum-Museum durchaus noch mehr zeitgenössische Architektur zu bieten. In diesem kleinen Blog habe ich beispielhaft schon die Corporate Architecture der Wiesbadener Architekten 3Deluxefür eine Osnabrücker Kaffeefirma erwähnt. Neben den neueren Beispielen der Osnabrücker Architektur würdigt das handliche Buch auch die städtische Nachkriegsarchitektur vom Warenhaus Merkur mit seiner typischen Rasterfassade (heute Galeria Kaufhof) bis zu zahlreichen Kirchenbauten wie die Pfarrkirche St. Barbara mit ihren runden, fließenden Formen .

Zusätzlich beschreiben ausgewählte Routen Osnabrück von einer Seite, die selbst für Alteingesessene neue Facetten aufzeigt. Das Büchlein ist eine Einladung in die große Nachbarschaft, die man annehmen sollte.

Architekturführer Osnabrück
Hermann Kuhl / Jörg Frenzel
DOM publishers, Berlin, Januar 2014
Softcover, 192 Seiten
ISBN-13: 978-3869222783
28 Euro

Nachtragsfrage: Ob es so einen Architekturführer auch einmal für unser Städtchen geben wird? Wäre doch schön, Lothar Schreinemacher…