immer mehr

23. November 2019

Die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt seit einigen Monaten regelmäßig ein Fact-sheet zur Arbeitsmarktintegration Geflüchteter in Niedersachsen heraus, das u.a. an die örtlichen Arbeitsagenturen und Jobcenter versendet wird. Nun ist das Fact-Sheet für den Monat November erschienen (hier mehr ).

Die Regionaldirektion stellt dabei eine grundsätzlich positive Tendenz beim Zugang zum Arbeitsmarkt fest (wie das auch bereits mehrfach das IAB, Institut für Berufs- und Arbeitsmarktforschung der BA getan hat (hier mehr).

Sehr erfreulich ist auch de Information der Regionaldirektion der Bundesagentur, dass die IvAF-Netzwerke in Niedersachsen (in allen vier arbeitet auch der Nieders. Flüchtlingsrat mit bzw. koordiniert eines) alle auch im kommenden Jahr weitermachen werden können.

Die Regionaldirektion hebt als wichtigste Erkenntnisse hervor:

  • „Bei der Integration geflüchteter Menschen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt wurden in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erzielt. Fehlende berufliche Bildungsab-schlüsse und mangelnde sprachliche Kompetenzen sind weiterhin die größten Hürden bei der Aufnahme einer Berufsausbildung oder einer nachhaltigen Beschäftigung.
  • Die Förderung geflüchteter Menschen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen bzw. Sprach- und Integrationskursen wird daher noch längerfristig notwendig sein.
  • Die Beschäftigung von Menschen aus Asylherkunftsländern wächst stetig, relativ betrachtet sogar deutlich stärker als die Beschäftigung insgesamt.“

Immer mehr Geflüchteten gelingt es -so der Monatsbericht-, es auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. So haben in den vergangenen zwölf Monaten (bis inkl. Oktober) 12.202 Frauen und Männer eine Arbeit aufgenommen. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber den zwölf Monaten davor, als  es 9.573 Geflüchtete waren. Auch bei der Aufnahme einer Ausbildung gab es eine kleine Steigerung: Eine Ausbildung haben 1.583 Geflüchtete  beginnen können, im Vorjahr waren es 1.514.

Allerdings stellt die BA-Regionaldirektion auch fest, dass mehr als ein Drittel der Geflüchteten über keinen Schulabschluss verfügt und ein weiteres Viertel kann keine Angaben zu einem Schulabschluss machen kann. Auf der anderen Seite verfügt knapp jeder Fünfte über einen Abschluss, der dem Abitur entspricht.

Unabhängig vom Schulabschluss würden sprachliche Defizite die Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt erschweren. Dazu passt auch diese Meldung der Süddeutschen Zeitung, die berichtet, dass die Integrationskurse ihr Ziel deutlich verfehlen. Das Leibniz-Institut für deutsche Sprache (IDS) hat dazu untersucht, wie erfolgreich der Besuch der Integrationskurse verläuft: Laut der Studie erreichten nur 5,5 Prozent das erwünschte Sprachniveau B1, während etwa ein Drittel bei A2 landete – und 62 Prozent nochmals darunter. Der Chef des IDS, Henning Lobin fordert daher: „Deshalb muss ein neues, realistischeres Konzept her, das Absolventen und Lehrern die Frusterfahrung des Scheiterns erspart.“

(Quelle: Nieders. Flüchtlingsrat)

Bei Interesse schnuppern

23. Juli 2018

Die EUREGIO, die grenzüberschreitend arbeitet und sich für die Beziehungen zwischen den Nachbarländern Niederlande und Deutschland einsetzt, hat das Projekt Experiment Grenze ins Leben gerufen. Seit dem 1. März können Arbeitnehmer einfach ohne bürokratischen Aufwand einen Tag lang erleben, wie es ist, als Grenzgänger im Nachbarland zu arbeiten. Gleichzeitig erhalten Unternehmen die Möglichkeit, Arbeitnehmer aus dem Nachbarland zu beschäftigen. Die Teilnehmer können erste Kontakte knüpfen, Gemeinsamkeiten oder Unterschiede entdecken und herausfinden, ob die Sprachbarriere wirklich eine Hürde ist. 

Die Idee für das Projekt Experiment Grenze entstand nach dem Abschluss des ebenfalls von der EUREGIO initiierten Projekts „Pakt: Arbeitsmarkt über die Grenze!“. Wie bei dem abgeschlossenen Projekt geht es auch beim Experiment Grenze vor allem um den Einsatz für einen gemeinsamen, transparenten und grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt in den Grenzregionen. Der Schnuppertag bei einem Betrieb im Nachbarland, der durch das Experiment Grenze ermöglicht wird, soll dabei helfen, Vorurteile über das Arbeiten im Nachbarland abzubauen und den Einstieg in die mögliche Karriere zu erleichtern.

Das „Experiment Grenze“ richtet sich an alle Interessenten, die gerne einmal den beruflichen Sprung über die Grenze wagen wollen. Egal ob Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende oder Arbeitnehmer mit jahrelanger Arbeitserfahrung – beim Experiment Grenze ist jeder willkommen. Das Projekt bietet den Teilnehmern die Möglichkeit, ihren beruflichen Horizont zu erweitern und kann dabei helfen, den Schritt zur Arbeitsstelle im Nachbarland zu machen und die bürokratischen Hürden zu nehmen.

In beiden Ländern herrscht ein Fachkräftemangel – für viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnte eine Kooperation mit dem Nachbarland eine Lösung sein, doch komplexe Regelungen und Verfahren, die Lohn- und Steuervorschiften und die Anerkennung der jeweiligen Abschlüsse stellen Hindernisse dar, die das Arbeiten im Nachbarland oder die Beschäftigung eines Arbeitnehmers aus dem Nachbarland erschweren und behindern. Möchte man als Arbeitnehmer einen Abschluss im Nachbarland anerkennen lassen, kann das sehr kostspielig und zeitaufwendig sein. Problematisch ist ebenfalls, dass niederländische Abschlüsse teilweise schlechter bewertet werden, da sie den deutschen  Anforderungen nicht entsprechen. Dadurch werden Einstellungen verhindert oder die Grenzgänger werden in niedrigeren beruflichen Positionen eingestellt.

In Overijssel ist der Abgeordnete Eddy van Hijum ein großer Befürworter der grenzüberschreitenden Arbeit  und setzt sich auch aktiv dafür ein. So hat van Hijum das Angebot Experiment Grenze wahrgenommen und sich getraut, einen Tag lang bei einem deutschen Unternehmen einen Schnuppertag mitzumachen. Als „Heizungsbaumeister“ für das auf landwirtschaftliche Klimatechnik spezialisierte Unternehmen INOTEC in Heek schlüpfte van Hijum einige Stunden lang in die Arbeitskleidung der Firma und half bei der Befestigung von Rohren in einem Schweinestall.

Eddy van Hijum zeigt durch seinen Einsatz, dass der Wille zur grenzüberschreitenden Arbeit vorhanden ist. Sowohl die niederländische Regierung als auch die Regierungen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachen seien daran interessiert, die Möglichkeiten zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu verbessern. Van Hijum plädiert vor allem für ein deutsch-niederländisches Abkommen auf Länderebene, in dem Vereinbarungen über die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse getroffen werden. Zudem wäre es hilfreich, die niederländischen Ausbildungen im Pflege- und im Techniksektor an die deutschen Anforderungen anzupassen. So könnten viele Hürden beseitigt werden und das grenzüberschreitende Arbeiten beliebter werden.

Interessierte Arbeitgeber und Arbeitnehmer können auf der Facebook-Seite des Projekts einsehen, welche Betriebe bereits mitgemacht haben oder Schnuppertage anbieten. Bei Interesse können Sie Kontakt mit Stéphanie Woldringh (s.woldringh@euregio.eu oder Tel: 02562 – 70254) aufnehmen.

(Quelle/gefunden bei: Niederlande.net, Grafik: Euregio)

Blaupause

26. März 2015

Eine bemerkenswerte Entschließung hat die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHK) am 12.03.2015 auf ihrer Vollversammlung verabschiedet. In der Resolution, übrigens einstimmig verabschiedet, mahnt die IHK eine bessere Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt an. Dabei sagt sie auch, welchen Beitrag sie selbst leisten will, um diese Integration zu befördern. Dazu gehören u.a. eine verstärkte Sensibilisierung der Wirtschaft für Migranten, Vermittlungen von Jugendlichen in Ausbildung oder Ausbildungsvorbereitung sowie eine Beratung hinsichtlich der Anerkennung mitgebrachter Qualifikationen. Die IHK unterstützt ausdrücklich die Position von Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), wonach u.a. die Zuwanderung in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erleichtert werden soll.

Bildschirmfoto 2015-03-26 um 22.09.55Hervorzuheben ist aber vor allem die Forderung der IHK nach einem Bleiberecht für Flüchtlinge, die sich in Ausbildung befinden. Damit liegt die IHK Lüneburg-Wolfsburg auf einer Linie mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), die sich ebenfalls für solch ein Bleiberecht einsetzt, wie aus einer Pressemeldung des epd hervorgeht (mehr hier).

Die Resolution der IHK Lüneburg-Wolfsburg zur besseren Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt liest man hier.

Das IHK-Positionspapier ist eine Blaupause für notwendige Schritte in unserer Stadt, in der seit einiger Zeit mediengerechte Projekte wie bspw. Fairtrade [mehr…] oder das planlose de-facto-Verschenken von Grundstücken die notwendige, aktive Wirtschaftspolitik zur Sicherung der ökonomischen Zukunft verdrängt haben [mehr…]. 

Erwartung

12. Dezember 2011

Wer im Niedriglohnsektor gearbeitet hat, stirbt früher als ein Besserverdiener, berichtet heute die Süddeutsche. Und noch schlimmer: Die Lebenserwartung von Geringverdienern nimmt ab. Experten sehen die Ursache in Reformen auf dem Arbeitsmarkt und im Gesundheitssektor und fordern eine „offensive Armutspolitik“.

Die Arbeitsmarktreformen des vergangenen Jahrzehnts haben die Lage auf dem Niedriglohnsektor verschärft: Die Zahl der Geringverdiener ist gewachsen, viele reguläre Jobs wurden in Mini-Jobs aufgespalten. Die Gesundheitsreformen führten dazu, dass medizinische Versorgung stärker als bisher vom Einkommen abhängt –  die Praxisgebühr zum Beispiel hält viele Geringverdiener von einem Arztbesuch ab. Das bleibt nicht ohne Wirkung: Zwar steigt die Lebenserwartung konstant an. Geringverdiener in Deutschland leben jedoch heute im Durchschnitt deutlich kürzer als noch vor zehn Jahren. Darauf zumindest verweisen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. …

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Arbeit

30. April 2010

Eine gute Nachricht zum 1. Mai: Der Arbeitsmarkt in unserer Region kommt nach dem Einbruch aufgrund der Wirtschaftskrise langsam wieder in Schwung. Die Zahl der Arbeitslosen ist im April weiter zurückgegangen. In der Grafschaft sowie in den Altkreisen Lingen und Meppen sank die Arbeitslosenquote um 0,5 auf jetzt 4,5 Prozent.

Das Besondere: Erstmals seit Monaten ist die Quote wieder niedriger als im jeweiligen Vorjahresmonat. Sie entspricht exakt der Quote im April 2008 vor Beginn der Krise. Auch im nördlichen Emsland sank die Arbeitslosenquote, im Bereich Papenburg auf 6,4 Prozent und auf dem Hümmling auf 5,1 Prozent. Die Region liegt damit weiterhin deutlich unter dem Landesschnitt, Niedersachsenweit betrug die Arbeitslosenquote 7,8 Prozent.

Aber klar ist auch, dass der DGB Recht hat:
Die Krise ist noch nicht vorbei. Gewerkschaften und Betriebsräte haben maßgeblich dazu beigetragen, dass bislang ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindert werden konnte. Kurzarbeit, Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, Konjunkturprogramme und die Abwrackprämie waren Maßnahmen, für die sie gekämpft haben. Nun kommt es darauf an, dass der Staat in der Lage bleibt, unverschuldet in Not geratenen Menschen zu helfen, Arbeitsplätze zu sichern und Unternehmen zu stabilisieren. Die Verursacher der Krise müssen für die Finanzierung der Krisenlasten gerade stehen und für mehr Beschäftigung, Bildung und soziale Sicherheit in die Pflicht genommen werden.

Nachtrag:
Die Geschichte des Maifeiertags „Vom Kampftag zum Feiertag“ finden Sie auf der Interneteite des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

(Quellen: DGB-Maiaufruf,  www.emsvechtewelle.de)