Anfang nächsten Jahres beginnt an der Uni Bremen ein neuer Masterstudiengang: „Arbeit-Beratung-Organisation. Prozesse partizipativ gestalten“ heißt die berufsbegleitende Weiterbildung für betriebliche Interessenvertreter*innen wie Betriebs-, Personalrät*innen, Gleichstellungs- oder Schwerbehindertenbeauftragte. „Deutschlandweit einmalig“ sei dieser, heißt es in der Mitteilung der Universität.

Träger des Studiengangs sind das Zentrum für Arbeit und Politik (ZAP) der Uni Bremen, die Akademie für Weiterbildung und die Arbeitnehmerkammer Bremen. In drei Themenblöcken, die auch einzeln absolvierbar sind, so erklärt Programmleiterin Simone Hocke vom ZAP, würden verschiedene Kompetenzen gefördert werden. „Betriebsräte beraten viel, meist aber aus dem Bauch heraus.“

Der erste Teil „Arbeitsbezogene Beratung“ soll daher zur Professionalisierung dienen. „Es geht um die Selbstreflexion der eigenen Rolle“, sagt Hocke, um die Vermittlung von Methoden in der Einzel- und Gruppenberatung. Und um die Unterscheidung: „Wann sind Betriebsräte eigentlich in der Position, für die Mitarbeitenden etwas zu regeln – und wann braucht es vielmehr die Unterstützung dieser beim Einstehen für ihre Interessen?“

Außerdem werde in einem weiteren Block vermittelt, was unter guter Arbeit verstanden wird. Expert/innen der Arbeitnehmerkammer seien eng involviert. Zuletzt geht es um „Partizipative Personal- und Organisationsentwicklung“. Betriebsrät*innen, so Hocke, bräuchten Kenntnisse über Veränderungsprozesse im Betrieb, über Organisationsmodelle, über die Beteiligung von Mitarbeitenden – „um strategisch mitzuarbeiten, und nicht nur Feuerwehr zu sein“.

Einige Unternehmen förderten dies bereits, sagt Hocke, „andere haben Interesse daran, dass Betriebsräte lieber nicht zu schlau werden“. Am Ende sei es jedoch immer besser, jemanden zu haben, der Chancen und Risiken abschätzen kann. „Sonst neigt man eher dazu, zu allem erst einmal nein zu sagen.“

Lehrende kommen aus der Wirtschaftspsychologie, Betriebswirtschaftslehre, Soziologie und Politikwissenschaft. „So interdisziplinär ist auch die Arbeit von Betriebsräten“, sagt Hocke. Und ihre Aufgaben würden aufgrund der Veränderungen in der Arbeitswelt komplexer werden. Digitalisierung, demografischer Wandel, Fachkräftemangel und neue Organisationsformen: „Die Tendenz geht stärker zur Arbeitnehmerbeteiligung, daher nehmen Betriebsräte immer mehr eine moderierende Rolle ein.“ Für diese Rolle benötige es entsprechende Fortbildungen.

Neben den strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt gehe es schlicht auch um Mitbestimmung, sagt Annette Düring, Geschäftsführerin des DGB Bremen-Elbe-Weser. „Darum kämpfen Betriebsräte jeden Tag.“ Deswegen sei es so wichtig, einen…

[weiter hier bei der taz]

Der Tag der Arbeit muss dieses Jahr ohne Großdemo auskommen. Auch in Bremen, schreibt die örtliche taz. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) bietet stattdessen einen Livestream. „Unsere Forderungen bleiben aber dieselben“, betonte Annette Düring, Vorsitzende des DGB Region Bremen-Elbe-Weser am Mittwoch. Ganz oben auf der Liste stehen Arbeitsplatzerhalt und Gesundheitsschutz.

Ersteres könne durch das Instrument der Kurzarbeit geleistet werden, so Düring. Aber viele Menschen geraten in finanzielle Nöte, weil das Kurzarbeitergeld nicht ausreicht. Auf Minijob-Basis Angestellte haben erst gar nicht das Recht darauf. Über 6.000 Bremer Betriebe haben Kurzarbeit beantragt, erste Kündigungsklagen seien in Vorbereitung. „Wir rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl.“

Mit der Insolvenzfrage müsse man sich ebenso beschäftigen, ergänzt Ute Buggeln, erste Bevollmächtigte von IG Metall Bremen. „Das wird auf uns zukommen.“ Buggeln entwickelt zurzeit ein Positionspapier zu Konjunkturprogrammen. „Wir werden für die sozial-ökologische Wirtschaftsweise als ein Kernkriterium einstehen.“ Staatliche Hilfen müssten sich an der Zukunftstauglichkeit der Branchen und ihrer Standorte orientieren.

In der Baubranche, die wirtschaftlich bisher von Corona verschont bleibt, sei die Situation prekär, sagt Christian Wechselbaum von der IG BAU Weser-Ems. „Elementare Sachen wie Waschgelegenheiten und Mundschutz haben sich noch nicht festgesetzt.“ Hart treffe es auch die Reinigungskräfte. Manche hätten ihren Job verloren, andere, etwa in Krankenhäusern, seien schlecht geschult.

Vor Schwierigkeiten stehe auch der Einzelhandel, sagt Markus Westermann, Geschäftsführer von ver.di Bremen-Nordniedersachsen. „Es gibt in Bremen keine vernünftigen Regeln, wie der Einzelhandel aufgestellt werden soll.“ Düring sieht den Senat in der Pflicht und fordert ebenso eine bessere Ausstattung der Gewerbeaufsicht, um echte Kontrollen zu ermöglichen. Sie sorgt sich auch um die Bremer Azubis: „Manche Betriebe sagen schon, dass wir das kommende Ausbildungsjahr vergessen können.“ (Ein Beitrag der taz)


Die zentrale Veranstaltung des DGB-Bundesvorstandes findet sich digital am 1. Mai hier im Netz www.dgb.de/erster-mai-tag-der-arbeit 
Hier der Zeitplan.