„Liebe Kitty,…“ – mit dieser Anrede beginnt Anne Frank jeden Eintrag ihres weltberühmten Tagebuchs. Entstanden ist das Tagebuch in einem Hinterhaus in der Amsterdamer Prinsengracht, in dem sich das junge Mädchen rund zwei Jahre lang mit ihrer Familie und anderen Juden vor den Nazis versteckt hielt. Heute befindet sich in dem Versteck ein Museum, das die Geschichte Anne Franks ebenso lebhaft wie mitreißend erzählt. Nach einer zweijährigen Renovation wurde das Anne-Frank-Haus vergangene Woche wiedereröffnet.

Eröffnet wurde das Museum in der vergangenen Woche von König Willem-Alexander und jungen Mitgliedern der Anne-Frank-Stiftung, die sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung engagiert. Das Museum wurde zwar umgebaut, das Hinterhaus selbst, in dem sich die Familie Frank versteckte, allerdings nicht. Neu in der Ausstellung sind etwa Darstellungen über den Kriegsverlauf in Amsterdam sowie die Judenverfolgung in ganz Europa. Auch wird Bildmaterial ausgestellt, das die Lebensumstände im Unterschlupf veranschaulichen soll. Der neu hinzugefügte historische Kontext in der Ausstellung ergibt sich aus der Tatsache, dass die meisten Museumsbesucher ausländische Touristen unter 25 Jahren sind. Ihnen soll das Geschehen des Zweiten Weltkrieges, der Shoah und des Naziterrors so ausführlich wie möglich nahegebracht werden.

Zudem wurden auch organisatorische Änderungen am Museum vorgenommen. Wer ab jetzt das Anne-Frank-Haus besuchen möchte, muss ein Ticket online erwerben. Die Eintrittskarten werden zu 80 Prozent zwei Monate im Voraus zum Verkauf angeboten. Die restlichen 20 Prozent können bis zu einem Tag vor  Museumsbesuch erworben werden. Durch die Neuerung müssen die Besucher nicht mehr stundenlang vor der Museumstür an der Prinsengracht Schlange stehen. Denn Jahr für Jahr zieht das Anne-Frank-Haus 1,2 Millionen Menschen an, die die Lebensgeschichte der im KZ Bergen-Belsen gestorbenen Jüdin nachempfinden wollen.

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. 1934 emigrierte die Familie Frank in die Niederlande, um der Verfolgung durch die Nazis zu entkommen. Mehrere Male versuchte Otto Frank, Annes Vater, einen Antrag auf Asyl in den USA zu stellen, doch die Anfragen wurden nie vollständig bearbeitet. Am 4. August 1944 wurden die Familie Frank und die anderen untergetauchten Juden verraten und deportiert. Nur zwei Monate vor der Befreiung des KZ Bergen-Belsen durch sowjetische Truppen verstarben Anne Frank und ihre Schwester Margot, getrennt von ihren Eltern, an Erschöpfung und Typhus. Das Tagebuch, das Anne führte, verfasste sie vollständig auf Niederländisch. Es wurde von der Haushälterin Miep Gies an Otto Frank, der den Holocaust überlebte, übergeben und später mit leichten Änderungen veröffentlicht. Der Weltbestseller gilt als bedeutendes Dokument der Grausamkeit im Zweiten Weltkrieg.

(Quelle: NiederlandeNet, Foto Anne-Frank-Haus, via flickr)

hans_calmeyer

Als Retter von Tausenden Juden in den Niederlanden zur Zeit des NS-Besatzung ging der Rechtsanwalt Hans Calmeyer in die Geschichte ein. Eine ihm gewidmete Dauerausstellung, geschweige denn ein eigenes Museum, sucht man in seiner Heimatstadt Osnabrück bisher aber vergebens. Daran hat auch ein Osnabrücker Ratsbeschluss vom Sommer 2014 nichts geändert.

Entstehen soll es in der mehr als 100 Jahre alten Villa Schlikker, die Hans-Calmeyer-Haus Haus werden soll Das Haus am Heger-Tor-Wall diente von 1933 bis 1945 der NSDAP als Zentrale. Die NOZ berichtet jetzt über eine neun Anstoß:

„Die Holocaust-Überlebende Laureen Nussbaum, eine Jugendfreundin von Anne Frank und ausgewiesene Kennerin ihrer Tagebücher, hat sich bei einem Besuch in Osnabrück für ein Hans-Calmeyer-Haus in der Friedensstadt ausgesprochen. Auch die Politik erhöht den Druck. Kommt nun Bewegung in die Sache?

Nussbaum gehört zu den vielen Tausend Juden, die der Osnabrücker Rechtsanwalt Calmeyer (1903–72) (Foto lks, ©) während des Zweiten Weltkriegs als NS-„Rassereferent“ in den Niederlanden durch Sabotage vor Deportation und sicherem Tod bewahrte. Die 89-Jährige aus Frankfurt war als Kind mit ihrer Familie vor den Nazis nach Amsterdam geflüchtet. Seit den Fünfzigern lebt sie in Seattle (USA). Zur Eröffnung einer dreimonatigen Ausstellung über ihre Jugendfreundin Anne Frank, deren berühmte Tagebücher sie als Germanistikprofessorin studiert hat, reiste Nussbaum jetzt nach Osnabrück.

Wir trafen sie am Montag im Hotel Walhalla, wo sie für eine Dokumentation des Osnabrücker Historikers, Filmemachers und Calmeyer-Experten Joachim Castan vor der Kamera saß. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Nussbaum: „Hans Calmeyer ist ein stiller Held, dabei hat er mehr Juden gerettet als Oskar Schindler. Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, dass in Osnabrück etwas entsteht, das dauerhaft an ihn erinnert und über sein einmaliges Werk informiert.“

Remarque, Nussbaum, Calmeyer

Ihr sei jedoch nicht entgangen, dass die Friedensstadt sich in dieser Angelegenheit viel Zeit lässt.„Ich finde, es dauert sehr lange“, stellte die Holocaust-Überlebende fest. Dabei habe Calmeyer in ihren Augen einen Stellenwert wie zwei andere, gepriesene Ikonen der Friedensstadt: Schriftsteller Erich Maria Remarque und Maler Felix Nussbaum…“

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(Quelle NOZ, Sebastian Stricker)