In einem Wald bei Haselünne-Lotten hat die Reptilien- und Amphibien-Gruppe des NABU Emsland/Grafschaft Bentheim eine ganz besondere Entdeckung gemacht – ein Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) wurde dort festgestellt! Auf die Spur dieses im Emsland sehr seltenen Lurches kamen die NABU-Experten aufgrund des Hinweises eines Anwohners. Bergmolche sind eigentlich typische Bewohner der Mittelgebirge. Doch auch im Flachland finden sich einzelne verstreute Populationen. Im Emsland gibt es Nachweise im Eleonoren Wald bei Vrees und auch bei Salzbergen. Der jetzige Fund ist nun der erste im mittleren Emsland.

Molche gehören zu den Amphibien und haben wie Frösche und Kröten eine weiche Haut, die während der Überwinterung aber etwas fester und rauher ist. Im zeitigen Frühjahr nach der Wanderung zum Laichgewässer wird die Haut dann erneuert, es bildet sich eine weichere Wasserhaut, die stets feucht gehalten werden muss. Das Laichgewässer kann ein Weiher sein, aber auch ein wassergefüllter Wurzeltrichter, eine Pfütze oder ein ruhiger Bachrand. Auch Gartenteiche besuchen Bergmolche gern, allerdings sollte es dort Versteckmöglichkeiten geben und Unterwasserpflanzen, an die die Tiere Ihren Laich heften können.

Aus den Eiern schlüpfen nach zwei bis vier Wochen die Larven und entwickeln sich innerhalb von drei Monaten zum fertigen Molch. Die kleinen Larven haben für das Leben unter Wasser büschelförmige Kiemen. Später bilden sich erst die winzigen Vorderbeinchen, danach die Hinterbeinchen aus. Wenn die Kiemen dann zurückgeblidet werden und die Tierchen an Land gehen, sehen sie wie winzige, weiche und fast durchsichtige Eidechsen aus.

Im Emsland kommen außerdem noch der Teichmolch und der Kammmolch vor. Berg- und Kammmolch sind vom Aussterben bedroht und daher „besonders geschützt“ nach Bundesnaturschutzgesetz und Bundesartenschutzverordnung. Besonders geschützte Arten dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden. Die Zerstörung oder Beeinträchtigung von Kleingewässern durch Zuschüttung oder Eintrag von Müll, Dünger und Umweltgiften gefährden die Bestände aller Molche. Insbesondere während ihrer Wanderungen, etwa vom Winterquartier zum Laichgewässer, werden sie wie alle anderen Amphibien häufig im Straßenverkehr überfahren…

(Foto: Bergmolch OhWeh CC Attribution-Share Alike 2.5 Generic)

 

Der Naturschutzbund (NABU) und mit ihm weitere Verbände und Vereine wollen in Niedersachsen das Volksbegehren Artenvielfalt zum Erfolg führen. Vorbild ist die erfolgreiche Initiative „Rettet die Bienen“ in Bayern. Das Volksbegehren im Süden konnte im Februar letzten Jahres in kürzester Zeit über 1,7 Millionen Unterschriften sammeln. „Das, was die Bayern konnten“, heißt es jetzt beim NABU selbstbewusst, „können wir in Niedersachsen schon lange“.
Der NABU: „Die Bewahrung und die Förderung der Artenvielfalt ist die wichtigste Aufgabe, wenn wir Menschen auf diesem Planeten eine Zukunft haben möchten.Der dramatische Rückgang von Bienen, Schmetterlingen, Amphibien, Reptilien, Fischen, Vögeln und Wildkräutern ist auch in Niedersachsen alarmierend. Deshalb sagen wir: Artenschutz ist keine Frage freiwilliger Absichtserklärungen – sondern für das Gesetzesblatt. Gemeinsam mit weiteren Trägern und vielen Unterstützern starten wir daher ein Volksbegehren zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen.“

Zentrale Punkte des Volksbegehrens lauten:

  • Ausbau des Biotopverbundes in Niedersachsen
  • Verbesserter Gewässerschutz wegen zu hoher Nitrat-Werte im Wasser
  • Erhalt von Dauergrünland
  • Verbesserung des Moorschutzes für den Arten- und Klimaschutz
  • Ausbau des Ökolandbaus
Etwa 610.000 Bürger*innen aus Niedersachsen müssten das Volksbegehren für mehr Artenschutz unterschreiben, damit es ein Erfolg wird. Das Volksbegehren kommt nämlich zustande, wenn es von mindestens 10 % der Stimmberechtigten unterstützt wird. Als Zahl der Stimmberechtigten gilt dabei die Zahl der Wahlberechtigten der letzten Landtagswahl; das waren 6.098.379 Männer und Frauen in unserem Bundesland, davo übrigens 41.680 Stimmberechtigte in Lingen (Ems). In unserer Stadt müssten also beispielsweise etwa 4.200 Stimmen gesammelt werden. Das wird viel ehrenamtliche Arbeit, aber eine, die Erfolg verspricht!
Skepsis gibt es dabei von etablierten Organisationen der traditionellen Landwirtschaft und ihnen nahestehenden Wissenschaftlern. Auch CDU und SPD halten sich bislang eher zurück. Vor einem Jahr Bayern spielte das übrigens für das Ergebnis des erfolgreichen bayerischen Volksbegehrens aber überhaupt keine Rolle.
An diesem Mittwochabend hat sich für das südliche Emsland im Ludwig-Windthorst-Haus im Ortsteil Holthausen/Biene eine lokale Organisationsgruppe gegründet. Sie will ab Ende März/Anfang April doe notwendigen Unterschriften sammeln. Bislang sind hier bei uns folgende Partner dabei: Bündnis`90 – Die Grünen, der NABU Emsland Süd e. V., der Weltladen, der Tauchclub Hydra Lingen e. V., das Ludwig-Windthorst-Haus (LWH), die Kirchengemeinden Lingens und die Klimagruppe Emsland. Die Initiatoren sagen voraus, dass weitere Unterstützer und Unterstützerinnen dazu kommen „ob nun aktiv für Unterschriftensammlungen, Organisation oder Teilnahme von oder an Aktionen, oder passiv, indem ein Poster aufgehängt, Flyer ausgelegt werden… ganz wie es beliebt! Es ist auch möglich „still“ zu unterstützen“ – zum Beispiel mit einer Spende.
Spätestens mit Beginn der Unterschriftensammlung soll auch in der Region die Öffentlichkeitsarbeit in Presse, Medien, Internet mit Postern, Flyern, Videos und kreativen Aktionen starten.
Das nächste Organisationstreffen für das südliche Emsland findet am 11.03.2020 um 19:00 Uhr in der Karolinenstraße 3 statt. Anmeldung erbeten (s. Kommentar von Debora Rusche-Marmouq).
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Foto: Volksbegehren Artenvielfalt Niederdachsen ©NABU Niedersachsen