Es reicht!

25. September 2019

Da schrieb NOZ-Journalist Burkhard Ewert einen außerordentlich seltsamen Kommentar über, man sagt Klimaaktivistin Greta Thunberg. Kernsatz: „Es reicht!“, womit er nicht sich und seine Aussage meinte, sondern die junge Schwedin. Ein Freund der Familie wies ihn per E-Mail so zu recht:

„…mit Abscheu habe ich Ihren heutigen Kommentar zu Greta Thunberg  gelesen – mit Abscheu vor soviel Anmaßung. Haben Sie „wohl“ bedacht, dass diese junge Aktivistin von einer psychischen Entwicklungsstörung betroffen ist, die Ihnen und mir ein derartiges Engagement, die kaum noch begreifliche Energie, das überzeugende Gedankengerüst und das wirkungsvolle Echo bei allen Menschen, die noch halbwegs wach und offen geblieben sind und nicht aufgegeben haben, kaum noch hätte ermöglichen können?

Und haben Sie vielleicht doch oder auch wahrgenommen, dass Angst und Sorge, die das Kind wegen der unabweislichen Klimakatastrophe nicht nur um die Welt und die Menschen, sondern auch um sich selbst hat, ihr ebenfalls nicht im Wege sind, wenn und da sie in der ganzen Welt um Einsicht und Umkehr wirbt.

Und haben Sie wahrgenommen, dass Ihr, auf Verachtung gebürsteter Text gegen Greta Thunberg sich kaum von dem unterscheidet, was unser aller „Freund“ Donald Trump nach ihrem Auftritt in der UNO-Vollversammlung über diese junge Heroein gesagt hat?

Gott sei Dank haben die Verantwortlichen für den Alternativen Nobelpreis da eine andere Sicht als Sie!“

Tja, Herr Ewert. Einer meiner Hochschullehrer hätte zu Ihnen gesagt: „Setzen, Ewert. Ungenügend.“


Foto: Greta Thumberg Anders Hellberg CC Attribution-Share Alike 4.0 International

 

Simone Schnase

3. Mai 2012

Die lange Zeit im Emsland tätige Journalistin Simone Schnase (Foto lks)  fährt nach Nürnberg. Für ihren Artikel „Die Emslandlager und ihre Folgen: Eine  Geschichte von 1933 bis in die Gegenwart“ wird sie dort am Freitag als zweite Preisträgerin mit dem Alternativen Medienpreis in der „Sparte Print“ ausgezeichnet.

In der Laudatio heißt es: „Eines hatte sich die bundesrepublikanische Gesellschaft jahrzehntelang fest vorgenommen: Es durfte nicht über die Verbrechen der Nazi-Zeit gesprochen werden, erst recht nicht über die eigene Beteiligung daran. Hinter diesem harmlosen Begriff, „nicht darüber sprechen“, verbarg sich häufig ein ziemlich rabiater Verdrängungsvorgang. Wehe, wer sich nicht daran hielt und trotzdem den Mund aufmachte!

Diesen Verdrängungsprozess stellt Simone Schnase für den Bereich der Emsland-Lager dar. Erschienen ist der Artikel im lokalen Städte- und Kulturmagazin „Emskopp“. Die Leserin, der Leser erfährt, Redakteure einer lokalen Tageszeitung haben aufgrund ihrer Aufklärungsbemühungen sogar ihren Job verloren. Thematisiert wird auch die Kriminalisierung ehemaliger NS-Häftlinge – in der Nachkriegszeit wohlgemerkt. Noch im Jahr 2004, als eine Hochschulschrift zum Thema präsentiert wurde, gab es feindselige Reaktionen.

Wir freuen uns, dass wir den Artikel „Die Emslandlager und ihre Folgen“ mit dem Alternativen Medienpreis in der Sparte Print auszeichnen dürfen, gibt er doch Einblick in die lokale Ausformung der sogenannten „zweiten Geschichte“ des Nationalsozialismus.“

Glückwunsch an die engagierte Simone Schnase, die  als „sisch“ inzwischen nur noch ab und zu beim Emskopp und arbeitet. Hauptberuflich ist Simone Schnase in der Bremer Redaktion der „Tageszeitung“ (taz) tätig. Daneben arbeitet sie auch für die Lingener Agentur Waehrt.

Der Alternative Medienpreis will Medienprodukte und Medienschaffende abseits des allgegenwärtigen Mainstreams aufspüren und auszeichnen. Der Preis wird jährlich an engagierte und kreative Redakteure und Redakteurinnen, Produzenten und Produzentinnen sowie Autoren und Autorinnen vergeben.  Es werden jeweils zwei Preise in den Sparten Print, Audio, Video und Web vergeben.

(Quelle 1, 2 – Foto: © waehrt.de)

Hermann Scheer

16. Oktober 2010

Hermann Scheer ist tot. Er starb vorgestern in Berlin nach kurzer schwerer Krankheit an Herzversagen. Scheer, der in Waiblingen bei Stuttgart lebte, hinterlässt seine Frau und eine erwachsene Tochter.

Die Nachricht hat mich bestürzt. Vor zehn Jahren durfte ich den herausragenden Politiker kennen lernen, als er auf Einladung von Wilfried Telkämper nach Lingen kam, ganz wenige Tage nach dem Beschluss über „sein“ wirklich revolutionäres Gesetz über Erneuerbare Energien.  Mich hat der damals wegen seines Einsatzes für die Solarenergie frisch gekürte Träger des „Alternativen Nobelpreises“ außerordentlich beeindruckt. Peter Unfried hat in seinem Nachruf heute in der taz meine Gedanken und Gefühle am Besten getroffen. Er schreibt:

„Hermann Scheer war nicht nur „ein SPD-Politiker“. Er war der herausragende Politiker seiner und unserer Zeit. Am Donnerstag ist er unerwartet mit 66 Jahren gestorben.
Wenn man eines Tages die Namen von aktuellen Spitzenpolitikern längst vergessen haben wird, speziell jene der SPD, dann wird man sich immer noch erinnern an einen herausragenden Weltpolitiker, Intellektuellen und Humanisten unserer Zeit. An Hermann Scheer. Am Donnerstag ist er in Berlin mit 66 Jahren völlig unerwartet gestorben.
Um es auch für den popkulturell konditionierten Teil der Gesellschaft klarzumachen: Hermann Scheer ist größer als die Beatles. Über seine Bedeutung kann heute noch kein Konsens bestehen. Aber das wird sich ändern. Scheer hat die Wende zu hundert Prozent erneuerbaren Energien nicht nur früh als zentrale Aufgabe der Gegenwart erkannt, er sah die gesellschaftliche und soziale Dimension, er war in der Lage, die ökologische Transformation zu denken. Mehr: Er war sicher zu wissen, wie man sie hinkriegt…“
weiter hier auf der Seite  der taz

Am Montag wollte Hermann Scheer in München sein neuestes Buch vorstellen: „Der EnergEthische Imperativ „. Darin stellt er dar, warum und wie der rasche Wechsel zu Erneuerbaren Energien stattfinden muss. Es ist sein Vermächtnis. Sie sollten es lesen.