Touché, Andre!

6. September 2021

Andre Schoo ist stresserprobt. Nicht nur weil er lange Jahre wegen seines strammen Linksausschusses in den Herrenmannschaften des Altenlingener Sportvereins ASV Leistungsstütze war. Vor allem ist er auch Intensiv- und Anästhesiepfleger im hiesigen Krankenhaus, erprobt als Pflegekraft von Corona-Erkrankten. Da muss man schon Nerven haben und behalten. Der Vater zweier Söhne ist schließlich auch seit 2016 Vertreter der Bürgernahen im Ortsrat Altenlingen. Das ist das Gremium, was vor rund einem Dutzend Jahren Applaus zur Abholzung des eigenen Altenlingener Waldes spendete und keine Einwände gegen den Kahlschlag hatte. Jetzt, im Kommunalwahlkampf 2021 singen die Holzhacker von damals zwar das hohe Lied des Naturschutzes und wollen aber, hinter vorhealtener Hand, vielleicht dann doch eine Straße durch den Forst schlagen, die sog. „Nordtangente“ – wenn man sie lässt. Und der Altenlingener Ortsbürgermeister plakatiert dazu den passenden Satz: „Nicht reden. Machen!

Andre Schoo hat darauf die richtige Antwort. In einem Brief von ihm und der klugen BN-Kandidatin Anne Reul an ihre Altenlingener Nachbarn schreiben beide diese persönliche Anmerkung:

„Der Ortsbürgermeiser wirbt mit „Nicht reden. Machen!“. Diese Art von Politik ist nicht unsere Sache. Sie erinnert an Zeiten, in denen im Altenlingener Forst einfach gemacht und abgeholzt wurde. Diese Zeiten wollen wir nicht zurück. Wir wollen“, heißt es in dem Brief an die Altenlingener Wählerinnen und Wähler weiter, „mit Ihnen reden, ergebnisoffen und fair, um so die beste Lösung zu finden. Das ist unser Weg.“

Touché, sagt man dazu.

Authentisch

28. Februar 2009

Cool! Entwickelt sich LT-Redakteur Pertz etwa zum investigativen Journalisten? Heute kommentiert der Nestor der unkritischen Berichterstattung die letzte Ratssitzung u.a. so:

„Als Robert Koop, fraktionslos und damit letzter Redner auf der Liste, vorgetragen hatte, wurde abgestimmt… Und die CDU? Schweigen. Da wird „höchste Rücksichtslosigkeit gegenüber natürlichen Ressourcen“ angeprangert, wie es Robert Koop tat. Doch diese Steilvorlage ließ die CDU ebenfalls ungenutzt verstreichen. Warum sagte sie nicht, dass auch Koop Ende 2007 zu den 39 von 40 Ratsmitgliedern gehörte, die dem Erwerb von 85 Hektar Wald vom Forstamt zustimmten? Und das zu einem Preis, der glasklar deutlich machte, dass ein Teil des Waldes für die Nordtangente und das Logistikzentrum verwendet würde?“

Die LT berichtet über einen kommunalen Grundstückskaufvertrag! Und den Preis! Und auch noch falsch!

Fakt ist: Natürlich habe ich dem Kauf der Waldflächen zugestimmt. Das habe ich ja selbst in der Ratssitzung am Donnerstag und auch immer wieder in den Tagen und Wochen zuvor öffentlich erklärt und begründet: „Damals fürchtete ich den Verkauf dieser Flächen durch das Land Niedersachsen an die BP oder andere Investoren, und ich war mir sicher, dass kein Lingener jemals auf die Schnapsidee kommen werde, diesen ökologisch einzigartigen Wald zu vernichten. So etwas habe ich mir nicht vorstellen können. Diese Annahme war leider falsch.“ Der Preis war übrigens für Waldflächen normal.

Übrigens habe ich exakt die Argumente und Argumentation, die Herr Pertz heute in seinem Kommentar verwurstet, schon mal gehört: Ein führender Mann aus dem Lingener Rathaus sprach sie nahezu wortgleich – am Donnerstagabend direkt nach der Ratssitzung.  Sie müssen nämlich wissen, dass man nach einer mehrstündigen Ratssitzung noch beisammen steht, vielleicht ein Bier trinkt oder auch eine Apfelschorle. Und da hörte ich den Kommentar das erste Mal. Womit für mich klar ist:  Nachgeplappert hat er bloß die Meinung der Verwaltungsspitze, der mit Halbwahrheiten angefütterte Herr Pertz. Rückgefragt hat er bei mir und anderen dann auch folgerichtig nicht. Das ist eben Investigationsjournalismus á la Lingener Tagespost. So versteht der LT-Mann eben seine Tätigkeit. Dafür bekommt er auch keinen zusätzlichen Verkehr durch die Baccumer Brömmelkampstraße, weil demnächst nebenan 25 neue Einfamilienhäuser gebaut werden. Dagegen hatte Anlieger Pertz nämlich im Rathaus opponiert und die jüngst beschlossene Bebauungsplan gibt ihm recht…

ps Ebenfalls authentisch ist noch diese Information der Bürgerinitiaitive pro-Altenlingener Forst:

Am Sonntag den 01.03.2009 um 17:00 Uhr wollen wir gemeinsam unseren sterbenden Stadtwald vermessen! Wir erwarten Euch mit Bandmaß oder Zollstock am Hohenpfortenweg / Ecke Waldstrasse vor dem abgeholzten Bereich.

Sehen wir uns?

Holzvollernter

12. Februar 2009

Holzvollernter vor dem Einsatz

Holzvollernter vor dem Einsatz

Die drei betroffenen CDU-Ratsherren Reinhold Diekamp (Betriebsrat auf der Erdölraffinerie), Michael Koop (Altenlingen) und Dr. Karl-Heinz Vehring (Heukamps-Tannen)  fehlten bei der heutigen Ratssitzung, in der die CDU-Mehrheit den Bebauungsplan Nr. 20 be- und den Internet-TV-Sender Emsland-eins von der Bildberichterstattung ausgeschlossen hat. Alle hatten guuuute Gründe: Reinhold Diekamp war (bis zum frühen Nachmittag als) Schöffe bei der 5. Strafkammer des Landgerichts Osnabrück, Michael Koop war in Familie unterwegs und Karl-Heinz Vehring arbeitete wohl in seiner Arztpraxis. Alle drei können also ihren Wählern mit Fug und Recht sagen, dass Sie nicht für die Baumfällaktion gestimmt haben. Die andere CDU-Truppe schwieg; wohl deshalb wollten sie Emsland-eins nicht aufnehmen lassen und lehnten meinen Antrag ab, das von OB Heiner Pott (CDU) hinausgeschickte Kamerateam hinein und damit die Berichterstattung über die Ratssitzung zu zulassen.

OB Heiner Pott (CDU) gab in einer spannenden „Einwohnerfragestunde“ mit engagierten, kritischen Bürgern den Alleinunterhalter, aber oft keine oder ausweichende Antworten auf harte Fragen. Später äußerte sich dann CDU-Fraktionsvorsitzender Werner Schlarmann als einziger von allen CDU-Ratsherren. Seine Rede sollte wohl staatstragende Verrantwortung zeigen; auf mich wirkte sie eher verkrampft-pathetisch. Sonst -wie gesagt- schwiegen die in ihrer Fraktionsdisziplin verstrickten und gefangenen Damen und Herren der Mehrheit. Sie wollten wohl nicht reden. Was sollten sie zu diesem einseitigen Projekt auch inhaltlich Sinnvolles sagen?

In einer besonderen Ausgabe des Amtsblatts des Landkreises Emsland wird der Beauungsplan wohl noch am Samstag (14.02.09) veröffentlicht, wenn man bei dieser Spezialpostille für emsländische Verwaltungen, die man an keinem Kiosk kaufen kann, von Veröffentlichen reden mag. Und spätestens am Montagmorgen dröhnen die  Holzvollernter (Foto) im Bereich östlich der Waldstraße.

Heute schrieb in einer Leserzuschrift an die „Lingener Tagespost“ die im 9. Lebensjahrzehnt stehende Luise Sellin, der Protest der Anwohner sei „zu spät und unnütz“. Darin irrt die engagierte Rentnerin, die ich seit fast 40 Jahren aus der SPD kenne und schätze: Einmal wurde das gesamte engere Bebauungsplanverfahren in nur drei Monaten durchgezogen; sonst dauert derlei leicht ein Jahr. Und als die Betroffenen, denen man sogar eine Bürgerversammlung vorenthielt, merkten, was da vor ihrer Tür durchgepeitscht wird, haben sie sich engagiert. Früher ging kaum! Und keineswegs unnütz ist die Erfahrung engagierter Bürgerinnen und Bürger, wie man in Lingen mit ihren Bedenken umgeht. Luise, Deine Nachbarn merken sich das. Da bin ich mir sicher.

Ach ja – Wikipedia sagt: Als Holzvollernter, Waldvollernter oder Kranvollernter (engl. „harvester“) bezeichnet man spezielle Holzernte-Maschinen, welche halbautomatisch Fällung, Entastung und Sortimentsbildung durchführen. Werden gleichzeitig noch die Äste zu Hackschnitzel zerkleinert, spricht man von einem Hackschnitzelharvester.

Heute Mittag war ein solcher Holzvollernter schon im Abholzgebiet aufgefahren, wurde aber Nachmittags umgehend wieder abgezogen, als die Bürger im Ratssitzungssaal protestierten. War wohl ein Regiefehler und das Gerät wurde schnell beiseite gefahren. Aber am Montag geht’s dann los, wie ich gehört hab‘. Auf mehr als 10 Hektar alle Bäume weg, und das ist nur der Anfang von 110 Hektar. Schrecklich.

Wenn Sie als Freier Wähler persönlich sehen wollen, was derlei Gerätschaften, so man sie einsetzt, in Verbindung mit absoluten Mehrheiten anrichten, sollten Sie am Samstag um 13.30 Uhr den Waldspaziergang der Initiative pro-Altenlingener Forst (Start: Waldstraße, ehem. Hohenpfortensiedlung) mitgehen und eine Woche später wiederkommen. Sie werden sich grausen.

(Foto: Jörg Müller Fotografie,  Naunhof )