in unserem Städtchen

25. September 2017

Was mir hier in unserem Städtchen bei dieser Bundestagswahl aufgefallen ist?

In Lingen (Gesamtergebnis links) ist die CDU enttäuscht. Trotz Kanzlerin Merkel ist sie auf das Niveau der Wahlen von 2005 bzw. 2009 gefallen. Gegenüber 2013 hat sie auch hier fast 8 % bei den Zweiitstimmen und knapp 6 % bei den Erststimmen eingebüßt. Trotz Goldenem Buch und so. Sie erinnern sich?

In die Knie ging die SPD im Bund und auch in Lingen (Ems). So schlecht war sie bei einer Bundestagswahl noch nie. Schon vorher war sie in Lingen nicht einmal optisch präsent. So hatte sie -neben den kommerziellen Großtafeln-  beispielsweise nur 90 Plakate gekauft und aufgehängt. Am Ende hing vielleicht noch ein halbes Dutzend. Ausnahme Baccum, wo dies aber am Ergebnis nicht änderte..

FDP-Kandidat Jens Beeck bekam weniger persönliche Erststimmen (2562) als seine Partei Zweitstimmen (3117). Das überraschte mich dann doch. Beeck ist trotzdem -Glückwunsch, Jens!- über die niedersächsische FDP-Landesliste in den Bundestag gewählt und fährt morgen nach Berlin. Worüber wir uns gemeinsam freuen dürfen. Nach vier Jahren sitzt wieder ein Lingener im Bundestag.

Ganz vorn bei der Preisverleihung für den verharmlosendsten AfD-Bericht dieser Bundestagswahl sind Lingener und Meppener Tagespost für diesen, ihren Kumpel-Artikel; denn er schaffte es zwanglos, ohne eine einzige kritische Frage an den lokalen AfD-Rechten auszukommen. Das war schrecklich (und) peinlich. Die so kumpelhaft dahergeschriebene AfD kam auch in unserer Stadt auf nahezu 6%.

Last but not least:
Wo war eigentlich OB Dieter Krone? Zumindest zur Wahl hätte der erste Bürger dieser Stadt aufrufen dürfen. Hat er nicht, obwohl das Demokraten eigentlich immer machen. Da passte es ins Bild, dass die Internetseite der Stadt Lingen am Wahltag mit der Ausschreibung einer Erzieher/in-Stelle, einer Elternbildungsveranstaltung, der Kinder-Kultur-Kiste und einem Hinweis auf die Lingener Herbstkirmes ihre Leser überraschte. 

Wie geht’s weiter?
Noch gestern Abend hat die gebeutelte CDU den Startschuss für die heiße Phase des  niedersächsischen Landtagswahlkampfs 2017 gegeben. Gut organisiert plakatierte sie um bzw. neu. Christian Fühner strahlt nun plakatmäßig auf Albert-Stegemann-Untergrund. Ich bin gespannt, wie lange die Lingener SPD diesmal für denselben Werbeschnitt braucht. Viel Zeit hat sie nicht: Immerhin wählen wir schon in drei Wochen den neuen Landtag. Der vorgezogene Termin war notwendig, weil die grüne Abgeordnete Elke Twesten in ihrem Wahlkreis nicht wieder als Kandidatin aufgestellt worden war und daraufhin zur CDU wechselte. Sie erinnern sich? Jedenfalls zum 15. Oktober könnte OB Krone aber doch seine Lingener dazu aufrufen, zur Wahl zu gehen. Das will er im kommenden Frühjahr doch auch, wenn der OB gewählt wird.

 

Rang 2

28. Juli 2014

Er ist eben Landwirt und verdient zu seinem Abgeordnetenbezügen (viel) hinzu. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann aus unserem Bundestagswahlkreis. Darüber informiert heute DER SPIEGEL. Guckst Du:

Bildschirmfoto 2014-07-28 um 08.58.59

Der Berg bröckelt

10. Oktober 2012

Die heutige Wahl von Albert Stegemann aus Ringe (Foto re.)  in der Niedergrafschaft Bentheim bedeutet nicht nur einen Generationswechsel in der regionalen CDU. Sie stellt eine deutliche Schwächung der mitgliederstarken CDU des Altkreises Lingen dar. Der frühere CDU-Abgeordnete Hans-Gert Strube analysiert: „Der Lingener CDU-Kreisvorstand hat versagt. Man geht nicht mit zwei Kandidaten in so eine Wahl“. Recht hat er. Das gilt umso mehr, wenn die unterlegenen Gegenkandidaten in der CDU Altkreis Lingen der stellv. Keisvorsitzender (Evers, Salzbergen) bzw. Schatzmeister der Altkreis-CDU (Rekers, Spelle) sind. Stegemann darf sich allemal freuen. Der 36jährige Außenseiter wird die Region zumindest für die -schätze ich- nächsten 12 Jahre in Berlin vertreten und die CDU von Ems und Vechte da wie hier repräsentieren.

Und was wird der neue Stegemann leisten? Er ist praktizierender Landwirt. Das ist in etwa der genaue Gegenentwurf eines über den regional-nationalen Tellerrand schauenden Ökonomen, wie die Region ihn braucht.

Aber die CDU im Altkreis Lingen unter ihrem kraft- und glücklos wirkenden Vorsitzenden Heinz Rolfes (Clusorth-Bramhar) hat mehr als nur eine Kandidatenkür verloren, dessen bin ich überzeugt. Und die CDU in der Stadt Lingen (Ems) hat überhaupt niemanden mehr, der in der Tradition von Politikern wie Ritz, Strube und Kues steht oder stehen könnte.

Speziell die Lingener CDU darf wohl nurmehr den Gastgeber spielen und muss sich mit Blaskultur aus Freren begnügen. Sie hat mehr als nur verloren. Sie hat sich blamiert.

Freunde, der Berg bröckelt.

(Foto: Albert Stegemann, © CDU Emsland-Osnabrück)

Urwahl

9. Oktober 2012

Morgen bestimmt die regionale CDU in einer Urwahl, wer die Nachfolge des langjährigen Bundestagsabgeordneten Dr. Hermann Kues (Lingen, Foto re) im Wahlkreis 32 (Mittelems) antreten wird. Immer seit  Gründung der Bundesrepublik hat der CDU-Kandidat in unserer Region den Wahlkreis gewonnen. Wer sich also morgen CDU-intern durchsetzt, darf in Berlin schon einmal auf Wohnungssuche gehen.

Im Vorfeld hatten sich die Bewerber Franz-Josef Evers (45, Salzbergen), Georg Hennekes (56, Meppen), Martin Rekers (42, Spelle) und Albert Stegemann (36, Ringe) in drei Veranstaltungen in Meppen, Lingen und am vergangenen Donnerstag in Nordhorn vorgestellt. 160 CDU-Mitglieder lauschten dort den Beiträgen. Der zuvor in Meppen (50 Teilnehmer) nicht einmal anwesende fünfte Bewerber ist der 67jährige Johann H. Grotehölmann (Uelsen) und  soll der Vollständigkeit halber erwähnt werden; er hat aber keine Chancen.

Nach der Lingener Veranstaltung vor immerhin 170 Besucherinnen und Besuchern hatte ein irritierter Carsten von Bevern in der Lokalpresse die Auftritte der Kandidaten kommentiert, ob nicht etwas mehr „Kante zeigen“ angesagt sei. Von Bevern war lange Jahre selbst aktiv in CDU und JU und wenn ein solcher Mann schon „fehlenden Mut“ bei den eigenen Leuten beklagt…

Rund 4300 CDU-Mitglieder aus der Region können also am Mittwochabend in den eigens dafür gebuchten Lingener Emslandhallen ihren Mann für Berlin wählen. Dieses demokratische Verfahren empfinde ich schon als beeindruckend, allemal im Vergleich mit dem, was sonst so bei Kandidatenaufstellungen geschieht  Das Ergebnis der Kür kann niemand vorher sagen.  Mir fällt nur auf: Die Lingener CDU ist weiterhin so schwach, dass  sie keinen Kandidaten und keine Kandidatin für diese wichtige Aufgabe in ihren Reihen findet. Und das CDU-Personal ist weiterhin reine Männersache. Frauen kandidieren nicht bei der CDU-Urwahl an Ems und Vechte.

Ich nehme an, dass Tobias Dankert (@tobilingen) aus den Emslandhallen twittern wird. Auf diesem Weg erfährt, wer will, Verlauf und Ergebnis am schnellsten.