Abschalten

23. April 2011

25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wollen wir deutlich machen: Atomkraft darf keine Zukunft haben! Nicht in Lingen, nicht an anderen Orten!

Zunächst gibt es von 10 bis 12 Uhr auf dem Lingener Marktplatz Infostände. Hier liegen Unterschriftenlisten aus und es werden weiße Luftballons fliegen, um zu zeigen, dass sich Strahlung nicht eingrenzen lässt.

Um 13 Uhr beginnt ein Demonstrationszug vom Pferdemarkt über die Wilhelmstraße, Klasingstraße, Gymnasialstraße, Kirchstraße, Konrad-Adenauer-Ring, die Bernd-Rosemeyer-Straße und die Marienstraße zum Lingener Rathaus. Hier findet eine Abschlusskundgebung statt.

Medien-Tsunami

12. April 2011

Horst Kemmeter, Leiter des des Kernkraftwerks Emsland sagte aus Anlass der Podiumsdiskussion im Ludwig-Windthorst-Haus gestern Abend in einem Interview mit der Ems-Vechte-Welle:

„Deutschland ist nicht die Welt. Um uns herum werden die Ereignisse in Japan mit weniger Emotionen diskutiert. Man lässt sich mehr Zeit, um die Bewertung in Ruhe und vernünftig vornehmen zu können. In Deutschland war der „Medien-Tsunami“ auch nachfolgend….Man verunsichert und arbeitet mit Ängsten bei unserer Bevölkerung.  Es ist unsere Sicherheitskultur, aus den Ereignissen Lehren zu ziehen. Diese Lehren werden mit Sicherheit gezogen, und die politische Neuausrichtung wird im Juni erfolgen.“

Unglaublich,  dieser Ton :

„Medien-Tsunami, vernünftig, Bewertung in Ruhe, mit weniger Emotionen, mit Ängsten arbeiten, mit Sicherheit, politische Neuausrichtung“

ps Weitere  Einzelheiten über den Abend im „LWH“ gibt es hier  im EVW-Podcast und eine Aufzeichnung der gesamten Diskussion wird am kommenden Sonntag (17.04.2011) ab 9:00 Uhr auf der Ems-Vechte-Welle (u.a. 95,6 MHz)  gesendet.

Abklingbecken

11. April 2011

Die Lingener Ratsmitglieder von Bündnis’90 – Die Grünen haben jetzt nachgefragt:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Krone!

Die AKW-Betreiber in Lingen beantworten in der letzten Zeit unsere Anfragen so außergewöhnlich kurz wie noch nie – so auch unsere letzte, die wir in der Ratssitzung erhielten.

1. Wir beantragen daher, die Vertreterinnen und Vertreter des Atomkraftwerks Lingen zur übernächsten Sitzung des Umweltausschusses zum Thema „Sicherheit und Gefahren – Atomkraftwerk Lingen II“ (ordentlicher TOP) vortragen zu lassen.

2. Das Magazin Monitor berichtete am 7.4.11 u. a.:
„Statt die Brennelemente wenigstens relativ sicher in Castoren zu lagern, ist es viel billiger, sie einfach länger im Wasser stehen zu lassen. Denn wenn sie hier weiter abkühlen, kann man später auch mehr von ihnen in einen teuren Trockenbehälter verpacken. So wird das Abklingbecken zum Zwischenlager, um Kosten zu sparen. Wie voll die Becken in Deutschland sind, belegt diese vertrauliche Liste der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Da steht, dass allein im Kernkraftwerk Isar I das Abklingbecken zu 91 % voll ist. Vor allem mit alten Brennelementen, die längst transportfähig wären. Im Schnitt aller deutschen Kernkraftwerke sind es 83 %.“

Wir fragen daher:

1. Wieviele Brennelemente lagerten im Atomkraftwerk Emsland in Abkühlbecken zum 31.3.11?

2. Wieviele Brennelemente lagerten im Zwischenlager des Atomkraftwerk Emsland (31.3.11)?

3. Bis wann ist das Zwischenlager als Zwischenlager genehmigt?

4. Wie voll würde es sein, wenn das AKW Emsland bis zum Jahr 2051 laufen würde.

Wir bitten darum, dass uns die – möglichst ausführlichen – Antworten baldmöglichst mit der Ratspost zugestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Fuest

ps Zwei Hinweise:
a) Heute Abend um 18 Uhr findet die Mahnwache vor dem hist. Rathaus statt.

c) Anschließend veranstaltet das Holthausener Ludwig-Windthorst-Haus einen Akademieabend. Ab 19.30 Uhr wird über das Thema „Nichts ist mehr, wie es war“ über Kernenergie nach Fukushima diskutiert. Auf dem Podium dabei der in Lingen aufgewachsene Hannoveraner Theologe Prof. Dr. Jürgen Manemann, Horst Kemmeter (Leiter Kernkraftwerk Emsland), Dr. Gerhard Feige (Abteilungsleiter Atomaufsicht, Strahlenschutz im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz) und Michael Fuest (Ratsmitglied Lingen, Bündnis’90 – Die Grünen) .
Eintritt 6 Euro (erm 4 Euro)

pps Ein weiterer Nachtrag:
Hier ein kleiner Blick zurück in eine fern zurückliegende, betreiber-dröhnende Zeit: Vor gerade mal zwei Monaten…

ppps Und noch dies:

a) die Theorie durch einen Lingener Praktiker:

Wie steht es denn um die Sicherheit bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen?

Unsere Anlage ist gegen Erdbeben gesichert, obwohl solche Ereignisse im Emsland aufgrund seiner Bodenstruktur nicht zu erwarten sind. Was das Thema Flugzeuge anbelangt, so schützt die dicke Reaktorkuppel aus Stahl und Beton gegen Abstürze von Passagierflugzeugen und auch schnell fliegenden Jagdmaschinen. Nach dem 11. September wurden außerdem zusätzliche Maßnahmen getroffen. Was die Nähe zum Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range anbelangt, ist anzumerken, dass die Flugbewegungen insgesamt rückläufig sind. Unser Kernkraftwerk darf von den Militärmaschinen nicht überflogen werden, weil hier eine Flugverbotszone eingerichtet wurde.

b) die Antwort:

 

Spuren

31. März 2011

Der „Elternverein Restrisiko Emsland“ entstand vor 25 Jahren in der Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Damals hätte der Verein die zusätzliche Radioaktivitätsbelastung vor allen in Lebensmitteln nicht hätte messen können, wenn es keine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Physik der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg gegeben hätte. Eben dort wird die Radioaktivität in der Luft am Standort Wechloy seit dem 29.03.2011 kontinuierlich gemessen.

Dabei, so das Institut, wurden Spuren von Jod-131 (J-131) aus Fukushima nachgewiesen. Für die Messung wird über einen längeren Sammelzeitraum Luft durch einen geeigneten Filter gesaugt, der anschließend gammaspektrometrisch analysiert wird. In der folgenden Liste wird jeweils die über den Sammelzeitraum gemittelte Konzentration von Jod-131 in mBq/m3 (Millibecquerel pro Kubikmeter = Tausendstel Becquerel pro Kubikmeter) angegeben:

  1. 29.03.11 17:10 – 30.03.11 08:15: 2,2 mBq/m3
  2. 30.03.11 15:40 – 31.03.11 08:15: 1,2 mBq/m3 (vorläufig)
  3. weitere Daten folgen.

Mehr hier auf der Internetseite des Instituts.

Tuning

28. März 2011

Die Atomkraft-Konzerne RWE und Eon wollen nach Darstellung des Magazins „Der Spiegel“ die Leistung von deutschen Atomreaktoren steigern. Dies gilt auch für das Lingener „Kernkraftwerk Emsland“. Einen entsprechender Antrag hat die Betreibergesellschaft bei den Aufsichtsbehörden eingereicht.

Die Leistungserhöhung wäre nicht die erste. Bei Inbetriebnahme 1988 betrug die Leistung 1.316 MWe. Die derzeitige Reaktorleistung von 1.400 MWe ergibt sich aufgrund einer thermischen und mehrerer elektrischen Leistungserhöhungen, die nachträglich beantragt und genehmigt wurden.

Dem „Spiegel“ zufolge sollen aus vier jüngeren Kraftwerken Emsland, Grohnde, (beide Niedersachsen) Gundremmingen und Grafenrheinfeld (beide Bayern) künftig (noch) mehr heraus geholt werden. Alle vier sind im Rahmen des sog. Atommoratoriums nicht abgeschaltet worden.

Über den Antrag der Betreibergesellschaft für das AKW Emsland hat das niedersächsische Umweltministerium unter seinem Minister Hans-Herinrich Sanders (FDP) schon im vergangenen Jahr positiv entschieden. Das Bundesumweltministerium forderte im Februar allerdings weitere Unterlagen des Antragstellers für die Entscheidung. Denn mehr Leistung birgt Sicherheitsrisiken. „Es ist ein bisschen wie bei aufgemotzten Autos, die schneller kaputtgehen“, sagte Wolfgang Renneberg, Ex-Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Ministerium, zum „Spiegel“. Bei dem Lingener Druckwasserreaktor etwa wird die Temperatur im Reaktor ansteigen. Versagt dann das Kühlsystem, bleibt den Technikern deutlich weniger Zeit, die Anlage zu stabilisieren.

 

Nachtrag: Bündnis’90/Die Grünen kritisieren den niedersächsischen Umweltminister. Der weist die Kritik zurück. Mehr…

(Foto KKE: © dendroaspis2008 flickr)

Grammatik

27. März 2011

„…Am 26. August besuchte die Bundeskanzlerin Angela Merkel das Kernkraftwerk Emsland im Städtchen Lingen, es gehört RWE und Eon.“

Zitat FAS, 27. März 2011

Ganz sicher

25. März 2011

Die Diskussion über die notwendige Abschaltung der Atomkraftwerke bekommt aus Lingener  Sicht einen neuen und ganz  lokalen Schwerpunkt, über den gestern auch der Lingener Stadtrat kurz und freimütig diskutiert hat.  Laut Atomgesetz können nämlich die RWE als Betreiber des Kernkraftwerk Emsland überzählige Strommengenkontingente von stillgelegten Atomreaktoren auf die Lingener Anlage (Foto re.) übertragen, die dann entsprechend länger laufen kann. Ziel der Regelung war seinerzeit, die Betreiber zu veranlassen, die ältesten Anlagen schneller vom Netz zu nehmen.

Unsere schwarz-gelbe Herumruder-Koalition hat nun aber allen deutschen AKW im vergangenen Jahr große Mengen zusätzlicher Stromkontingente genehmigt. Damit können die alten Anlagen 8 Jahre und die neueren AKW 14 Jahre länger laufen.

Für Lingen bedeutet dies eine erhebliche Veränderung: Würden die ältesten sieben AKW tatsächlich in Kürze stillgelegt, so könnten die Betreiber diese riesigen unverbrauchten Strommengen auf jüngere Kraftwerke übertragen. Wegen der Laufzeitverlängerung hat die Übertragungsregel jetzt die absurde Folge, dass diese „jüngeren“  AKW bis über 2050 hinaus betrieben werden könnten. Konkret: Mit den Strommengen der unsicheren, alten AKW Biblis A und Biblis B könnte der Betreiber RWE die Laufzeit des AKW Emsland von bisher 2033 bis 2051 weiter verlängern. Erst dann -mit 63- ginge es in Rente.  So ist die aktuelle Gesetzeslage nach dem Atomgesetz. Im Rat wurden ich und der Kollege Michael Fuest (Bündnis’90/Die Grünen) gestern der Panikmache gescholten, als ich darauf hinwies und Michael Fuest zustimmte.

AKW Lingen bis 2051? Ich bin dann 100. Ganz sicher.

(Quelle; Foto:  AKW Emsland, alle Rechte:  Dendroaspis2008 flickr)

Mahnwache

21. März 2011

Bei der zweiten. vom Elternverein Restrisiko Emsland eV organisierten AKW-Mahnwache  habe ich heute um 18.15 Uhr 185 Personen gezählt, also mehr als vor einer Woche. Bundesweit wurden gleichzeitig Mahnwachen in 726 Orten durchgeführt mit 142.000 Teilnehmern. In Fukushima ist es weiterhin dramatisch, wie Sie wissen.  Ein Grund, dass am kommenden Montag die dritte Mahnwache stattfindet. Um 18 Uhr auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus.

(Screenshot: Lingener Marktplatz, 21.3.2011, 18.29 Uhr)

 

Demonstrationen

19. März 2011

Jetzt ist es wichtiger denn je: In den kommenden Tagen und Wochen muss unser Protest gegen Atomkraft auf die Straße! Am Samstag, 26. März werden unter anderem in Berlin,Hamburg und Köln und einer der süddeutschen Großstädte  Großdemonstrationen stattfinden.
Weiterhin sind für den 9. und den 25. April – dem Jahrestag des Super-GAU in Tschernobyl- Aktionen überall im Bundesgebiet geplant. Genauere Informationen dazu folgen bald hier .

ps Montagabend (21.03.) um 18 Uhr vor dem historischen Rathaus in Lingen (Ems) wieder eine Mahnwache.

16. März 2011

16. März 2011