Atomteller

24. August 2016

AtomtellerKKEFür alle Atomkraft-Nein-Danke-Fans das Geschenk des Jahres: Dieses Online-Angebot der RS Handel GmbH. Ergriffen dürfen wir dies lesen:

Wandteller stehen für Heimat, Idylle und Nostalgie. Bebildert mit technologischen Relikten. Früher mit Windmühlen, heute mit Atomkraftwerken. Die Tage der Windmühlen sind längst vergangen und nun neigt sich die Dämmerung über die Ära der deutschen Atomkraft. Höchste Zeit also, Atomkraftwerke als das zu zeigen, was sie sind: „Denkmäler des Irrtums – Hoffnung von Gestern – Folklore von Morgen“ Ein Gedankenspiel führte die Autorin/Regisseurin Mia Grau und den Architekten/Gestalter Andree Weissert zu der Idee einer futurnostalgischen Erzählung. Sie machten daraus ein Objekt: die Atomteller.

Produktbeschreibung

Material: Porzellan
Abmessung: d = 20 cm
Farbe: Kobaltblau
Eigenschaften: spülmaschinenfest und mikrowellengeeignet– im Geschenkkarton 
– inkl. einer 56-seitigen Broschüre
– in Deutschland hergestellt

Alle Aquarelle auf den Atomtellern wurden von der Porzellanmalerin Heike Tropisch umgesetzt. Ihr Handwerk erlernte sie bei der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM).

Hergestellt werden die Atomteller in einem Bundesland ohne Atomkraftwerke: In der Porzellanmanufaktur Reichenbach in Thüringen. Seit 1830 wird hier hochwertiges Gebrauchs- und Dekorporzellan gefertigt. In einem aufwendigen Verfahren brennt Reichenbach die Atomteller-Motive in die Glasur der Teller ein.

Das Einzelexemplar kostet übrigens 39,- Euro plus 5,- Euro DHL-Versand. Bei so einem  Schnäppchen darf gestrahlt werden

Sicherheit

4. April 2011

Das 23 Jahre alte AKW im Emsland darf nach dem schwarzgelben Laufzeitverlängerung noch weitere 23 Jahre in Betrieb bleiben. Mindestens. Die ZEIT begleitete jetzt einen Sicherheitsinspektor in dem Lingener Meiler. Hier geht es zur Darmer Innenansicht:

Wenn der Inspektor kommt

Zusätzliche Kontrollen hat die Regierung versprochen. Doch mehr Prüfen bringt nicht automatisch mehr Sicherheit. Unterwegs mit einem amtlichen Aufseher im Kernkraftwerk EmslandUm 9.30 Uhr parkt Oliver Pietsch seinen Dienstwagen vor dem Verwaltungsgebäude des Atomkraftwerks in Lingen. Im Erdgeschoss links, am Ende des Flurs, hat Pietsch ein Büro – »Sonnenseite, unklimatisiert«, sagt er und holt seine Turnschuhe aus dem Schrank.
Anzeige

Zu Fuß geht es zum Haupttor des hoch umzäunten und von einem Wassergraben umgebenen Sicherheitsbereichs. In der Personenschleuse wird zum ersten Mal die Strahlung gemessen. Niemand soll kontaminiert hineinkommen, damit die Radioaktivität später beim Hinausgehen nicht irrtümlich dem Atomkraftwerk angelastet wird.

Pietsch ist bei der niedersächsischen Atomaufsicht für die Sicherheitsprüfungen des Kernkraftwerks Emsland (KKE) zuständig. Seit fünf Jahren macht der gelernte Maschinenbauer den Job. Jede bauliche Veränderung, jeder Austausch einer Armatur, jedes neue Brennelement muss er kontrollieren und genehmigen. 3713…

Weiter auf der Seite von DIE ZEIT

Wenn Ihnen Sicherheitsinspektor Oliver Pietsch mit seiner Arbeit nicht reicht:
Heute findet um 18 Uhr auf dem Marktplatz in Lingen die vierte Mahnwache für das Abschalten der AKW statt; eine halbe Stunde eher bereits in Meppen vor dem Rathaus.

(Foto:  AKW Emsland, alle Rechte:  Dendroaspis2008 flickr)

Fukushima

12. März 2011

Im havarierten japanischen AKW Fukushima ist die Radioaktivität nach einem Agenturbericht auf das Tausendfache des normalen Wertes gestiegen. In der Umgebung werden ebenfalls deutlich erhöhte Werte gemessen.
Die japanische Atomaufsichtsbehörde Nuclear and Industrial Safety Agency erklärt, der Druck im Reaktor sei anderthalb Mal so hoch wie normal. Nach Ministeriumsangaben könnte der Druck „sogar das 2,1-fache“ dessen überstiegen haben, wofür das Turbinengebäude ausgelegt ist. Nach Angaben der Nisa weiß das Betreiberunternehmen Tepco (Tokyo Electric Power Company) zurzeit nicht, wie stark die radioaktive Strahlung im Inneren ist.
In einem Umkreis von drei Kilometern um die Anlage wurden etwa 3000 Anwohner in Sicherheit gebracht. Wer zwischen drei und zehn Kilometer entfernt wohnt, wurde aufgefordert, im Haus zu bleiben. Die Evakuierungen werden ausgeweitet.
Zum Vergleich – die 3km-Zone um das AKW Emsland in Lingen (Ems):

Mittlerweile wurde die Fukushima-Evakuierungszone auf 10km erweitert. Auch hier zum Vergleich ein 1okm-Blick auf unser Städtchen und umzu:

Nun auf 20 km:
Radius 20km um das AKW Emsland

voRWEg

29. Juli 2009

Logo.deDie Nachrichtenagentur AP meldet heute:

Bei der Schnellabschaltung des AKW Emslandes am vergangenem Freitag haben mehrere Regeleinrichtungen des Meilers fehlerhaft reagiert. Ursache des Störfalls sei zunächst «ein fehlerhaftes Ansprechen einer Schutzeinrichtung» gewesen, die den Ölfluss in einem Trafo des AKWs und einen dazugehörigen Schalter überwache, teilte das Umweltministerium am Mittwoch in Hannover mit. Dann hätten aber auch drei von vier Füllstandsreglern an den Dampferzeugern des Kraftwerks fehlerhaft reagiert.
Lediglich einer habe seine Aufgabe erfüllt, sagte der zuständige Referatsleiter des Ministeriums, Frank Egbert Rubbel. Nur deswegen sei es nach dem ersten Fehler zu einer Schnellabschaltung gekommen. Normalerweise werde die Leistung des Kraftwerks nach einer Trennung vom Stromnetz nur auf 20 bis 25 Prozent * heruntergefahren. Dann sei das Wiederanfahren des Kraftwerks einfacher als nach einer Schnellabschaltung.
Das Kraftwerk war gegen 03.00 Uhr am Freitagmorgen nach dem Ausfall des zunächst betroffenen Trafos vom Netz getrennt worden.
Die fehlerhafte Reaktion der Füllstandsregler sei «ein Vorgang, der über den normalen Betriebsfall hinausgeht, von der Sicherheit her aber kein wichtiger Punkt», sagte Rubbel weiter. Wann das Atomkraftwerk in Lingen wieder anfahren könne, stehe noch nicht fest.
Nach Angaben des Bundesumweltministeriums kann der Reaktor erst nach Zustimmung aus Berlin wieder an Netz gehen. Nach dem selbstständigen Abschalten des Transformators habe die Anlage «nicht wie im Sicherheitskonzept vorgesehen mit einer schrittweisen Reduzierung der Leistung» und einem schonenden Abfahren des nuklearen Teils reagiert, erklärte auch das Bundesumweltministerium. Reaktorschnellabschaltungen sollten möglichst vermieden werden. Die Ursache der Schnellabschaltung sei vor dem Wiederanfahren zu klären, betonte das Bundesumweltministerium.“

Wie die Erfahrung in verschiedenen Atomanlagen zeigt, ist eine Schnellabschaltung oft mit weiteren „Transienten“ (starken Schwingungen) verbunden, die ihrerseits neue Sicherheitsprobleme aufwerfen könnten, schreibt eine  andere Quelle. Vor dem Wiederanfahren des AKW sei es deshalb unbedingt erforderlich, die Ursachen der Schnellabschaltung zu klären und ggf. Maßnahmen gegen Wiederholung in gleichartigen Fällen getroffen zu haben, heißt es aus Berlin. Das Bundesumweltministerium will deshalb, dass vor dem Wiederanfahren des Atomkraftwerkes Emsland Maßnahmen zur zukünftigen Vermeidung solcher Vorfälle durch entsprechende sicherheitstechnische Analysen abgesichert sind.
Die niedersächsische Atomaufsicht hat zugesagt, vor einer Zustimmung zum Wiederanfahren des Reaktors zunächst die Fragen der Bundesaufsicht zu den Ursachen der Reaktorschnellabschaltung zu klären und entsprechende Unterlagen vorzulegen. Der Reaktor soll erst dann wieder ans Netz gehen, wenn sich das Bundesumweltministerium nach entsprechender Prüfung gegenüber der niedersächsischen Aufsichtsbehörde zustimmend geäußert hat.

* Nachtrag aus aktuellem Anlass:
Nach meinen Informationen ist das AKW in Lingen zuletzt vor einigen Wochen wegen eines Kurzschlusses vom Netz genommen worden, wobei seine Leistung auf rund 300 MW (= ca. 25 %) heruntergefahren wurde. Auf der Baustelle des GuD-Kraftwerks war durch Unachtsamkeit ein Kranausleger gegen eine 380 KV-Leitung geraten. Dadurch entstand ein Kurzschluss, der sich direkt auf das benachbarte AKW auswirkte und es notwendig machte, die Anlage vom Netz zu nehmen. Auch vor etwa einem Jahr soll das AKW wegen eines ähnlichen Kurzschlusses bzw. Fehlers beim Bau einer Überlandleitung nahe Messingen vom Netz getrennt  worden sein.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßt aktuell, dass die niedersächsische Atomaufsicht seiner Bitte um umfassende Aufklärung nachgekommen ist. In einer Pressemitteilung vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) bekräftigt er: “Ich kann Niedersachsen nur ermuntern, konsequent auf dem jetzt beschrittenen Pfad der Kooperation mit der Bundesaufsicht zu bleiben.” Infolge der ausgiebigen Überprüfungen verlängert sich der Zeitraum, die der Reaktor nicht am Netz ist. Offenbar ist es leicht zu verschmerzen, wenn das AKW Emsland mal keinen Strom in die Überlandleitungen einspeist. Weil fast zeitgleich mit dem AKW in Lingen auch ein Reaktor in Philippsburg abgeschaltet wurde und Biblis, sowie Block B in Grundremmingen ebenfalls schon länger keinen Strom liefern, sind für den Energiekonzern RWE 80 Prozent der Atomenergie einfach ausgefallen.

Fazit: Mit einer Ausfallquote von bis zu 80 Prozent seiner eigenen Kernkraftwerke geht die RWE im Atomausstieg in Deutschland also entsprechend dem Konzernslogan tatsächlich  “voRWEg”.

Wand

29. Juli 2009

spacerimagesDie Börse merkt – so focus-online.de – auf:

Wiederanfahren von RWE-Reaktor Emsland verzögert sich weiter

FRANKFURT (Dow Jones)–Das Wiederanfahren des RWE-Atomkraftwerks Emsland verzögert sich weiter. Wie aus Angaben von der Webseite des Düsseldorfer Energiekonzerns hervorgeht, soll der Reaktor nun erst zwischen Donnerstag und Samstag wieder ans Netz gehen. Am Dienstagmorgen hieß es auf der Webseite des Konzerns, das Werk solle bis Donnerstag wieder angefahren werden. Wie ein Sprecher von RWE Power gegenüber Dow Jones Newswires derweil sagte, ist der Meiler startbereit – lediglich die Genehmigung der Aufsichtsbehörde stehe noch aus. Alle erforderlichen Unterlagen seien beim niedersächsischen Umweltamt bereits eingereicht worden.
Am Freitagmorgen gegen 3.00 Uhr war der Meiler nach Auslösen eines elektrischen Schutzschalters per Schnellabschaltung vom Netz gegangen. Zunächst hatte Betreiber RWE das Kraftwerk schon am Wochenende wieder anfahren wollen.
Webseite: http://www.rwe.com“

Als Lingener fragt man sich da, wie dies denn möglich ist, nachdem sich der Leiter des Atomkraftwerks, Hubertus Flügge, mit einem kleinen Bauteil auf einer schön-grünen Wiese in der Lokalpresse präsentierte und Oberbürgermeister Pott (Ist der eigentlich schon aus dem Urlaub wieder da? Es sind ja gar keine Bilder von ihm in der Zeitung!) bestätigte, das mit der Schnellabschaltung sei ja eigentlich kein richtiger Störfall gewesen, sondern nur irgendwie so ein Fehler in einem Schalter. Puuuh, da hamm wa noch ma Glück gehabt, nich Heiner ?!

Gut, dass unser OB nur für die Beruhigung der Lingener zuständig ist und nicht für das AKW.Umweltminister Sigmar Gabriel hat sich jedenfalls die Zustimmung vorbehalten, dass der Meiler „wieder ans Netz geht“, wie es immer so schön heißt.

dpa schreibt dazu:

„Nach der Schnellabschaltung des niedersächsischen Atommeilers Lingen behält sich das Bundesumweltministerium seine Zustimmung für ein Wiederanfahren des Reaktors vor. Dort stellen sich auch nach den bereits erfolgten Reparaturen anscheinend noch Sicherheits-Fragen. „Der Reaktor soll erst dann wieder ans Netz gehen, wenn sich das Bundesumweltministerium nach entsprechender Prüfung gegenüber der niedersächsischen Aufsichtsbehörde zustimmend geäußert hat“, teilte das Ministerium am Dienstag mit.“

Und Sigmar Gabriels Ministerium legt den Finger in die Wunde:

„Das Bundesministerium erläuterte, es habe nach der Abschaltung des Reaktors Kontakt mit der Aufsichtsbehörde in Niedersachsen aufgenommen und um Berichterstattung gebeten. „Nach dem selbsttätigen Abschalten des Transformators hat die Anlage nicht, wie im Sicherheitskonzept vorgesehen, mit einer schrittweisen Reduzierung der Leistung und einem damit verbundenen schonenden Abfahren des nuklearen Teils der Anlage reagiert.

Aus bisher für das Bundesumweltministerium ungeklärten Gründen führten unterschiedliche Füllstände in den Dampferzeugern zur Auslösung von Reaktorschutzsignalen und damit zu einer Reaktorschnellabschaltung.“ Gemäß Sicherheitsanforderungen sollten solche Schnellabschaltungen aber möglichst vermieden werden, da davon weitere Sicherheitsprobleme ausgehen könnten.“

Sigmar  Gabriels folgt also nicht Hubertus Flügge und seinem erleichterten Heiner Pott:

„Vor dem Wiederanfahren ist es deshalb unbedingt erforderlich, dass die Ursachen der Reaktorschnellabschaltung geklärt und gegebenenfalls Maßnahmen gegen Wiederholung in gleichartigen Fällen getroffen sind. Dies ist nach den beim Bundesumweltministerium vorliegenden Erkenntnissen über die Störung in der Regelung für die Füllstände in den Dampferzeugern während der Reaktorschnellabschaltung vom vergangenen Freitang nicht der Fall.“

Also: Wir erfahren von einem defekten Transformator und zusätzlich von  unterschiedlichen Füllständen in Dampferzeugern. Ich bin gespannt, was noch kommt und sehe mit Interesse, dass auch die neuformierte Lingener Sozialdemokratie auf ihrer neu gestalteten Internetseite aufmerksam ist, während die wesentliche politische Konkurrenz von CDU und FDP diszipliniert-peinlich schweigt und die Grünen nur so eine Pflichtmeldung abgesetzt haben. Allerdings liest sich, lieber Hajo Wiedorn, in modernen Zeiten Dein  Hausfrau-und-Socken-Vergleich etwas holprig.

Wir wissen dank dpa:

„Das Bundesumweltministerium hält es deshalb für erforderlich, dass vor dem Wiederanfahren des Atomkraftwerkes Emsland die Ursache der Störungen bei der Füllstandsanzeige geklärt ist und Maßnahmen zur zukünftigen Vermeidung durch entsprechende sicherheitstechnische Analysen abgesichert sind.“

So schau‘ ich gen Süden, sehe den weiterhin wasserdampffreien Kühlturm des AKW und weiß, dass das Problem noch vorhanden ist. Da bin ich eben gegenüber Heiner Pott im Vorteil. Der schaut aus seinem Büro im Rathaus nämlich nur auf die Wand des Nachbarhauses; das hindert bisweilen den freien Blick, lieber Heiner.

Und, bester Hubertus Flügge, die Bitte sei mir gestattet: Morgen früh möchte ich in der Werbezeitschrift Lingener Tagespost ein halbseitiges Bild sehen, bei dem Sie Dampferzeuger mit unterschiedlichen Füllständen seriös-lächelnd ins Bild halten.

Bekannt?

26. Juli 2009

akwaufrotDas Maschinentrafo-Problem, das in Nacht zum vergangenen Freitag zu einer Schnellabschaltung des Lingener Atomkraftwerks führte, soll den Verantwortlichen schon mehrere Tage vor der Alarmabschaltung bekannt gewesen sein. Dies sagt mir eine Quelle aus Kreisen des Kraftwerkbetreibers. Man habe allerdings bis zum nächsten Routinecheck warten wollen („so rund drei Wochen“), um erst dann den Fehler zu beheben.
Ich kann nicht sagen, ob die Information tatsächlich zutrifft. Das Atomkraftwerk Emsland im niedersächsischen Lingen soll aber nach dem Willen der RWE, die es betreibt, schnell wieder ans Netz und zwar -so DPA– „Anfang dieser Woche“ oder „im Laufe der Woche“, wie es anderorts heißt. Immerhin: „Wir müssen erst umfangreiche Prüfungen durchführen, bevor wir das Kraftwerk wieder anfahren“, sagte RWE-Power-Sprecher Manfred Lang am Sonntag. Man müsse schauen, wann diese Arbeiten abgeschlossen werden könnten.
Ursprünglich hatte Betreiber RWE das Kraftwerk in Lingen schon am Sonntag wieder anfahren wollen, nun werde der Atommeiler frühestens im Laufe der Woche wieder in Betrieb genommen. Grund seien weitere technische Prüfungen. Sprecher Manfred Lang bestätigte der Mittelbayerischen Zeitung entsprechende Informationen. „Für uns hat die Sicherheit oberste Priorität. Deshalb stehen alle unsere Prüfungen in enger Absprache mit dem niedersächsischen Umweltministerium“, sagte Lang.

DPA meldet derweil etwas anderes nämlich zunächst: Erst wenn sämtliche Sicherheitsprüfungen positiv verlaufen, werde das AKW wieder eingeschaltet. Aber auch: Der Fehler sei gefunden und behoben. Die Überwachungseinheit an einem Maschinentrafo habe einen Fehler gemeldet. Der Trafo selbst sei aber nicht beschädigt. Laut niedersächsischem Umweltministerium – ebenfalls dpa-  bestand keine Sicherheitsgefahr, was die Frage aufwirft, weshalb es dann zu einer Schnellabschaltung kam.

Die taz meint, dass die AKW-Branche gerade ihr Image ruiniere. „Als am Freitag das Kraftwerk Emsland abschmierte, war von fünf RWE-Meilern nur noch ein einziger am Netz. In Megawatt ausgedrückt: Die RWE-Reaktoren brachten zusammen gerade noch 19 Prozent ihrer eigentlichen Leistung. Und nicht nur RWE verliert gerade viel Geld durch Stillstände, bundesweit waren in den letzten Tagen 8 von 17 deutschen Meilern abgeschaltet. Die gesamte Stromerzeugung aus Atomkraftwerken fiel damit zeitweise unter 10.000 Megawatt – damit war nicht einmal mehr die Hälfte aller Kapazitäten am Netz. RWE reagierte darauf am späten Freitagnachmittag auffällig: Nach dem Ausfall des Kraftwerks Emsland wurde der Meiler Gundremmingen B nach langer Revision überraschend schnell zu ungewöhnlichem Termin hochgefahren. Dieser Schritt sei seitens der Kraftwerksleitung nicht wie üblich angekündigt worden, sagt Branchenkenner Raimund Kamm. Das sei merkwürdig.“
(Foto: AKW Lingen – Licht auf Rot am 24. Juli, © privat)

Geschichte

18. Januar 2009

120px-atomkraft_nein_dankesvgIm Spätherbst letzten Jahres – das Ereignis liegt also schon mehrere Wochen zurück- erreichte mich eines Abends ein Anruf aus den Niederlanden. Ob ich der Robert Koop sei, der in den 1980er Jahren in der Antiatombewegung mitgearbeitet habe. Als ich bejahte, lud mich die Anruferin zu einem wenige Tage später stattfindenden  Abendessen in die Watermolen von Haus Singraven bei Denekamp (Dinkelland) ein. Man wolle sich wiedersehen und mit diesem Essen die „Stichting Burgerinspraak over de Grens“ auflösen.
Ich erinnerte mich sofort an die lange zurückliegende Zeit und die Kämpfe gegen die Atomkraft. Da hatte es im atomrechtlichen Genehmigungsverfahren zum Atomkraftwerk Lingen, das offiziell „Kernkraftwerk Emsland“ heißt, einen denkwürdigen „atomrechtlichen Erörterungstermin“ auf der Lingener Wilhelmshöhe gegeben. Der  damals in Osnabrück tätige Rechtsanwalt Dr. Winfried Kievel und ich versuchten als Anwälte, den Termin auch für die vielen erschienenen niederländischen Einwender zu öffnen. Die sollten nämlich draußen bleiben. Sie hatten zwar auch Tausende von Einwendungen erhoben, die aber die Ministerialbeamten aus Hannover nicht akzeptierten. Die Niederländer hätten überhaupt kein Recht, sich gegen die deutsche Atomanlage zu beschweren, hieß es unter dem zustimmenden Kopfnicken der Vertreter der Energieerzeuger.

Weil bei einem AKW-Störfall die deutsch-niederländische Grenze nun wirklich völlig bedeutungslos ist, hielten wir diese Einstellung für absurd, anachronistisch und geradezu zynisch. Nach stundenlanger Debatte gestattete ein überfordert wirkender Veranstaltungsleiter dann schließlich den protestierenden Niederländern, den Saal der Wilhelmshöhe zu betreten. Nur reden, reden durften sie immer noch nicht. Mit Klebeband verschlossen sich daraufhin alle Niederländer  ihre Münder und protestierten stumm gegen den Maulkorb. Die Bilder dieser Aktion wurden sofort in den Medien verbreitet und sagten so  mehr, als die stummen Mitstreiter je mit Worten hätten ausdrücken können. Als trotzdem alle Kritik am Maulkorb nichts half, verließen schließlich gemeinsam sämtliche deutschen und niederländischen Einwender gegen das geplante Atomkraftwerk den Erörterungstermin. Anschließend waren die AKW-Befürworter unter sich.

In der Folge schrieb der Niederländer Coen Hamers dann ein Stück bundesdeutscher und europäischer Rechtsgeschichte: Denn stellvertretend -und soweit ich weiß, auch als einziger aller Einwender diesseits und jenseits der Grenze- klagte er gegen die erteilte atomrechtliche Genehmigung. Zunächst wies das Verwaltungsgericht in Osnabrück die vom Hamburger Rechtsanwalt Andreas Gleim vertretene Klage als unzulässig ab; Hamers sei Niederländer und habe keine eigenen Rechte. Gegen das Urteil führte der  Bremer Universitätsprofessor Gerd Winter die (Sprung-)Revision zum Bundesverwaltungsgericht. Das gab Coen Hamers dann im Urteil vom 17.12.1986 (7 C 29.85) recht; das Urteil räumte mit den in Europa längst überholten Prinzipien des Völkerrechts auf und wurde in der amtlichen Sammlung des Bundesverwaltungsgerichts veröffentlicht  (BVerwGE 75, 285). Das Osnabrücker Gericht musste also nachsitzen, wies dann aber die zulässige Klage in der Sache als unbegründet ab. Weder die Berufung noch die Revision hiergegen waren erfolgreich. Auch Hamers‘, von Gerd Winter begründete Verfassungsbeschwerde wurde schließlich nach fast sieben Jahren Verfahrensdauer im März 2000 vom Bundesverfassungsgericht abgewiesen.

Natürlich bin ich der Einladung gern gefolgt. Es war ein bisschen wie eine Reise in die eigene Geschichte. Gerd Winter kam direkt aus Tokio hinzu, wo er bei einer Konferenz internationales Umweltrecht betrieben hatte. Zunächst besichtigten wir das über 600 Jahre alte Haus Singraven, anschließend trafen sich die „Wölfe von einst“ zum Abschiedsessen. Ich sah viele graue Köpfe und fragte mich, während ich ihren Reden lauschte, wie sich  wohl eine deutsche Umweltschutzinitiative auflösen würde. Mir war klar, dass die sich wahrscheinlich gar nicht auflöst (höchstens einschläft) und wenn doch, dann keinesfalls so stilvoll wie „Burgerinspraak“ an diesem nassen Herbsttag in „Huis Singraven“.  Ja, das alles hatte was, wie man zu sagen pflegt.

Mein alter Gefährte Jan Holsheimer gab einen Rückblick auf die Geschichte der Stichting Burgerinspraak over de Grens, was ich mit „Stiftung Bürgereinwand über Grenzen hinweg“ übersetzen würde. Sein Beitrag kann hier nachgelesen werden. Die Anwesenden bedauerten, dass Coen Hamers nicht dabei war, der vor einigen Jahren, wohl wegen eines Streits innerhalb der PvdA, aus der Gruppe geschieden war.

Ach  ja, gut 30.000 Euro besaß die Stiching noch. Das Geld wurde einer anderen niederländischen Stiftung („Milieudefensie”) zur Verfügung gestellt, Sie kümmert sich um den Schutz der Umwelt, übrigens  nicht nur innerhalb (der Grenzen) der Niederlande. Auf Wunsch von Burgerinspraak erhält Milieudefensie den Betrag fur die Unterstützung einer Klage von nigerianischen Betroffenen  gegen den niederländisch-britischen Ölmulti Shell wegen der Ölverschmutzung, die der Konzern bei seiner Ölförderung in dem afrikanischen Staat anrichtet. Es bleibt also international.

(update: 21.01.09)

Dazu

9. Dezember 2007

Am Wochenende hat eine Krebsstudie, die vom Deutschen Kinderkrebsregister in Mainz im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz erarbeitet worden ist, ein altes-neues Thema wieder in den notwendigen Blickpunkt gerückt: Gibt es im Umkreis der bestehenden Atomkraftwerke eine signifikant höhere Gefahr für Kinder, an Leukämie zu erkranken?

RadioaktivIn Lingen gab es schon vor Jahrzehnten engagierte Debatten zu dieser Frage, nachdem erste Untersuchungen bekannt geworden waren. Für den Zeitraum 1968-79 wurde in den Landkreisen Emsland und Bentheim, Nachbarlandkreise zum AKW Lingen (Siedewasserreaktor, Betriebszeit 1968-77, also einer der ersten kommerziellen Atommeiler der Bundesrepublik) eine erste ökologische Untersuchung durchgeführt. Grundlage dafür waren seinerzeit Meldungen zur Mortalität an Krebs und Leukämien bei Kindern, zur Totgeburtenrate und zur perinatalen Mortalität. Das Ergebnis: Keine nachweisbaren statistische Zusammenhänge mit den jährlichen Radionuklid- Emissionen des Reaktors (Quelle: Stein, Krebsmortalität von Kindern unter 15 Jahren, Säuglingssterblichkeit und Totgeburtenrate in der Umgebung des AKW Lingen, Berlin: Arbeitsgruppe Umweltschutz, Berlin e.V., Eigenverlag 1988); allerdings bestanden unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten der Daten aufgrund wenig exakter Wohnortangaben der erkrankten Kinder. Vor allem die Größe des Landkreises Emsland, für den die Daten erhoben wurden und der von der niedersächsischen Landesgrenze bei Rheine bis nach Ostfriesland reicht, ließ keine genauen Angaben zu.

1977 gab es eine weitere Untersuchung am AKW-Standort Lingen. Auf Grund von auffälligen Ergebnissen (Kater H, Erhöhte Leukämie- und Krebsgefahr durch Kernkraftwerke? Niedersächsisches Ärzteblatt 1978, S. 658, 659) erfolgte eine Analyse der Krebserkrankungen und Leukämien im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung. Das Ergebnis: Keine beobachteten statistisch auffälligen Unterschiede zwischen exponierten und nicht exponierten Landkreisen im Untersuchungszeitraum 1970-77 , wobei die Definition „exponiert und nicht exponiert“ bei der anschließenden heftigen Diskussion umstritten blieb.
Die jetzt erstellte, neue Studie hat nun offenbar das von AKW-Gegnern oft beschworene Risiko bestätigt: Die Gefahr für Kinder, an Leukämie zu erkranken, nimmt zu, je näher sie an einem der 16 deutschen AKW-Standorte wohnen. Und Lingen gehört dazu. Die Studie wird am Montag offiziell vorgestellt, am Wochenende gab das Bundesamt für Strahlenschutz bereits die wichtigsten Ergebnisse bekannt.
Nach der Untersuchung des Kinderkrebsregisters erkrankten in den Jahren 1980 bis 2003 in einem Umkreis von fünf Kilometern um die deutschen AKWs 37 Kinder neu an Leukämie. Nach dem statistischen Durchschnitt hätte man nur 17 Leukämieerkrankungen erwarten müssen. „Etwa 20 Neuerkrankungen sind also allein auf das Wohnen in diesem Umkreis zurückzuführen“, stellte das Bundesamt für Strahlenschutz fest. Für die aktuelle Studie wurde die Entfernung des Wohnorts der Kinder vom Atommeiler mit einer Genauigkeit von 25 Metern bestimmt. Daneben wurden neben 1.692 an verschiedenen Krebsformen erkrankten Kindern auch 4.735 nicht erkrankte Kinder aus derselben Gegend einbezogen. Die Untersuchung konstatierte dann für die 41 Landkreise in der Umgebung von 16 AKW-Standorten einen „entfernungsabhängigen Risikoanstieg“.

Das Risiko, an einem Tumor oder Leukämie zu erkranken, steigt demnach statistisch signifikant mit der Nähe des Wohnortes zu einem Reaktor an. Ausschlaggebend für den Risikoanstieg sind dabei im Wesentlichen die vermehrten Leukämieerkrankungen von Kindern unter fünf Jahren.Anlass, die Studie in Auftrag zu geben, waren eigene Auswertungen der Daten des Kinderkrebsregisters durch Strahlenschutzspezialisten oder Mediziner, die den „Internationalen Ärzten gegen den Atomkrieg“ (IPPNW) nahe stehen. In diesen Auswertungen spiegelte sich der Streit wieder, den es lange um Untersuchungen des Kinderkrebsregisters gab: Unabhängige Experten konstatierten ein erhöhtes Krebsrisiko in der Nähe von AKWs. Das Kinderkrebsregister sah dies Risiko bis jetzt nicht.

Aus den Daten einer Studie aus dem Jahr 1992 zu Kinderkrebs in der Nähe von AKWs konnte man zwar durchaus ein erhöhtes Leukämierisiko bei Kindern für den 5-Kilometer-Radius ablesen. Die Studie betrachtete dann aber das Krebsrisiko in einem Umkreis von 15 Kilometern um die Atommeiler. Die Ausdehnung des betrachteten Gebietes führte zu einer Art Verdünnungseffekt des Risikos. Plötzlich gab es um AKWs kein statistisch signifikant höheres Risiko mehr.  Der Auftraggeber der neuen Studie, das Bundesamt für Strahlenschutz, wollte den Pro-und-Contra-Streit unterschiedlicher Experten von vornherein vermeiden.

Entworfen und begleitet wurde die Studie daher von einer zwölfköpfigen Expertengruppe, die sich am Freitag noch einmal in Frankfurt traf, um die Veröffentlichung der gesamten Studie vorzubereiten. In der Gruppe hatten sich von Anfang an Kritiker und Verteidiger der Atomkraft auf eine gemeinsame Vorgehensweise zu einigen. „Unterschiedliche Akteure mit unterschiedlichem Ansatz haben gemeinsam das Design der Studie entwickelt“, sagte BfS-Präsident Wolfram König. Nach einer Ausschreibung erhielt dann das Kinderkrebsregister in Mainz den Auftrag.

Grünen-Vorsitzender Reinhard Bütikofer forderte postwendend die Bundesregierung auf, weitergehende Untersuchungen in Auftrag zu geben. „Wer angesichts solcher Ergebnisse für einen längeren Betrieb von Atomkraftwerken eintritt, handelt völlig verantwortungslos“, sagte Bütikofer der Nachrichtenagentur AP.  Nach dem Bekanntwerden der neuen Studie haben am Sonntag auch die niedersächsischen Grünen eine Überprüfung der Betriebserlaubnis der niedersächsischen AKW gefordert. „Die Bedrohung der Gesundheit oder gar des Lebens von Kindern ist durch die Betriebserlaubnis von AKW nicht gedeckt!“ sagte ihr Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel am Sonntag in Hannover. Es müsse geklärt werden, ob man den Betreibern auf der Grundlage der Studie die Betriebserlaubnis entziehen oder die Betriebserlaubnis aussetzen könne. Wenzel kündigte an, dass die Grünen die Studie zum Anlass für eine Aktuelle Stunde im Landtag nehmen würden. Der Grünen-Politiker bezeichnete die Studie als „Tiefschlag für alle, die jahrzehntelang die Atomkraft verharmlost haben.“ Immer wieder seien die atomaren Anlagen als sicher dargestellt worden. Nur massive Proteste der Bevölkerung hätten die gigantischen Ausbauprogramme der sechziger und siebziger Jahre stoppen können. Die heutige Generation werde aber noch lange mit den Folgen beschäftigt sein, zumal es bislang auch keinen einzigensicheren Standort für die Beseitigung des Mülls gebe; nur ein das so genannte „Versuchsendlager“ Asse II, dass nach weniger als 30 Jahren abzusaufen drohe.

Das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht am Montag auf seiner Webseite den Abschlussbericht. Wir werden dann die alten Debatten erneut führen müssen – ernsthafter allerdings als vor Jahrzehnten, wo die Boten schlechter Nachrichten verunglimpft und beschimpft wurden. Daran ändert nichts, dass – so das BfS – nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand die Strahlenbelastung der Bevölkerung durch den Betrieb der Atomkraftwerke zu niedrig sei, um den beobachteten Anstieg des Krebsrisikos zu verursachen. Das Ergebnis könne nicht plausibel mit den tatsächlichen Ableitungen aus den Reaktoren erklärt werden, sagt das Amt. Auch andere mögliche Risikofaktoren, die im Zusammenhang mit kindlichen Leukämien in Betracht zu ziehen sind, können den entfernungsabhängigen Risikoanstieg aber derzeit nicht erklären. (Quelle: taz)

Foto: © schmitz-duisburg, Pixelio.de