bei Groningen

16. Mai 2013

Bildschirmfoto 2013-05-14 um 23.51.02Ich gestehe, dass ich richtig neidisch auf die Niederlande und ihre Architekten bin. Während in unserem Städtchen mehr und mehr bloße Zweckarchitektur entsteht, findet sich so unendlich viel architektonisch Interessantes jenseits der Grenze: Baunetz.de berichtete gerade über ein neues Beispiel – eine Schulerweiterung bei Groningen und bezeichnet sie als eine „Hommage an Berlage“, den großen niederländischen Architekten des beginnenden 20 Jahrhunderts. Kaum fertig gestellt findet sich diese wunderbare  Schule schon unter den 30 besten Gebäuden des Niederländischen Architekturjahrbuchs: Ende April wurde die Erweiterung der Hogeland-Schule des Amsterdamer Büros ADP Architecten eingeweiht; sie liegt auf dem Weg nach Eemshaven – in Warffum nördlich von Groningen.

„Die Bauherren dort wünschten sich einen Bau nach dem Vorbild der Amsterdamer Schule, auch als Reminiszenz an das örtliche Rathaus von Hendrik Petrus Berlage. Die Architekten studierten nicht nur dessen Werk gründlich, sondern sahen sich auch die Beziehung zwischen der zukünftigen Schule und ihrer Umgebung genau an. Heraus kam ein Ensemble aus mehreren Gebäuden, die sich um einen zentralen Hof gruppieren. Das dominierende Material ist ein gelblicher Ziegel, der sich farblich der lehmigen Umgebung anpasst. Die Gebäudegruppe ist auch bauliche Nachbarschaft verankert und zwar durch niedrige Ziegelmauern, die in die Landschaft hineinlaufen.

Zu den Schulhäusern führen breite, fließende Treppen, die von Sitzmäuerchen eingefasst werden. Ein tiefes Dach schützt den Vorplatz, der wiederum in eine weiträumige Aula übergeht. All diese Flächen bieten verschiedene Sitzmöglichkeiten und damit eine ansprechende Kulisse für den Austausch zwischen den Schülern. Alle Klassenräume haben abfallende Decken, was die Räume auf der einen Seite gut fünf Meter hoch werden lässt. Belichtet werden die Räume über Fenster und Öffnungen in den Dachflächen.

Ein weiteres Kriterium für die Architekten war, die neuen Gebäude möglichst flexibel zu gestalten. Zwischen den Klassenräumen verlaufen weite Flure mit Blick auf den Innenhof, die auf ganz unterschiedliche Weise genutzt werden können. Die Wände zu den Klassenräumen sind transparent und teilweise mit halbhohen Schränken abgeschirmt, sodass kleinere Schülergruppen dort eigenständig arbeiten können, aber nicht ganz aus dem Sichtfeld der Lehrer verschwinden. Und auch eine zukünftige Nutzungsänderung haben die Planer einkalkuliert: Das Tragsystem der Bauten funktioniert unabhängig von der Grundrissgestaltung; diese kann also je nach Bedarf geändert werden.“

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[Übrigens: Für die –inhaltlich schon längst- vakante Stelle des Stadtbaurats in Lingen haben sich mehr als ein Dutzend Kandidaten und Kandidatinnen beworben. Das berichtete OB Dieter Krone in dieser Woche in unserer BN-Fraktion. Drücken Sie und und unserer Stadt bitte die Daumen, dass  darunter überzeugende  Bewerber sind und wir deshalb einen guten neuen Stadtbaurat (m/w) bekommen]

(„Text“: Christina Gräwe auf Baunetz.de, Foto: © Gerard van Beek, dem ich sehr herzlich für seine Zustimmung danke, seine Aufnahme der Hogeland-Schule veröffentlichen zu dürfen; weitere Fotografien van Beeks finden sich hier und hier)