Leonard Bernstein 100

25. August 2018

Heute vor 100 wurde der Komponist, Dirigent und Pianist Leonard Bernstein geboren. Daran will ich erinnern. Hier das heutige doodle.

Und natürlich die Aufzeichnung dieses einzigartigen Konzerts im nicht mehr geteilten Berlin, Weihnachten 1989. Für die Feierlichkeiten anlässlich des Falls der Berliner Mauer ließ Bernstein im vierten Satz von Beethovens 9. Sinfonie Freiheit statt Freude singen. Damit machte er aus der Ode an die Freude eine Ode an die Freiheit. „Ich bin sicher, Beethoven würde uns zustimmen“, so Bernstein.  Das Konzert wurde in über 20 Ländern im Fernsehen übertragen und sein Biograph Humphrey Burton kommentierte für CBS, die ganze Welt beobachte die Euphorie Berlins und Bernstein stelle als amerikanischer Jude das Herz der Feierlichkeiten dar. Bernstein selbst sagte dazu, dass er an diesem Abend einen historischen Moment erlebt habe, der unvergleichbar sei gegenüber anderen Erlebnissen seines langen, langen Lebens. Keine 10 Monate später war er gestorben. Sein Grab befindet sich auf dem Green-Wood Cemetery in Brooklyn, New York City.

(Quelle)

Geburtstag III

25. Oktober 2009

Rosemeyer2_9531_bigSie kennen das sicher: Hier in Lingen (Ems) oder im Emsland kann den Menschen der Himmel auf den Kopf fallen, es interessiert niemanden der bundesdeutschen Medienmeute. Interessant wird es offenbar erst unter der Voraussetzung, dass Medienschaffende das Ereignis binnen einer Stunde per Pkw aus Hamburg oder Hannover in Augenschein nehmen können; die Bremer kommen sowieso nur bis ins Weser-Stadion, wo es allerdings tatsächlich schön ist.
Also wird auch Bernd Rosemeyer und sein 100. Geburtstag -Sie erinnern sich an dies und das?- nur wahrgenommen, wenn „sein“  Ereignis sich in Hamburg zuträgt. Wie jetzt in SPIEGEL-online, diesem reichlich sinnentleerten aber flott und trendig präsentierten Produkt des einstigen Sturmgeschützes der bundesdeutschen Demokratie, das längst -wie es einmal so schön hieß– zur Spritzpistole für Angela Merkel verkommen ist:  Ein hingerotzter Jubel-Artikel über Lingens Aushängesportler der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Und das alles offenbar, weil im PROTOTYP Automuseum in Hamburgs Speicherstadt eine Ausstellung über den Autorennfahrer Bernd Rosemeyer präsentiert wird, die -folgt man dem Pressetext– nun gar nichts mehr über die problematische Rolle Rosemeyers als Propagandist für das NS-Regime zu berichten scheint. Das erledigt dann allerdings eine heftige Diskussion in SPIEGEL-online. Klicken Sie mal rein. Ich gestehe: Gefallen hat mit der beißende Sarkasmus von gardie45:

Seit 60 Jahren lese ich immer wieder fasziniert, warum der oder der in der SS war: Der eine wegen der Pferdchen (Reiter-SS), der nächste wegen der schicken Uniform undRosemeyer war Mitglied der SS – offenbar war er beigetreten, um das Ziel des Berufsrennfahrers erreichen zu können„. Und immer wieder in mir die bange Frage, ob es denn in der SS auch richtige Nazis gab, die einzig und allein dieser Organisation „offenbar … beigetreten“ waren, um als überzeugte Nazis bei dem neuen Elite-Orden ihr Bestes zu geben. Darüber sollte viel mehr wissenschaftlich geforscht werden, vielleicht gipfelnd in einem Abschluss-Symposium ‚War Hitler Nazi?‘

Obwohl gardie45 natürlich nicht wissen kann, was wir Emsländer wissen, dass nämlich Bernd Rosemeyer eigentlich wirklich…

Naja, wenn sich jemand in Hamburg die Ausstellung bei PROTOTYP (mehr…)angesehen hat, wäre es schön, würde er hier berichten, was ihm dabei aufgefallen ist, und natürlich, wie sie ihm gefallen hat.

 

Nachtrag: Inzwischen habe ich auch diesen Beitrag gefunden.

100. Geburtstag III.

4. September 2008

Lieber Hanskarl Vent,

heute  hab ich mich an frühere Leserbriefe von Dir erinnert – damals vor 30 Jahren, als Du die Esskastanien  im Amtsgerichtshof aufsammeltest und Amtsgerichtsrat Weinhold Dich ob dieses Treibens dingfest machen wollte, weil das doch so unerhört war. Inzwischen ist die Esskastanie weg, Amtsgerichtsrat Weinhold sitzt nicht mehr in seinem Eckzimmer im Dankelmann’schen Palais, doch Du bist noch aktiv. Ich lese eben von Dir in der Lingener Tagespost Deine Leserzuschrift- zwar nichts über Esskastanien,  aber dazu, ob und wie man im nächsten Jahr  an den Lingener Autorennfahrer Bernd Rosemeyer erinnern soll, wenn sich sein Geburtstag zum 100. Mal jährt. Bekanntlich mehr als ein  Schönheitsfehler: Rosemeyer war in der SS. Er war ihr früh und freiwillig beigetreten.

Das stört Dich nicht. Denn Du schreibst nun so vor Dich hin:

„Bernd Rosemeyer vorzuhalten, er sei der SS beigetreten, bedeutet nichts anderes, als dass man ihm zum Vorwuf macht, er habe 1933 nicht vorausschauend gesehen, was sich erst nach seinem Tod 1938 ereignen würde.“

Und schwadronierend setzt Du nach:

„(Die SS-)Mitgliederlisten lesen sich wie das „Who is Who“ der feinen Gesellschaft. Dort prägten Männer wie der Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont, die Grafen von Wedel und von Bassewitz-Behr, der Prinz von Hessen, die Freiherren von Eberstein, von Holzschuher, von Malsen-Ponikau, von Schade, von Kanner, von Schele und wie sie alle hießen das Bild der NS-Gliederung… Wer dort Mitglied wurde, setzte sich gleichsam betont ab von den niveaulosen Horden der SA. Alles, was wir heute der SS anlasten müssen, geschah durchweg erst ab 1939.“

Als Fazit rufst Du:

Feiert euren Rosemeyer so wie in 50 Jahren heutige Sportspitzen.“

Ich war, ehrlich gesagt, verblüfft über diese Zeilen. Sie haben so gar nichts, ähm, sagen wir mal, Anarchistisches mehr an sich, wie damals Dein Kampf um den freien Zugang zu deutschen Esskastanien unter Gerichtsbäumen. Das „Who is Who“ hat mich dann beschämt. Denn –sorry- ich kannte keinen der feinen Spitzenherren. Nicht einmal den Prinz von Hessen. 

Dann erinnerte ich mich an eine andere, die wirkliche Liste des „Who is Who“ 1933. Diese Esterwegener Liste nämlich:

  • Carl von Ossietzky, Redakteur
  • Bernhard Bästlein, KPD- Politiker. Kam aus dem KZ Dachau nach Esterwegen. Danach in das KZ Sachsenhausen deportiert.
  • Fritz Husemann, Bergmann, Gewerkschafter und Mitglied des Reichstages für die SPD
  • Otto Eggerstedt, Politiker der SPD, als Altonaer Polizeipräsident wurde er auf Grund der Ereignisse beim Altonaer Blutsonntag, an dem er selbst nicht anwesend war, seines Amtes enthoben und nach der Machtergreifung bereits am 12. Oktober 1933 im KZ Esterwegen von den Nationalsozialisten ermordet.
  • Johann Schellheimer, Politiker der KPD
  • Werner Finck, Kabarettist
  • Adolf Bender, Maler
  • Julius Leber, SPD-Politiker. Später vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.
  • Günther Lüders, deutscher Schauspieler, der im Film vornehmlich das komische Fach bediente.
  • Ernst Heilmann, SPD-Politiker, in verschiedenen KZ inhaftiert. Schließlich in Buchenwald am 3. April 1940 durch Injektion ermordet.
  • Theodor Neubauer, KPD-Politiker. Kam aus dem KZ Papenburg. Später in verschiedenen KZ verschleppt. Vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Hingerichtet am 5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden
  • Hans Litten, Jurist. 1938 im KZ Dachau am 4. Februar 1938 in den Selbstmord getrieben.
  • Georg Diederichs, späterer niedersächsischer Ministerpräsident (SPD)
  • Ernst Walsken, deutscher Maler, dessen Bilder zu den wenigen erhaltenen künstlerischen Dokumenten aus Konzentrationslagern der Nazizeit gehören.

Diese Liste bekannter KZ-Häftlinge ist nicht vollständig, wie jeder weiß. Sie umfasst in Wahrheit Zehntausende von Namen aus den Konzentrationslagern der Nazis, die Ermordeten, Gequälten, Erniedrigten. Und alles schon 1933.

Tja, und wie schreibst Du so schön:

„Ohne Sponsorengelder ließen und lassen sich gewisse Sportarten nun einmak nicht betreiben. Und Hitler als bekennender Technik-Freak…“ 

Hanskarl, soll ich Dir was verraten? Ganz ehrlich?! Du hättest nach Deinen Esskastanienbriefen aufhören sollen. Das hätte Dir und uns gut getan.

Dein irritierter Robert Koop

100. Geburtstag II

16. März 2008

Rosemeyer_4113_bigEs ist ja manchmal seltsam, aber gerade am Freitag habe ich bei einem Ausstellungsbesuch die Frage diskutiert, wie es um den 100. Geburtstag von Bernd Rosemeyer in Lingen steht. Und heute trifft dann bei mir ein Kommentar zu meinem Rosemeyer-Blogbeitrag vom 17. November letzten Jahres ein. Sie erinnern sich? Vor einigen Monaten stand der Lingener Autorennsportler im Mittelpunkt einer kommunalpolitischen Debatte. Sein Geburtstag jährt sich am 14. Oktober 2009 zum 100. Mal. Rosemeyer provoziert Diskussionen. Er war ein erfolgreicher Autorennfahrer, und er war SS-Hauptsturmführer.

Nachdem die Diskussion jetzt wochenlang verstummt ist, möchte ich sie wieder aufgreifen. Noch einmal plädiere ich für ein Denkmal, das sich mit Bernd Rosemeyer befasst und das den Zwiespalt erarbeitet und darstellt, den seine Person symbolisiert. Das bisherige Lingener Erinnern an den Sportler Rosemeyer, die „Bernd-Rosemeyer-Straße“, reicht nicht.

Am Freitag habe ich im Düsseldorfer K21 Arbeiten von Katharina Fritsch und Thomas Schütte gesehen, die mich nochmals aktiv werden lassen.

Meinen Vorschlag, für das Rosemeyer-Denkmal einen namhaften Künstler zu beauftragen, habe ich daher heute dem Oberbürgermeister geschrieben und ihn, der sich so gern bei Kontroversen raushält und schweigt, um eine Stellungnahme gebeten.