Vorschau: 19. August

10. August 2017

Vorschau: 19. August

selten zu Wort kommen

9. August 2017

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie untersucht die Darstellung von Nicht-Deutschen in den Medien – mit erstaunlichen wie gleichermaßen bedenklichen Ergebnissen.

Die „linksgrün verseuchten Systemmedien“ verheimlichen die Straftaten von Geflüchteten, so ein gängiger Vorwurf rechtspopulistischer Kreise gegenüber Pressevertreter*innen, Stichwort: „Lügenpresse“. Eine Studie zur Berichterstattung über Nicht-Deutsche der Medienfachhochschule Macromedia Berlin in Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen und dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen, kommt nun zu einem anderen Schluss.

„Willkommenskultur war gestern“ überschreibt die Hochschule ihre Pressemitteilung zu den Ergebnissen der Studie. Ein Team unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Hestermann untersuchte im Zeitraum von Januar bis April 2017 insgesamt 238 Artikel der überregionalen Ausgaben von Süddeutscher Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Bild und auch der taz sowie 67 TV-Beiträge verschiedener Fernsehsender.

Das Resümee

Die deutsche Medienlandschaft stellt Nicht-Deutsche auffällig und überproportional oft als Straftäter dar. Die faktisch wachsende Gewalt gegenüber Migranten und Asylsuchenden wird gleichzeitig zu wenig thematisiert. Auffällig ist auch, wie selten die Geflüchteten in den Beiträgen als Gesprächspartner zu Wort kommen.

„Die deutschen Medien haben den gewalttätigen Einwanderer als Angstfigur neu entdeckt“, kommentiert Thomas Hestermann für  Medienmagazin journalist die Befunde, das in seiner Augustausgabe weitere Details der Studie vorstellt. Trauriger Spitzenreiter im Hinblick auf diesen verzerrten Blick ist – wenig überraschend – die Bild. In 64,3% der untersuchten Berichte über Nicht-Deutsche in dem Boulevardblatt wurden diese verdächtig, eine Straftat begangen zu haben. Bei Süddeutsche Zeitung (39,5 Prozent) und Frankfurter Allgemeine Zeitung (38,2 Prozent) liegt der Wert immer noch erstaunlich hoch. Mit 18,6 Prozent bleibt die taz in der Studie auf Abstand zum Rest der untersuchten Medien.

Und auch die untersuchten Fernsehbeiträge kreisten zu 52,2 Prozent um das Thema Kriminalität. Damit hat sich der Anteil entsprechender Beiträge im Fernsehen vervierfacht – während der Anteil nicht-deutscher Tatverdächtiger in der Kriminalitätsstatistik de facto nur um ein Drittel gestiegen ist.

Damit widersprechen die Ergebnisse nicht nur der Propaganda von Rechtspopulisten, sondern legen sogar nahe, dass es sich gegensätzlich verhält. Anstatt des unterstellten wohlwollenden Blicks, pflegt die deutsche Medienlandschaft eine negative Perspektive auf Zuwanderer und Flüchtlinge. „Das führt zu einem verzerrten Bild und kann Vorurteile in der Bevölkerung anheizen“, warnt Thomas Hestermann.

Das ist ein wichtiger Punkt: Denn gerade im Hinblick auf die Berichterstattung über geflüchtete Menschen, die ohnehin bereits unter zahlreichen Formen der Diskriminierung leiden, müssen Jopurnalisten ihre Verantwortung sehr ernstnehmen, gefühlte Wahrheiten nicht zu reproduzieren, sondern die Bevölkerung aufzuklären und zu differenzieren. Anstatt lediglich kurzfristig Aufmerksamkeit (für Quote oder Auflage) zu erhaschen, sollten sie die langfristigen Folgen ihrer Arbeit bedenken.

Sie müssen dabei, um Asylsuchende in einem weniger problematischen Licht darzustellen keinesfalls verharmlosen, nur eins tun: Lediglich getreu den Fakten berichten.

(Quelle bzw. gefunden bei tazBlog)

#HEYTWITTER

8. August 2017

Eine schöne Form des kreativen Protests: Der Autor und Satiriker Shahak Shapira hat vor die deutsche Twitter-Zentrale in Hamburg 30 Hate Tweets gesprüht, um die Betreiber der Socialmediaplattform daran zu erinnern, dass ihr Netzwerk voll mit rassistischen, antisemitischen und homophoben Tweets ist, sie sich jedoch nicht um das Prüfen und Löschen kümmern.

Over the last months, I reported about 300 hate tweets. Twitter failed to delete most of them, so I sprayed them in front of their office.
Shahak Shapira

Wie man in dem Video sehen kann, das Shapira bei Youtube von der Aktion veröffentlich hat, ist Twitter das ganze nicht so lieb und sie haben die Real Life Tweets vom Bürgersteig entfernen lassen.

Gesehen bei Netzpolitik / Testspiel

#dontcallmom

8. August 2017

Man kann noch so viel Skandale machen wie der ADAC, die Werbung wird’s schon richten.

Montag

7. August 2017

Leute, es ist Montag. Da gibt’s sonst nicht viel herumzualbern, also: Die Ingenieure und Designer bei Mercedes haben entweder einen guten Humor, oder dieses X350d-Detail ist ihnen zuvor einfach noch nicht aufgefallen….

via Ersatzsex

 

This sucks

6. August 2017

Stillen in der Öffentlichkeit scheint immer noch ein heikles  Thema zu sein. Laut einer Studie steht jeder Vierte dem Stillen im öffentlichen Raum zwiespältig oder ablehnend gegenüber. Jon Lawton kann die Bedenken nicht nachvollziehen. Im Kurzfilm „This sucks“ stellt der Regisseurklar, dass Erwachsene beim Essen eigentlich viel unappetitlicher aussehen als Babies.

Allein der Titel des Spots „This sucks“ ist ein Statement. Aber auch die Bilder, die der Spot anlässlich der Weltstillwoche (1. bis 7. August) zeigt, überzeugen. Wir sehen eine stolze Mutter, die ihr Baby stillt. Abwechselnd dazu werden in Zeitlupe Menschen eingeblendet, die geradezu wüst eine fettige Speise verzehren – vom dick belegten Hot Dog bis zum Burger. Der Spot spricht für sich. Die deutsche Übersetzung der US-Webseite übrigens nicht; sie ist -wohl automatisch generiert- eher peinlich.

Nun, ich erinnere mich lächelnd an einen bisweilen seltsam-sonderlich agierenden Lingener Advokaten, der vor etwas mehr als 30 Jahren mit harschen und kleinbürgerlichen Schriftsätzen meinte, den Landgerichtspräsidenten in Osnabrück bemühen zu müssen, als eine Mutter ihrem Neugeborenes im damaligen Sitzungssaal 31 kurzerhand die Brust gab. Er fiel mit seiner Protestnote auf die Nase, und das war gut so.

fühle mich sehr gut

5. August 2017

Im Landtag von Niedersachsen hat gestern die rot-grüne Regierung ihre Mehrheit verloren, weil die bisher grüne Abgeordnete Elke Twesten aus Scheeßel (Landkreis Rotenburg/Wümme) in die CDU gewechselt ist. Sehr geil diese Äußerung der neuen CDU-Landtagsabgeordneten, die von ihrem grünen Kreisverband nicht wieder für die Landtagswahl 2018 aufgestellt worden war:

„Ich sehe meine politische Zukunft in der CDU“, sagte die 54-Jährige, die betonte: „Ich bin keine Verräterin und fühle mich sehr gut.“

Die bisherige Grüne („Ich habe eine bürgerliche Grundstruktur„) erläuterte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Björn Thümler und einem stockenden Facebookvideo die Gründe für ihren Schritt so:

„Es gibt einen Punkt, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Ich hatte in meinem Wahlkreis in Rotenburg eine Gegenkandidatin. Diese Gegenkandidatin hat bis dato keine Bewerbung für die Wahl der Landesliste in einer Woche abgegeben. Damit sind die Chancen, dass der Landkreis Rotenburg weiterhin im Landtag vertreten sein wird, nahezu gleich null. Dieses Vorgehen ist für mich vollkommen inakzeptabel und verantwortungslos von allen dafür verantwortlichen Personen.“

Bei derlei wirr-egoistischem Gerede und Chuzpe stellt sich mir die Frage, welche Zusagen Frau Twesten („stets mit dem Bewusstsein für das Machbare“) von der CDU bekommen hat. Die Frage ist bislang nicht beantwortet.

Mi dem Schritt ist die rot-grüne Mehrheit im Landtag perdu. Bisher hatte die Regierungskoalition aus SPD (49 Sitze) und Grünen (20 Sitze) zusammen 69 Sitze und damit einen mehr als die Opposition aus CDU (54 Sitze) und FDP (14 Sitze). Durch den Schritt von Twesten dreht sich das Verhältnis um. „Das Wahlergebnis von 2013 wird dadurch verfälscht“, kommentierte die grüne Fraktionsvorsitzende Anja Piel, die Frau Twesten aufforderte, ihr Mandat zurückzugeben. Die Zusammensetzung und die Mehrheiten im Landtag müssten, so Frau Piel, von den Wählerinnen und Wählern entschieden werden.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, Foto lks) sprach sich heute sofort für baldige Neuwahlen aus: „Ich möchte so schnell wie möglich klare Verhältnisse haben.“

Der Niedersächsische Landtag könnte die Neuwahlen mit Zweidrittelmehrheit beschließen. Die Neuwahlen zum Landtag könnten frühestens einen Monat nach der Bundestagswahl stattfinden, bspw. am 26. Oktober und damit knapp drei Monate vor der für Mitte Januar 2018 geplanten routinemäßigen Neuwahl des Landesparlaments.

 

Sonntagsspaziergang

5. August 2017

Sonntagsspaziergang
der Bürgerinitiative „Pro Altenlingener Forst“.
Treffpunkt: Lingen (Ems) – Wertstoffhof „Schwarzer Weg“
Sonntag 6. August 2017, 14. 30 Uhr

„Mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Lingen (Ems) und des BUND, der Nieders. Landesforsten und der BP Raffinerie“ (Presseerklärung der BI) sollen die Entwicklungen der letzten Jahre sowie der Zustand des Altenlingener Forstes vor Ort in Augenschein genommen und ein Ausblick für die nächsten Jahre gegeben werden. Alle waren bisher nicht als Unterstützer der Ziele der Bürgerinitiative pro Altenlingener Forst bekannt oder engagiert.

Tipp: Wegen der teilweise sehr überwachsenen und unebenen Wege ist geeignetes Schuhwerk und Kleidung angeraten.

Nicht mehr beim Sonntagsspaziergang dabei sein kann tragischerweise einer der Protagonisten der Bürgerinitiative pro Altenlinger Forst. Dipl.-Ingenieur Joachim Reul (Foto lks) aus dem Lingener Stadtteil Heuberge ist am vergangenen Dienstagmorgen plötzlich und unerwartet verstorben.

Mein Vorschlag: Wir sollten für Achim alsbald im  Altenlingener Forst eine mächtige Eiche pflanzen!

 

mal wieder glüht

4. August 2017

Das muss man wissen, wenn der Aluhut mal wieder glüht. Striche machen, diagonale ums Feld. Und das schwachsinnige Ganze für die werte Leserschaft dieses kleinen Blogs rechtzeitig zum Wochenende.

(gefunden beim Krafutttermischwerk)

nicht ausdenken

3. August 2017

Letzte Woche schickte der norwegische Journalist Johan Slåttavik („Ich bin wahrscheinlich Norwegens schlechtester Troll“) folgendes Posting in die norwegische Facebook-Gruppe „Vaterland zuerst“ („Fedrelandet viktigst“), die immerhin 12.000 Mitglieder zählt.

Johan fragte in die Runde, was die Leute darüber denken würden. Nun, zu sehen sind
schlicht ein paar freie Bussitze. Was soll man von denen schon denken? Wenn man einen braucht, ist es recht praktisch, wenn einer leer ist.

Darum aber ging es einigen Mitgliedern der Gruppe nicht; denn sie sahen keine Sitze, sondern vollverschleierte Frauen unter vermeintlichen Burkas. Und dann wurde, wie wir es auch hierzulande kennen, erstmal derbe durch die Kommentare randaliert. Weil ein paar Knetbirnen Bussitze für Frauen unter Burkas hielten. Kann man sich nicht ausdenken!

“Tragic” and “terrifying” were among the comments posted by members of the closed Fedrelandet viktigst, or “Fatherland first”, group beneath the photograph, according to screenshots on the Norwegian news website Nettavisen.

Other members of the 13,000-strong group wondered whether the non-existent passengers might be carrying bombs or weapons beneath their clothes. “This looks really scary,” wrote one. “Should be banned. You can’t tell who’s underneath. Could be terrorists.”

Further comments read: “Ghastly. This should never happen,” “Get them out of our country – frightening times we are living in,” and: “I thought it would be like this in the year 2050, but it is happening now,” according to thelocal.no.

Die Welt lacht, auch wenn das Facebookposting inzwischen gelöscht ist. Im britischen  The Guardian lag gestern Abend der „mistaken“-Bericht über die norwegischen Dumpfbacken auf Rang 1 aller online gelesenen Beiträge.

Übrigens geht die hier dargestellte Blödheit zurück auf diesen, vor knapp einem Jahr veröffentlichten, satirischen Tweet:

(Quelle Das Kraftfuttermischwerk; The Guardian)