Dear Dad

17. Mai 2018

Rund 1,6 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Demenz – zwei Drittel von ihnen haben Alzheimer. Jedes Jahr treten etwa 300.000 Neuerkrankungen auf, die Zahl der Demenzkranken nimmt infolge der demografischen Entwicklung kontinuierlich zu. Die neurodegenerative Erkrankung spielt auch in der Werbung immer wieder eine Rolle. In einem Spec-Spot für den Hamburger Schreib- und Lederwarenhersteller Montblanc widmen sich nun Studierende der Filmakademie Baden-Württemberg der Krankheit Alzheimer.

In dem ohne offiziellen Auftrag produzierten Film erzählen die Studierenden die bewegende Geschichte von Vater und Sohn. Darin bekommt der mittlerweile erwachsene Sohn einen Anruf und reist daraufhin in das Herrenhaus seines ergrauten Vaters. Auf der Fahrt lässt der junge Mann die Erlebnisse mit seinem Vater Revue passieren. Dabei merkt er, wie sehr er seinen alten Herren immer bewundert hat – doch dass die beiden nie über Gefühle gesprochen haben. Nun könnte es bald zu spät sein, denn der Vater ist an Alzheimer erkrankt. Doch der Sohn findet einen Weg, wie er seinem Papa seine Gefühle eindrücklich und nachhaltig mitteilen kann und überreicht ihm einen Brief mit den ehrlichen und sehr liebevollen Zeilen seines inneren Monologs.

Der Spec-Spot der Studierenden ist eine Hommage an das geschriebene Wort und setzt die Botschaft „Written by: Montblanc“ in Szene. Für die Produktion zeichnet die Filmakademie Baden-Württemberg verantwortlich. Dort gehörten Celina Finger (Idea/Skript & Producer), Tobias Schönenberg (Regie), Jannik Nolte (DoP), Andreas Bardét (Editor), Zelda Lagies (Production Design), Lena Peifer-Weiß (Kostümdesign) zum Team. Die Musik steuerte Yessian Music Hamburg bei, das Sounddesign übernahm Marvin Keil und die Postproduktion Harvest Digital Agriculture. (Quelle: Horizont.net):

Philipp and Walter have never talked about feelings. As the memories of his father disappear more and more through his dementia, Philipp preserves the shared moments in a letter – a manifesto of the relationship between father and son.

reduzieren

16. Mai 2018

Am vergangenen Montag haben niederländische Universitäten Lösungsvorschläge für die Probleme präsentiert, die die Internationalisierung der Universitäten mit sich bringt. Die Universitäten wollen in den kommenden Jahren die Zahl der internationalen Studenten reduzieren. Seit einigen Jahren hat die Zahl internationaler Studierender in den Niederlanden stark zugenommen, vor allem durch die Einrichtung vieler englischsprachiger Studiengänge. Niederländische Studenten sind in den Studiengängen oftmals in der Unterzahl.

In den Hörsälen sitzen manchmal nur noch wenige niederländische Studenten. Aufgrund der schnell ansteigenden Zahl von internationalen Studierenden gibt es in fast zehn Prozent aller Studiengänge mehr internationale Studenten als niederländische. 70 Studiengänge bestehen fast zu drei Vierteln aus internationalen  Studenten. Für die Internationalisierung der Universitäten ist die Universität Maastricht ein Paradebeispiel: 53 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland, somit verzeichnet die Universität Maastricht in den Niederlanden die meisten internationalen Studenten. Diese Internationalisierung wurde vom Staat lange Zeit angestrebt – der Traum des „international classroom“ wurde verfolgt und es wurde viel Geld in die Internationalisierung der Universitäten investiert.

Die Internationalisierung bringt jedoch auch Probleme mit sich. Immer mehr Studiengänge werden englischsprachig angeboten, auch wenn einige Dozenten dieser Umstellung nur mit Mühe und Not nachkommen können. Viele Kritiker sehen in dieser Umstellung allerdings vor allem ein Ertragsmodell, das von den Universitäten ausgenutzt wird. Die Universitäten wollen so viele Studenten wie möglich dazu bewegen, sich bei ihnen einzuschreiben, um staatliche Gelder für die Studenten zu erhalten. Niederländische Universitäten erhalten Geld für alle eingeschriebenen und ausgebildeten Studenten. Ausländische Studenten werden von den Universitäten aktiv geworben, da die Fakultäten mit mehr ausländischen Studenten einen gleichbleibenden oder größeren Anteil des Bildungsbudgets erhalten.

Da der Staatshaushalt für Universitäten jedoch seit Jahren nicht mehr zunimmt, die Studierendenzahlen aber steigen, gibt es pro Student immer weniger Geld. Deshalb kam die Vereinigung von Universitäten („Vereniging van Universiteiten“, kurz VSNU) zu dem Schluss, dass es besser sei, die Studierendenanzahl zu beschränken. Gestern präsentierte die VSNU die Lösungsvorschläge für die Probleme, die die Internationalisierung mit sich bringt. Die Bildungsministerin Ingrid van Engelshoven veröffentlicht im Herbst dieses Jahres eine Studie über das aktuelle Finanzierungssystem der Universitäten. Darüber hinaus legt sie der Zweiten Kammer im Juni einen Bericht über die Internationalisierung an Universitäten vor.

Die niederländische Tageszeitung De Volkskrant stellt vier Lösungsansätze der niederländischen Universitäten vor. Der erste Vorschlag behandelt den „Numerus Fixus“ für englischsprachige Schwerpunkte innerhalb von Studiengängen. Der „Numerus Fixus“ zeigt an, dass es eine Studienplatzbegrenzung für den betreffenden Studiengang, bzw. bei diesem Vorschlag für den entsprechenden Schwerpunkt gibt. Bisher gilt der Studentenstopp bei Studiengängen, die sowohl auf Englisch als auch auf Niederländisch gegeben werden, für den vollständigen Studiengang.

Der zweite Vorschlag betrifft vor allem nicht-europäische Studenten. Zurzeit müssen Studenten, die nicht aus Europa stammen, den sogenannten „instellingstarief“ bezahlen. Dieser Betrag ist unterschiedlich hoch – abhängig vom Studiengang und von der Universität. Im Schnitt bezahlen die Studenten ungefähr 10.000 Euro pro Jahr. Die VSNU und die Vereinigung der Hochschulen („Vereniging Hogescholen“, kurz VH) möchten den universitären Einrichtungen die Möglichkeit geben, diesen Betrag zu erhöhen. Zusätzlich soll es eine Höchstgrenze für Studenten geben, die nicht aus dem Europäischen Wirtschaftsraum kommen.

Der dritte Vorschlag betrifft die niederländischen Dozenten. Auf der einen Seite wird oftmals über den Erhalt der niederländischen Sprache im Zusammenhang mit englischsprachigen Studiengängen an niederländischen Universitäten diskutiert, auf der anderen Seite werden die englischen Sprachfähigkeiten der Dozenten kritisiert. Die Lösung für das letztgenannte Problem soll die verpflichtende Einführung des Sprachniveaus C1 sein. C1 ist, gemäß dem Europäischen Referenzrahmen, das zweithöchste Niveau bei einer Fremdsprache. Gleichzeitig soll erneut über die Bedeutung der niederländischen Sprache diskutiert werden, denn viele Studenten, die in den Niederlanden studieren, arbeiten später auch dort, und sollten deshalb die Landessprache beherrschen.

Der vierte Vorschlag behandelt das Ungleichgewicht zwischen ausländischen Studenten, die in den Niederlanden studieren, und niederländischen Studenten, die im Ausland studieren. Während die Niederlande bei ausländischen Studenten äußerst beliebt sind, studieren Niederländer sehr selten im Ausland. Oftmals verbringen sie ein Auslandssemester in einem anderen Land, doch ein ganzes Studium absolvieren sie nur selten in anderen Ländern. Das führt dazu, dass der niederländische Staat mehr in europäische Studenten investiert, als umgekehrt. Die VSNU strebt deshalb an, mehr niederländische Studenten für ein Studium im Ausland begeistern zu können. Die Studenten sollen besser über das Studium und die möglichen Stipendien informiert werden.

(Quelle: Niederlandenet)

Aus gegebenem

15. Mai 2018

…Anlass, wenn ein dummer Spruch eben einfach nur dumm war und ist.

Im Rahmen der Architekturreihe “Lingen & Denkmal” kommt der Architekt Per Pedersen vom Büro Staab-Architekten aus Berlin am Donnerstag, 17. Mai 2018, um 19 Uhr in das IT-Zentrum nach Lingen. Sein Werkvortrag trägt den Titel „Anknüpfen: Respekt & Perspektive“.

Als Geschäftsführer hat Per Pedersen zahlreiche Bauprojekte des Büros Staab Architekten begleitet. Eine besondere Expertise hat das Büro in den letzten 25 Jahren im sensiblen Umgang mit denkmalgeschützten Bauten erworben. Per Pedersen beschreibt die unterschiedlichen Möglichkeiten, wie die Planung auf die Eigenart der vorgefundenen Bausubstanz eingehen und auf welchen Ebenen ein neues Bauwerk Kontakt zum Bestand aufnehmen kann. Anhand realisierter Beispiele des Büros erläutert er, wie in jedem Projekt die Frage nach dem geeigneten Maß an Autonomie der neuen Bauten und der wünschenswerten Verbindung mit dem Bestand neu beantwortet wird. Anknüpfungspunkte, wie die historische Raumstruktur oder die gewohnte Raumwirkung, schlagen dabei eine Brücke zu der zeitgenössischen Formensprache und Materialwahl der modernen Ergänzungen.

Per Pedersen wurde 1963 in Thisted, Dänemark geboren. Er studierte in Aarhus und an der University at Buffalo in den USA. Seit 1996 ist er im Büro Staab Architekten und dort seit 2008 Geschäftsführer. Zudem ist er seit 2017 Mitglied im Gestaltungsbeirat der Hansestadt Lübeck.

Mit der Reihe „Lingen & Denkmal“ gibt die Stadt Lingen renommierten Architekten, Gestaltern und Kulturschaffenden die Möglichkeit, in ungezwungener Atmosphäre ihre Projekte zu präsentieren – mit geselligem Ausklang bei Wein, Brot und Käse. Im Jahr 2018 steht dabei das Thema „Lingen & Denkmal – Neue Architektur in alten Mauern“ im Mittelpunkt.

„Wir möchten Lust auf Architektur und Baukultur machen“, erläutert Stadtbaurat Lothar Schreinemacher die Idee zu der Reihe. Der Austausch sei dabei besonders wichtig. „Ich wünsche mir, dass die Architekten und Bauschaffenden einmal abseits von konkreten Projekten miteinander ins Gespräch kommen“, so der Stadtbaurat. Angesprochen sind neben diesen Berufsgruppen vor allem alle Kultur- und Architekturinteressierte in der Region.

Fidelio

13. Mai 2018

Few opera choruses are as moving as the one a group of prisoners sings in Act I of Beethoven’s “Fidelio.” Released temporarily from their cells, the inmates almost whisper a hymnlike paean to liberty: “Oh, what a joy to breathe freely again in the open air.”

The transformation from oppression to freedom is at the core of “Fidelio,” which the small, adventurous company Heartbeat Opera is presenting through May 13 at the Baruch Performing Arts Center in Manhattan. There, the recently recorded voices of choirs from Midwestern correctional facilities will join together in Beethoven’s soaring Prisoners’ Chorus.
Heartbeat Opera collaborates with 6 prison choirs in Iowa, Ohio, Kansas, and Minnesota for its new adaptation of Beethoven’s FIDELIO. More than 100 incarcerated singers and 70 volunteers raised their voices in a new SATB arrangement of the iconic „Prisoners‘ Chorus.“ Director/Adaptor Ethan Heard and Music Director/Arranger Daniel Schlosberg visited four choir rehearsals. (Quelle: New York Times)

Der durchschnittliche Mietpreis steigt in den Niederlanden überall, aber vor allem in mittelgroßen Städten ‒ außerhalb des Ballungsgebietes der Randstad ‒ wird ein Rekordhoch erreicht. Das ergibt sich aus Zahlen von Pararius, der laut eigener Aussage größten Website für Mietwohnungen in den Niederlanden. Die Website veröffentlichte Zahlen über das erste Quartal des Jahres 2018, in dem im Schnitt ein Anstieg des Mietpreises um 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr  zu verzeichnen war.

Die Mietpreise stiegen vor allem in Apeldoorn, Almere, Amersfoort und Tilburg. Auch in Leiden, Nimwegen und Enschede war die Miete mindestens 8 Prozent teurer als zuvor. Pararius beruft sich dabei auf 10.671 Wohnungen, die im letzten Quartal über ihre Website vermietet wurden. Der höchste Anstieg wurde in Zoetermeer (Provinz Südholland) festgestellt, wo der Mietpreis um 20,8 Prozent auf 11,50 Euro pro Quadratmeter stieg. Laut Pararius sei die zentrale Lage der Gemeinde hierfür verantwortlich, da viele Pendler aus Leiden, Den Haag und Rotterdam hierhin ziehen.

Insgesamt  ist es aber immer noch teurer, in der Randstad zu wohnen, als außerhalb dieses Ballungsgebietes. Die Preise in Gemeinden außerhalb der Randstad steigen aber deutlich schneller. In Amsterdam stiegen die durchschnittlichen Mietpreise beispielsweise um 2,2 Prozent auf 22,48 Euro. In Utrecht, der zweitteuersten Stadt, bezahlen Mieter etwas mehr als 16 Euro pro Quadratmeter. Rotterdam und Den Haag haben vergleichbare Preise.

Der Geschäftsführer von Pararius, Jasper de Groot, glaubt aber nicht, dass in den mittelgroßen Städten dasselbe Preisniveau erreicht werden wird, wie in der Randstad, da die Nachfrage in den großen Städten höher ist. Die Mietpreise werden ihm zufolge in den kommenden Monaten aber weiter steigen, bis sie eine Höchstgrenze erreichen: „Es gibt einen begrenzten Betrag, den Mieter bezahlen können. Wenn die Preise in die Nähe dieser Grenze kommen, ebbt die Preissteigerung automatisch ab. In den mittelgroßen Städten ist eine solche Mietgrenze noch lange nicht erreicht.“

Mieter, die wegen der hohen Mieten aus der Randstad wegziehen, treiben somit die Mieten im Rest des Landes hoch, so De Groot. Das sei zum Beispiel der Grund für den hohen Mietpreisanstieg in Almere, da viele Niederländer aus Amsterdam hierhin ziehen.

Die steigenden Preise zeigen laut Pararius, dass der Wohnungsmarkt immer noch unter Druck steht. Schätzungen ergeben, dass bis zum Jahr 2020 die Wohnungsknappheit weiter zunimmt und circa 83.000 Wohnungen fehlen werden. In der Theorie ist der Bau neuer Wohnungen zwar die Lösung, in der Praxis gestaltet sich das allerdings komplizierter, so De Groot. So würden einerseits Baugenehmigungen noch deutlich zu langsam erteilt werden, andererseits würden Bauunternehmer mit hohen Personalkosten und einem Mangel an Baumaterial kämpfen. Die Wohnungsknappheit konzentriert sich darüber hinaus auf den Ballungsraum der großen Städte und der Randstadsregion, wo aufgrund von fehlendem Baugrund Neubauten schlichtweg nicht möglich sind.

(ein Bericht von Niederlandenet)

Ausstieg rechts

11. Mai 2018

Der Kurzfilm Ausstieg Rechts der beiden österreichischen Filmemacher Rupert Höller und Bernhard Wenger setzt ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Fremdenhass im Alltag.

In rund fünf Minuten erzählt der Film eine Geschichte, die so oder so ähnlich, leider nach wie vor tagtäglich irgendwo in Deutschland passiert. Dass Vorurteile und Rassismus in Alltagssituationen nicht hinnehmbar sind, sollte eigentlich jedem klar sein. Dennoch schauen viele weg, unter anderem weil sie mit der Situation überfordert sind und sich nicht trauen einzumischen.

Der Film von Höller & Wenger zeigt einen möglichen „Ausstieg rechts“ aus Rassismus im Alltag – mit Zivilcourage und einer humorvoll-subtilen Strategie, und ohne Gewalt.

Vatertag

10. Mai 2018

Aus Gruenden und in Englisch. Doch auch hierzulande verständlich –  oder?

Selbstverständlich

10. Mai 2018

Am vergangenen Sonntag hat eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Abifestivalvereins mit 95% Stimmen der Anwesenden beschlossen, das Abifestival 2018 ausfallen zu lassen. Es hätte am 15. und 16. Juni stattfinden sollen. In der offiziellen Sprachregelung ist zwar von „Pause“ die Rede. Doch angesichts der erheblichen Zahlungen, die jetzt ohne Einnahmen auf die beiden „AF“-Vereine zukommen, darf man nicht sicher sein, dass die Macher genügend Finanzen und Kraft haben, im kommenden Jahr tatsächlich wieder anzutreten – ganz abgesehen von dem Ansehensverlust in der Szene und dem unermesslichen Schaden an Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit als Veranstalter.

Es ist also ganz und gar nicht schön, was aktuell aus den Kreisen des Abifestivals nach außen dringt oder offiziell verlautbart, bisweilen gar in schrecklich-devotem DiplomateDiplomatendeutschndeutsch.

Im ersten offiziellen Statement wurde das „Fehlen von Helfern“ als Hauptgrund dafür ausgemacht, dass das Abifestival 2018 kurzfristig nicht stattfinden kann. Kurzfristig, weil sechs Wochen in Wahrheit nur einen Wimpernschlag in einem schnelllebigen Geschäft bedeuten, in dem die nächste Mario Barth- oder Seeed-Tournee bis zu 18 Monate und mehr im Voraus angekündigt werden.

In einem später in der „Lingener Tagespost“ erschienenen Gespräch der Vereinsverantwortlichen mit den LT-Redakteuren klingt das nun schon anders. Hier wird argumentiert, dass „[es] Sicherheitsauflagen, für die eine gewisse Personenzahl notwendig ist“ gebe. Wir sehen also zwanglos: Der Grund für die Absage kann auch an anderer Stelle liegen. Oder anders: Das Problem der fehlenden Helfer stellt sich auf einmal ganz anders dar.

Fakt ist, eine Veranstaltung mit der Größe des Abifestivals hat, spätestens seit den Ereignissen von Duisburg vor acht Jahren, andere Auflagen zu erfüllen, als ein Straßenfest in Lingen-Damaschke.

Allerdings ist auch hier ein merkwürdiges Ungleichgewicht zu beobachten. Oder haben Sie etwa beim Kivelingsfest Helfer des Kivelingsvereins gesehen, die Anwohnerstraßen vor dem Zuparken bewachen oder die Zufahrt über gesperrte Ausfallstraßen regeln? Oder gab es jemals beim Lingener Altstadtfest, einer von der städtischen „Lingen Wirtschaft & Tourismus GmbH“ in Einregie organisierten Veranstaltung, ausgeschilderte Notausgänge oder private Sicherheitsdienste, die Streite schlichten und ein Hausrecht ausüben? Werden die Organisatoren des Public Viewings im Emsland-Stadion auch später den Dreck auf den Wegen zum und vom Stadion wegräumen, die anschließend in die Stadt ziehen?

So etwas machen die Helfer vom Abifestival bei ihrer Umsonst-und-draußen-Veranstaltung und müssen es dank städtischer Auflagen machen. Für andere Veranstaltungen undenkbar und nun der wesentliche Grund für das Aus.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum das alles beim SV Meppen-Profifußball keine Rolle spielt. Hundertschaft um Hunderschaft werden hier eingesetzt. Beim Abifestival, oder auch beim Karnevalsumzug in Bawinkel wird diese „Großzügigkeit“ aber an umfangreiche Bedingungen geknüpft. Oder genauer und ehrlich gesagt: Sie findet nicht statt.

Die von den Machern als Erklärung für ihre Absage ebenfalls erwähnten Sicherheitsauflagen belasten aber noch weiter. Oberbürgermeister Krone hatte noch vor wenigen Wochen – bei unserer Podiumsdiskussion mit Jugendlichen (Altersdurchschnitt: 55 Jahre) im Lingener Lookentor – geradezu stolz darüber berichtet, dass die Stadt das Abifestival großzügig unterstütze. Als Beispiel führte er an, dass die Stadt den Besucher-Zugang zum Festivalgelände nun „schottern“ werde. Die Information, dass das Schottern dieses Zugangs eine neue behördliche Auflage seiner Stadtverwaltung war, ließ er aus. Die Stadt schreibt also den Machern etwas zu tun vor, erledigt dies dann aber „großzügig“ selbst und bezeichnet dies als großartige Unterstützung…

Das gleiche Erstaunen widerfährt den Betrachter bei den Zahlen, die der OB gerne nennt. Denn für das Jahr 2018 wurde der Zuschuss in der Tat um fünf auf 20 tausend Euro erhöht. Das große Dressurfestival erhielt aber zuletzt das Vierfache an städtischen Zuschüssen, rund 80 Tausend Euro. Man erinnert sich immer noch irritiert an die VIP-Freikarten, die es gleichzeitig für die Ratsmitglieder gab…

Der stödtische Zuschuss ist auch keine echte „Hilfe“, weil das Geld, das die Stadt den Abiturienten zur Verfügung stellt, nicht für Werbemaßnahmen oder Bands genutzt werden kann, sondern im Grunde nur dafür ausgegeben werden muss, den Sicherheitsdienst und damit weitere Sicherheitsauflagen der Stadtverwaltung zu bezahlen, die unter dem Eindruck von Duisburg 2010 auferlegt wurden. Noch einmal der Sei5enblick: Der SV Meppen würde bald wieder Bezirksliga spielen, müsste er die Sicherheit seiner Profispiele selbst zahlen.

Es ist auch keine „Hilfe“, sondern schlicht die notwendige Arbeit der Fachbereiche der Stadtverwaltung, den Machern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dafür werden die Mitarbeiter*innen im Rathaus bezahlt und ausgebildet. Wir haben in unserer Stadt entschieden, dass wir als Kulturmetropole der Region glänzen wollen. Das geht aber nur, wenn die Verantwortlichen in der Verwaltung ihre Arbeit machen. Das muss man anerkennen, aber nicht gefühlt 20 Mal pro Woche loben. Zu abstrakt? Also ein Beispiel: Es ist so wie das Applaudieren bei der Landung eine Flugzeugs. Kann man machen, aber es ist nun mal der Job der Pilotin sicher zu fliegen und zu landen.

Kommen wir zum letzten Punkt, zum Geld. Auch wenn es aus den Reihen der Macher dazu keine offiziellen Aussagen gibt, so hörte man schon am Jahresanfang, dass es nicht wirklich rund lief. Große, gestandene Lingener Unternehmen mit zig Millionen-Umsätzen haben für 2018 gerade mal den monetären Gegenwert eines modernen E-Bikes zugesagt. Andere hielten sich, trotz wirtschaftlich hervorragender Lage und Fachkräftemangel, ausgerechnet beim Lingener Abifestival vornehm zurück.

Da hilft es nicht, wenn sich angeblich ein Brausehersteller einmalig für eine Werbeaktion am Lingener Bahnhof aufstellt. Es sind die lokalen Sponsoren und Firmen, die kneifen.

Natürlich verwundert nicht, dass auch das Land Niedersachsen und der Landkreis Emsland nichts tun, um das einzige große Traditionsfestival im Westen des Landes zu unterstützen – mir ist jedenfalls nichts dergleichen bekannt.

Fazit: Die vermeintliche Hilfe reicht nicht ansazuweise, um ein Festival dieser Größe zukunftssicher umzusetzen.

Was jetzt durch die Absage angerichtet ist und bleibt: Ein großer Vertrauensverlust bei Agenturen, bei Partnern, bei Sponsoren, bei den Bands aus der Region.

Ich kann nur hoffen, dass das Abifestival aus diesem Loch wieder herausfindet. Große Hilfe kann das Festival leider bei den Verantwortlichen der Stadt hierbei auch weiterhin nicht erwarten, es ist eben nicht wie bei den Handballprofis HSG Nordhorn/Lingen, die bspw. die kommunale EmslandArena für eine geringe, gerade einmal die Reinigungskosten deckende, sagen wir, Anerkennungssumme erhält.

Übrigens: Einer der größten Sponsoren und Förderer unserer lokalen Lingener Vereinslandschaft ist der vorbildliche „BP Matching Fund“, bei dem für jede ehrenamtlich geleistete Stunde eines BP-Mitarbeiters ein festgelegter Geldbetrag an die jeweilige Einrichtung überwiesen wird. Böse Zungen behaupten, dass sich einige Lingener Sportvereine nur durch diesen Fonds über Wasser halten. Warum überlegen wir nicht gemeinsam, ob so etwas sinnvoll wäre, statt immer neuer „10% Ehrenamtskarten“ oder „12,5% Ehrenamts-Rabatte“ in Lingen oder im Emsland und wohlfeiler Reden über „das Ehrenamt“?

 

Stadtkämmerin Monika Schwegmann war Montag in Sitzung unserer BN-Fraktion. Anlass war unsere Einladung nach einem LT-Artikel, in dem es am vergangenen Samstag in der „Lingener Tagespost hieß: „Kitaplätze reichen fast überall“. So formuliert war das keine korrekte Schlagzeile und auch im Text wurde der Leser auf eine falsche Fährt gelockt. Im Mittelpunkt des Berichts stand nämlich die Frage, wieviele zusätzliche Kita-Plätze es deshalb in Lingen geben müsse, weil niedersächsische Eltern zum neuen Schuljahresbeginn  wählen können, ob ihr Kidergartenkind noch ein Jahr weiter die Kita besucht.
Die LT berichtete, dass es aktuell und auch für das anstehende „Kita-Jahr“ deshalb kaum Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von ausreichend Kita-Plätzen gäbe. Das berichtete den Mitgliedern der BürgerNahen auch die erst seit dem 1. April für die Kitas zuständige Dezernentin Schwegmann und erläuterte dann, am vergangenen Freitag sei die Anmeldefrist für Eltern abgelaufen. Es fehlten – so eine erste Auswertung-  116 Kita-Plätze in Lingen. Die bis dahin vorgenommenen Anmeldungen bei den verschiedenen Trägern der Lingener Kindertagesstätten müssten aufgrund von Doppel- und Vielfachanmeldungen zunächst mühsam („händisch“) sortiert werden, um tatsächlich zu wissen, wie viele Plätze es braucht bzw. wie viele Anmeldungen wirklich vorlägen. Ein Bewerber hätte gar 19 Anmeldungen für sein Kind vorgenommen. Also statt 8 Plätze der nicht eingeschulten Kinder fehlen zum 1. August viele Plätze: 116 Kinder haben aktuell keinen Kita-Platz.
Das digitale Meldeprogramm „Kitaplaner 2“ werde jetzt bestellt und erst zum nächsten „Kita-Jahr“ 2019/2020 Anwendung finden – was den Anmelde-Prozess vereinfachen und die Übersicht für die Stadt erleichtern werde. Zur bevorstehenden Jugendhilfeausschuss-Sitzung am 17.05. sollen die Zahlen noch einmal aktualisiert und genau vorliegen. Insgesamt 140 neue Plätze wolle man bis zum August schaffen; dann habe man noch „einen kleinen Puffer“. Sie sei auch zuversichtlich das zu leisten, die Hälfte davon in einem neuen Kindergarten im Gebäude der ehemaligen Gebrüder-Grimm-Schule unter der vorläufigen Regie der Maria-Königin-Kirchngemeinde, die neben dem Schulzentrum an der Elsterstraße seit mehr als 40 Jahren einen Kindergarten betreibt. Sie könne aber, so Frau Schwegmann, „Stand heute keine Garantie dafür übernehmen, dafür auch das notwendige Personal vorhalten zu können“- Die Situation ist also alles andere als poblemlos.
 
Und noch dies: BN-Vorstand Bernd Koop berichtete, die von ihm und seiner Frau für das gemeinsame Kind in Aussicht genommene Kita hätte ihn bei der Anmeldung für einen Platz im kommenden Frühjahr auf den Mai vertröstet. Dann sollten sie sich wieder melden.
Warum das? Mir liegt inzwischen die Information vor, dass (wortwörtlich!) „die Stadt bis Anfang Mai weitere Anmeldungen nicht erlaubt hat.“ Mit einem solchen Anmeldeverbot dürfte es für die Stadtverwaltung nicht so schwer sein, die Kita-Plätze „bedarfsgerecht“ zu steuern, wenn die Träger nur so viele Anmeldungen annehmen dürften, wie die Stadt an Plätzen meint, vorhalten zu können..
 
Über dieses Anmeldeverbot -gleichgültig, ob es bestand, oder die Kita-Träger die Erklärungen aus dem Rathaus so verstanden haben- muss im Jugendhilfe-Ausschuss gesprochen werden, um diese Praktik sofort abzuschaffen.
Außerdem zeigt sich, wie falsch es war, den Antrag unserer Fraktion „Die BürgerNahen“ im vergangenen Herbst abzulehnen, in der Innenstadt einen weiteren Kindergarten in der Trägerschaft der lokalen Betriebe und Behörden zu schaffen. Diese Neinsagerei und die damit verbundene Verzögerung um mindestens ein Jahr  auf Kostn der Eltern und Kinder haben vor allem die Ratsmitglieder von CDU und SPD zu vertreten.