„Der Fall Hamlet“

11. Dezember 2017

„Der Fall Hamlet“
Veronika Thieme / Pierre Schäfer
Lingen (Ems) – Professorenhaus, Universitätsplatz 5/6
Do 14.12.17 – 20 Uhr
„Der Fall Hamlet“
Karten ab 7,50 € (erm.)

„Wir werden Zeugen einer Autopsie, in der die Toten wieder lebendig werden.
Befreit von der eigenen Geschichte, die uns das Leben oft aufzwingt, hat jede Figur die Möglichkeit, sich noch einmal neu zu erfinden und zu erzählen. Einige werden dabei verrückt, andere sind zur Normalität verdammt. Nichts scheint mehr sicher, nicht einmal das Erleben des eigenen Todes geschweige denn der Liebe, die in einem Brackwasser aus wechselseitiger Verstrickung und Lüge wie welke Blüten davon schwimmt.

Das hochpsychologische Drama Hamlet wird als eine Collage von Shakespear’schen Texten und heutiger Alltagssprache und durch die Darstellung mit Puppen und Schauspiel auf seine Grundkonflikte kammerspielartig verknappt.

Ein lustvolles Experiment, eine Collage über Erinnern, Wahnsinn und Wahrheit und die vielen Möglichkeiten des Lebens, an dessen Ende der Tod uns unweigerlich in den Nacken küsst.“ (Quelle)

Jan Garbarek Group

10. Dezember 2017

Jan Garbarek
mit Rainer Brüninghaus, Yuri Daniel, Trilok Gurtu
Lingen (Ems), Theater an der Wilhelmshöhe, Willy-Brandt-Ring 44
Montag, 18.12.2017 – 20 Uhr
Karten ab 35 Euro

„Diesen Saxophonton vergisst man nie, selbst wenn man Jan Garbarek nur einmal gehört hat.“ – Die Lingener hörten den norwegischen Jazzer zuletzt vor acht Jahren im Theater an der Wilhelmshöhe.Jetzt ist er endlich wieder da – mit Weltklassemusikern an seiner Seite.

17. Hauskonzert

9. Dezember 2017

Ratko Delorko
17. Hauskonzert bei Familie Löning
Lingen (Ems) – Falkenstraße 17
Sa, 16.12.2017 – 19 Uhr

Der Eintritt ist wie immer frei(willig), doch eine Voranmeldung  (via mail(at)peterloening.de) ist unbedingt erforderlich.

Dass Ratko Delorko ein unglaublich begeisternder Pianist ist, dessen konnten sich die Löningschen Hausmusikgäste bereits überzeugen, als er bei seinem letzten Besuch das Klavierwerk von George Gershwin vorstellte. Seine grandiose Vielseitigkeit prägt auch seinen jetzigen Besuch; denn sein Programm spannt einen großen Bogen: Von barocken Meistern wie Bernardo Pasquini und Georg Friedrich Händel geht es über Wolfgang Amadeus Mozart weiter zu Franz Schubert, John Field und Frederic Chopin und schließlich bis hin zu Delorko selbst: Zwei eigene Werke bilden den Abschluss des Programms.

Mehrheitlich

8. Dezember 2017

Dürfen Demokraten mittels propagandistischer Nazi-Kunst an tote Soldaten der beiden Weltkriege erinnern? Das Thema stand gestern auf der Tagesordnung des Lingener Kulturausschusses. In einer ernsten Debatte befasste sich das Gremium mit dem Vorhaben, eine 4 x 2 m (!) große Gedenktafel an der Halle IV zu installieren – wenige Schritte neben dem Eingang der Kunsthalle. Diese Tafel war an anderer Stelle des Reichseisenbahn-Ausbesserungswerks im Jahr 1936, also zu tiefsten NS-Zeiten, mit großem öffentlichen Helden-Tamtam enthüllt worden. Sie nennt die Namen der als Soldaten gefallenen Arbeiter des „EAW“  des 1. Weltkriegs. Nach 1945 übernahm man im „EAW“ die „Heldentafel“ und ergänzte sie um die vielen Toten des 2. Weltkriegs.

Dabei spiegelt das Relief typische Nazi-Ästhetik, also Kunstsprache der Nationalsozialisten, wider – ganz im Sinne Hitlers: „Blut und Rasse werden wieder zur Quelle der künstlerischen Intuition“. Ist die heroisierend-völkische Darstellung mit einem Soldaten auf der einen und einem, ihm  und den Namen  der „Gefallenen“ zugewandten Arbeiter auf der anderen also überhaupt eine Gedenktafel?

Den SPD-Ratsmitgliedern erschließt sich die Frage gar nicht. Sie lassen gleich doppelt die notwendige kritische Reflexion vermissen. Die SPD will das Objekt im Original und zudem nur wenige Schritte neben dem Eingang zur Kunsthalle präsentieren; denn dort sei eben der einzige „geeignete freie Platz“ an der ehemaligen Werkshalle,  auch „wenn da zufällig die Kunsthalle ist“ (Edeltraut Graeßner, SPD). Jeder spürte gestern sofort die Oberflächlichkeit dieser Position: Die SPD erkennt die historische Funktion der angeblichen Gedenktafel nicht und präsentiert damit nichts anderes als Geschichtslosigkeit.

Unisono machten Grüne, FDP und BürgerNahe gestern deutlich, dass sie diese Form des Gedenkens und damit diese Tafel nicht wollen. Auch die in den Kulturausschuss hinzu gewählten „sachkundigen Bürger“ argumentierten gegen die Tafel, nachdrücklich beispielsweise Kunsthallendirektorin Meike Behm „in einem Plädoyer“ an den Ausschuss. Harald Volker Sommer (TPZ) fragte rhetorisch, ob man auch so entscheiden würde, würde das Reflief „nur einen Millimeter weitergehen und Hakenkreuze zeigen“, und Studiendirektor Martin Kolbe zeigte sich fassungslos-empört über das Vorhaben.

Das Problem erkennen offenbar auch Teile der CDU, in der heftig über die Tafeln diskutiert wurde. Dies verriet Ratsmitglied Björn Roth im Kulturausschuss und sagte, die CDU sei „mehrheitlich“ dafür, wie geplant die Tafel an der Halle IV (neben dem Eingang zu moderner Kunst) zu installieren. Hoffen wir, dass sich dies noch ändert. Ein Schritt dazu könnte sein, dass der Kulturausschuss sich zunächst die monumentale Tafel in Natura ansehen will und den Beschluss gestern vertagte.

Dann dürfte hoffentlich auch ihren Befürwortern klar werden, dass sie nur vordergründig an die Toten erinnert, sie den Krieg in Wahrheit aber bloß verherrlicht und ihn damit vorbereitet. Das sehen sie nämlich. Übrigens: Angebracht wurde die Tafel 1936, nur gut drei Jahre später begann durch Deutsche das kriegerische Morden.

Damit wir uns richtig verstehen: An die Toten der beiden Weltkriege und an den unendlichen Schrecken aller Kriege muss erinnert werden – nicht nur an tote Soldaten, sondern an alle Opfer! Doch niemals darf dies mit NS-Propaganda-Bildern geschehen, die in Wahrheit den Krieg nicht als grausames Schlachten sondern als etwas Heldenhaftes, Ehrenvolles verklären. In Wahrheit gedenken sie damit gar nicht.

 

Wehrmachtsstolpersteine

7. Dezember 2017

Nachdem das Künstlerkollektiv Rocco und seine Brüder erst vor kurzem die Lautsprecherananlage einer Berliner U-Bahn-Station für eine Soundinstallation gekapert hat, hat die Gruppe jtzt eine neue Aktion veröffentlicht.

Für die Kunstinstallation IDENTITÄT BRAUCHT ERINNERUNG hat das Kollektiv vor der Berliner Parteizentrale der AfD in einer Guerilla-Aktion insgesamt zehn „Wehrmachtsstolpersteine“ installiert, die in den Gehweg eingelassen sind.

Dazu hat das Kollektiv einen Infostand und Bodentransparente in AfD-Optik auf dem Gehweg vor dem Bürohaus aufgebaut, die wie eine Einweihungsfeier im Namen der AfD wirken. Die kritische Kunstinstallation nimmt Bezug auf die Aussagen der AfD und insbesondere des AfD-Politikers und Bundessprecher der Partei Alexander Gauland, die die Verbrechen der NS-Zeit immer wieder verharmlosen.

Rocco und seine Brüder schaffen es immer wieder mit pointierten und kritischen Interventionen im öffentlichen Raum, auf ein bestimmtes gesellschaftliches Problem oder einen Misstand hinzuweisen und die Menschen so zum Nachdenken anzuregen.

 

(Medien: urbanshit)

Aus der Reihe Mittwochs im Museum
Als das Fräulein vom Amt verstummte
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 30 a
Mi 6.12.2017 – 16 Uhr und 19.30 Uhr
Eintritt: 5 € bzw. 3 € für Heimatvereinsmitglieder

Erst 50 Jahre ist es her, seit im Lingener Fernmeldeamt die letzte Telefonvermittlung durch ein „Fräulein vom Amt“ von Hand vermittelt wurde. Darin erinnert die Vortragsreihe „Mittwochs im Museum“ am 6.12. (Mi., 16 und 19.30 Uhr) mit einer Veranstaltung rund um die Telefongeschichte von Lingen. Mit dabei ist als Zeitzeugin auch Elisabeth Kremer, geb. Fockers aus Salzbergen. Die gebürtige Salzbergenerin gehörte am 20. Dezember 1967 zur letzten Nachtschicht der „Fernmelde-Handvermittlungsstelle Lingen“. Auch einige ihrer Kolleginnen von damals haben sich bereits angekündigt. Den passenden Rahmen für die Veranstaltung bietet die laufende Sonderausstellung „Bandsalat und Waschbeton“ über die 60er und 70er Jahre.

1952 wurde in Lingen hinter dem Postamt ein eigenes Fernmeldeamt eingerichtet. Wie viele andere junge Frauen hatte auch Elisabeth Fockers dort eine Anstellung als „Fräulein vom Amt“ gefunden. Im Schichtbetrieb stöpselten bis zu 24 Damen – bei Herren war diese Tätigkeit offenbar nicht so beliebt – die Gesprächsverbindungen für die Orts- und Ferngespräche. Zu Stoßzeiten, aber auch an Feiertagen wie Weihnachten, Silvester oder Ostern herrschte Hochbetrieb.

Doch dann änderte die Selbstwähltechnik alles. 1963 richtete die Post in Lingen eine „Hauptvermittlungsstelle“ ein, die 10.000 „Selbstwählferngespräche“ täglich absolvieren konnte. Damit wurde auch im Emsland die sogenannte „Landesfernwahl“ möglich – Auslandsgespräche mussten auch weiterhin von Hand vermittelt werden. Was den Wähldienst erheblich vereinfachte, kostete damals viele Arbeitsplätze. Daran erinnert ein Gedicht von Helga Kreft, die damals ebenfalls im Vermittlungsdienst bei der Post tätig war und heute zum Vorstand des Lingener Heimatvereins gehört. Sie gehörte damals zu den wenigen Beschäftigten, die im Fernmeldedienst bleiben konnten, während zahlreiche Kolleginnen in andere Berufe wechselten. Die damals im Fernmeldeamt aufgestellten „Selbstwählzentralen“ mit voluminösen Schaltschränken wurden keine zwei Jahrzehnte später von der digitalen Technik überholt.
Welchen rasanten technischen Wandel die Telekommunikation in den letzten gut 100 Jahren erfahren hat, zeigt auch jenes Originaltelefon, das 1906 bei der ersten Verteilung der Telefonnummern in Lingen die Anschlussnummer 1 erhielt. Es hat kein Display und keine Wählscheibe, das Rufsignal musste mit einer Handkurbel betätigt werden. Dieses Telefon gehörte damals der Familie Klukkert, die an der Stelle des heutigen Arbeitsamtes einen Landhandel betrieb. Das wertvolle historische Gerät wurde dem Emslandmuseum von einem Nachfahren aus Rheine übergeben.

Tanzende Bauern

5. Dezember 2017

Tanzende Bauern und betrunkene Studenten
Vortrag zur Trink- und Festkultur im früh-neuzeitlichen Lingen
Lingen (Ems) – Gaststätte Timmer, Forstweg 57
Do 07.12.2017 – 18.00 Uhr
Eintritt: frei

Zu einer adventlichen Vortragsveranstaltung lädt der „Arbeitskreis Lingener Familienforscher“  ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht ein Vortrag von Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus über „Tanzende Bauern und betrunkene Studenten.“ Dabei geht es um die Trink- und Festkultur im frühneu-zeitlichen Lingen. Vor allem Soldaten, Studenten und Bürgersöhne feierten kräftig und wurden so immer wieder aktenkundig. Doch Fest ist nicht gleich Fest. Neben den von der Obrigkeit als ausschweifend bekämpften Feierlichkeiten der breiten Bevölkerung gab es auch von oben verordnete Feste.

„Nach Vortrag und Diskussion ist ein gemeinsames Abendessen vorgesehen. In netter Runde besteht Gelegenheit mit Kolleginnen und Kollegen genealogische Erfahrungen auszutauschen.“

Zu der im wahrsten Sinne lokalgeschichtlichen Veranstaltung musste man sich „eigentlich“ bis Sonntag, 3.12. anmelden. Doch vielleicht versucht man’s einfach mit einer nachträglichen Anmeldung hier oder fragt, ob man nach dem Vortrag und Diskussion ohne Essen gehen darf.

 

(Grafik Die Hohe Schule in Lingen“ – altkolorierter Kupferstich von Romeyn de Hooghe,  ca. 1700)

Radeberger

5. Dezember 2017

Heute noch ein Werbe-Clip. Als ich ihn schmunzelnd sah, fiel mir auf, dass ich lange kein Radeberger mehr getrunken habe. Dabei ist Radeberger einfach ein leckeres Bier, ein echter Genuss in diesen warm-klebrigen Glühweintagen.

Die Brauerei aus Radeberg bei Dresden ist nach eigenem Bekunden die erste in Deutschland, die ausschließlich nach Pilsner Brauart braute. Gegründet 1872 durfte die Exportbierbrauerei ihr Radeberger Pilsner ab 1905 als „Tafelgetränk Seiner Majestät des Königs Friedrich August von Sachsen“ (Friedrich August III.) benennen. Na bitte! Zu DDR-Zeiten gab es das Spitzenerzeugnis im Westen eigentlich nur in den Mitropa-Waggons der Bahn. Und im Osten war es als Bier für den Export für die werktätige Bevölkkerung auch nur sehr schwer erhältlich.

Inzwischen ist die „Radeberger.-Gruppe“ die größte Brauereigruppe in Deutschland, gehört längst zum Oetker-Konzern und zu den Radeberger angeschlossenen Getränkegroßhändlern zählt ganz vorn Essmann aus Lingen-Schepsdorf.

Hier die Reifeprüfung für ein frisch-gekühltens Radeberger-Pilsner. Prost! 😉

Läuft bei mir

4. Dezember 2017

Moin. Ist Montag heute, also erklären Sie mir bitte die Geschichte mit dem Kühlschrank in diesem Clip. Das klappt doch an einem solchen Wochentag nie… oder?

 

Milchmann

3. Dezember 2017

Mein Verhältnis zu den emsländischen Monopolzeitungen des NOZ-Verlages war bekanntlich noch nie das Beste. Mich stört, wie die Lokalpresse nämlich auf geradezu einzigartige Weise diese emsländische Opfermentalität transportiert, nach der jede Kritik – zumal von außen – erst einmal ungerecht und falsch ist. Hart gesagt: Sie klärt im Zweifel nicht auf, sondern bestärkt die emsländischen Leserinnen und Leser regelmäßig darin, Opfer solcher Zeitgenossen zu sein, die der Sache nur Übles wollen, weil sie gegen das Emsland und die Emsländer sind.

Da gibt es als aktuelles Muster den LT/MT/EZ-Bericht über den „Papenburger Landwirt Otto Westrup“, den das Amtsgericht Papenburg gerade per Strafbefehl wegen Tierquälerei verurteilte. Über ihn berichten die NOZ-Emslandausgaben in ihrem Aufmacher am vergangenen Freitag: „Der Papenburger Landwirt Otto Westrup wehrt sich gegen den Vorwurf, zwei Milchkühe auf einer Wiese gequält zu haben.“ Und die NOZ schreibt: „Die Vorwürfe, die der Landkreis Emsland, die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Landwirtschaftsstrafsachen in Oldenburg und die Tierrechtsorganisation Peta gegen ihn erheben, nennt Westrup ’nachweisbar falsch, absurd und perfide‘.“

Das Problem bei dieser Berichterstattung über den tapferen Landwirt ist allerdings, dass genau das Gegenteil der Westrup’schen Aussagen rechtskräftig festgestellt ist: Das Amtsgericht Papenburg hat den Nebenerwerbslandwirt wegen Tierquälerei verurteilt. Da mutet es schon seltsam an, wenn trotzdem die NOZ  mit der Botschaft unterwegs sind, der Mann sei ein emsländischer Bauer, der sich gegen Ungerechtfertigtes wehrt.

Die taz berichtete am vergangenen Freitag über denselben Betrieb ganz anders und zwar so:

Die Bilder sind schwer zu ertragen: verdreckte Kuhkadaver, abgetrennte Vorderläufe und abgemagerte Rinder, die auf der Wiese herumliegen, zu schwach um aufzustehen. Die Tierrechtsorganisation Peta veröffentlichte jetzt Fotos von einem Milchbauernhof im Landkreis Emsland, um damit auf die Verwahrlosung und das Elend der Tiere aufmerksam zu machen.

Den Landwirt hat Peta wegen zahlreicher mutmaßlicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutznutztierverordnung bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück angezeigt. „Die Tiere müssen schleunigst beschlagnahmt werden. Wir fordern die Behörden dringend auf, gegen den Tierquäler vorzugehen“, sagt Peta-Sprecherin Lisa Wittmann.

Bei dem Milcherzeuger handelt es sich um einen Zulieferer für das bundesweit größte Molkereiunternehmen Deutsches Milchkontor (DMK). Das wiederum hat erst jetzt die Zusammenarbeit mit dem Landwirt beendet. Obwohl laut Peta bereits wiederholt ähnliche Zustände von AnwohnerInnen auf dem Hof beobachtet worden sein sollen. Der Landwirt kümmere sich nicht um die Tiere und lasse sie im Freien verhungern. „Kühe und Kälber auf diesem Hof in Papenburg sollen weder ausreichend gefüttert noch tierärztlich versorgt werden – offenbar sterben sie über Tage hinweg einen grausamen Tod“, sagt Wittmann.

Bei den Fotos handelt es sich… [weiter hier]

Und noch mehr, vor allem eindrucksvolle Fotos über den „minder schweren Fall“, findet sich hier.

Die Beendigung der Lieferbeziehung durch das Deutsche Milchkontor (DMK) thematisiert zwar auch die NOZ – jedoch letztlich anders herum. DMK „schließt derweil nicht aus, dass es kurzfristig wieder zu einer Aufnahme der Zusammenarbeit mit dem Landwirt kommt.“  Die Botschaft an die emsländische NOZ-Leserschaft lautet subtil: Das wird schon wieder für den Emsland-Milchmann und die Lokalzeitungen zeigen einen aufrecht stehenden Landwirt mit festem Blick, der seinen Arm geradezu väterlich auf die Kuh legt und ein Bild, bei dem abgelassene Milch Otto Westrups Schuhe umfließt. Die Botschaft: Hier wird jemand zu Unrecht von Leuten angegriffen, die mit dem Emsland nichts am Hut haben. Fotos der gequälten Tiere fehlen.

Weshalb ich an diesem Sonntagabend darüber schreibe?
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat heute in einer bemerkenswerten, klaren Rede über Pressefreiheit und Aufklärung bei der Verleihung des Marion-Dönhoff-Preises der ZEIT an die „New York Times“ über den Sturm auf die Augsburger Synagoge 1938, den heute 87jährigen Walter Jacob und einen anderen Milchmann gesprochen. Er sprach über Informiertsein und die Aufklärung als Aufgabe der Presse. Dann setzte Steinmeier hinzu:

Es ist nicht nur ein großes Glück, frei und unabhängig informiert zu sein – nein, es ist überlebensnotwendig für die Demokratie! Und deshalb ist das Informieren die Berufsehre des Journalisten – aber mehr noch: Informiert zu sein ist Bürgerrecht – und ich glaube, Bürgerpflicht!

Das, liebe NOZ-Leute, könnte doch ein Ziel sein, das anzustreben sich wirklich lohnt: frei und unabhängig informieren. Zum Beispiel über Fakten und Missstände – auch wenn sie sich im Emsland zutragen.

 

(Foto: © Peta)