Kaiserreich

4. Februar 2019

Gebetbuch und Pickelhaube
Lingen im Kaiserreich
Lingen (Ems)
Mi 6. Februar 2019 16 Uhr und 19.30 Uhr

Eintritt 5 € (erm 3€)

Mit „Lingen im Kaiserreich“ wird am kommenden Mittwoch die Vortragsreihe „Mittwochs im Museum“ fortgesetzt. Museumsleiter Dr. Andreas Eiynck zeigt Fotos, Dokumente und Objekte aus der zeitgeschichtlichen Sammlung des Emslandmuseums und aus privaten Archiven. Schwerpunktthema ist in diesem Jahr das 20. Jahrhundert, dessen wichtigste Epochen jeweils am ersten Mittwoch im Monat vorgestellt werden.

Die Zeit des deutschen Kaiserreiches war bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs eine Epoche des Wohlstands in unserer Stadt. Nie zuvor ging es breiten Bevölkerungsschichten wirtschaftlich so gut wie damals, auch wenn die sozialen Unterschiede zwischen Bauern und Adel, Arbeitern und Unternehmern riesig waren. Der Lebensstandard stieg spürbar an, die große Auswanderungswelle ebbte ab. Doch es gab auch Schattenseiten. Echte demokratische Rechte blieben den Deutschen weitgehend verwehrt, Frauen waren nicht einmal wahlberechtigt. Sozialdemokratie und Gewerkschaften wurden unterdrückt, Nationalismus und Militarismus wurden verherrlicht. Besonders der Bundesstaat Preußen, zu dem auch Lingen und das Emsland gehörten, galt als Musterbeispiel eines Obrigkeitsstaates.

Die Kirche und das religiöse Leben hatten zu Kaisers Zeiten einen hohen Stellenwert. Im sogenannten „Preußischen Kulturkampf“ entluden sich die Spannungen zwischen dem protestantischen Staat und der katholischen Kirche. Katholiken waren in Preußen lange Zeit nur Bürger zweiter Klasse. Doch in vielen Gebieten bildeten sie die Bevölkerungsmehrheit. Sie formierten sich in der Zentrumspartei sowie in katholischen Vereinen und Verbänden für alle „Stände“: Mütter und Jungfrauen, Handwerker und Kaufleute, Arbeiter und Bauern. In Lingen war besonders der Kolpingverband aktiv, auch im Bereich von Musik- und Theateraufführungen. Von evangelischer Seite gab es, quasi als Gegenstück, einen „Arbeiter-Bildungsverein“. Auch viele Freizeitvereine wurden damals gegründet: Chöre, Musikvereine, Kegelclubs und die ersten Sportvereine. Das Vereinswesen blühte in allen Bereichen.

Auch im Lingener Stadtbild gab es damals mancherlei Veränderungen. Die Bonifatiuskirche erhielt ihren hohen Turm und setzte damit eine weithin sichtbare Landmarke, die selbst die Schornsteine der Industriebetriebe überragte. Viele traditionelle Fachwerkhäuser wurden durch stattliche Neubauten im „Zuckerbäckerstil“ des Kaiserreiches ersetzt. Viele dieser Fassaden prägen heute noch das Stadtbild und sind damit wichtige Zeugnisse eine Epoche, die heute schon über ein Jahrhundert zurückliegt.

Die etwa einstündige Präsentation beginnt am Mittwoch  um 16 und um 19.30 Uhr. Eintritt: 5 Euro, Heimatvereinsmitglieder 3 Euro. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Wer zahlt?

2. Februar 2019

Die Entschärfung einer amerikanischen 5-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg am Donnerstag in Lingen gelang nicht. Wegen einer Ausbausperre des Zünders musste die Bombe gesprengt werden. Bei der Detonation kam es zu zahlreichen Sachschäden. Thomas van Lengerich, Geschäftsführer der Fa BvL an der Lingener Lindenstraße, hat beispielsweise den Schaden an Schaufenstern und Waren seines Unternehmens am Freitag gegenüber dem NDR auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt. 

OB Dieter Krone hat gestern auf die Geböudeversicherung verwiesen, wenn es um den Ausgleich der Schäden geht, die durch die Sprengung des Blindgängers an den benachbarten Gebäuden entstanden sind; diese seien zuständig. Doch stimmt das mit der Zuständigkeit? Sind Schä­den bei Bom­ben­ent­schär­fun­gen tatsächlich ver­si­chert? Zahlen Versicherer für die Schäden einer Bombenexplosion?

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, kurz GDV, gibt Auskunft. Er hat Musterbedingungen für die private Hausrat- und Wohngebäudeversicherung erarbeitet. Danach erstreckt sich der Versicherungsschutz allerdings  gerade nicht auf Schäden, die auf Kriegsereignisse zurückgehen. Die Detonation einer Weltkriegsbombe ist aber -da waren sich die Juristen bisher einig – die Folge eines Kriegsereignisses – selbst wenn der Zweite Weltkrieg schon vor fast 75 Jahren endete. So weit die schlechte Nachricht.

Die Gute: Die Versicherungsgesellschaften, die nicht an die Musterbedingungen gebunden sind, haben in der Vergangenheit solche Schäden immer übernommen, meist kulanzweise. Dem GDV ist, erfahre ich, kein Fall bekannt, bei dem Versicherer einen solchen Schaden wie in Lingen nicht reguliert hätten.

So zahlten die Versicherer 2010 in Göttingen und Aschaffenburg ebenso wie 2012, als der Kampfmittelräumdienst eine Fliegerbombe im Münchner Stadtteil Schwabing sprengte, als die Detonation Fensterscheiben zum Bersten brachte und sogar einige Dachstühle in Flammen standen. Ein damals entstandenes Video wurde jetzt übrigens fälschlich als Aufnahme der Lingener Sprengung im Netz verbreitet. Die Versicherer haben also in den letzten Jahren stets alle Schäden übernommen. Voraussetzung war natürlich, dass eine Versicherung bestand. Bei Gebäuden ist das regelmäßig so, aber eine Hausratversicherung hat längst nicht jeder Haushalt.

Wie unterscheidet man beide Versicherungen? Nun, sollten Teile des Gebäudes, also Mauern, Dächer oder Türen beschädigt werden, ersetzt die Gebäudeversicherung die Schäden. Daher sind auch Fenster, die bei einer Druckwelle kaputtgehen, ein Fall für die Gebäudeversicherung. Sollte eine Explosion aber -wie in Lingen beispielsweise im Haus Lindenstraße 17- auch innerhalb einer Wohnung Schäden am Inventar anrichten, übernimmt die Hausratversicherung diese Schäden.

Sind Autos gegen auch versichert? Wer sein Auto nicht außerhalb der Evakuierungszone geparkt hat, erhält bei Schäden am Kfz Leistungen über die Teilkaskoversicherung. Autobesitzer, die eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben, erhalten also diese Schäden ersetzt, sofern eine solche Versicherung bestand.

Ladengeschäfte, die im Stadtzentrum Lingens aufgrund der behördlichen Anordnung  schließen mussten, gehen wohl leer aus. Ausfälle durch solche behördlichen Anordnungen könnte zwar eine sog. Betriebsunterbrechungsversicherung zahlen. Ein typisches Beispiel sind Ausfälle infolge von Überschwemmungen oder nach einem Maschinenausfall. Ausfälle durch behördliche Evakuierungsverfügungen sind aber eigentlich nie Bestandteil solcher Verträge.

Verletzt wurde in Lingen glücklicherweise niemand. Doch wäre infolge der Sprengung jemand in oder außerhalb der Evakuierungszone verletzt werden, würde eine private Unfallversicherung zahlen – vorausgesetzt, der Verletzte hat eine solche Versicherung abgeschlossen.

Soweit die Hinweise zu privatrechtlichen Ansprüchen. Selbstverständlich hätten Verletzte auch Schutz aus der gesetzlichen Krankenversicherung, und wenn gar keine private Versicherung besteht, darf man bei Sachschäden auch an die öffentliche Staatshaftung denken. Und reiche Stadt Lingen könnte im Einzelfall auch einfach „unbürokratisch“ helfen. Also sollten die Schäden im Rathaus gemeldet werden.

Simone Drescher und Frank-Immo Zichner
Junge Virtuosen
Lingen (Ems) – Kunsthalle, Kaiserstr. 10a
Sonntag, 03. Februar 2019 – 18.00 Uhr

Eintritt: 17 € (erm. 15 €)

Im Rahmen der Reihe „Junge Virtuosen“ sind an diesem Sonntag die Musiker Simone Drescher und Frank-Immo Zichner in der Kunsthalle Lingen zu sehen. Beginn ist um 18 Uhr.

Die Cellistin Simone Drescher konzertierte bereits mit der Philharmonie Baden-Baden, dem Folkwang Kammerorchester Essen, der Neuen Philharmonie Westfalen, dem Philharmonischen Orchester Hagen und wurde zu zahlreichen Festivals, wie dem Schleswig – Holstein – Musikfestival, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern in der Reihe „Junge Elite“, dem PODIUM Festival Esslingen und zum Heidelberger Frühling eingeladen.

Frank-Immo Zichner ist ein Pianist mit einem außerordentlich breiten Repertoire. Sein künstlerisches Interesse gilt dabei nicht nur den Hauptwerken der Solo- und Kammermusik-Literatur. Konzerte führten ihn als Pianist und Kammermusiker in über 30 Länder Europas, Südostasiens, Mittel- und Südamerikas nach Japan und zu Festivals wie dem Schleswig-Holstein-Musikfestival.

Programm

BRAHMS e-Moll Op.38

SCHUMANN Fantasiestücke op.73

———

KIRCHNER Und Salomo sprach

PÄRT Spiegel im Spiegel

VASKS Gramata cellam

TSCHAIKOVSKY Pezzo Capriccioso

 

(Foto von Bettina Straub)

Armin T. Wegner

1. Februar 2019

„Das Osnabrücker Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum komplettiert seine Ausstellungsserie über den Aktivisten und Schriftsteller Armin T. Wegner.

Es gibt Gedanken, bei denen stockt dir der Atem. Dieser hier zum Beispiel: „Einmal war ich in allen Häusern zu Hause. Jetzt in keinem mehr. Die Fremdesten und Fernsten aller Völker sind mir vertrauter als die Heimat.“

Armin T. Wegner hat ihn niedergeschrieben, 1974. Der Dichter, der ein Weltenwanderer war, ein Sehnsuchtsreisender, hungrig nach neuen Begegnungen, Landschaften, Kulturen. Der Wirklichkeitssucher, der 1915, als deutscher Sanitätsoffizier, in der mesopotamischen Wüste Augenzeuge des türkischen Völkermords an den Armeniern wird, ihn öffentlich macht – seine Anklage findet kein Gehör. Der Menschenrechtskämpfer und Pazifist, der sich 1933 in einem Protestbrief an Hitler gegen die Judenverfolgung einsetzt – die Gestapo verhaftet und foltert ihn, Monate verbringt er in Gefängnissen und KZs.

Armin T. Wegner – nach dem Dunkel der NS-Zeit vergessen, hochbetagt stirbt er fern des Landes, in dessen Sprache er bis zuletzt schreibt – hat uns zum Thema „Heimat und Exil“ viel zu sagen. Düsteres und Melancholisches. Hartes und Augenöffnendes. Und wer sich die gleichnamige Wanderausstellung im Osnabrücker Erich-Maria-Remarque-Friedens­zen­trum ansieht, lernt viel dazu, auch für Gegenwart und Zukunft. Jetzt in keinem mehr: Auch dieser todtraurige Satz fällt in ihr.

„Heimat und Exil“ ist nicht die erste Wegner-Schau, die das Friedenszentrum zeigt. 2015 hat es „Widersetzt Euch viel und gehorcht wenig“ nach Osnabrück geholt, über den Aktivisten Wegner, 2016 „Fotograf eines Völkermords“ – Wegners erschütternde Armenien-Dokumentation.

Thomas Schneider, der…“

[weiter bei der taz]

Entwicklung

31. Januar 2019

Dass das Internet immer kommerzieller wird, ist eine Binsenweisheit. Das heißt aber auch, dass es nicht durchgetaktete Angebote, die in den ersten Jahrzehnten das Netz prägten, immer schwerer haben. Wir sehen dies gerade auch in unserer Region. Es gibt da diese drei Beispiele:

Im vergangenen Sommer machte bspw. KEIFußball Schluss. Die Plattform war ganz nah dran an Spielern, Trainern und Vereinen im Fußball-Emsland und in der Grafschaft. Deutlich besser als Konkurrent fupa. Aber sie war betriebswirtschaftlich nicht so  aufgestellt wie der bisweilen aufgesetzt wirkende Konkurrent fupa, den NOZ-Medien in unserer Region trägt.

Dann hörte vor einigen Wochen lingen-ems.de auf. Die Seite brachte Gründer Jens Guschmann nämlich trotz aller Programmierkenntnisse viel Arbeit, aber dafür zu wenig Ertrag. Jetzt landet man auf einer Kommerzplattform, die mit Lingen so viel zu tun hat wie Lingens OB mit planvoller Stadtentwicklung. Also nichts.

Und heute nun ist nach knapp acht Jahren der letzte Tag für stadtblatt-lingen.de. Die Webseite (Logo links) hatte zwar mit dem historischen Stadtblatt nichts zu tun, das vor 40 Jahren zum ersten Mal eine, wenn auch nur monatlich erscheinende Gegenöffentlichkeit zur Lokalzeitung bot. Doch die stadtblatt-lingen.de-Internetseite kann den Verdienst in Anspruch nehmen, alle Presseerklärungen im Originaltext veröffentlicht zu haben. „Bei uns wird nicht gekürzt, gestrichen und verändert“, hieß es bislang auf der Stadtblatt-Webseite über das eigene Selbstverständnis. Daher lohnte sich mancher Vergleich mit dem, was dann zB die bereits erwähnte Lokalpresse daraus machte. Und jetzt liest man, dass die Energie der Macher erschöpft ist: „Noch eintreffende Meldungen werden wir bis zum 31.01.2019 einstellen. Am 31.03.2019 geht das Stadtblatt Lingen endgültig vom Netz.“

„Wir bedanken uns besonders bei allen Werbepartnern, Medienpartnern, Absendern von Nachrichten und Berichten für ihre Unterstützung. Unser Dank geht auch an die Leserschaft, die uns so lange die Treue gehalten hat. Ohne sie alle wäre das Stadtblatt nicht so lange lebensfähig gewesen.“

Wir alle nähern uns also nach Jahren der Alternative wieder dem Meinungsmonopol der Lingener Tagespost und ihrer Schwesterblätter. Das, so finde ich, ist keine gute Entwicklung…

Systembruch

30. Januar 2019

Rätselraten in der Bürgerrechte-Szene über eine neue Entscheid7ng des Bundesverfassungsgerichts. Udo Vetter schreibt in seinem LawBlog über einen Systembruch:

„Der E-Mail-Anbieter Posteo muss mit den Ermittlungsbehörden stärker kooperieren, als es das Unternehmen möchte. Posteo speichert grundsätzlich keine IP-Adressen, und zwar aus Datenschutzgründen, aber nach eigenen Angaben auch, weil Posteo die IP-Adressen gar nicht zur Erfüllung seiner Dienste benötigt.

Vor dem Bundesverfassungsgericht wehrte sich Posteo gegen ein Zwangsgeld von 500,00 €. Posteo hatte sich im Rahmen einer gerichtlich angeordneten Telekommunikationsüberwachung geweigert, die IP-Adressen in Bezug auf den überwachten Anschluss mitzuteilen. Zur Begründung wies Posteo ausdrücklich darauf hin, die IP-Adressen gar nicht festzuhalten. Es bestehe auch eine gesetzliche Verpflichtung nur zur Herausgabe derjenigen Daten, die beim Anbieter tatsächlich anfallen.

Die Verfassungsrichter sehen dies anders. Sie meinem zusammengefasst und vereinfacht ausgedrückt, Posteo müsse im Interesse einer funktionierenden Rechtspflege alle Daten festhalten, an denen die Ermittler üblicherweise Interesse haben und welche diese von anderen Anbietern auch problemlos erhalten. Posteo dürfe unter Berufung auf den Datenschutz nicht einfach die Speicherung von IP-Adressen unterlassen.

Posteo hat sich schon mit einer lesenswerten Stellungnahme zu Wort gemeldet. Das Unternehmen weist derauf hin, selbst der Bundesdatenschutzbeauftragte gehe bslang davon aus, dass sich die Herausgabepflicht nur auf Daten bezieht, die im Geschäftsbetrieb erhoben werden und somit schon vorhanden sind. Die aktuelle Entscheidung verpflichte E-Mail-Anbieter aber, alleine im Interesse der Strafverfolger Daten ohne jeder andere Notwendigkeit aktiv zu erheben.

Man kann hier auch mal auf die Grundsätze des Zeugenrechts hinweisen. Ein Zeuge muss zwar mitteilen, was er weiß. Er ist aber nicht von sich aus verpflichtet, sich aktiv Informationen zu besorgen, die er nicht hat und vielleicht auch gar nicht haben will. Insoweit kann ich gut verstehen, dass Posteo hier einen Systembruch beklagt (Aktenzeichen 2 BvR 2377/16).“

Entschieden haben die Verfassungsbeschwerde drei Verfassungsrichter, die im Emsland geborene, bei ihrer Wahl von der SPD vorgeschlagene Richterin Monika Hermanns, der Richter Peter Müller (früherer saarländischer Ministerpräsident, CDU) und die Richterin Christine Langenfeld. Sie bilden zusammen die Dritte Kammer des 2. Senats des höchsten deutschen Gerichts. In ihm haben mit Müller und Langenfeld zwei von der CDU/CSU vorgeschlagene, eher konservative Juristen die Mehrheit; die Kandidatin Langenfeld, deren Vater CDU-Ministerpräsident war, war seinerzeit allerdings auch von den Grünen nominiert worden und folgte übrigens auf den von der CDU vorgeschlagenen Herbert Landau, der mehr als ein Jahrzehnt zusammen mit den ebenfalls konservativen Verfassungsrichtern Udo di Fabio und -soweit ich mich erinnere- Verfassungsrichter Siegfried Broß mit ausgesprochen konservativer  Entscheidungspraxis zahlreiche Verfassungsbeschwerden über strafprozessuale Themen abgewiesen hatte. Von mir waren auch ein paar dabei…

Die Finte

30. Januar 2019

Gestern Abend hörte ich, in der Ferne weilend, von einer Finte in der Januar-Ratssitzung. Die muss so lustig gewesen sein, dass OB Krone laut gelacht haben soll. So ist das eben, wenn man sonst viel an Öffentlichkeitsfotos aber eher nicht viel an Sachpolitik zu bieten hat. Da hatten also gestern die BürgerNahen gegen einen Bebauungsplan Nr. 10 Clusorth-Bramhar votiert, mit dem in Clusorth nahe der B213 ein fast 2 Hektar großes Gewerbegebiet ausgewiesen wurde und zwar dort, wo bisher Äcker und Wiesen waren. Daher gab es dann BN-Einwände, wegen des Landschaftsverbrauch und der Zersiedelung.

Doch CDU und OB Krone meinten, darum gehe es nicht, sondern um die Erweiterung des Fensterbaubetriebs Josef Bojer, die die BN verhindern wolle. Fenster Bojer ist bekanntlich ein ausgesprochen guter Handwerksbetrieb in unserer Stadt. Als ich mich aber deshalb vor 25 Jahren für eine zweckgebundene Erweiterung des Unternehmens in Clusorth einsetzte, lehnten das die Verantwortlichen im Rathaus kategorisch ab.

Jetzt also statt dessen ein Bebaungsplan nur für die Firma Bojer, sagten CDU und OB. Tja, oder vielleicht doch nicht… Denn da gibt es einen Beschlussvorschlag, in dem Fenster Bojer nicht vorkommt, und es gibt vor allem eine städtische Broschüre; sie zeigt ein Foto (oben) vom neuen Gewerbegebiet. Auch nichts von Fenster Bojer, aber stattdessen die zur Bebauung angebotenen Flächen mit den Buchstaben A, B, C und D. Sämtlich Gewerbeflächen in dem Bebauungsplan, die verkauft werden sollen und gerade nichts mit Fenster Bojer zu tun haben; links oben auf dem Foto sieht man übrigens die Produktionshallen des Unternehmens. Wir erkennen also nur eine durchsichtige CDU-OB-Finte für unnötigen Flächenverbrauch und schädliche Zersiedelung. Der Firma Bojer hätte man mit Augenmaß die Betriebserweiterung  ermöglichen können. Offenbar ging es darum aber nicht…

 

Kay One

30. Januar 2019

Die Pommesschmiede McDonald’s hat Rapper Kay One engagiert –  für einen Tag als Mitarbeiter. Der empfing die Kunden – wie sollte es auch anders rein – mit einem auf den Burger-Riesen abgestimmten Rap-Song, in dem er Abläufe und Services in dem Fast-Food-Restaurant erklärt. Seit der Veröffentlichung am 11. Dezember zählt das Video bis heute rund  1,8 Millionen Aufrufe.

Sag mal, liebe Leserschaft, war der Berliner Rapper noch vor Bushido und Support nich ins emsland geflüchtet? Wie war das noch? Ich frage für einen Freund und der will auch wissen, wo der Spot gedreht wurde. Wer hilft?

Versachlichung

27. Januar 2019

Ein aktueller, lokaler E-Mail-Dialog . 

Christoph F. schreibt am Montag, 21.01. um 11.27 Uhr diese E-Mail an die Lokalzeitung

Sehr geehrte Damen und Herren,

anliegend überreiche ich einen Leserbrief mit der Bitte um kurzfristige Veröffentlichung.

Mit freundlichen Grüßen

Christoph F,

Der beigefügte Text lautet:

Ein Beirat, der nichts zu sagen hat

„Der wissenschaftliche Beirat begleitet die wissenschaftliche Arbeit des Museums und gibt Empfehlungen in Angelegenheiten von grundsätzlicher wissenschaftlicher Bedeutung.“ So lautet die Aufgabenstellung des Wissenschaftlichen Beirates des Deutschen Museums in München. Es handelt sich um ein Gremium mit rein beratender Funktion. Der Beirat verfügt über keinerlei Entscheidungskompetenz.

Nun möchte der Lingener Bauunternehmer Heinrich Liesen auch hier einen Beirat für sein Rosemeyer-Beinhorn Museum etablieren.

Während bei öffentlich-rechtlichen Museen der Beirat regelmäßig durch den Verwaltungsrat gewählt wird, bestimmt in Lingen allein der Unternehmer Heinrich Liesen, wer in den Beirat berufen wird. Zu sagen hat der natürlich nichts. Er soll aber durch die in ihm vertretenen Personen die Reputation des Museums erhöhen und etwaige Kritiker zum Schweigen bringen.

Heinrich Liesen und sein Haus- und Hof Historiker  Bernd Walter wollen – wie aus gut unterrichteter Quelle verlautet – folgende Personen für ihren hauseigenen Beirat anheuern:

Dr. Andrea Kaltofen, die auch Mitglied des Beirats der Gedenkstätte Esterwegen ist (Liesen: „Es wäre gut, wenn sie für das Museum gewonnen werden könnte“)

Heiner Schüpp vom Kreisarchiv Emsland. Dieser Personalvorschlag ist besonders pikant, weil Schüpp gleichzeitig Vorstandsmitglied beim Forum Juden-Christen ist, das sich bekanntlich klar gegen das Museum positioniert hat.

Prof. Thamer von der Uni Münster (Herr Liesen meint, er sei an der Uni Osnabrück), der „großes Ansehen“ genießt und sich für die Umbenennung des Münsteraner Hindenburgplatzes einsetzte.

Weiter angeworben werden sollen das Stadtarchiv Lingen, das Emsland-Museum, der Heimatverein „wg. des Auftrags der schulischen Bildung“, last but not least „und vor allen Dingen Dr. Remling“ sowie Prof. Dr. Malte Thießen, der Walters Nachfolger als Leiter des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte ist und Prof. Dr. Alfons Kenkmann aus Leipzig.

Wie letzten Endes auch ein solcher Beirat zusammengesetzt sein mag: Die Mitglieder müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie eine reine Alibi-Funktion wahrnehmen und dass letzten Endes nur einer bestimmt, was im Museum geschieht: Heinrich Liesen!

Dr. Christoph F

Thomas P., Chef der Lingener Tagespost, antwortete am Freitag, 25.01.2019 um 11.29 Uhr mit dieser E-Mail:

Lieber Herr F…,

wir haben entschieden, den Leserbrief nicht zu veröffentlichen, weil er unseres Erachtens inhaltlich nicht zu einer Versachlichung des ohnehin von beiden Seiten – Befürwortern wie Gegnern – aufgeladenen Themas beiträgt. Eine Versachlichung sollte aber im Interesse der Leser unbedingt das Ziel sein. Ob dies am Ende nur ein „frommer Wunsch“ meinerseits ist, wird das Jahr 2019 noch zeigen.

Viele Grüße,

Thomas P…

uodate:
Christoph F. antwortet am Samstag, 26.01.2019 um 10.39 Uhr mit dieser E-Mail an Thomas P.

Lieber Herr Pertz,

manchmal geht ja mein Temperament mit mir durch, allerdings in diesem Falle kann ich nicht erkennen, wo ich unsachlich oder unhöflich gewesen wäre. Bitte helfen Sie mir: Ich lasse mich gern belehren!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christoph F

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Kein Kommentar

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Fremd und befremdlich

26. Januar 2019

Die Hanburger Schriftstellerin Katrin Seddig schreibt heute in der taz die Kolumne „Feemd und befremdlich“. Sie fragt darin: „Ich erlebe eine große Feindlichkeit in der Bevölkerung gegenüber Kunstwerken, die die Leute nicht verstehen. Woher kommt der ganze Hass?“

„Mittlerweile erlebe ich eine große Feindlichkeit in der Bevölkerung gegenüber der Kunst. Vielleicht gab es die auch früher schon und sie ist nicht aufgefallen, weil es keine Kommentarfunktionen gab. Was sie nicht verstehen, was sie nicht unterhält, das lehnen sie nicht nur ab, das beschimpfen sie, das hassen sie. Das hat nicht die Qualität des: „Kann schon sein, dasset irgendwie jut is’.“ Es wird den Künstlern eine Überheblichkeit unterstellt, eine Arroganz, die direkt die trifft, die sich getroffen fühlen.“

Also: „Woher kommt der Hass auf die Kunst, die die Leute nicht verstehen?“

Hat hier, wo es bei dem Thema genauso ist wie in Berlin oder Hamburg und gerade der Versuch scheiterte, nach 30 Jahren den städtischen Etat für moderne Kunst von fast Nichts auf ein kleines Bisschen mehr als fast Nichts zu erhöhen, jemand eine Idee?