Spielerkabine

30. März 2017

Kaum etwas hat auf den ersten Blick weniger miteinander zu tun als Theater und Fußball. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Denn was ist ein mit Flutlicht beleuchteter Fußballplatz anderes als eine Bühne? Auf der sich wahre Dramen abspielen, in denen Helden gemacht und fallen gelassen werden. Und wo es auf der einen Seite die TrainerInnen mit der Mannschaft gibt, sind es auf der anderen die Regie und ihre SchauspielerInnen.

Doch wie sagte einst Sepp Herberger? „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Mit anderen Worten: Das Drama endet nie. Gerade im Fußball kamen in den vergangenen Jahren hässliche Untiefen ans Licht. Es gab DFB-, Fifa- und Wettskandal. Geld und Ruhm waren offenbar wichtiger als der Fußball selbst.

Da liegt es doch nahe, ein Stück über Fußball hinter die Kulissen zu verlegen. Das Theater Osnabrück macht genau das und führt Patrick Marbers „Der rote Löwe“ in einer Spielerkabine auf. Das ist auch der Ort, den T in seinen Regieanweisungen vorgibt. Doch während das Staatstheater Nürnberg das Fußballdrama bei der deutschen Erstaufführung auf die Bühne holte, bringt Osnabrück das Theater nun ins VfL-Stadion….

[weiter hier bei der taz...]

Nächste Termine: 6., 11., 20., 27. und 28. April., jeweils 19.30 Uhr, Kassenhäuschen Nord, Stadion Bremer Brücke

irgendwie

1. März 2017

mensalingenStudentenwerke fördern hierzulande die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Studenten. Ursprünglich entstanden als studentische Selbsthilfeeinrichtungen, sind sie heute durch Gesetze in den Bundesländern eingerichtet und bspw. in  Niedersachsen als Anstalten des öffentlichen Rechts organisiert. Es gibt folglich auch für Universität und Hochschule Osnabrück ein Studentenwerk, das unter anderem an verschiedenen Standorten eine Mensa betreibt, die den Studenten, Bediensteten und anderen preiswertes Essen anbietet. Bloß bei uns in Lingen ist das Mensa-Angebot ausgesprochen speziell, soll heißen: Es ist löcherig wie der sprichwörtliche Schweizer Käse: Die Mensa auf dem Campus Lingen hat nämlich seit ihrer -verspäteten- Eröffnung im Dezember 2013 in den sogenannten Semesterferien, also der vorlesungsfreien Zeit der Hochschule, geschlossen. Die Studierenden finden dies ganz und gar nicht gut, vor allem weil die vom Studentenwerk betriebene Mensa in Vechta und zwei von drei Essenausgaben in Osnabrück nahezu das gesamte Jahr geöffnet sind. Dabei gibt es am Standort Lingen mit den Dualen Studiengängen einen durchgehenden Lehrbetrieb.

Die ehemalige Geschäftsführung des Studentenwerks wollte trotzdem von einer Verbesserung in Lingen nie etwas wissen. Seit dem 1. Mai 2016 ist nun Alexandra Krone die neue Geschäftsführerin des Studentenwerks Osnabrück. Ihr „Vorschlag zur Güte“ sollte nun die Studierenden besänftigen, deren damaliger AStA-Vorsitzender Dennis Waldeck schon vor Jahren auf Gleichbehandlung gepocht und in einem Musterprozess die zu zahlenden Sozialbeiträge erfolgreich gerichtlich angegriffen hatte; denn alle Studenten in Lingen mussten für eine Mensa zahlen, die damals aber noch gar nicht vorhanden war.  Im „Testbetrieb“, schlug Frau Krone also jüngst vor, wolle man ermitteln, ob die ganzjährige  Öffnung der Mensa Lingen „wirtschaftlich“ sei.

Also testet das Studentenwerk noch bis Ende dieser Woche die Öffnung der eigenen Mensa auf dem Campus Lingen. Eigentlich aber ist die Mensa gar nicht im Testbetrieb geöffnet. Denn es gibt nur ein „Cafeteria-Angebot“, also gerade kein warmes Mittagessen. So ist zweifelhaft, ob so das vom Studentenwerk selbst definierte Umsatzziel überhaupt erreicht werden kann. Denn der Denkfehler erschließt sich zwanglos: Mit dem Teilverkauf von Brötchen, Kaffee und Pizza kann nicht wirklich ermittelt werden, ob auch das warme Mensaessen ausreichend Absatz finden würde.

Ohnehin: Gäste ohne Studierenden-Ausweis sind in der Campus-Mensa seltsamerweise nicht willkommen, obwohl gerade sie außerhalb von Stoßzeiten und Semesterferien ordentlich den Umsatz ankurbeln könnten. Das ist deshalb unverständlich, weil „Gäste der Hochschule“ (oder auch Studierende, deren Ausweis zu Hause liegen blieb) fast dreifach mehr fürs Essen zahlen dürfen und es keine Mittagsalternative im, am und um den Campus Lingen herum gibt. Den überflüssigen, selbst auferlegten Bann für Gast-Esser gibt es übrigens nicht im benachbarten Münster. Dort informiert das offenbar klügere örtliche Studentenwerk („Studierendenwerk Münster“) bislang:

„Können auch Nichtstudierende in den Mensen und Bistros essen? – Ja, bei uns ist jeder willkommen. Nicht nur, aber auch gerade in der vorlesungsfreien Zeit bietet der Besuch einer unserer 15 Mensen und Bistros allen Gästen echte Alternativen für gesunde und absolut preiswerte Ernährung.“ 

Einstweilen droht offenbar, dass der Campus Lingen in Sachen Mensa weit(er) hinter Steinfurt und Vechta liegt. Allerdings haben wir Lingener noch diese Woche, um den Umsatz in unserer Mensa anzukurbeln, denn beim aktuellen, sog. „Cafeteria-Angebot“ wird -Sie ahnen es, reichlich sinnfrei- nicht zwischen Gast und Studierenden unterschieden. Und sind wir nicht als Lingener irgendwie alle Gäste unserer Hochschule? 

(Foto: Geschlossene Februarmensa in Lingen © milanpaul via flickr)

In der vergangenen Woche hat sie zusammen mit dem „Silk Road Ensemble“ einen Grammy gewonnen: Dima Orsho – die syrische Sängerin ist vielen Morgenland Festival Besuchern bekannt. Seit Jahren ist sie in verschiedenen Konstellationen aufgetreten, sei es mit der Morgenland All Star Band, dem Morgenland Chamber Orchestra oder mit dem Ensemble Hewar, das sie gemeinsam mit Kinan Azmeh und Issam Rafea in Damaskus gegründet hat.

Ihr Werk „Those Forgotten on the Banks of the Euphrat“ ist im vergangenen Jahr in Osnabrück uraufgeführt worden und hat das Publikum begeistert. Aus diesem Grund hat die ‚Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück‘ die Ausnahmemusikerin eingeladen, ein Sonderkonzert in der Friedensstadt zu gestalten. Seit Montag ist die mittlerweile in Chicago beheimatete Dima Orsho zurück in Osnabrück und studiert zusammen mit fantastischen Sängern und Solisten sowie dem Osnabrücker Jugendchor und dem Osnabrücker Bassisten Andreas Müller ein Programm für das jährliche Morgenland Festival Sonderkonzert ein. Von Osnabrück geht es weiter in die Elbphilharmonie nach Hamburg für mehrere Konzerte im Rahmen des Festivals Salam Syria.

Das Sonderkonzert ist eine Veranstaltung der Gesellschaft der Freunde. Morgenland Festival Osnabrück.

For those Forgotten
Sonderkonzert des Morgenland Festival Osnabrück
Sonntag, 26.2.2017
Kleine Kirche am Dom
18.00 Uhr

Karten 18,00€, ermäßigt 12,00€ (zuzüglich Vvk-Gebühren)

hans_calmeyer

Als Retter von Tausenden Juden in den Niederlanden zur Zeit des NS-Besatzung ging der Rechtsanwalt Hans Calmeyer in die Geschichte ein. Eine ihm gewidmete Dauerausstellung, geschweige denn ein eigenes Museum, sucht man in seiner Heimatstadt Osnabrück bisher aber vergebens. Daran hat auch ein Osnabrücker Ratsbeschluss vom Sommer 2014 nichts geändert.

Entstehen soll es in der mehr als 100 Jahre alten Villa Schlikker, die Hans-Calmeyer-Haus Haus werden soll Das Haus am Heger-Tor-Wall diente von 1933 bis 1945 der NSDAP als Zentrale. Die NOZ berichtet jetzt über eine neun Anstoß:

„Die Holocaust-Überlebende Laureen Nussbaum, eine Jugendfreundin von Anne Frank und ausgewiesene Kennerin ihrer Tagebücher, hat sich bei einem Besuch in Osnabrück für ein Hans-Calmeyer-Haus in der Friedensstadt ausgesprochen. Auch die Politik erhöht den Druck. Kommt nun Bewegung in die Sache?

Nussbaum gehört zu den vielen Tausend Juden, die der Osnabrücker Rechtsanwalt Calmeyer (1903–72) (Foto lks, ©) während des Zweiten Weltkriegs als NS-„Rassereferent“ in den Niederlanden durch Sabotage vor Deportation und sicherem Tod bewahrte. Die 89-Jährige aus Frankfurt war als Kind mit ihrer Familie vor den Nazis nach Amsterdam geflüchtet. Seit den Fünfzigern lebt sie in Seattle (USA). Zur Eröffnung einer dreimonatigen Ausstellung über ihre Jugendfreundin Anne Frank, deren berühmte Tagebücher sie als Germanistikprofessorin studiert hat, reiste Nussbaum jetzt nach Osnabrück.

Wir trafen sie am Montag im Hotel Walhalla, wo sie für eine Dokumentation des Osnabrücker Historikers, Filmemachers und Calmeyer-Experten Joachim Castan vor der Kamera saß. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Nussbaum: „Hans Calmeyer ist ein stiller Held, dabei hat er mehr Juden gerettet als Oskar Schindler. Deshalb ist es ausgesprochen wichtig, dass in Osnabrück etwas entsteht, das dauerhaft an ihn erinnert und über sein einmaliges Werk informiert.“

Remarque, Nussbaum, Calmeyer

Ihr sei jedoch nicht entgangen, dass die Friedensstadt sich in dieser Angelegenheit viel Zeit lässt.„Ich finde, es dauert sehr lange“, stellte die Holocaust-Überlebende fest. Dabei habe Calmeyer in ihren Augen einen Stellenwert wie zwei andere, gepriesene Ikonen der Friedensstadt: Schriftsteller Erich Maria Remarque und Maler Felix Nussbaum…“

weiter bei der Neuen OZ

(Quelle NOZ, Sebastian Stricker)

Einblicke –
Die unbekannten Zeitzeugen von Krieg und Judenvernichtung
Lingen (Ems) – Ludwig-Windthorst-Haus 
Do., 26.01.17 – ab 18 Uhr
Неизвестные свидетели войны и уничтожения еврейского народа
Четверг, 26 январь 18:00, Людвиг-Ветерxорст-Дом, Линген

Aus Anlass des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus findet an dessen Vorabend parallel zur entsprechenden Ausstellung eine Gedenkveranstaltung im Ludwig-Windthorst-Haus statt. 

Programm
18.00 Uhr
Musik
18.05 Uhr
Begrüßung von Seiten der Stadt Lingen (Ems), Forum Juden-Christen e.V. und LWH, kurze Einführung in den Abend
18.15 Uhr
Einführung in die Ausstellung‘
Dr. Michael Gander (Gedenkstätten Augustaschacht und Gestapokeller) und Inessa Goldmann („Judentum begreifen“)
18.30 Uhr
Zeitzeugengespräch: Dr. Michael Gander spricht mit Mortko Jazowitskij, dessen Lebensgeschichte Eingang in die Ausstellung gefunden hat
Musik

—-

einblickeÜberlebende der nationalsozialistischen Vernichtung der Juden in der früheren Sowjetunion und jüdische Veteranen des sowjetischen Militärs leben seit rund 20 Jahren in und um Osnabrück. Sie erlebten Evakuierungen nach Asien, Ghettos und Massenerschießungen. Andere überlebten die Blockade von Leningrad oder kämpften als sowjetische Soldaten gegen die Armee des nationalsozialistischen Deutschlands. Ihre Erinnerungen an das Leben in der Sowjetunion brachten sie mit. Ihre Erfahrungen von Krieg und Verfolgung stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die seit dem 19. Januar im Ludwig-Windthorst-Haus insgesamt 26 Lebenswege Osnabrücker Zuwanderer vorstellt – übrigens in deutscher und russischer Sprache  Das Kennenlernen der Menschen und ihrer Geschichten sowie die Teilhabe an ihren Erinnerungen und Erlebnissen bringt die heutige, vielfältige Gesellschaft näher zusammen. Dazu möchte die Ausstellung beitragen.

Gemeinsam mit dem Verein „Judentum begreifen“ und zwei Osnabrücker Studentinnen erarbeitete die Gedenkstätte Augustaschacht diese, in der bundesdeutschen Erinnerungskultur besondere Ausstellung. Angehende Gestaltungstechnische Assistenten/-innen sowie Fotografen/-innen des Osnabrücker Berufsschulzentrums am Westerberg entwickelten mit ihren Lehrern die Ausstellungsgestaltung und nahmen bei Besuchen Portraits von den Zeitzeugen/-innen auf.
Für die Ausstellung wurden lebensgeschichtliche Interviews mit den Zeitzeugen in ihrer Muttersprache Russisch geführt. Ebenso wichtig sind die  Erzählungen Angehöriger, denen die Zeitzeugen noch zu Lebzeiten ihre Erinnerungen anvertrauten.
Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Februar im LWH-Hauptgebäude zu sehen.

Klima der Angst

14. Dezember 2016

Ich bin ja schon etwas länger dabei: Aber diese Landes-CDU in Niedersachsen ist wirklich seit Jahrzehnten eine besondere Veranstaltung – nimmt man einige Jahre in den 1970er und 1980er Jahren aus, wo mit Politikern wie Werner Remmers, Hans-Dieter Schwind oder Eduard Pestel auch weniger schwarz-braun wirkende Personen Einfluss hatten. Ich schwanke immer zwischen „Himmel, wie peinlich“, „Fremdschämen“ und „Das kann nicht wahr sein“, wenn aus dem Landtag in Niedersachsen berichtet wird. Doch alles an lärmendem Geschrei und tumbem Beifallschlagen auf die Tische im Landtag seitens der interlektuellen Drittbesetzung Thümler & Co (Eigenzitat: „… es geht um Niedersachsen und die Menschen, die in diesem schönen Land leben.“) hat ein politisches Kalkül. Tatsächlich will die traditionell rechts verortete Niedersachsen-CDU greifbar ein Klima der Angst vor Muslimen in unserem Bundesland schaffen, wie die taz kommentiert:

taz„Wohl aus Furcht vor der AfD fährt Niedersachsens CDU seit mehr als einem Jahr eine ausgrenzende Anti-Islam-Kampagne: Die soll zumindest indirekt das Gespenst einer „Überfremdung“ schüren, Muslime pauschal als mögliche Terrorhelfer diskreditieren – und die Regierungsparteien SPD und Grüne als innen- und sicherheitspolitische Versager vorführen.

Allein deshalb haben die Konservativen im Landtag einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss durchgesetzt, der mögliche Sicherheitsdefizite bei Polizei und Verfassungsschutz offenlegen soll. Mag die verabscheuungswürdige Messerattacke der zum Tatzeitpunkt 15-jährigen Safia S. auf einen Bundespolizisten in Hannovers Hauptbahnhof auch Auslöser gewesen sein – festzuhalten bleibt: In Niedersachsen hat islamistischer Terror bis heute kein einziges Todesopfer gefordert.

Daraus ein Versagen der Sicherheitskräfte zu konstruieren, grenzt schon an Demagogie. Trotzdem warnen die Christdemokraten immer wieder vor möglichen „Terrorzellen“ – und können zur Begründung nur anführen, dass auch Safias Bruder eine Flasche mit brennbarer Flüssigkeit von einem Parkhaus geworfen hat.

Ebenfalls instrumentalisiert wird der Fall einer den Niqab tragenden Schülerin aus Belm bei Osnabrück: Weil ihre Familie dem radikal-salafistischen „Kalifatsstaat“ nahestehen soll, fordert die CDU nicht nur den Schulverweis der 16-Jährigen, sondern bezichtigen auch gleich die Kultusministerin des Verfassungsbruchs. Irgendetwas wird schon hängen bleiben, lautet offenbar das Motto.

Geschaffen wird so ein Klima der Angst und das hat Folgen: Die „Islam-Verträge“ zur Aufwertung muslimischer Gemeinden haben die Christdemokraten erfolgreich torpediert – während die Moschee-Gemeinden bis Ende Februar wissen wollen, wann endlich unterschrieben wird, lehnt die sozialdemokratisch geführte Staatskanzlei jedes „Ultimatum“ ab. Dialog und Anerkennung sehen anders aus. Die CDU erreicht ihr Ziel.“

Zur Erinnerung: Christian Wulff (CDU) hatte 2005 als damaliger niedersächsischer Ministerpräsident einen Staatsvertrag mit den islamischen Verbänden vorgeschlagen. Die Verhandlungen der rot-grünen Landesregierung laufen seit 2013, und in diesem Sommer ist die CDU mit großem Tamtam ausgestiegen. Es geht ihr nur um Stimmung statt sachlicher Arbeit.

bildschirmfoto-2016-11-13-um-00-07-48Mit dem Stück „Über meine Leiche“ hat der Schauspieler Stefan Hornbach den 2. Osnabrücker Dramatikerpreis gewonnen. Marlene Anna Schäfer hat es jetzt schlüssig inszeniert.

Die taz berichtet: „Darf man, soll man, muss man das? Ein schweres Thema leicht, die schlimmste Art der Fremdbestimmung mit einem Lächeln nehmen – und Humor auf Tumor reimen? Galgenhumor zum Totlachen: Aber nicht respektlos und mit immer absurder werdenden Komikmitteln versucht Stefan Hornbach der ohnmächtig empörten Verzweiflung eines jungen Krebspatienten dramatischen Ausdruck zu verleihen. So dass eben nicht deprimierendes Mitleidstheater entsteht, sondern überhaupt erst mal eine Möglichkeit für Patienten und Publikum, einen Umgang mit der Krankheit zum Tode zu finden.

Die Uraufführung dieses Stückes – „Über meine Leiche“ – hatte Hornbach als 1. Preisträger des 2. Osnabrücker Dramatikerpreises gewonnen. Den Preis überreichte nun Regisseurin Marlene Anna Schäfer. Mit federleichtem Sarkasmus, unzimperlich fidelen wie sinnkräftigen Bildern in formschönem Setting findet ihre Inszenierung einen schlüssigen Zugriff auf den Text.

Der eher zufällig entstanden ist. Denn der 30-jährige Hornbach ist Schauspieler, hat 2015 das Studium an der Akademie für darstellende Kunst in Ludwigsburg abgeschlossen und einen Teilzeitspielvertrag am Theater Heidelberg unterschrieben. Dort steckt er gerade in den Endproben zum Weihnachtsstück. Die böse Frau Prysselius, die Pippi Langstumpf in ein Heim einweisen will, ist seine Rolle. Hornbach: „Die Kinder im Publikum werden mich fertig machen.“ Und was die nicht schaffen, erledigen die Arbeitsbedingungen. Zweimal täglich wird gespielt, insgesamt 70 Aufführungen sind angesetzt. Hornbach ist jung und braucht das Geld? „Nein, das ist meine Stadttheaterabgewöhnung“, sagt er. Literatur sei angesagt.

Hornbach plünderte unveröffentlichte Kurzgeschichten und komponierte aus all dem eine Textbruchstückcollage

Drauflos formuliert hat er schon immer. Song-Lyrics, Rap-Poesie, Gedichte, Prosaminiaturen. Auch an Kursen für „Kreatives Schreiben“ hat er teilgenommen, während der Ausbildung auch die Wechselbeziehung vom Verfassen und Spielen eigener Texte erkundet. Eine zehnseitige Ideenskizze entstand, Hornbach schickte sie nach Osnabrück – und wurde als einer von sechs aus 100 Bewerbern eingeladen zu Workshops, Gruppen- und Einzelgesprächen.

Das Preisträgerstück soll …“

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Schweine

9. November 2016

„In konventionellen Ställen haben Schweine so wenig Platz, dass sie in ihren Exkrementen liegen müssen: 0,75 Quadratmeter pro Tier. Sie sehen kein natürliches Licht, kennen keinen Regen, keinen Wind. Und von den Güllegruben unter dem Stallboden steigen Ammoniakdämpfe auf, die die Lungen der Schweine schädigen. Eine neue Initiative aus Osnabrück will die Haltung der Tiere verbessern – und wirbt für sogenannte Offenställe.

Darin sollen die Tiere doppelt so viel Platz haben wie gesetzlich vorgeschrieben. Eine Stallwand ist, wie es der Name schon sagt, offen. Die Schweine sollen so frische Luft und in dem größeren Raum auch Beschäftigungsmöglichkeiten bekommen, etwa Stroh zum Wühlen. In einer Ecke können sie schlafen, in einer anderen ihr Geschäft verrichten.

„So kommt man dem natürlichen Betätigungsdrang der Tiere entgegen“, sagt Bert Mutsaers, ein Wurstfabrikant und der Vorsitzende des neu gegründeten „Vereins zur Förderung der Offenstallhaltung von Schweinen“. Bisher werden laut dem Agrarbiologen Rudolf Wiedmann, der in der Landesanstalt für Schweinezucht in Baden-Württemberg beschäftigt war, rund drei Prozent der 27 Millionen Schweine in Offenställen gehalten.

Schon Mutsaers’ Hintergrund verrät, dass es sich in Osnabrück nicht um eine gewöhnliche Tierschutzinitiative handelt. Neben dem Fleischwarenhersteller engagieren sich dort…“

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„Flucht 1937“

5. November 2016

Zwei Mädchen auf der Straße. Sie unterhalten sich, lachen, Sommerkleider wehen. Dann geschieht es: Eine Streife verstellt ihnen den Weg. Aus einem Wagen steigen zwei Gestapo-Beamte. Nachbarn schließen Fenster und Türen. Eine Szene aus dem 90-Minüter „Flucht 1937“. Nichts an diesem Film ist gewöhnlich.

Eine 14-Jährige hat ihn gedreht: Abigail Mathew aus Osnabrück. Die meisten Darsteller sind Laien, die Kameraleute sind es auch. Es gibt kein Drehbuch, kein Storyboard, kaum Budget. Das Licht kommt aus Baustellenlampen. Aber es ist ein beeindruckender Film – durchdacht, komplex, bewegend. Dokumentarisches verschmilzt mit Spielszenen, Farbe mit Schwarzweiß, Filmmaterial aus den 30er- und 40er-Jahren ist verwoben, Song- und Off-Text. Dass dieser Film seinen Weg ins Kino finden wird, gar ins Ausland, ahnte zu Beginn niemand.

Die Geschichte von „Flucht 1937“ beginnt Mitte 2015 am Ratsgymnasium Osnabrück : Deutschunterricht, Thema ist…

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63. FilmFest Osnabrück

21. Oktober 2016

osnabrueckDas 31. Unabhängige FilmFest präsentiert zwischen dem 19.-23. Oktober spannende und engagierte Filme am Puls der Zeit. Die Sehnsucht nach einem Stück Heimat sowie der Umgang mit Traditionen stellen dabei eine thematische Rahmung für die 63 Lang- und Kurzfilme dar, die aus 876 eingereichten Produktionen ausgewählt wurden. So wird die Identitätssuche auch direkt im Eröffnungsfilm „Die letzte Sau“ aufgegriffen, der zwischen Heimatfilm und Roadmovie pendelnd, die tragikomische Parabel eines modernen, bayrischen Don Quijote erzählt, der gegen die Mühlen der Landwirtschaftsindustrie ankämpft. In „Haus ohne Dach“ begeben sich drei Geschwister zurück in ihre ehemalige kurdische Heimat und werden dabei gezwungen sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen, während sich die jungen Iranerinnen in „Starless Dreams“ innerhalb der Mauern eines Jugendgefängnisses besser aufgehoben fühlen, als im Kreise ihrer eigenen Verwandten.

Zahlreiche Gäste aus der Filmbranche werden an den fünf Festivaltagen in Osnabrück ihre neuesten Produktionen persönlich präsentieren, darunter Aron Lehmann, Regisseur des Eröffnungsfilms „Die letzte Sau“, die Gewinnerin des Max-Ophüls-Preises des Jahres 2007 Sung-Hyung Cho, die ihre Dokumentation „Meine Brüder und Schwestern im Norden“ vorstellt, oder die Regisseurinnen Soleen Yusef („Haus ohne Dach“), Manuela Bastian („Where to, Miss?“) und Anca Miruna Lazarescu („Die Reise mit Vater“). Der Deutschlandpremiere von „Was Männer sonst nicht zeigen“ wird der finnische Regisseur Mika Hotakainen beiwohnen und für die Weltpremiere von „Melody of Things“ hat sich die französische Regisseurin Maité Maillé angekündigt. Ebenso werden Produzent Gunter Hanfgarn („Der Weg nach La Paz“), Co-Regisseur und Hauptdarsteller von „Those Who Jump“ Abou Bakar Sibidé und der belgische Regisseur Pieter-Jan De Pue („Das Land der Erleuchteten“) zu den Screenings ihrer Filme anwesend sein und für eine anschließende Fragerunde zur Verfügung stehen. Und mit Lucas Flasch hat sich der Drehbuchautor des, gerade mit dem Studenten-Oscar in Silber ausgezeichneten, Kurzfilms „Das Ende der Welt“ angekündigt.

Themenschwerpunkte: Ankommen in der Fremde, engagiertes Kino aus der islamischen Welt und der Umgang mit traditionellen Rollenbildern

Mit dem Thema Flucht setzt sich das 31. Unabhängige FilmFest Osnabrück auf multiperspektivische Weise auseinander: So eröffnet „Les Sauteurs – Those Who Jump“ einen authentischen Einblick in die Lebensrealität der am Rande der abgeschotteten europäischen Grenze in Afrika ausharrenden Flüchtlinge. „Meteorstraße“ beschäftigt sich indessen, im Rahmen einer kraftvollen Coming-of-Age-Story, mit der Radikalisierung junger Asylanten, während in „Haus ohne Dach“ die Verarbeitung einer Flüchtlingsvergangenheit thematisiert wird.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt, nach Festivalleiterin Julia Scheck, auf Filmen aus der islamischen Welt: So setzen sich „Starless Dreams“ aus dem Iran, „Kaum öffne ich die Augen“ aus Tunesien und „Sand Storm“ aus Israel auf sehr unterschiedliche Weise mit der Stellung der Frau in vom Islam geprägten Ländern auseinander. Der semidokumentarische Film „Das Land der Erleuchteten“ konfrontiert mit der verstörenden Wirklichkeit von Kindern, die im vom Krieg gezeichneten Afghanistan um ihr Überleben kämpfen. Und der klaustrophobische Thriller „Clash“ generiert in der Enge eines Polizei-Gefängniswagens ein fassettenreiches Abbild der zerrissenen ägyptischen Gesellschaft. Das von Nordmedia geförderte Werk von Regisseur Mohamed Diab ist Ägyptens offizieller Kandidat für den Auslands-Oscar 2016.

Auch die Rechte der Frauen und der weibliche Umgang mit (einschränkenden) Traditionen stehen beim 31. Unabhängigen FilmFest im Fokus: „Kaum öffne ich die Augen“ und „Sand Storm“ präsentieren junge Protagonistinnen, die sich den althergebrachten Rollenbildern nicht mehr einfach fügen wollen und diese hinterfragen. Die Situation der Frauen in Indien wird in der bewegenden Dokumentation „Where to, Miss?“ beleuchtet, welche die junge Devki auf ihrem steinigen Weg in die berufliche Unabhängigkeit als Taxifahrerin in Dehli begleitet. Das serbische Drama „A Good Wife“ zeichnet derweil das Leben einer Frau, die unter den einst begangenen Kriegsverbrechen ihres Ehemannes zu leiden hat, während der mexikanische Filmessay „Tempestad – Der Sturm“ zwei aufrüttelnde Mütterschicksale behandelt und dabei die Willkürentscheidungen des mexikanischen Staatsapparates anprangert.

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