76.

6. Mai 2021


Anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung von Krieg und Faschismus am 8. bzw. 9. Mai 2021 hat mir aus Berlin Annedore Jakob (Pax Christi) diese Informationen geschickt:

  • In Nordhorn werden der AK Gedenken und die Stadt Nordhorn an öffentlichen Stellen eine Banneraktion zum 8. Mai durchführen. Ausgewählte Banner finden sich oben und unten in diesem Posting. Zur Nachahmung empfohlen!
  • Von Abgeordneten des Deutschen Bundestages um Jan Korte, MdB, gibt es das Bemühen eine Gedenkstunde zum 22. Juni abzuhalten. Eine Kleine Anfrage und ein Antwortschreiben von Dr. W. Schäuble nimmt die Berliner Zeitung zum Anlass, um zu berichten.
  • Die „Friedenswurzel“ ist ein Baumstumpf, den der Osnabrücker Künstler V.-J. Trieb von den Seelower Höhen holte, wo im April 1945 die letzte Schlacht um Berlin tobte.
  • Die Stiftung „Topographie des Terrors“ lud am heutigen 6. Mai um 19 Uhr zu einer thematischen Veranstaltung mit Livestream ein, der weitere 14 Tage abrufbar ist.
  • Am 9. Mai jährt sich der Geburtstag der Widerstandskämpferin Sophie Scholl zum 100. Mal.
  • Gestern vor 30 Jahren fand in Meppen eine besondere Gedächtnisfeier statt. Hier das Video über die Steinsetzung am 5. Mai 1991 für Jacob Cohen und seine Familie auf dem Jüdischen Friedhof.
  • In Osnabrück lädt am Samstag, 8. Mai um 18.30 Uhr die Gruppe „Omas gegen Rechts“ an der Kunsthalle Dominikaner Kirche zu einem Gedenken ein. Treffpunkt ist die Skulptur „Der Gefesselte“ von Gerhard Marcks, gewidmet den Opfern der Nationalsozialisten.
  • Am 7. Mai (12 Uhr) wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich einer Ordensverleihung eine Ansprache im Schloss Bellevue halten. Mehr unter: 
  • Am Sonntag, den 9. Mai überträgt der DLF von 10.05 – 11 Uhr einen katholischen Rundfunkgottesdienst mit Theo Paul aus der Inselkirche in Juist.

Feingewebliche Aufnahme der Lunge einer Meise. Die Pfeile markieren die deutliche Lungenentzündung bei Tieren, die mit Suttonella ornithocola infiziert waren. © LAVES

Im vergangenen Frühjahr war in weiten Teilen Deutschlands eine vom Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöste Epidemie aufgetreten, der Tausende Blaumeisen zum Opfer fielen. Bis Jahresende wurden über ein daraufhin eingerichtetes Meldeformular über 24.000 Verdachtsmeldungen dieser Epidemie an den NABU gemeldet. Mehr als 400 tote Vögel wurden untersucht, ziemlich genau die Hälfte der beprobten Vögel ist an einer Infektion mit dem in Deutschland neuartigen Bakterium gestorben. Bei der „Stunde der Gartenvögel“ im vergangenen Mai 2020 wurden entsprechend weniger Blaumeisen beobachtet. Hotspots in Niedersachsen waren die Landkreise Ammerland, Oldenburg und Osterholz.

Erste Verdachtsmeldungen, die zu den typischen Symptomen der Krankheit passen, sind nun auch in diesem Frühjahr schon beim NABU eingegangen. Eine auffällige Häufung oder klare regionale Schwerpunkte sind jedoch noch nicht erkennbar. Verdachtsmeldungen kranker oder verstorbener Blaumeisen oder auch anderer Kleinvögel können unter www.NABU.de/meisensterben eingegeben werden. Nur so kann herausgefunden werden, ob die Epidemie des vergangenen Jahres ein einmaliges Ereignis war oder der Beginn eines jährlich wiederkehrenden Problems.

Neben Blaumeisen erkranken in einzelnen Fällen auch Kohlmeisen oder andere kleine Singvögel. „Die Tiere fallen dadurch auf, dass sie nicht mehr auf ihre Umwelt reagieren, apathisch und aufgeplustert auf dem Boden sitzen und nicht vor Menschen fliehen. Oft wirken die Vögel als hätten sie Atemprobleme. Augen, Schnabel und Teile des Federkleids sind häufig verklebt“, erklärt Hanna Clara Wiegmann von der NABU-Regionalgeschäftsstelle Emsland/Grafschaft Bentheim.

Grundsätzlich gilt, an Futter- und Wasserstellen auf Sauberkeit zu achten, „damit sich die Tiere beim Körnerholen oder Wassertrinken nicht gegenseitig mit Krankheiten anstecken können“, macht Wiegmann auf die notwendige Hygiene aufmerksam.

„In der Brutzeit holen sich die Vögel immer gern einen Leckerbissen zur Stärkung an der Futtersäule ab. Das ist auch kein Problem, solange das Futter sauber ist und die Vögel nicht mit dem gesamten Futter in Kontakt kommen können“, rät Hanna Clara Wiegmann. Naturnahe Gärten und Grünflächen unterstützen zudem ganzjährig die Vögel bei der Nahrungssuche. Wer im Garten und auf dem Balkon die Blüten- und Insektenvielfalt durch heimische Pflanzen fördert, trägt dazu bei, dass Gartenvögel zur Brutzeit ausreichend Insekten zur Jungenaufzucht sammeln können.

Suchmeldung

19. März 2021

Gesucht wird die Klimagruppe Emsland. Michael, Julie, Debora & Co.  – was ist los?

Auf Eurer Facebookseite ist der letzte Eintrag vom 20. November. Das ist enttäuschend. Es muss ja nicht jede/r so ganz lange durchhalten. Aber politisches Handeln und Verändern geht nun einmal nicht wie eine Silvesterrakete. Beherzigt man dies nicht, freuen sich nur diejenigen, denen die ganze Klimadiskussion eh‘ nicht in den Kram passt.

Nun, Lingener Klimaaktivisten (m/w/d): Wo seid Ihr, wann geht’s wie weiter?

Heute vermisse ich Euch besonders deshalb, weil an diesem 19. März globaler Klimastreik ist. Mit lokalen Veranstaltungen in Nordhorn (lokale Kreideaktion), Bad Bentheim (15 Uhr Parkplatz im Schlosspark) und sogar in unserer aktuellen emsländischen Inzidenz-Metropole Papenburg (15 Uhr, Stadtpark).

Mit dem siebten globalen Klimastreik steht diesen Freitag in ganz Deutschland, lese ich hier, „ein Tag voller kreativer Aktionen, geballter Aktivist:innenpower und klaren Botschaften bevor. Seit über zwei Jahren fordern wir Politik und Wirtschaft zum Handeln auf, um allen Menschen eine lebenswerte Zukunft zu sichern, doch die Klimakrise wird weiter befeuert. Es bleiben leere Worte der Entscheidungsträger:innen, die im Angesicht der bereits heute sichtbaren Auswirkungen absurd wirken. Die eindeutige Forderung lautet: #NoMoreEmptyPromises!“

Also, ihr lokalen Klimaaktivisten: Raus aus dem Winterschlaf. Es geht nicht ohne Euch.  #AlleFür1Komma5.

Brachvogelprojekt

10. März 2021

Er ist ein Charaktervogel der Grafschaft Bentheim – der Brachvogel. Früher ein weit verbreiteter Brutvogel im Nordwestdeutschen Tiefland, schrumpft seine Zahl von Jahr zu Jahr. Die Grafschaft Bentheim ist daher ein wichtiger Lebensraum für die vom Aussterben bedrohten Schnepfenvögel und auch einige Landwirte setzen sich bereits mit großem Engagement für den Schutz der auf ihren Flächen lebenden Vögel ein. Im Rahmen eines Niedersächsischen Forschungsprojektes sollen nun Brachvögel mit Sendern ausgestattet werden, um die Lebensweise weiter zu erforschen und damit den Schutz der Tiere in ihrem Lebensraum zu verbessern.

Der Tierpark Nordhorn bemüht sich als regionales Arten- und Naturschutzzentrum mit verschiedenen Projektpartnern bereits seit vielen Jahren um die Rettung dieser interessanten Vögel. „Wir wollen und an dem Forschungsprojekt beteiligen und suchen nun konkret Unterstützer für die Erforschung der Lebensweise unserer Grafschafter Vögel,“ so Zootierärztin und Kuratorin Dr. Heike Weber. „Um mehr Vögel retten zu können, müssen wir mehr über ihr Verhalten lernen!“

Als regionales Arten- und Naturschutzzentrum ist der Tierpark Nordhorn Anlaufstelle für die Aufzucht von verwaisten Brachvogelgelegen. Über 120 junge Brachvögel wurden durch die Mitarbeiter des Tierparks in den letzten Jahren so bereits aufgezogen. Sobald sie alt genug sind, werden die Vögel beringt und in der Region ausgewildert. Ziel ist es nun einen Teil dieser Jungvögel mit Sendern ausstatten, um so zukünftig mehr über den Vogelzug und die Vogelbewegungen zu erfahren. Nur wenn man mehr über das Verhalten und die Ansprüche der Vögel weiß, können Maßnahmen zum besseren Schutz und langfristigen Überleben der Vögel entwickelt werden.

Hier setzt das aktuelle Forschungsprojekt an, denn mit den entsprechenden Sendern können die Vögel präzise verfolgt und so viele Erkenntnisse über die Lebensweise gewonnen werden. Neben den Jungvögeln im Tierpark werden weitere Vögel durch die verschiedenen Projektpartner des Forschungsvorhabens besendert, um so eine größere Anzahl an Tieren verfolgen zu können. Da dies in der Regel Altvögel sind, kann der Tierpark mit seiner Jungvogelaufzucht eine weitere wertvolle Untersuchungsgruppe beisteuern.

„Leider hat uns Corona einen großen Strich durch die Pläne gemacht! Ein halbes Jahr ohne Besuchereinnahmen schränkt unsere Möglichkeiten leider sehr ein,“ so Heike Weber. Rund 1.500 Euro kostet ein Sender, da er eine sehr spezielle Anfertigung ist, um die Vögel nicht zu stören. Ziel ist es mindestens fünf junge Brachvögel mit Sendern auszustatten, um verwertbare Ergebnisse zu erzielen.

„Alle Spenden sammeln wir eigentlich für unser große Zukunftsprojekt, den Neubau der Leopardenanlage!“ so Weber. „Da wir aber bald mit ersten Jungvögeln rechnen, die besendert werden sollen, suchen wir auch für dieses Projekt finanzielle Unterstützer! Eine Firma hat bereits die Kostenübernahme von zwei Sendern zugesagt,“ freut sich die Zootierärztin.

Auf der Webseite des Tierparks ist eine eigene Rubrik eingerichtet, in der regelmäßig unter www.tierpark-nordhorn.de/brachvogelschutzprojekt-tierpark-nordhorn/ über den Fortgang des Brachvogelprojektes berichtet werden soll.

Wer dieses Projekt mit einer Spende oder gar der Übernahme eines kompletten Senders unterstützen möchte, kann dies auf folgende Weise tun:

Spendenkonto.
KSK Nordhorn, IBAN: DE54 2675 0001 0000 3434 34, BIC: NOLADE21NOH oder direkt im Onlineshop des Tierparks unter https://shop.tierpark-nordhorn.de/Spende-Vogelsender/10317.

(Foto: Gunnar Ries CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported).

Dann…

9. März 2021

…freuen wir uns doch mal richtig. Herzliche Glückwünsche in die Kivelingstraße und den Tipp, dass es am Gründonnerstag in der als No. 1 und auch sonst ausgezeichneten Kornblume alle Weine mit 20% Nachlass gibt.

Emlichheim

24. Februar 2021

Tobias Schwartz ist am Rand von Niedersachsen aufgewachsen, kurz vor der niederländischen Grenze. Zwei Romane hat der Wahlberliner bisher dort angesiedelt. Dabei schreibt er nicht autobiografisch: Seine Geschichten sind in der Provinz beheimatet und gehen doch weit über sie hinaus. Die Provinz ist Emlichheim in der Niedergrafschaft Bentheim. Emlichheim: kaum ein Ort in Deutschland, der weiter von einer Großstadt entfernt wäre; kaum ein Ort in Deutschland, an dem Einheimische und Flüchtlinge deutlicher spüren könnten, dass es nur eine gemeinsame Geschichte gibt. In einer durch Torfbau und Gasförderung geprägten niedersächsischen Landschaft gelegen – die der Legende nach entstanden war, weil Napoleon seinen Daumen aufs Lineal gehalten hatte, als er die Grenze in seine Feldkarte einzeichnete -, kennzeichnen vier Kirchen unterschiedlicher Konfessionen das Dorf.

Wo das Auge hinreicht: Kartoffeln. Irgendwo am Horizont die größte Kartoffelstärkefabrik Europas. Dazwischen Pumpen, die Erdöl aus der Tiefe des sandigen Bodens fördern. In diese Gegend, Emlichheim in der Grafschaft Bentheim, kehrt der Kinderarzt David zurück: „Nordwestwärts“, der 2019 erschienene erste Teil der Emlichheim-Reihe von Tobias Schwartz, erzählt einen Tag dieser zeitweiligen Rückkehr.

David fährt morgens mit dem Zug quer durch Deutschland, um abends ein Konzert zu geben, mit seiner Tante. Dabei bietet seine Reise nach und durch Emlichheim eine Resonanzfläche für Erinnerungen: an seine Jugendliebe Grete vor allem, die hochschwanger ist, die Geburt steht kurz bevor. Sein Kind könne es nicht sein, denkt David, das hätte Grete ihm doch gesagt.

Die Geschichte ist multiperspektivisch erzählt, geht auch mal zurück zu Kindheitserlebnissen von David und Grete oder gar ans Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Buch wechselt rapide zwischen insgesamt rund 20 Perspektiven, manchmal gibt die jeweilige Sicht nur einen Satz her, bevor schon wieder gesprungen wird. Für Textstellen in Platt gibt es dankenswerterweise Fußnoten mit Übersetzungen ins Hochdeutsche. Obwohl Emlichheim aufgrund dieses vielstimmigen Formats so etwas wie der heimliche Star von „Nordwestwärts“ ist, liefert den roten Faden die Frage der Vaterschaft. Die Geschichte von Davids Familie und die Geschichte der Region scheinen unauflöslich verbunden mit diesem Tag, mit der Frage, die David die ganze Länge des Buches vor sich herschiebt: Ist er Vater – und will er einer sein? Ganz zu Anfang träumt er von einem Schwanenei, „und plötzlich übermannte ihn im Schlaf die traumhafte Gewissheit: Grete … hatte dieses Ei gelegt“. Schon hier wird also die Thematik geöffnet, die David aber lange verschlossen bleibt.

Schwartz, Jahrgang 1976, ist wie sein Protagonist in Emlichheim aufgewachsen. Trotz der vielen Sprünge zwischen Jetzt und Damals, zwischen zentralen und Nebenfiguren, behält er stets die Kontrolle über die Erzählung. Dabei schreibt er klar und präzise – nicht nur in den Dialogen. Die sind vielerorts gelobt worden, und das gern unter Hinweis aufs Theater, für das Schwartz schon viel geschrieben hat.

Für ihn…“

[weiter bei der taz]


Tobias Schwartz:
„Nordwestwärts“, 2019, 264 S., 22 Euro; ISBN-13 : 978-3961600069
„Vogelpark“, 2020, 192 S., 22 Euro; ISBN-13 : 978-3961600311

beide Elfenbein-Verlag Berlin.
Erhältlich in der lokalen Buchhandlung Ihres Vertrauens.

17 Wanderwege

21. Februar 2021

17 Wanderwege, pardon 17 „coronakonforme Wanderwege“  im ganzen Emsland präsentieren die Lingener Tagespost und die anderen beiden Emslandausgaben der NOZ gerade: „Wir haben die Wanderschuhe angezogen, die Videoausrüstung geschultert und uns mit Bernward Rusche getroffen, Wanderexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Emsland Süd, schreiben die Lokalzeitungen. Das Ergebnis ist eine Sammlung von attraktiven Wanderungen und Spazierrouten in Text, Bild und Video.

„Los geht es mit unserem Spaziergang durch den Lohner Sand in Lingen-Schepsdorf. Bernward Rusche teilt sein Wissen über den Naturerlebnispfad mit uns, denn der ehemalige Truppenübungsplatz der Bundeswehr beherbergt allerhand Überraschungen für Naturfreunde.“

Ausgangspunkt: Parken rechts an der K34 (Straße von Schepsdorf nach Nordlohne) beim Abzweig nach Rheitlage am Waldrand.

Die Spaziergänger queren die Straße und gehen vor der Holzhütte rechts in den Wald. Sie kommen dann auf der Freifläche an die Station 8 des Naturlehrpfades (Ziegenmelker). Dann den Pfad über die Stationen 9 bis 12 folgen bis zum Aussichtsturm und von dort geht es zur Station 1 (Übersicht und Zeitreise). Schließlich geht es dann an Station 2 vorbei zurück zum Ausgangspunkt. Das sind etwa 3 Kilometer und wer möchte, kann den Weg über das südlich gelegene Dünengebiet gerne „ausweiten“ oder bei Station 1 einen Abstecher zum Bienenstand machen.

Übrigens: Wer beim Vogelquiz auf Anhieb alles richtig gemacht hat, bekommt vom Nabu einen schönen Aufkleber…“

Für Mehr bitte den Tweet anklicken:

 

 

Grüner Radiopunkt

16. Februar 2021

Vorgestern war „World Radio Day“ und dazu fand ich dieses wunderbare Internetding. Jede Radiostation ist ein grüner Punkt, den man anklicken und dann hören kann. Mit dabei: Die Ems-Vechte-Welle in unserer Stadt. Geht mal auf die Klicktour.

Vor 75 Jahren beherrschte der Mangel den Alltag, weiß das Emslandmuseum und berichtet über Tauschwirtschaft und Schwarzmarkthandel nach dem Ende des 2. Weltkriegs.

m Herbst 1946 wurden von der britischen Militärregierung die frühere preußische Provinz Hannover, das Land Oldenburg sowie die Länder Braunschweig und Schaumburg-Lippe zum Land Niedersachsen zusammengeschlossen. Auch das Emsland wurde Teil dieses neuen Bundeslandes. Mit einer neuen Serie blickt das Emslandmuseum in jedem Monat 2021 zurück auf das Jahr 1946 und besonders auf die damaligen Verhältnisse in Lingen und dem Emsland.

(links: Bezugsschein für einen Anzug oder Stoff und Zutaten dafür; Wirtschaftsamt Lingen, 7. Januar 1946)

Im Januar 1946 ist es kalt in Lingen, denn schon der erste Nachkriegswinter ist ungewöhnlich hart und Brennstoffe sind knapp. Doch die Kälte ist nicht die einzige Sorge bei den Einheimischen und den vielen Flüchtlingen, die von ihrer Heimat ins Ostdeutschland abgeschnitten sind. Es mangelte an allem, besonders aber an Lebensmitteln. Wer sich nicht zusätzlich aus der eigenen Landwirtschaft oder dem Garten versorgen konnte, musste mit den kargen Rationen der Lebensmittelkarten auskommen, die kaum zum Überleben reichten. Oder die Sache selber in die Hand nehmen und sich auf dem Schwarzmarkt und im Tauschhandel zusätzliche Nahrungsmittel organisieren. Das war natürlich illegal, aber dafür war bei den sogenannten „Kompensationsgeschäften“ zu überhöhten Preisen fast alles irgendwie zu bekommen.

Verhaftungsbuch Lingen 1946

(links: Verhaftungsbuch, Polizei Lingen, 1946)

Es mehrten sich aber auch Berichte über Einbrüche in Vorratskeller und Warenlager, Feld- und Gartendiebstähle. Die „Nordwest-Nachrichten“, eine Zeitung der Britischen Militärbehörde, berichtete in ihrer ersten Ausgabe 1946 am 4. Januar von dunklen Geschäften in der Grafschaft Bentheim, wo sich Schieber aus dem Ruhrgebiet mit schwarz geschlachtetem Fleisch eindeckten. Sie hatten mit Stahlwaren auf dem Schwarzmarkt Zucker und Mehl organisiert. Dieses tauschten sie bei den Bauern gegen Schweine-, Kälber- und Hammelfleisch. Sogar ein ganzer Schinken verließ die Grafschaft in Richtung Ruhrgebiet. Doch die Sache flog auf und die Haupttäter wurden zu Zuchthaus und 5.000 Reichsmark Geldstrafe verurteilt. Ausdrücklich wird berichtet, dass dieses Urteil abschreckende Wirkung entfalten sollte, was angesichts des Hungers wohl illusorisch war. Hunderte ähnliche Verfahren waren in der Provinz Hannover anhängig.

Die Polizei konzentrierte sich auf die Bahnhöfe, denn privater Autoverkehr war stark eingeschränkt und irgendwie musste die heiße Ware ja transportiert werden. Der Bahnhof Lingen spielte dabei eine wichtige Rolle. Im Januar 1946 stockte die Militärregierung die Polizeitruppe in Lingen deutlich auf. Hilfspolizisten,…

[weiter und zahlreiche Bilder auf dem Blog des Emslandmuseum]

1977 wird verkündet, dass in Gorleben ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll entstehen soll – es beginnen jahrzehntelange Anti-Atom-Proteste. Haben Sie Erinnerungsstücke, die damit verbunden sind? fragt aktuell der Norddeutsche Rundfunk (NDR) seine TV-Seher und Radio-Hörer auf diese Weise:

„Sein roter Trecker erinnert Landwirt Horst Wiese an viele Demonstrationen. Mit ihm fuhr er 1979 mit rund 350 anderen Traktoren vom Wendland nach Hannover, um gegen Atomenergie und ein Endlager in Gorleben zu protestieren. Am Ende versammelten sich rund 100.000 Atom-Gegner – die bis dahin größte Anti-Atom-Demonstration der Bundesrepublik.

Haben Sie Zuhause auch noch etwas, das für Sie mit dem Anti-Atom-Protest in Niedersachsen verbunden ist? Es muss auch nicht so groß wie ein Trecker sein. Denn solche Dinge suchen wir, so der NDR, bei unserer Aktion „75 Jahre Niedersachsen – Kleine Dinge, große Geschichte. Weil Niedersachsen 75 Jahre alt wird, möchten wir Ihre „Schätze“, die mit der Geschichte des Landes verbunden sind, sammeln.“

„Wir möchten so viele Erinnerungsstücke wie möglich online zugänglich machen, in Fernsehen und Hörfunk und in einer Ausstellung präsentieren. Einige Beispiele für solche „Schätze“ zeigt das NDR Fernsehen bei Hallo Niedersachsen und blickt mit Ihnen dabei auf das damit verbundene Ereignis zurück. Ihr persönliches Erinnerungsstück kann aber auch mit einem ganz anderen Teil der Geschichte des Landes Niedersachsen verbunden sein.“ Der NDR: “ Machen Sie ein Foto davon und teilen Sie mit uns Ihre Erlebnisse – vielen Dank!“

In Lingen gab es mehrere denkwürdige Manifestationen: Anfang der 1980er Jahre fanden zwei Anti-AKW-Demonstrationen statt, wobei die zweite, deutlich größere die Anti-AKW-Bewegung und die Friedensbewegung gemeinsam durchführten -erstmals in der Bundesrepublik. Sie endete mit dem polizeilichen Abriss eines hohen, von de Demonstranten aufgerichteten Mahnkreuzes auf dem AKW-Gelände an der Niederdarmer Straße. Später folgte dann die Ausgrenzung niederländischer Einwender gegen die Genehmigung des damals beantragten Kernkraftwerk Emsland im Erörterungstermin auf der Lingener Wilhelmshöhe, die zwar nach viel Protest teilnehmen durften, aber ein Redeverbot erhielten  und sich die Münder zuklebten. Das Redeverbot war rechtswidrig, wie Jahre später das Bundesverwaltungsgericht urteilte, natürlich ohne irgendeine Auswirkung auf die längst erteilte Genehmigung.

Wer hat noch Devotionalien dieser beiden Veranstaltungen oder vielleicht auch einen Eimer Tschernobyl-Molke, die 1990 ihren Weg ins Emsland fand und Lingen einen satten, korrumpierenden  Bundeszuschuss bescherte, mit dem der Bau der Emslandhallen bezahlt wurden?

Oder hat jemand aus Wippingen im nördlichen Emsland noch einen Trecker, mit dem Mitte der 1970er Jahre kurzerhand ein Graben ausgehoben wurde, um die Bohrungen und Erkundung eines ersonnenen Salzstocks für ein Atommüll-Endlager zu verhindern. Das nämlicjh, lieber NDR, wäre absolut aktuell.

Und, liebe Redakteure:
Bei uns an Ems und Vechte gab es seit den 1970er Jahren vor allem den heftigen Einsatz  gegen den Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range. Den Kampf für den Stopp dieses, die AnwohnerInnen mit unsäglichem, fast täglichem Lärm terrorisierenden, nie genehmigten militärischen Versuchsfelds, verloren die betroffenen Kommunen. Die höher bezahlte richterliche Einsicht beerdigte ihre Klage Ende des letzten Jahrzehnts mit einem zweifelhafte „Ist-verjährt“-Ausspruch auf ziemlich arrogante Weise.

Der vielfältige Kampf der betroffenen BürgerInnen aus Klausheide und Umland und die anderen Punkte sind es wahrlich wert, über sie in 75 Jahre Niedersachsen zu berichten. Und da ist der Transrapid-Irrtum noch nicht einmal erwähnt…