11. Gebot

12. April 2021

Die 10 Gebote kennt jede/r. Jetzt gibt es von mir das 11. Gebot hinzu. Es lautet „Du sollst nicht sögeln!“

Der Anlass:  Um Corona-Probleme für den Schlachthof zu verhindern, kontrolliert jetzt im emsländischen  Sögel nämlich der private Sicherheitsdienst des Tönnies-Schlachthofs Weidemark die dort Beschäftigten auch außerhalb des Werksgeländes. Die Gewerkschaft NGG ist entsetzt und das darf und muss man auch sein – selbst wenn die emsländische Gemeinde Sögel bereits seit Jahren öffentliche Sicherheitsaufgaben lokalen Privatpolizisten anvertraut hat. Zur Erinnerung: Sögel ist diejenige emsländische Gemeinde, in der unlängst Bürgermeister Günter Wigbers (CDU) eine Immobilie erworben hat, um sie dann persönlich an die eigene Verwaltung für eine neue Kita zu vermieten. Für diesen, übrigens nicht durch Privatpolizei entdeckten Filz hat er sich inzwischen entschuldigt. 

Schon im vergangenen Herbst hatten die Verantwortlichen mit Zustimmung von Landrat Marc Andre Burgdorf (CDU) die sog. „Arbeitsquarantäne“ eingeführt. Danach durften sich die ArbeiterInnen nur zwischen Arbeitsplatz und Wohnort bewegen und waren isoliert. Damit sollte ein Infektionsrisiko ausgeschlossen werden. Auf dieses sklavenhalterähnliche Prinzip hatten sich Weidemark-Eigentümer Tönnies und der Landkreis Emsland verständigt.  Landrat Burgdorf hatte unter dem Beifall der damaligen Sozialministerin Carola Reimann (SPD) erklärt: „Infektionsschutz steht über allem.“

Sechs Monate später gibt es aktuell schon wieder „vermehrt“ Corona-Infektionen im Sögeler Schlachthof. „Wir werden genau beobachten, wie sich das Infektionsgeschehen hier entwickelt. Eine Arbeitsquarantäne wie im letzten Oktober lehnen wir ab, da die Sicherheit und Gesundheit der Betroffenen an oberster Stelle stehen“, kommentierte am Wochenende Silke Helbich von der Sögeler SPD, die sich für die Arbeitnehmer bei Weidemark einsetzt. “Was bei Weidemark und auch in anderen Schlachthöfen bislang passiert, ist moderne Sklaverei. Dieses System muss abgeschafft werden“, fordert Silke Helbich. Die Sögelerin will für die SPD in den Bundestag und Gitta Connemann (CDU) den Wahlkreis Unterems abnehmen.

NGG Gewerkschafts-Chef Matthias Brümmer sieht das genauso: „Sollte der Landkreis Emsland wieder eine Arbeitsquarantäne anordnen, werden wir dagegen vorgehen.“

Die Samtgemeinde Sögel findet die neue Überwachungsidee offenbar völlig in Ordnung. Es handele sich um „Kontrollfahrten auf dem Marktplatz, vor Einkaufszentren und vor der Post“.

Unbegreiflich ist: Die Polizei begrüßt die verfassungswidrige „Unterstützung“ durch den Sicherheitsdienst des Schlachthofes. Die Maßnahme sei „mit der Samtgemeinde Sögel abgesprochen“, erklärte eine Polizeisprecherin dem NDR. Entscheidend soll, so die Beamtin, sein, dass die Mitarbeitenden des Sicherheitsdienstes die Landessprache der osteuropäischen Schlachthof-Beschäftigten sprechen und diese daher besser auf Verstöße gegen die Corona-Regeln hinweisen könnten. Wenn es aber um Ordnungswidrigkeiten gehe, sei weiter die Polizei zuständig. Immerhin, möchte man rufen, um gleich zu wissen, dass das natürlich falsch ist. Für Bußgeldverfahren reichen Zeugenaussagen.

Natürlich überhaupt nicht mit den Kontrollanordnungen einverstanden ist dagegen die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die Kontrollfahrten seien „eine Katastrophe“, sagte NGG-Sprecher Matthias Brümmer. Es könne nicht angehen, dass Mitarbeitende eines Schlachthof-Sicherheitsdienstes von Kommune und Polizei als Hilfssheriffs eingesetzt würden. Brümmer sieht die Gefahr, dass die Schlachthof-Beschäftigten durch die Kontrollen stigmatisiert werden könnten und ihnen der „Schwarze Peter“ für die Corona-Infektionen zugeschoben wird. Er fordert stattdessen, die Wohnsituation der Osteuropäer zu verbessern, da sich die Infektionen in den Sammelunterkünften schnell ausbreiten würden. Recht hat er, der Gewerkschafter.

(Foto Blaue Schafe, keine schwarzen in Sögel; via Facebook CC s. Archiv 27.12.11; Quelle: NDR, NGG)

Der Wasserverband Lingener Land will mehr Wasser fördern, um den steigenden Bedarf zu decken. Gegen entsprechende Pumpversuche regt sich aber Widerstand – aus Angst vor Gebäudeschäden. Jetzt klagt die reformierte Landeskirche gegen die Pumpversuche im Raum Lengerich. (Emsland)

Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, will der Verband aufrüsten, weil der Verbrauch in dem Einzugsgebiet in vergangenen drei Jahren um 11 Prozent gestiegen ist. Dies entspricht fast 800.000 Kubikmeter Wasser. Bis zu anderthalb Millionen Liter Wasser sollen bei den Versuchen pro Jahr gefördert werden. Die Landeskirche hat vor dem Verwaltungsgericht Osnabrück Klage eingereicht.

Die Kirche fürchtet Schäden am Fundament des evangelisch reformierten Gotteshauses in Lengerich. Es ist mehr als 1.000 Jahre alt und damit eines der ältesten Kirchengebäude im Emsland. Seit vergangenem Jahr bröckelt Putz von der Nordwand des Bauwerks. Die Pastorin Frauke Schäfer sieht einen Zusammenhang mit den Pumpversuchen. Offenbar senkten sich die Fundamente. „Unsere Befürchtung ist, dass unsere schöne, alte, historisch wertvolle Kirche Schaden nimmt“, so die Pastorin.

Auch Anwohner schauen mit Sorge auf die Arbeiten. So lässt Josef Mönster derzeit durch eine Fachfirma messen, ob die Holzständer seines Hauses aus dem 19. Jahrhundert absacken. Zudem prüft Mönster den Grundwasserstand: „Wir haben dort vor dem Haus eine eigene Messstelle seit über einem Jahr und haben dort festgestellt, dass der Wasserstand seit Beginn der Pumpversuche um 1,88 Meter gefallen ist.“ Mönster hat eine Petition gestartet. (mehr…)

Reinhold Gels vom Wasserverband Lingener Land betont, dass die Sachverständigen die denkmalgeschützten Gebäude genau im Blick hätten. „Was wir jetzt machen, sind im Prinzip Vorerkundungen, die auch unbedingt notwendig sind, um hier die Wasserversorgung sicherzustellen.“ Ein Verhandlungstermin am Verwaltungsgericht Osnabrück steht noch nicht fest. Genehmigungsbehörde des Pumpversuchs ist der Landkreis Emsland.

Buren-Skandal

23. März 2021

Das Emslandmuseum berichtet just in seinem Blog über den Buren-Skandal vor drei Jahren und hat herausgefunden, dass der Skandal kein Skandal war. Eine wunderbare Emslandgeschichte:

Mit großem Widerhall in Presse und Medien wurde 2018 das große Ortsjubliäum „1200 Jahre Emsbüren“ kurzerhand abgesagt, weil sich die entsprechende Urkunde zum Jahr 819 als Fälschung des 10. Jahrhunderts herausgestellt hatte. Das hatten die Historiker zwar schon Jahre vorher herausgefunden, aber nun hatte es sich auch bis Emsbüren herumgesprochen.

Noch bevor man die Hintergründe dieser Fälschung auf sachlicher Ebene erst einmal diskutiert hatte – eine gefälschte Urkunde enthält in der Regel auch viele zutreffende Informationen, sonst wäre sie ja nicht glaubwürdig – fürchtete die Emsbürener Geistlichkeit um ihre eigene Glaubwürdigkeit beim Jubiläum und wandte sich in ihren Gewissensnöten an die vorgesetzte Dienststelle der Diözese, die sich mit solcherlei Anfragen wohl auch nicht jede Woche beschäftigt.

In erstaunlicher Geschwindigkeit kamen dabei Historiker des Bistumsarchivs in Osnabrück, die bislang nicht unbedingt durch Forschungen zum Mittelalter in Erscheinung getreten waren, zu dem aus kirchlicher Sicht – wen wunderts – unanfechtbaren Urteil, dass man auf Grundlage einer gefälschten Urkunde keinen echten Geburtstag feiern dürfe. Kirche ist ja bekanntermaßen stets um Wahrheit und Transparenz bemüht. Etwas erstaunt ist man da schon, denn wenn der Grundsatz, dass Dinge aus der Vergangenheit, für die man keinen urkundlichen Nachweis besitzt, nicht gefeiert werden dürfen, dann dürfte ja gerade in der katholischen Kirche, wenn man’s zu Ende denkt, so manches nicht gefeiert werde. In Emsbüren hielt man sich jedenfalls an die Ansage aus Osnabrück zur Absage des Jubiläums.

Unrecht – wie der namhafte Mittelalter-Historiker Prof. Dr. Manfred Balzer jetzt in einem umfangreichen Beitrag in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Nordmünsterland“ (Bd. 8, 2021) erläutert.

Balzer kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass der im Mittelpunkt der gefälschten Urkunde von 819 stehende Abt Castus in Visbek identisch ist mit jenem Castus oder Gerbert, der als Schüler und Weggefährte des Heiligen Ludgerus schon lange bekannt ist. Auf breiter Quellenbasis stellt Balzer heraus, dass die in der Falschurkunde von 819 genannten Orte sehr wohl als Freren und Emsbüren identifiziert werden können und dass auch absolut wahrscheinlich ist, dass diese Orte um das Jahr 820 schon existierten und über eine Kirche verfügten.

Hat er oder hat er nicht ? – Ludgerus als Gründer der Kirche in Emsbüren am dortigen Kirchenportal

Im Verlauf seiner Darstellung kommt Balzer zu dem Ergebnis, dass der Diakon Castus zur Sippe des heidnischen Sachsenherzogs Widukind gehörte. Sein Familienzweig verfügte über erhebliche Besitzungen im heutigen Oldenburger Münsterland, im Osnabrücker Nordland sowie auch im Südlichen Emsland. Castus stiftete seinen Erbteil, das waren vor allem Bauernhöfe, zum einen für das Kloster Werden, das sein Lehrer Ludgerus gegründet hatte, und zum anderen für ein von ihm selber gegründetes kleines Kloster in Visbek, das später samt allem Zubehör in den Besitz des Klosters Corvey an der Weser gelangte.

Zu diesen Stiftungen des Castus gehörten auch zahlreiche Höfe und die Zehnteinnahmen in Freren, die später an Corvey fielen, sowie Höfe in Schale, die das Kloster Werden erhielt. In Schapen richtete dieses Kloster schon im 9. Jahrhundert einen Haupthof ein, der die zahlreichen Einnahmen der Mönche aus der Umgebung sammelte, und errichtete dort schon früh eine Kirche unter dem Patronat des Heiligen Ludgerus.

Emsbüren hat durch den vermeintlichen Skandal um die gefälschte Urkunde nicht nur sehr viel Staub aufgewirbelt, sondern sehenden Auges ein wichtiges Ortsjubiläum verstreichen lassen.

Die Herren vom Bistumsarchiv empfahlen seinerzeit ersatzweise ein Jubiläum zum Jahr 1181 – damals wurde die Pfarrei Emsbüren zum ersten Mal erwähnt. Das Jubiläum wäre dann 2081. Bis dahin ist ja noch Zeit und wer weiß denn, ob es in der Zwischenzeit bezüglich der Echtheit dieser Quelle nicht noch zu neuen Erkenntnissen kommt. Oder zu einem neuen Sturm im Wasserglas.


Quelle und Fotos: Emslandmuseum Lingen;  Literaturhinweis: Manfred Balzer: Abt Castus von Visbek. In: Nordmünsterland. Forschungen und Funde. Bd. 8, 2021.

Das Rotkehlchen ist Deutschlands erster öffentlich gewählter Vogel des Jahres. Es hat mit 59.267 Stimmen vor Rauchschwalbe und Kiebitz das Rennen um den Titel gemacht. Insgesamt über 455.000 Menschen beteiligten sich an der Wahl. Das Rotkehlchen trägt nun zum zweiten Mal den Titel. Seit dem 18. Januar hatten bei der Aktion des NABU insgesamt mehr als 325.000 Menschen abgestimmt.

„Wir freuen uns über diese überwältigende Wahlbeteiligung, da das Interesse an der heimischen Vogelwelt so groß ist, stellen wir auch in Zukunft den Vogel des Jahres öffentlich zur Wahl.“, erklärt NABU-Geschäftsführer Leif Miller. Allerdings wird künftig „ein Fachgremium des NABU“ fünf Kandidaten bestimmen, aus denen dann der Vogel des Jahres öffentlich gewählt wird. Die erste Wahl nach diesem neuen Modus soll bereits von Oktober bis Mitte November stattfinden.

Auch NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann: „Das Rotkehlchen ist einer der bekanntesten und beliebtesten Vögel Deutschlands.“, so Lachmann. Der zarte und doch stimmgewaltige Sympathieträger kann ganzjährig beobachtet werden. Mit seiner orangeroten Brust und seiner zutraulichen Art ist er besonders leicht zu erkennen und fast überall in Wäldern, Parks und Siedlungen zu Hause.

Das Rotkehlchen hat im Wahlkampf mit dem Slogan „Mehr Gartenvielfalt“ für sich und vogelfreundliche Gärten geworben. So stellte sich das Rotkehlchen sich in seinem „Wahlprogramm“ vor:

Ob im Wald oder im Garten: Ich mag’s gern unordentlich. Unter Laub und Zweigen finde ich mein Futter und liebe es, mich im Gestrüpp zu verstecken. Dabei bin ich gar nicht scheu. Ich komm gern näher, wenn ihr eure Beete umgrabt. Schließlich fällt dabei manchmal was für mich ab. Wählt mich, wenn ihr Vielfalt im Garten liebt!

In Deutschland leben 3,4 bis 4,3 Millionen Brutpaare, der Bestand ist derzeit nicht gefährdet. Das Rotkehlchen trägt den Titel übrigens bereits zum zweiten Mal: Schon 1992 war der bekannte Gartenvogel Vogel des Jahres.

Vorläufiges Endergebnis der Wahl:
1. Rotkehlchen (17,4 Prozent, 59.338 Stimmen)
2. Rauchschwalbe (15,3 Prozent, 52.410 Stimmen)
3. Kiebitz (12,6 Prozent, 43.227 Stimmen)
4. Feldlerche (11,9 Prozent, 40.523 Stimmen)
5. Stadttaube (9,2 Prozent, 31.453 Stimmen)
6. Haussperling (8,2 Prozent, 28.137 Stimmen)
7. Goldregenpfeifer (6,7 Prozent, 23.054 Stimmen)
8. Blaumeise (6,7 Prozent, 22.908 Stimmen)
9. Eisvogel (6,6 Prozent, 22.711 Stimmen)
10. Amsel (5,3 Prozent, 17.988 Stimmen)

Auf Platz 307 und damit auf dem letztem Platz, so las ich, landete übrigens der Sumpfläufer. (mehr…)


(Foto: Rotkehlchen,  von Susann Mielke auf Pixabay)

differenzieren

15. März 2021

Die Corona-Infektionslage in Niedersachsen hat sich erneut verschärft. Neun Landkreise und kreisfreie Städte erreichten am Sonntag eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 100. Darunter ist nun auch das Emsland. Insbesondere im nördlichen Teil des Emslands sind nämlich die Corona-Inzidenzen sehr stark angestiegen, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Stadt Papenburg sticht dabei heraus: Bereits am Freitag wurde dort die kreisweit höchste Inzidenz von 207,6 erfasst.

Nach Angaben der Kreisverwaltung gibt es Ausbrüche in größeren Unternehmen – bei der Papenburger Meyer Werft sowie -wer hätte das gedacht- erneut im Schlachthof Weidemark im 30km entfernten Sögel.

Beides ist von unserer Stadt Lingen weit entfernt: 70 km sind es bis Papenburg und 43 km nach Sögel.  Die Vorstellung, wegen des vor 45 Jahren von CDU-Leuten ersonnenen, flächengrößten Landkreis jetzt wieder in den Lockdown zu müssen, weil so weit entfernt die Inzidenzen knallen, finde ich ziemlich unerträglich. Das liegt aber nicht nur an dem in der alten Bundesrepublik flächenmäßig größten Landkreis Emsland, der 1977 aus drei Landkreisen zusammengschnitten wurde , sondern auch an der Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen. Sie nämlich schert jeden Landkreis nur über einen Kamm. Aber weshalb sollen ggf die Menschen in Lingen in den Lockdown gehen, wenn 70 Kilometer entfernt die Inzidenzen das erfordern? Das hat mir noch niemand erklärten können.

Es braucht dringend die Möglichkeit, dass der Lockdown auf diejenigen Teile dieses Landkreises beschränkt wird, in denen dies nötig ist. Das ist gegenwärtig der „Nordkreis“, was sich aber angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens auch schnell ändern kann. Die Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen ist aktuell wieder auf 32 Seiten aufgebläht, da wäre sicher noch Platz für einen kurzen Absatz, dass man auch innerhalb eines Landkreises notwendige Einschränkungen nach Gemeinden differenzieren kann.

Brachvogelprojekt

10. März 2021

Er ist ein Charaktervogel der Grafschaft Bentheim – der Brachvogel. Früher ein weit verbreiteter Brutvogel im Nordwestdeutschen Tiefland, schrumpft seine Zahl von Jahr zu Jahr. Die Grafschaft Bentheim ist daher ein wichtiger Lebensraum für die vom Aussterben bedrohten Schnepfenvögel und auch einige Landwirte setzen sich bereits mit großem Engagement für den Schutz der auf ihren Flächen lebenden Vögel ein. Im Rahmen eines Niedersächsischen Forschungsprojektes sollen nun Brachvögel mit Sendern ausgestattet werden, um die Lebensweise weiter zu erforschen und damit den Schutz der Tiere in ihrem Lebensraum zu verbessern.

Der Tierpark Nordhorn bemüht sich als regionales Arten- und Naturschutzzentrum mit verschiedenen Projektpartnern bereits seit vielen Jahren um die Rettung dieser interessanten Vögel. „Wir wollen und an dem Forschungsprojekt beteiligen und suchen nun konkret Unterstützer für die Erforschung der Lebensweise unserer Grafschafter Vögel,“ so Zootierärztin und Kuratorin Dr. Heike Weber. „Um mehr Vögel retten zu können, müssen wir mehr über ihr Verhalten lernen!“

Als regionales Arten- und Naturschutzzentrum ist der Tierpark Nordhorn Anlaufstelle für die Aufzucht von verwaisten Brachvogelgelegen. Über 120 junge Brachvögel wurden durch die Mitarbeiter des Tierparks in den letzten Jahren so bereits aufgezogen. Sobald sie alt genug sind, werden die Vögel beringt und in der Region ausgewildert. Ziel ist es nun einen Teil dieser Jungvögel mit Sendern ausstatten, um so zukünftig mehr über den Vogelzug und die Vogelbewegungen zu erfahren. Nur wenn man mehr über das Verhalten und die Ansprüche der Vögel weiß, können Maßnahmen zum besseren Schutz und langfristigen Überleben der Vögel entwickelt werden.

Hier setzt das aktuelle Forschungsprojekt an, denn mit den entsprechenden Sendern können die Vögel präzise verfolgt und so viele Erkenntnisse über die Lebensweise gewonnen werden. Neben den Jungvögeln im Tierpark werden weitere Vögel durch die verschiedenen Projektpartner des Forschungsvorhabens besendert, um so eine größere Anzahl an Tieren verfolgen zu können. Da dies in der Regel Altvögel sind, kann der Tierpark mit seiner Jungvogelaufzucht eine weitere wertvolle Untersuchungsgruppe beisteuern.

„Leider hat uns Corona einen großen Strich durch die Pläne gemacht! Ein halbes Jahr ohne Besuchereinnahmen schränkt unsere Möglichkeiten leider sehr ein,“ so Heike Weber. Rund 1.500 Euro kostet ein Sender, da er eine sehr spezielle Anfertigung ist, um die Vögel nicht zu stören. Ziel ist es mindestens fünf junge Brachvögel mit Sendern auszustatten, um verwertbare Ergebnisse zu erzielen.

„Alle Spenden sammeln wir eigentlich für unser große Zukunftsprojekt, den Neubau der Leopardenanlage!“ so Weber. „Da wir aber bald mit ersten Jungvögeln rechnen, die besendert werden sollen, suchen wir auch für dieses Projekt finanzielle Unterstützer! Eine Firma hat bereits die Kostenübernahme von zwei Sendern zugesagt,“ freut sich die Zootierärztin.

Auf der Webseite des Tierparks ist eine eigene Rubrik eingerichtet, in der regelmäßig unter www.tierpark-nordhorn.de/brachvogelschutzprojekt-tierpark-nordhorn/ über den Fortgang des Brachvogelprojektes berichtet werden soll.

Wer dieses Projekt mit einer Spende oder gar der Übernahme eines kompletten Senders unterstützen möchte, kann dies auf folgende Weise tun:

Spendenkonto.
KSK Nordhorn, IBAN: DE54 2675 0001 0000 3434 34, BIC: NOLADE21NOH oder direkt im Onlineshop des Tierparks unter https://shop.tierpark-nordhorn.de/Spende-Vogelsender/10317.

(Foto: Gunnar Ries CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported).

Aktiv werden

6. März 2021

Heute (m)ein kleines Crossposting von der Blogseite „Die Bürgernahen“

Der Fraktionsvorsitzende der unahängigen Wählergemeinschaft „Die BürgerNahen“ (BN) im Lingener Stadtrat Robert Koop nannte am Freitag drei konkrete Forderungen der BN-Ratsmitglieder:

„Die Beschlüsse der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten des Bundesländer lockern die Corona-Beschränkungen. Sie knüpfen an die Inzidenzzahlen an, die aber im nördlichen und südlichen Emsland weiterhin stark auseinanderfallen. Nach unseren Berechnungen lag beispielsweise der 7-Tage-Inzidenzwert am Donnerstag in Lingen bei rund 45, aber in anderen Bereich des Landkreises deutlich höher.

+++ Wir wiederholen daher unsere dringende Aufforderung an den Landkreis und das Land Niedersachsen, den flächenmäßig bei weitem größten Landkreis des Landes nicht über einen Kamm zu scheren, sondern endlich regionale Differenzierungen zu ermöglichen. Die Ablehnung dieses Vorschlags durch Landrat Burgdorf (CDU) benachteiligt grundlos die Menschen in der Stadt Lingen.

+++ Mit Blick auf die Zulassung von Freizeitsport für Kinder und Jugendlichedurch die Beschlüsse vom Mittwoch fordern wir, dass die Stadt Lingen allen Sportvereinen unverzüglich eine ausreichende Zahl von Schnelltests zur Verfügung stellt, die grundsätzlich vor jedem Training bei jedem jungen Sporttreibenden einen Test ermöglichen. Wir haben einen entsprechenden Antrag für den in der kommenden Woche tagenden Verwaltungsausschuss gestellt. Wir fordern die CDU auf, ihren sehr allgemeinen Corona-Worten, mehr für die Kinder „zum Beispiel aus dem sportlichen Bereich“ zu tun, jetzt auch Taten folgen zu lassen. Bekanntlich hat die CDU-Ratsmehrheit den Antrag der BürgerNahen abgelehnt, Raumlüfter für die Schulen anzuschaffen – für die BürgerNahen völlig unverständlich. Wir hoffen, dass jedenfalls die Schnelltests für die Sportvereine unverzüglich gekauft und dann eingesetzt werden. Die fachkundigen Betreuer/innen und Trainer/innen in den Sportvereinen sind in der Lage, die inzwischen problemlosen Tests durchzuführen. Die Testungen dienen uneingeschränkt der Sicherheit – nicht nur der Sicherheit der Sport treibenden Kinder und Jugendlichen.

+++ Wir mahnen außerdem an, die EDV-Betreuung für die Schulen dringend zu verbessern: Der Rat hat dazu vor mehr als einem Monat die notwendigen Beschlüsse gefasst. Wir BürgerNahen haben dabei durchgesetzt, lokale Unternehmen mit der EDV-Betreuung der städtischen Schulen unverzüglich zu beauftragen. Bisher ist unseres Wissens das noch nicht umgesetzt worden. Die Tätigkeit der Stadtverwaltung in diesem Punkt ist einfach zu langsam.“

Emlichheim

24. Februar 2021

Tobias Schwartz ist am Rand von Niedersachsen aufgewachsen, kurz vor der niederländischen Grenze. Zwei Romane hat der Wahlberliner bisher dort angesiedelt. Dabei schreibt er nicht autobiografisch: Seine Geschichten sind in der Provinz beheimatet und gehen doch weit über sie hinaus. Die Provinz ist Emlichheim in der Niedergrafschaft Bentheim. Emlichheim: kaum ein Ort in Deutschland, der weiter von einer Großstadt entfernt wäre; kaum ein Ort in Deutschland, an dem Einheimische und Flüchtlinge deutlicher spüren könnten, dass es nur eine gemeinsame Geschichte gibt. In einer durch Torfbau und Gasförderung geprägten niedersächsischen Landschaft gelegen – die der Legende nach entstanden war, weil Napoleon seinen Daumen aufs Lineal gehalten hatte, als er die Grenze in seine Feldkarte einzeichnete -, kennzeichnen vier Kirchen unterschiedlicher Konfessionen das Dorf.

Wo das Auge hinreicht: Kartoffeln. Irgendwo am Horizont die größte Kartoffelstärkefabrik Europas. Dazwischen Pumpen, die Erdöl aus der Tiefe des sandigen Bodens fördern. In diese Gegend, Emlichheim in der Grafschaft Bentheim, kehrt der Kinderarzt David zurück: „Nordwestwärts“, der 2019 erschienene erste Teil der Emlichheim-Reihe von Tobias Schwartz, erzählt einen Tag dieser zeitweiligen Rückkehr.

David fährt morgens mit dem Zug quer durch Deutschland, um abends ein Konzert zu geben, mit seiner Tante. Dabei bietet seine Reise nach und durch Emlichheim eine Resonanzfläche für Erinnerungen: an seine Jugendliebe Grete vor allem, die hochschwanger ist, die Geburt steht kurz bevor. Sein Kind könne es nicht sein, denkt David, das hätte Grete ihm doch gesagt.

Die Geschichte ist multiperspektivisch erzählt, geht auch mal zurück zu Kindheitserlebnissen von David und Grete oder gar ans Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Buch wechselt rapide zwischen insgesamt rund 20 Perspektiven, manchmal gibt die jeweilige Sicht nur einen Satz her, bevor schon wieder gesprungen wird. Für Textstellen in Platt gibt es dankenswerterweise Fußnoten mit Übersetzungen ins Hochdeutsche. Obwohl Emlichheim aufgrund dieses vielstimmigen Formats so etwas wie der heimliche Star von „Nordwestwärts“ ist, liefert den roten Faden die Frage der Vaterschaft. Die Geschichte von Davids Familie und die Geschichte der Region scheinen unauflöslich verbunden mit diesem Tag, mit der Frage, die David die ganze Länge des Buches vor sich herschiebt: Ist er Vater – und will er einer sein? Ganz zu Anfang träumt er von einem Schwanenei, „und plötzlich übermannte ihn im Schlaf die traumhafte Gewissheit: Grete … hatte dieses Ei gelegt“. Schon hier wird also die Thematik geöffnet, die David aber lange verschlossen bleibt.

Schwartz, Jahrgang 1976, ist wie sein Protagonist in Emlichheim aufgewachsen. Trotz der vielen Sprünge zwischen Jetzt und Damals, zwischen zentralen und Nebenfiguren, behält er stets die Kontrolle über die Erzählung. Dabei schreibt er klar und präzise – nicht nur in den Dialogen. Die sind vielerorts gelobt worden, und das gern unter Hinweis aufs Theater, für das Schwartz schon viel geschrieben hat.

Für ihn…“

[weiter bei der taz]


Tobias Schwartz:
„Nordwestwärts“, 2019, 264 S., 22 Euro; ISBN-13 : 978-3961600069
„Vogelpark“, 2020, 192 S., 22 Euro; ISBN-13 : 978-3961600311

beide Elfenbein-Verlag Berlin.
Erhältlich in der lokalen Buchhandlung Ihres Vertrauens.

17 Wanderwege

21. Februar 2021

17 Wanderwege, pardon 17 „coronakonforme Wanderwege“  im ganzen Emsland präsentieren die Lingener Tagespost und die anderen beiden Emslandausgaben der NOZ gerade: „Wir haben die Wanderschuhe angezogen, die Videoausrüstung geschultert und uns mit Bernward Rusche getroffen, Wanderexperte des Naturschutzbundes (Nabu) Emsland Süd, schreiben die Lokalzeitungen. Das Ergebnis ist eine Sammlung von attraktiven Wanderungen und Spazierrouten in Text, Bild und Video.

„Los geht es mit unserem Spaziergang durch den Lohner Sand in Lingen-Schepsdorf. Bernward Rusche teilt sein Wissen über den Naturerlebnispfad mit uns, denn der ehemalige Truppenübungsplatz der Bundeswehr beherbergt allerhand Überraschungen für Naturfreunde.“

Ausgangspunkt: Parken rechts an der K34 (Straße von Schepsdorf nach Nordlohne) beim Abzweig nach Rheitlage am Waldrand.

Die Spaziergänger queren die Straße und gehen vor der Holzhütte rechts in den Wald. Sie kommen dann auf der Freifläche an die Station 8 des Naturlehrpfades (Ziegenmelker). Dann den Pfad über die Stationen 9 bis 12 folgen bis zum Aussichtsturm und von dort geht es zur Station 1 (Übersicht und Zeitreise). Schließlich geht es dann an Station 2 vorbei zurück zum Ausgangspunkt. Das sind etwa 3 Kilometer und wer möchte, kann den Weg über das südlich gelegene Dünengebiet gerne „ausweiten“ oder bei Station 1 einen Abstecher zum Bienenstand machen.

Übrigens: Wer beim Vogelquiz auf Anhieb alles richtig gemacht hat, bekommt vom Nabu einen schönen Aufkleber…“

Für Mehr bitte den Tweet anklicken:

 

 

Grüner Radiopunkt

16. Februar 2021

Vorgestern war „World Radio Day“ und dazu fand ich dieses wunderbare Internetding. Jede Radiostation ist ein grüner Punkt, den man anklicken und dann hören kann. Mit dabei: Die Ems-Vechte-Welle in unserer Stadt. Geht mal auf die Klicktour.