Schocktherapie

4. Mai 2021

Irgendwo in fernen Landen -so hab ich es vor ein paar Tagen im TV gesehen- mussten junge Männer, die gegen die Ausgangssperre verstoßen hatten, auf offener Straße Kniebeugen machen. Die Polizei hatte ihnen das befohlen.  In Hessen nun haben Polizisten an einer Unfallstelle auf der A3 einen unbeteiligten Mann aus dem Auto gezogen, ihn zur Unfallstelle geführt und ihm einen Unfalltoten gezeigt. Die Beamten gingen wohl davon aus, dass der Betreffende den Unfallort im Vorbeifahren mit seinem Handy gefilmt hat – was nicht erlaubt ist.

Von dem Vorfall gibt es Videos, unter anderem auf der Seite der hessenschau. Diese spricht von einer „Gaffer-Lektion“; in Boulevardmedien und auf Facebook wird die Aktion deutlich robuster abgefeiert.

Eine offizielle Stellungnahme der Polizei gibt es wohl noch nicht. Ich kann mir auch vorstellen, warum. Denn juristisch ist die Schocktherapie nicht zu rechtfertigen. Selbstverständlich konnten die Beamten den Betroffenen anhalten, seine Personalien notieren und gegen ihn ein Verfahren einleiten. An dessen Ende wird dann womöglich ein Bußgeld oder eine Geldstrafe stehen. Eine Rechtsgrundlage, dem Mann eine Leiche zu präsentieren, kann ich leider nicht finden. Das Handeln der Polizisten ist schlicht rechtswidrig.

Was passiert überdies, wenn sich die offenkundigen Risiken so einer Schocktherapie verwirklichen? An einer Unfallstelle aus dem Auto gezogen zu werden und Unfallopfer anschauen zu müssen, kann bei einem nicht darauf eingestellten Betroffenen physische und psychische Schäden hervorrufen. Dann ist es nicht mehr weit bis zur Körperverletzung, und zwar einer solchen im Amt (§ 340 StGB). Alles völlig unabhängig davon, ob der Betroffene aus dem Auto gefilmt hat. Man kann es nämlich drehen und wenden, auch für unsympathische Tatverdächtige gilt die Unschuldsvermutung, völlig unabhängig davon, als wie „wasserdicht“ die Beamten ihren Fall einschätzen.

Die Persönlichkeitsrechte der Unfallopfer und ihrer Angehörigen hätten ruhig auch eine Rolle spielen dürfen. Es mag durchaus Angehörige geben, die schon genug leiden und nun von dieser völlig unnötigen Zurschaustellung durch die Polizei ebenso wenig erbaut sind wie von irgendwelchen Creeps mit Cameraphones. Auch der mediale Rummel, in den die Angehörigen nun sehr direkt hineingezogen werden, fällt in den Verantwortungsbereich der Polizeibeamten.

Ein Beitrag des LawBlog/Udo Vetter

 

In einem Interview im Jahr 1969 beschrieb John Lennon die Zeit der Beatles  in Hamburg so: „Wir kamen als  Jungs und gingen als Männer. “ Übermorgen versteigert das Auktionshaus Bonhams in London zahlreiche Devotionalien aus der Hamburger Zeit der Beatles und erläutert deren Hintergründe:

The Beatles kamen 1960 nach Hamburg dank des Liverpooler Promoters Allan Williams, der sich mit Bruno Koschmider, dem Besitzer des Kaiserkeller-Nachtclubs und anderer Veranstaltungsorte an der Hamburger Reeperbahn zusammengetan hatte. Williams hatte mehrere Liverpooler Gruppen nach Hamburg geschickt, und Koschmider brauchte eine weitere, um in seinem neuen Club Indra zu spielen. Williams bot den Silver Beatles (wie sie damals genannt wurden) dazu die Möglichkeit. Es fehlte ihnen allerdings ein ständiger Schlagzeuger, aber nur zwei Tage vor ihrer Abreise nach Hamburg boten sie Pete Best den Job an. Am 15. August reisten die neu getauften Beatles mit ihrer gesamten Ausrüstung in Allan Williams Van nach Deutschland , wo sie  etwa 36 Stunden später in Hamburg ankamen. John Lennons Pass musste zuvor hastig beschafft werden. Er wurde am 15. August ausgestellt, wie aus mehreren der hier angebotenen Dokumente hervorgeht. Bruno Koschmider organisierte die amtlichen Arbeitserlaubnisse; diese Formalität hatte er offenbar übersehen. Sie wurden daher nach der Ankunft der Beatles in Hamburg beantragt.

Der Vertrag der Beatles mit Koschmider lief ursprünglich vom 17. August bis 16. Oktober 1960. Sie mussten an jedem Wochentag 4 1/2 Stunden und am Wochenende sechs Stunden spielen, ein ziemlich anstrengender Zeitplan. Der Vertrag wurde dann bis zum 31. Dezember verlängert. Ende November wurde George Harrison jedoch aufgefordert, Deutschland  zu verlassen, nachdem den Behörden klar geworden war, dass noch keine 18 Jahre alt war und nach deutschem Recht nach Mitternacht nicht mehr in einem Nachtclub arbeiten oder sich aufhalten durfte. Zunächst lebten Paul Mc Cartney und Pete Best in schmutzigen „Katakomben“, die Koschmider zur Verfügung stellte; das waren zwei winzige Räume direkt hinter der Leinwand eines kleinen Kinos, das er besaß, und um überhaupt in den innenliegenden Räumlichkeiten etwas Licht zu haben, schraubten die beiden Beatles eine Lampe an einen Wandbehang. Der schmorte dann etwas.

Sie packten schließlich ihre Sachen, um das Angebot eines Konkurrenz-Clubs, des Top Ten, anzunehmen, und verließen den schwelenden Wandteppich. Koschmider behauptete, dass die Beatles versucht hätten, das Kino in Brand zu setzen, und ging zur Polizei. Paul, Pete, John und der Bassist Stuart Sutcliffe wurden festgenommen und in Zellen gesteckt. Als klar war, dass John und Stuart unschuldig waren, durften sie gehen, aber Paul und Pete wurden am 1. Dezember mit dem Flugzeug nach London abgeschoben. John und Stuart erklärten am 6. Dezember bei der Ausländerpolizei, weshalb sie in Deutschland bleiben wollten

Unter John Lennons Erklärung befindet sich eine handschriftliche Notiz von Stuart Sutcliffe, die lautet: „Ich wurde informiert, dass ich in diesem Land nicht mehr arbeiten darf. Ich beabsichtige, ab sofort als Tourist bei Frau Kirchherr, Hamburg- Altona, Eimsbüttelerstr 45A, zu bleiben. Hamburg, 6. Dezember – Stuart Sutcliffe.“

„Frau Kirchherr“ war die Mutter der Hamburgerin Astrid Kirchherr, die Stuart zuvor kennengelernt und in die er sich verliebt hatte, und es war geplant, dass er bei ihrer Familie bleiben würde, um schließlich im Februar 1961 nach Liverpool zurückzukehren). Es scheint, dass Stuart den Straßennamen falsch geschrieben hat, der durchgestrichen und in deutscher Hand neu geschrieben wurde, wahrscheinlich vom anwesenden Polizisten.

Während Stuart in Hamburg blieb, verließ John am 7. Dezember die Stadt und gelangte in einer etwas mühsamen Reise mit verschiedenen Zügen und Fähre zurück nach Liverpool. Er reiste komplett mit seinem Equipment. In Liverpool kam er am 8. Dezember mitten in der Nacht an und kehrte zu seiner Tante Mimi nach Hause zurück. Dort musste er erst Steine ​​gegen ihr Schlafzimmerfenster werfen, um sie wissen zu lassen, dass er dort war.

Trotz der Probleme einiger Monate zuvor kehrten die Beatles nach Deutschland zurück, um im April 1961 drei Monate im Top Ten aufzutreten. Stuart war zuvor bereits nach Hamburg zurückgekehrt, um seine Romanze mit Astrid fortzusetzen und sich an der Hochschule für Kunst einzuschreiben. Er war ein vielversprechender Student, wurde dann aber krank und erlitt nach einer Reihe von immer stärkeren Kopfschmerzen am 10. April 1962 einen heftigen Krampfanfall, fiel ins Koma und starb einige Stunden später, wie es heißt, „in den Armen von Astrid“. Das war zwei Monate vor seinem 22. Geburtstag. Am selben Tag waren John, Paul und Pete zu einem neuen,siebenwöchigen Gig erneut in Hamburg angekommen, diesmal an einem neuen Veranstaltungsort, dem Star-Club.

Insgesamt unternahmen die Beatles zwischen 1960 und 1962 fünf Touren nach Hamburg. Mit ihren letzten Auftritten im Star-Club im Dezember 1962 brachten sie ihre Bühnenzeit in der Stadt auf rund 1.100 Stunden. Der Beatles-Historiker Mark Lewisohn fasst diese Erfahrung zusammen:

„Wie wertvoll die Auftritte in Hamburg waren, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand. Aber die Beatles hatten sozusagen ihre Ausbildung absolviert und es auf die harte Tour geschafft. Jetzt  waren sie bereit, alles anzunehmen, was die Welt ihnen bieten konnte.“

[Text und Foto: Bonhams. Brief von John Lennon an Astrid Kirchherr]

(Erläuterung zum BriefThe Beatles were all extremely fond of Astrid as this letter confirms. Especially following the tragic and early death of Stuart Sutcliffe, her fiancé and one of the Beatles founding members. The letter written six months following this, in what appears to be a reply to one John may have received from her. He writes in a direct and kind tone, in support of a young and grieving friend. Lennon refers to himself as John Winston in the letter and references Cynthia as ‚Cyn‘, his new wife, on numerous occasions. They both knew Astrid as he discusses how they are looking forward to seeing her soon. But he quickly states that he is not looking forward to being back in Hamburg.

The second page of the letter discusses Lennon’s upset that ‚Klaus‘, which we believe to be Voorman, was at that time not on speaking terms with Astrid. However this is not elaborated on in the letter. He simply hopes to reassure her that he will come around and that she is ok living her life as she wishes. On a more positive note he comments on her recent photography of the Liverpool band The Undertakers, for which Astrid had taken promotional images. He finishes the letter updating her on the current news and successes of the Beatles, showing some lack in confidence of their current record and predicting it not being as good as he would like, but that it is selling well. At this time they had just released „Love Me Do“ which went to No.17 in the UK charts, in contrast to its re-release in the USA two years later when it went straight to No.1.)

 

1. Mai

1. Mai 2021

Der Tag der Arbeit steht auch 2021 im Zeichen der Corona-Pandemie. Neben Aktionen vor Ort wird der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wie im vergangenen Jahr wieder einen Livestream zum 1. Mai senden. Denn eines ist in diesen Zeiten wichtiger denn je: Zeigen, dass die Gewerkschaften für die Menschen in diesem Land aktiv sind. Der DGB-Livestream zum 1. Mai 2021 „Solidarität ist Zukunft“ startet um 14 Uhr. Er wird auf der DGB-Internetseite und auch auf Facebook und Youtube übertragen.

„Neben Statements von Mitgliedern des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstands und von GewerkschafterInnen aus Deutschland und der Welt werfen wir einen Blick auf das, was die Gewerkschaften in der Corona-Krise geleistet haben. Außerdem gibt es wieder ein buntes Kulturprogramm mit Musik und Slam-Poetry. Unter anderem wird die Band um den IG BCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis einen neuen Song präsentieren.

Und wir haben jede Menge politische Inhalte und Talks: Gäste in Talkrunden sind unter anderem der Soziologe Heinz Bude, der ein Buch zum Thema Solidarität geschrieben hat, sowie die Chefredakteurin von EditionF Mareice Kaiser und Magdlena Rodl, Digital-Chefin bei Microsoft Deutschland, mit denen wir über das Thema Gleichstellung in Corona-Zeiten sprechen. Außerdem gibt es Talks mit amnesty international Deutschland, SchülerInnen, Azubis und Studierenden.“

Der Livestream beginnt am 1. Mai 2021 um 14 Uhr.

Die Künstlerinnen und Künstler im DGB-Livestream
Jonathan Zelter (Musiker)
Alexa Feser (Musikerin)
Ella Anschein (Slam-Poetin und Schauspielerin)
Misuk (Band)
Ami Warning (Musikerin)
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Hashtag zum 1. Mai 2021: #SolidaritätIstZukunft

Mick & Dave

13. April 2021

Mick Jagger: „I wanted to share this song that I wrote about eventually coming out of lockdown, with some much needed optimism – thank you to Dave Grohl for jumping on drums, bass and guitar, it was a lot of fun working with you on this – hope you all enjoy Eazy Sleazy !“

Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger hat ein Lied über den Corona-Lockdown mit Dave Grohl von den Foo Fighters gemacht.

Jagger singt und spielt Gitarre, Grohl spielt Schlagzeug, Bass und Gitarre und beide haben das Video zu „Eazy Sleazy“ heute auf youtube veröffentlicht. Inhaltlich geht es darin satirisch-kritisch um das Leben in der Pandemie – und um schrille Verschwörungstheorien. Der 77-jährige Jagger habe den Song während des Lockdowns geschrieben, teilte seine Plattenfirma mit. Der frühere Nirvana-Schlagzeuger Grohl meinte, es lasse sich kaum in Worte fassen, was die Aufnahme mit „Sir Mick“ für ihn bedeutet. „Das ist der Song des Sommers, ohne Zweifel“, fügte der 52-Jährige hinzu.

„Herzenzprojekt“

13. April 2021

Der bisher in erster Linie für seine herausragenden Fußball-Dokumentationen (u.a. Trainer, Tom meets Zizou, Being Mario Götze, Inside Borussia Dortmund) bekannte Bonner Filmemacher Aljoscha Pause hat kürzlich ein neues ‚Herzenzprojekt‘ beendet: Er bekommt seinen Themenabend auf 3sat.

Mit seiner Mini-Serie „Wie ein Fremder“ ging es für ihn einerseits wieder ‚back to the roots‘, denn diese Doku ist Independent von Kopf bis Fuß, wie einst sein Film „Tom meets Zizou“, wie Pause gegenüber dem Blog der Ruhrbarone kurz nach dem Erscheinen im Vorjahr betonte. Andererseits ging es damit für ihn als Filmemacher dabei eben auch auf zu ganz neuen Ufern: Denn Popmusik war, wenn er sich diesem in seiner Arbeit zuvor auch nicht widmete, ebenfalls schon lange ein echtes Herzensthema, für den 49-Jährigen. Weiterlesen →

(entdeckt bei Ruhrbarone)

mehr

21. März 2021

ps Das war der Guinness-Spot vom letzten Jahr…wie aus einer anderen Welt. Guinness kann man trotzdem auf dieses Jahr trinken, oder? Wenn man es denn bekommt

Stillleben

13. März 2021

Stillleben, März 2021

170

9. März 2021

Die Freien Demokraten im Lingener Stadtrat hat einen feinen Antrag in die Ratsgremium eingebracht.

Sport trägt bekanntlich, so steht es im Antrag,  in besonderem Maße zu einer inklusiven Gesellschaft bei. Hier setzen die Special Olympics World Games an. 2023 finden die nächsten Spiele in Berlin statt. Sie bieten die einmalige Chance, die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen überall in Deutschland zu stärken. Special Olympics ist seit Ende der 1960er Jahre eine globale Inklusionsbewegung. Sie unterstützt Menschen mit geistiger Behinderung nicht nur durch den Sport, sondern auch durch weltweite Gesundheits-, Bildungs- und Qualifizierungsprogramme, auf dem Weg zu mehr Anerkennung und Selbstvertretung. Special Olympics, das steht für gesellschaftliche Teilhabe und gegen Diskriminierung!  9 Tage werden in zwei Jahren  Menschen verschiedener Nationen, Kulturen, politischer Anschauungen und Religionen zu den Special Olympics World Games zusammenkommen. Es wird die weltweit größte inklusivn Sportveranstaltung sein.

Dabei steht das Sporttreiben von Menschen mit geistiger Behinderung untereinander und zusammen in Unified Teams im Vordergrund. Neun Tage fesselnde und inspirierende Wettbewerbe zwischen tausenden Athletinnen und Athleten.

Das „Host Town“-Programm „170 Nationen – 170 inklusive Kommunen“ ergänzt die Spiele. Es bringt den Gedanken der Spiele in die Kommunen unseres Landes. Ziel ist es, schreibt FDP-Mann Jens Beeck im Antrag an den Stadtrat, Menschen zusammenzubringen und zu Bewegung zu animieren. Zudem sollen inklusive Strukturen und Netzwerke in den gastgebenden Kommunen gestärkt werden. Ein wichtiger Teil des Programms sind dabei die Besuche von internationalen Delegationen, die vom 11. bis zum 14. Juni 2023 – 4 Tage vor dem Beginn der Spiele in Berlin – in die teilnehmenden Kommunen reisen, um gemeinsam ein Zeichen des offenen und respektvollen Miteinanders zu setzen. Die Bewerbung steht ausschließlich Kommunen offen und ist noch bis zum 31. Oktober 2021 möglich.

Der Rat der Stadt Lingen (Ems) soll (und wird nach meiner festen Überzeugung) nach dem Willen der kleinen FDP-Fraktion die Initiative „170 Nationen – 170 inklusive Kommunen“ befürworten. Im Vorfeld der Special Olympics World Games 2023 der Geist und die Faszination der Special Olympics World Games in ganz Deutschland erlebbar werden lässt. Der Rat wird den Oberbürgermeister beauftragen, die Teilnahme am Host Town Program „170 Nationen – 170 inklusive Kommunen“ der Special Olympics World Games 2023 „zu prüfen und die Bewerbung hierfür bis spätestens 31. Oktober 2021 vorzunehmen“.

Rockpalast

22. Februar 2021

Eben entdeckt: Dire Straits, Rockpalast 1979.

Wer übrigens heute nicht zuhören kann, hat etwas Zeit. Der Mitschnitt ist bis zum 31.12.2099 online. Wenn alles glatt geht, ist dann mein ältester Enkel 83, also im besten Alter. Enjoy it und danke an den WDR.