Hemmschwelle

14. Januar 2023

An einigen Osnabrücker Schulen ist ein vor gut einem Jahr beschlossenes Experiment gescheitert. Dort wird es deshalb in Zukunft keine kostenlosen Menstruationsartikel mehr auf den Toiletten geben. An einigen Osnabrücker Schulen ist ein vor gut einem Jahr beschlossenes Experiment gescheitert. Dort wird es deshalb in Zukunft keine kostenlosen Menstruationsartikel mehr auf den Toiletten geben. Nach Angaben der Stadt haben Schüler und Schülerinnen die Produkte zu häufig „zweckentfremdet“.

Seit Ende 2022 wurden die Hygieneprodukte an vielen Osnabrücker Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt. Angeregt hatte das das Jugendparlament der Stadt, weil Hygieneartikel für Frauen teuer sind und nicht jede Frau sich das leisten kann. Die Produkte seien jedoch unter anderem in die Toiletten gestopft worden, sagte die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Osnabrück, Patricia Heller, dem NDR. Sie begleitet das Projekt. Auch seien mit Tinte vollgesogene Tampons verwendet worden sein, um Wände zu verunreinigen.

Heller begleitet das Projekt seit gut einem halben Jahr. Sie hält das Verhalten der Kinder und Jugendlichen nicht für ungewöhnlich. Sie seien neugierig. Gleichzeitig zeige es, dass dem Thema Menstruation die Wertschätzung fehle. An einigen Schulen sollen die Hygieneprodukte in Zukunft nur noch im Sekretariat oder bei der Schulsozialarbeit erhältlich sein. Heller nennt die Konsequenz „unglücklich“. Die Hemmschwelle sei für einige Schülerinnen zu hoch. Sie setzt auf Aufklärungsarbeit. In Jugendzentren sei das Angebot gut begleitet worden.

Während in Meppen und Nordhorn entsprechende Initiativen längst beschlossen waren, hatte dann in Lingen erst Ende letzten Jahres die lokale SPD beantragt, die öffentlich zugänglichen Toiletten „in den städtischen Liegenschaften“ mit Hygienespendern zur kostenlosen Abgabe von Menstruationsartikeln auszustatten. Das ging der Stadtverwaltung zu weit; sie schlug vor, die Umsetzung zunächst im Rahmen eines Pilotprojektes an einer weiterführenden Schule „im Rahmen eines Beteiligungsprozesses voranzubringen“. Die „Evaluation des Projektes“ könne „Grundlage für die politische Diskussion zur Ausweitung des Projektes auf andere weiterführende Schulen oder städtische Einrichtungen werden“.

Daraufhin beantragte unsere BN-Fraktion eine Änderung des als viel zu schmal  empfundenen Verwaltungsvorschlags und stattdessen -neben anderen Punkten- in zwei öffentlichen Gebäuden (bspw. Kulturzentrum „Alter Schlachthof“, Stadtteiltreffs, Rathaus, Stadtbibliothek, Emslandmuseum) und zwei weiterführenden Schulen Spender im örtlichen Zusammenhang mit WC-Anlagen/Waschräumen anzubringen, um kostenfrei Periodenprodukte zur Verfügung zu stellen. 

In der Ausschusssitzung am 5. Dezember letzten Jahres stimmten CDU und FDP gemeinsam für den zurückhaltenden Verwaltungsvorschlag. Den weitergehenden SPD-Vorschlag und auch den Änderungsantrag der BürgerNahen lehnten sie jeweils ab. Diese Beschlüsse wurden am Donnerstag dieser Woche im Verwaltungsausschuss bestätigt; dieses Mal mit der Stimme von Oberbürgermeister Krone.


Foto: pixabay, Text NDR, NOZ