8. Januar 1973 / 1

8. Januar 2023

Als heute vor 50 Jahren die „Sesamstraße“ erstmals in Deutschland ausgestrahlt wurde, boykottierte sie der Bayerische Rundfunk. „Kulturelle Überfremdung“ deutscher Kinder fürchtete der CSU-durchgefärbte Sender durch die Multikultidarstellung mit dunkelhäutigen Schauspielern und schwurbelte über „kulturelle Überfremdung“ oder „pädagogische Infamie“ etwa wegen einer Verherrlichung des Lebens in der Mülltonne durch die Puppe Oscar.

Doch was mit zeitlichem Abstand unfassbar dumm klingt, war Teil einer größeren Debatte. Auch konservativ gewirkte Pädagogen und Eltern hierzulande waren unsicher bis skeptisch, ob die in den USA von dem Puppenspieler Jim Henson ins Leben gerufene und vom Norddeutschen Rundfunk nach Deutschland geholte „Sesamstraße“ für die bundesdeutschen Kinder das Richtige sei. Das oft wilde Puppenspiel, das Erarbeiten von Buchstaben und Zahlen über Wiederholungen – Graf Zahl: „Ich liebe das Zählen bis zur Qual“ – und dazu die Einspielfilme mit realen, auch noch schwarzen Schauspielern waren eine Mischung, die diese Experten zunächst nicht einordnen konnten. Gut, dass sie sich nicht durchsetze konnten.

Hier die erste Sendung am 8. Januar 1973:

 

Und diesen Clip hab ich an diesem Sonntag noch: Manah Manah, mit 38 Millionen Aufrufen auf youtube das populärste Sesamstraße-Lied: