Leitungen

19. Oktober 2022

Neues zum „Machtwort“ des Kanzlers und seinen Auswirkungen: Nun feiern auch Atomfreunde wie der ehemalige SPD-Stadtratsfraktionsvorsitzende Dr. Bernhard Bendick  („SPD-Politiker“) in der konservativen WELT das Machtwort; er weiß warum, denn er war beim Brennelementehersteller ANF beschäftigt, der seinen Brennelemente-Grundstoff von Putins russischem Rosneft-Konzern bezieht. Jetzt jubelt er über das „Kann-bis-Mitte-April-3023-weiterbetrieben-Werden“ beim KKE. Wenn das KKE denn angesichts ausgebrannter Brennelemente denn betrieben werden kann.

Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) in Niedersachsen fürchtet jedenfalls, dass mit der längeren Laufzeit des Atomkraftwerkes im Emsland die verfügbaren erneuerbaren Energien in diesem Winter nicht voll ausgeschöpft werden könnten. Allein im vergangenen Jahr seien 2.643 Gigawattstunden erneuerbare Energien aus Windkraft, Solar und Biogas in Niedersachsen abgeschaltet worden, da in den Stromnetzen Kapazität für den Weitertransport fehlte, sagte die Geschäftsführerin Silke Weyberg am Dienstag. Wenn nun das AKW im Emsland länger laufe, werde auch dafür Leitungskapazität benötigt.

In Norddeutschland ist die Windstromproduktion in den vergangenen Jahren stark ausgebaut worden; ich habe darüber am Wochenende geschrieben. Aber größer ist die Stromnachfrage im Süden mit seinen vielen energieintensiven Industrieunternehmen. Für den Transport fehlen allerdings die notwendigen  Stromleitungen. Um die bestehenden nicht zu überlasten, sind teure Maßnahmen zur Sicherung und Stabilisierung des Netzes notwendig. Nicht selten  müssen etwa bestehende Windkraftanlagen dafür abgeschaltet werden.

„Wenn jetzt mehr abgeschaltet wird, durch das Anfahren des Atomkraftwerkes, dann muss man mehr für nicht erzeugten Strom bezahlen. Das ist kaum jemandem klar zu machen“, sagte Silke Weyberg. 2021 habe die abgeschaltete Strommenge aus Erneuerbaren den Steuerzahler in Niedersachsen laut LEE rund 425 Millionen Euro gekostet.

Weyberg zeigte sich, schreibt dpa, über die Entscheidung von Kanzler Olaf Scholz für den befristeten Weiterbetrieb der drei deutschen Atomkraftwerke verwundert. Die Verbandschefin verwies auch auf das Detail, dass es gerade im Emsland viele Biogasanlagen gebe, die neben der Stromerzeugung auch Wärmenetze versorgten. „Wenn diese Anlagen abgeschaltet werden über einen längeren Zeitraum, können sie auch ihr Wärmenetz nicht mehr vernünftig versorgen. Dann bräuchten sie im Zweifel wieder eine konventionelle Wärmequelle“, so Weyberg.