Zu Karin gehen

2. Oktober 2022

„Zu Karin gehen“ war 27 Jahre lang in der Gesamtschule Emsland an der Lingener Heidekampstraße  ein feststehender Ausdruck. Dahinter steckten ganz viel, gleichermaßen Nöte wie Freuden des Alltags: Sich krank fühlen, einen Rat benötigen, etwas Zuwendung abholen, ordentlich den Kopf gewaschen bekommen, weil man „Mist gebaut“ hat, sich entspannen, Spiele spielen…
Die Bedürfnisse von jungen Menschen, die den ganzen Tag gemeinsam leben und lernen gehen eben deutlich über unterrichtliche Belange hinaus. Dies führte dazu, dass schon kurz nach dem Start der Gesamtschule klar wurde, dass sie Schulsozialarbeit braucht. Das wäre auch im so genannten Halbtagsbetrieb so gewesen, aber der Ganztagsbetrieb der Gesamtschule machte und macht sie umso deutlicher.
1995 startete Karin Albers (Foto) deshalb an der Gesamtschule als eine der ersten Schulsozialarbeiterinnen in der Region. Ihre Aufgaben waren zahlreich. Sie vermittelte bei familiären Konflikten, beriet Eltern, Schülerinnen und Schüler bei sozialen und psychischen Problemen und allen Besonderheiten. Immer hielt sie engen Kontakt zu anderen sozialen Einrichtungen. Ihre einzigartige Vernetzung macht es möglich, dass Karin Albers stets über aktuelle soziale Entwicklungen informiert war und einen Überblick über vielseitige -auch außerschulische-Hilfsangebote für Familien hatte. Wenn es überhaupt jemand konnte, dann Karin: Alle notwendigen Kontakte herzustellen. Besonders wichtig war ihr, die individuelle Entwicklung von Kindern und Jugendlichen an der Gesamtschule zu verstehen, diese zu begleiten, zu unterstützen, zu ermuntern und, wo nötig, auch schlicht einzugreifen.
Karin Albers hatte am Freitag ihren letzten Schultag. Sie wurde von allen an der Gesamtschule wehmütig in den Ruhestand verabschiedet. Auch ehemalige Schülerinnen und Schüler schauten vorbei. Das größte Lob: Karin Albers war die wichtigste Identifikationsperson an der Lingener GE, ihr Gesicht. Es ist zu hoffen, dass dies auch über ihr/e Nachfolger/in gesagt wird, wenn diese/r in den Ruhestand geht.
Hintergrund:
Die Gesamtschule Emsland (GE) ist eine 1993 gegründete vierzügige Integrierte Gesamtschule. Die einzige integrierte Gesamtschule im Landkris emsland.  Zuvor war durch die maßgeblich durch die damalige Landtagsabgeordnete Elke Müller (SPD) auf den Weg gebrachte „Aktion 108“ der Elternwille für diese Schule so deutlich gemacht worden. der Name der Aktion hing damit zusammen, dass es 108 Eltern brauchte, um einen Antrag beim Schulträger für die Einrichtung der Gesamtschule zu stellen. Dies gelang schnell, so dass sogar die die Gesamtschule aus ideologischen Gründen ablehnende CDU dem nicts mehr entgegensetzen konnte. Der langjährige Schul- und Umweltpolitiker Werner Remmers (CDU) hatte seine Parteifreunde ermutigt, die Schule zuzulassen. Sein Übriges tat der  Regierungswechsel 1990 in Niedersachsen von der CDU- zu einer rotgrünen Regierung.
Einzugsbereich und Schulträger der GE ist der Landkreis Emsland. Sie pflegt längst einen musisch-kulturellen Schwerpunkt, hat sich darüber hinaus in den letzten Jahren stark darum bemüht unterschiedliche Schülerinteressen zu verknüpfen; weiterhin ist sie die einzige Gesamtschule im Landkreis Emsland. Bisher vergeblich waren Bemühungen, die Schule mit einer Sekundarstufe II auszustatten, damit SchülerInnen auch das Abitur machen können.

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