Historischer Feldtag

11. August 2022

Der Historische Feldtag
Technik der 50er Jahre
Nordhorn, Am Tierpark
Samstag, 13. August: 09:00 bis 21:00 Uhr
Sonntag, 14. August: 09:00 bis ca. 20:00 Uhr

Der Treckerclub Nordhorn e.V. freut sich auf den Historischen Feldtag 2022 Das lange Warten auf den Historischen Feldtag in Nordhorn findet am 13. und 14. August 2022 ein Ende. Der Club bedauert sehr, dass der Feldtag die letzten Jahre, aufgrund der SARS Covid-19 Pandemie, nicht wie geplant
stattfinden konnte.

Janek Kesselhut, der zweite Vorsitzende des Cubs, sieht im zeitlichen Abstand zum letzten Historischen Feldtag 2017 auch eine Chance sein. „Bisher standen die Schwerpunkte auf einzelnen Schleppermarken. Nachdem sich nun der gesamte Treckerclub Nordhorn, neu organisiert hat, sollte ein Neustart des Feldtags  wieder Besucher in die Grafschaft locken“ erklärt der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Sebastian Maaß.

Die „Technik der 50er Jahre“ als Sinnbild für den Wiederaufbau der Nachkriegszeit, passt.
Die Nachkriegsjahre waren geprägt von maßgeblichen Erfindungen, die in der Landwirtschaft  auch heute noch Bestand haben. Verschiedene Traktorenhersteller nutzten den wirtschaftlichen Neubeginn – weit über 100 Hersteller alleine in Deutschland. Schmieden und Landmaschinenwerkstätten beschäftigten ihre Mitarbeiter damit, Gerätschaften, die noch am Ochsen oder Pferd gezogen wurden, auf den Schlepperanbau umzurüsten. Die Vorzüge von Maschinen überzeugten die Landwirte, so dass immer mehr Tiere aus dem Ackerbau verschwanden. Bauernschlepper, Tragschlepper und auch Einachser waren vielseitigere Helfer auf den Höfen. Später entwickelten mehrere Hersteller die ersten Geräteträger, die auf Grund ihrer Vielseitigkeit gerne gekauft wurden. Eine wahre Erleichterung für den damaligen Landwirt stellt die Entwicklung des Frontladers dar, der die Mistgabel ersetzte. Später kamen noch die Zapfwelle und die Dreipunkthydraulik hinzu, die heute zur Standardausstattung gehören. Gezogene Mähdrescher prägten die Kornfelder und selbstfahrende Mähdrescher waren auf Großbetrieben zu sehen, auch Dreschkästen standen noch häufig mit Riemenantrieb auf den Höfen.

„Diese Epoche bietet sehr viel Potenzial. Wir können einen interessanten Feldtag mit schönen Highlights zeigen“, erfreut sich Kesselhut. Die authentische Darstellung der Geräte im Einsatz wird in Nordhorn einen besonderen Stellenwert haben, abgerundet werden die Vorführungen durch die fachkundige Moderation von Experten.

Der Treckerclub Nordhorn e.V. freut sich auf einen Feldtag, der nicht mit seiner Größe, hoffentlich aber mit dem altbewährten Charme überzeugt!
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Text: Stadt Nordhorn

Ohrfeige

11. August 2022

Falls ihr heute im Laufe des Tages auch einen lauten Klatsch gehört habt: Das war die Ohrfeige, die das Bundesverfassungsgericht heute an das Landgericht Bochum verteilt hat. Einer Strafvollstreckungskammer dort attestieren die Richter, dass man die aktuelle Rechtslage nicht kennt, falsche Paragrafen anwendet und den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz nicht einmal ansatzweise verstanden hat.

Es geht um einen Strafgefangenen. Dieser musste zum Jahresende 2020 binnen vier Wochen vier Mal zur Drogenkontrolle antreten – obwohl gegen ihn kein konkreter Verdacht vorlag. Um „Missbrauch“ auszuschließen, guckten Bedienstete dem Betroffenen beim Pinkeln auf den Schniedel. Dagegen wehrte sich der Gefangene mit mehreren Anträgen, doch diese blieben erfolglos.

Bis die Sache nach Karlsruhe kam, und von dort hagelt es die harsche Kritik nun schriftlich. So habe das Landgericht Bochum schon mal nicht den richtigen Paragrafen gefunden, obwohl das Strafvollzugsgesetz des Landes noch einigermaßen überschaubar ist. Einzelheiten lassen sich in dem heute veröffentlichten Beschluss nachlesen. Schon diese Trottelei bei der Suche nach dem einschlägigen Paragrafen führe dazu, dass die Entscheidung inhaltlich nicht überprüfbar sei.

Außerdem hatte der Betroffene darauf hingewiesen, dass es zu einer Urinkontrolle mit „Aufsicht“ durchaus Alternativen gibt. Konkret erklärte er sich damit einverstanden, dass ihm eine geringe Menge Kapillarblut aus der Fingerbeere entnommen wird (kleiner Pieks, keine Schamverletzung). Fast schon süffisant merken die Richter an, das Strafvollzugesetz NRW sehe diese deutlich mildere Kontrollmöglichkeit mittlerweile vor – und zwar seit seiner Neufassung vom September 2017.

Bedeutsam an dem Beschluss ist die Bekräftigung, dass auch das Schamgefühl von Strafgefangenen nicht zur beliebigen Disposition steht. Es bedarf wirklich gewichtiger Gründe für einen so tiefen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht. Auch Gefangene hätten Anspruch auf „besondere Rücksichtnahme“.

Ganz klar bezeichnen es die Richter überdies als „fraglich“, ob Urinkontrollen in einer Haftanstalt ohne „konkreten Verdacht des Drogenmissbrauchs des betroffenen Gefangenen“ überhaupt angeordnet werden dürfen. Darüber musste das Gericht nicht entscheiden, weil es das Landgericht Bochum ja schon anderweitig gründlich verkorkst hat. Allerdings liest sich die Formulierung fast wie eine Einladung, auch die in vielen JVA sehr beliebten anlasslosen Kontrollen überprüfen zu lassen.

(BVerfG, Beschl. v. 22.07.2022, Az. 2 BvR 1630/21).


Grafik: Wappen des Bundesverfassungsgerichts

Ein Crosspost: LawBlog von Udo Vetter