Vor knapp drei Wochen zeigte Nordhorns Bürgermeister Thomas Berling (SPD, Foto lks) unserer Ratsfraktion „Die BürgerNahen“  die Nachbarstadt Nordhorn an der Vechte. In Erinnerung ist mir eine ungewöhnliche und geradezu entschleunigte Stadtführung per Boot über die Kanäle rund um das Zentrum und über den Vechtesee mit einem sachkundigen wie uneitlen Gastgeber; Berling ist seit 11 Jahren Nordhorner Bürgermeister und zeigte in allen Belangen Sachkunde. Der Abend klang mit einem Fachgespräch im Grafschafter Brauhaus aus und war rundum gelungen.

An jenen Juli-Abend musste ich denken, als man mich am Sonntag auf einen großen Artikel im Juni  in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hinwies; darin  ging es um eben unsere Nachbarstadt Nordhorn und wie sich aus schweren Zeiten und trostlosen Haushaltsdaten heraus gekämpft hat. Unter der Überschrift: Wie eine Stadt sich neu erfand“ las ich:

„Bis vor 40 Jahren war das niedersächsische Nordhorn einer der bekanntesten Textilstandorte Europas. Dann kam die Globalisierung.

Er könnte sie jetzt auch an­schmeißen, klar, die mehr als 20 Maschinen, eine nach der anderen, nur würde man dann kein Wort mehr verstehen. Also holt Gerhard Kock, 83  Jahre alt, sein Smartphone aus der Jacken­tasche, Whatsapp-Gruppe „Mu­seum“. Eine der – mittlerweile ja historischen – Webmaschinen hat er vor Kurzem aufgenommen, er startet das Video. Ton ist an, laut genug? Es dröhnt und hämmert, und Kock spricht nebenbei von Tourenzahlen, die einen ehemaligen Spinnereileiter wie ihn in offensichtlich augenweitende Begeisterung verfallen lassen. Nach zwei Minuten ist der Lärm vorbei oder auch: der Bass, der die Stadt Nordhorn über Jahrzehnte hinweg vibrieren ließ. Wenn die Ma­schinen der Textilfabriken stillstanden, erinnert sich Kock, dann fehlte etwas.

Ungefähr 40 Jahre ist es her, dass er und der Rest der Einwohner einstimmig sagen konnten, was „ihr Nordhorn“ sei: eine der bekanntesten Textilstädte Deutschlands, gar Europas. Nordhorn in Niedersachsen, das waren im Grunde drei Unternehmen – Povel, Rawe und NINO –, die gemeinsam mehrere Millionen Meter Stoff im Jahr produzierten und damit die Welt belieferten. Die ganze Stadt arbeitete hier, 80 Prozent der Einwohner, und es wurden immer mehr: angeworben aus Portugal, Italien, der Türkei. Die Zeitungen tauften Nordhorn damals „Klein-Amerika“….“

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Sagen wir es mal so: Es läuft, Nordhorn, und das hilft beiden Städten.


Foto: Bürgermeister Thomas Berling, Nordhorn. Foto: SPD Grafschaft Bentheim