Stauchungsbetrieb

8. August 2022

Das AKW in Lingen hat den prosaischen Namen KKE. Es geht heute in 146 Tagen vom Netz. Das hat angesichts der von  konservativen Atomfreunden inszenierten Debatte über einen verlängerten Betrieb der Kernkraftwerke jetzt Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) bekräftigt. „Der Reaktor wird zum Jahresende vom Netz gehen. Alles andere macht keinen Sinn“, sagte Lies in einem am Montag veröffentlichten „Spiegel“-Interview.

„Die Brennelemente sind bereits jetzt derart abgebrannt, dass sie nicht mehr genügend Energie haben, um bis zum Jahresende im Vollbetrieb zu laufen.“ Darum werde das AKW bereits im November in einen sog. Stauchungsbetrieb gehen.

Die Idee, neue Brennelemente für den in Darme liegenden Meiler zu bestellen lehnt der SPD-Mann ab, denn dann „müssten wir diese vier bis fünf Jahre einsetzen, damit die dann so weit abgebrannt sind, dass man sie einlagern kann.“ Dies wäre ein Wiedereinstieg in die Kernenergie. Das wolle man nicht.

Lies: „Für das bayerische Kraftwerk Isar II mag eine zeitlich begrenzte Streckung sinnvoll sein, da die Brennstäbe noch nicht abgebrannt sind und für weitere 120 Tage in Volllast Strom erzeugen könnten.“

Angesichts steigender Preise und drohender Energieknappheit war in den letzten Wochen eine Debatte um den weiteren Betrieb der drei letzten deutschen AKW entbrannt. Umstritten ist dies auch deshalb, weil Atomkraft vor allem zur Stromerzeugung genutzt wird, fehlendes russisches Gas hingegen zur Wärmeproduktion. Befürworter argumentieren auch mit möglichen Stromengpässen. Nach der gültigen Gesetzeslage gehen die verbliebenen AKW Isar 2 in Niederbayern, Emsland in Niedersachsen und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg zum Jahresende außer Betrieb. Deswegen hatte der Bund auch auf die vorgeschriebene große Sicherheitsüberprüfung der drei Kernkraftwerke verzichtet, die sonst 2019 stattgefunden hätte.

Spoiler:
Und dann gibt es noch den CSU-Vorsitzenden Markus Soeder, den eine besondere  Fähnchen-in-den-Wind-Einstellung ausmacht:


Quelle: SPON, SZ
Foto: AKW Emsland © dendroaspis via flickr

 

Eine Antwort zu “Stauchungsbetrieb”

  1. Alex said

    A propos Fähnchen-in-den-Wind-hängen: Söder wollte noch 2011 mit der CSU die „Speerspitze des Atomausstiegs sein“:
    https://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-05/seehofer-soeder-atomausstieg-csu

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