Pyrrhus

7. Juli 2022

Kennen Sie Pyrrhus bzw. Pyrrhos? König Pyrrhos I. von Epirus kämpfte im 3 Jahrhundert vor Christi gegen die Römer. Er gab dem sog. Pyrrhussieg den Namen. Ein solcher Pyrrhussieg ist ein zu teuer erkaufter Erfolg. Im ursprünglichen Sinne geht der Sieger aus dem Konflikt ähnlich geschwächt hervor wie ein Besiegter und kann mit dem Sieg nichts anfangen. Pyrrhos I. von Epirus soll 279 v. Chr. nach dem Sieg seiner Armee über die Römer in der Schlacht bei Asculum 279 v. Chr. einem Gratulanten gesagt haben:  „Noch so ein Sieg, und wir sind verloren!“ In dieser Schlacht musste Pyrrhus nämlich so erhebliche Verluste hinnehmen, dass seine Armee auf Jahre hinaus geschwächt war und schließlich den ganzen Krieg verlor. Was hat Lingen damit zu tun?

Gestern hat eine relative Mehrheit von 20 Mitglieder im Rat unserer Stadt Lingen dafür gestimmt, die Bernd-Rosemeyer-Straße weiterhin nach dem umstrittenen Autorennfahrer zu benennen. 20 (von 43 Ratsmitgliedern) waren dafür, 19 waren für eine Neubenennung, ein Ratsmitglied enthielt sich gar, drei waren nicht anwesend. Etwa 50 Lingener*innen besuchten die Ratssitzung in der Halle IV.

Die Entscheidung  wurde möglich, weil die an diesem Tag 19-köpfige CDU auf einer nicht-offenen Abstimmung bestand und Teile der gestern 7köpfigen SPD-Stadtratsfraktion sie darin unterstützten. Aus beiden Fraktionen kommen auch die Gegner der Umbenennung, während BN (4 Ratsmitglieder), Grüne/FWL (7),die Antrag stellende FDP (2) und Oberbürgermeister Krone, also 14 Ratsmitglieder, für eine Neubenennung waren; nach der Abstimmung hatten zahlreiche Mitglieder Stadtratsfraktionen der Grünen-FWL und unserer BürgerNahen in persönlichen Erklärungen erklärt, dass sie für die Umbenennung votiert hatten. OB Krone hatte dies vor der Abstimmung gesagt und die Umbenennung gefordert. Hiergegen intervenierte Dr. Bernhard Bendick (SPD), dem dies sichtlich unangenehm war und der die Abgabe dieser persönlichen Erklärungen für unerlaubt hielt. Übrigens hatte zuvor auch Bendick wie der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Kröger und der 2. stellvertretende Bürgermeister Stefan Wittler (SPD) für eine geheime Abstimmung votiert.

Den Antrag auf Umbenennung hatte die FDP bereits im vergangenen Frühsommer gestellt. In der Folge war ein Kriterienkatalog erarbeitet worden. Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus hatte überzeugend in einem Dossier Wesentliches zum Rennfahrer Rosemeyer und seine Verstrickungen in den NS-Staat zusammengetragen.

Das gestrige Votum unseres Rates beschädigt das Ansehen unserer Stadt, weil Autorennfahrer Rosemeyer eine tragende Säule der NS-Propaganda und SS-Hauptsturmführer war. Sie beschädigt auch das Ansehen der SPD um Kröger, Wittler und Bendick und das der Kulturausschussvorsitzenden Irene Vehring (CDU), die -genauso wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Hilling- in dieser wesentlichen Frage ihre Fraktion nicht zu einen vermochte. Sie sind Pyrrhus.

Zwar appellierten nach der knappen Abstimmung mehrere Ratsmitglieder, das demokratische Votum zu akzeptieren. Bei der Benennung einer Straße zu Ehren eines SS-Offiziers ist das inhaltlich aber nicht vorstellbar. Wer will so eine Relativierung der SS und ihres Protagonisten Rosemeyer in unseren aufgeklärten Zeiten? Das Thema wird also künftig erneut im Rat behandelt werden und, wenn es sein muss, anschließend ein weiteres Mal.

Ein Straßennamen soll ehren. Dieser vom damaligen NS-Bürgermeister Plesse verordnete Straßenname aber ist eine Beleidigung für die Opfer des NS-Terrors und damit für jede Demokratin und jeden Demokraten. Daher kann und wird er keinen Bestand haben. Die nächste Abstimmung kommt.


Pyrrhus von Epirus, Foto von Marie-Lan Nguyen (2011) CC BY 2.5