Lola, die 1.

26. Juni 2022

Am vergangenen Freitag hat Annette Focks den Deutschen Filmpreis Lola für die beste deutsche Filmmusik erhalten. Ausgezeichnet wurde die in Lingen aufgewachsene Komponistin für ihre Musik für den Karoline-Herfurth-Film „Wunderschön“. Die Laudatio hielt Maren Kroymann.

Zur Verleihung des Deutschen Filmpreises waren rund 1.700 Menschen eingeladen. Bei der Feier in Berlin waren unter anderen die Schauspielerinnen Heike Makatsch, Anna Loos und Schauspieler Matthias Schweighöfer dabei. Die beiden Präsidenten der deutschen Filmakademie  Alexandra Maria Lara und Florian Gallenberger betonten die Solidarität mit der Ukraine: “Wir feiern heute all das, was in der Ukraine unter Beschuss steht: Die Freiheit, die Vielfalt und den Respekt”. Seit diesem Jahr teilen sich die Schauspielerin und der Regisseur den Chefposten der Deutschen Filmakademie, zuvor war Ulrich Matthes drei Jahre lang Präsident.

Während des Abends wurde mehrfach an den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine erinnert. Wladimir Klitschko schickte eine Videobotschaft. Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth erinnerte an den Krieg und  rief die Filmbranche auf, sich auf ihre Kraft zu besinnen. „Wir brauchen die Kraft der Kunst. Die Kraft der Literatur. Und die Kraft des Films. Nicht, um abzulenken vom Elend der Welt, sondern um ihm etwas entgegenzusetzen.“

„Den Preis für die Filmkomponistin Annette Focks, die für die Musik zur Episodenkomödie „Wunderschön“ ihre erste „Lola“ erhielt, muss man schon allein wegen seiner Überfälligkeit begrüßen.“ (filmdienst.de) Hört gern rein (leider mit Werbeeinblendungen von youtube…):

Spoiler zum Film Wunderschön:
Einem Idealbild nachzueifern kennt fast jeder von uns. Mütter, Töchter, Männer, Alt und Jung stecken im permanenten Optimierungswahn. WUNDERSCHÖN erzählt ihre Geschichten:

Da ist FRAUKE (Martina Gedeck), die sich „kurz vor der 60“ nicht mehr begehrenswert findet, während ihr pensionierter Mann WOLFI (Joachim Król) ohne Arbeit nicht weiß, wohin mit sich. Ihre Tochter JULIE (Emilia Schüle) will als Model endlich den Durchbruch schaffen und versucht verbissen, ihren Körper in das Schönheitsideal der Branche zu pressen. Das verfolgt wiederum Schülerin LEYLA (Dilara Aylin Ziem), die überzeugt ist, mit Julies Aussehen ein besseres Leben führen zu können, und selbst keinen Bezug zu sich findet. Auch Julies Schwägerin SONJA (Karoline Herfurth) hat mit ihrem Körper zu kämpfen, der nach zwei Schwangerschaften zum Ausdruck einer Lebenskrise wird. Ihr Mann MILAN (Friedrich Mücke) hat dabei nicht im Blick, welchen Druck sie sich als junge Mutter auferlegt. Das ist wiederum für Sonjas beste Freundin VICKY (Nora Tschirner) keine große Überraschung, ist sie doch überzeugt davon, dass Frauen und Männer nicht und niemals gleichberechtigt auf Augenhöhe zusammenfinden werden, zumindest nicht in der Liebe. Ihr neuer Kollege FRANZ (Maximilian Brückner) würde sie allerdings gern vom Gegenteil überzeugen.
Mit Nora Tschirner, Martina Gedeck, Emilia Schüle, Dilara Aylin Ziem, Karoline Herfurth, Joachim Król, Friedrich Mücke, Maximilian Brückner, Ben Litwinschuh, Melika Foroutan und Luna Arwen Krüger. WUNDERSCHÖN – ein Film nah am Leben, ehrlich und hoffnungsvoll.

(Quellen: rbb24, Filmdienst.de, Warner Brothers)

Anarchist

26. Juni 2022

Gestern feierten die Lingener Kivelinge ihr 650. Dienstjubiläum. Obwohl der 1372 gegründete Verein stets großen Wert darauf legt, kein Schützenverein zu sein, waren Dutzende von Schützenvereinen eingeladen und zogen nachmittags durch das Lingener Stadtzentrum. Im Gegensatz zu früheren Festen waren aber die Kivelinge selbst ohne ihre Marketenderinnen unterwegs, weshalb sie irgendwie allein gelassen wirkten und was heutzutage verstehen soll, wer will. Bei der Gelegenheit: Lingen wartet seit zwei Jahren noch auf die Kiveling-Ampelmännchen, die als „Geschenk der Kivelinge“ zwei, drei Fußgängerampeln schmücken sollten, aber wohl höheren Behördenorts in fernen Amtsstuben steckengeblieben sind.

Ganz anders ist das in Emden, wo Ottos Ottifanten statt Ampelmännchen zeigen, dass es grün oder rot ist. Apropos Otto Waalkes. Der erhielt in der letzten Woche den Niedersächsischen Staatspreis in der letzten Woche aus der Hand des wahlkämpfenden Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD). Dabei, schreibt die taz, bleibt Otto doch „ein unzähmbarer Anarchist.

Sie werden ihn nicht kriegen. Selbstverständlich macht Otto Waalkes das alles mit, und zuverlässig wird er auch bei der Gala zur Verleihung des Niedersächsischen Staatspreises 2022 dieselben Witze wie eh und je reißen, ein paar von ihnen. Da stellt sich dann wieder die wohlige 1970er-Jahre-Atmosphäre ein, nostalgisch für all die jetzt erwachsenen kleinen Zu­schaue­r*i­nnen von einst, so ein Lagerfeuermoment. Und es wird für alle sehr lustig sein.

Aber am Ende bleibt Otto Waalkes dann doch ein Anarchist, den man mit dem Staatspreis eher einfangen will, als ihn zu ehren. Aber das wird höchstens der Tendenz nach gelingen, nicht ganz. Da bleibt noch etwas Lauerndes, Ungebärdiges, Infantiles: Helmut Schmidt (SPD) forderte noch, dass Otto für einen grandiosen Papstwitz Abbitte tue.

Es ging darum, dass dieser sich durch Suizid beruflich verbessern könne, was die Tat rechtfertigen würde. Aber er hat keine Reue gezeigt, damals nicht, und sich letztlich so die Möglichkeit geschaffen, sich noch im spießigsten Ambiente daneben zu benehmen, ohne sich dafür zu entschuldigen.

Klar ist das Teil eines Images. Er befriedigt die…“

[weiter bei der taz]