DIMENSIONEN EINES VERBRECHENS. SOWJETISCHE KRIEGSGEFANGENE IM ZWEITEN WELTKRIEG

25. Juni 2022

DIMENSIONEN EINES VERBRECHENS. SOWJETISCHE KRIEGSGEFANGENE IM ZWEITEN WELTKRIEG

Am 22. Juni 1941 überfällt das Deutsche Reich die Sowjetunion. Bis Kriegsende nimmt die Wehrmacht etwa 5,7 Millionen Angehörige der Roten Armee gefangen. Ihre Behandlung ist verbrecherisch. Insgesamt kommen mehr als drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene um. Obwohl sie damit eine der größten Opfergruppen deutscher Massenverbrechen sind, wird bis heute kaum an sie erinnert.

Die zweisprachige Ausstellung des Museums Berlin-Karlshorst will die Geschichte der sowjetischen Kriegsgefangenen einem breiten Publikum nahebringen und bietet einen ersten Einstieg in das Thema. In neun Kapiteln wird ein thematischer Überblick bis in die Gegenwart gegeben, zwölf Biographien stellen individuelle Schicksale vor.

Die Wanderausstellung, die erstmals anlässlich des 80. Jahrestags des Überfalls auf die Sowjetunion 2021 im Museum Berlin-Karlshorst von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet wurde, möchte die vielfältigen Schicksalswege der sowjetischen Kriegsgefangenen thematisieren und einem breiten Publikum nahebringen. Damit wird eine der größten Opfergruppen von NS-Masseverbrechen in den Blick genommen, die in der Bundesrepublik Deutschland bis heute in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird.

Auch in den Kriegsgefangenenlagern des Emslandes und der Grafschaft Bentheim und den zugehörigen regionalen und überregionalen Arbeitskommandos kamen zwischen 1941 und 1945 mehr als 20.000 sowjetische Kriegsgefangene um. Ein Gedenkbuch-Projekt der Gedenkstätte Esterwegen und der Gemeinde Geeste will zu möglichst vielen dieser Kriegsgefangenen detaillierte Angaben zur Biografie, zur Gefangenschaft und zur letzten Ruhestätte zusammen, die seit 2019 im werden befindliche Online-Publikation soll noch in diesem Jahr erfolgen.

„Die eindrucksvolle Ausstellung und der hierauf basierende, in zwei jeweils durchgängig zweisprachigen Fassungen (deutsch/englisch beziehungsweise deutsch/russisch) vorliegende Katalog tragen hoffentlich dazu bei, die sowjetischen Kriegsgefangenen weiter aus dem »Erinnerungsschatten« treten zu lassen.“ (Jörg Osterloh, Fritz Bauer Institut)

Die Eröffnung der Ausstellung „Dimensionen eines Verbrechens. Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg“ findet am Sonntag, 26. Juni 2022 um 15 Uhr in der Gedenkstätte Esterwegen Hinterm Busch, statt. Den einführenden Vortrag hält die Kuratorin der Ausstellung, Dr. Babette Quinkert (Museum Berlin-Karlshorst).

Es wird um eine verbindliche Anmeldung unter info@gedenkstaette-esterwegen.de bis zum 25. Juni 2022 gebeten. Es gelten die jeweiligen Pandemieschutzmaßnahmen des Landes Niedersachsen.

Die Eröffnungsveranstaltung findet im Rahmen der Aktionswoche des „Hilfsnetzwerks für Überlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine“ statt, das aus mehr als 46 Gedenkstätten, Museen und Erinnerungsinitiativen gebildet wird, darunter auch die Gedenkstätte Esterwegen (hilfsnetzwerk-nsverfolgte.de).

Der Begleitband ist während der Laufzeit der Ausstellung zum ermäßigten Preis von € 15 in der Gedenkstätte Esterwegen erhältlich.

Die Ausstellung ist bis zum 14. Dezember 2022 während der Öffnungszeiten der Gedenkstätte Esterwegen (dienstags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr) zu sehen. Der Eintritt ist frei.


The German Reich attacked the Soviet Union on June 22, 1941. By the end of the war the German Army made prisoners of about 5.7 million Red Army soldiers. More than three million of them perished in German custody. Although they are one of the largest categories of victims of German mass crimes, they are hardly commemorated to this day.

The catalogue (ISBN: 978-3-86331-582-5) documents the traveling exhibition of the same name, which aims to bring the history of the Soviet prisoners of war closer to a broad public. Essays also offer in-depth insights into individual topics.

22 июня 1941 г. Германия напала на Советский Союз. За время войны около 5,7 миллионов военнослужащих Красной Армии попали в германский плен. Более трех миллионов из них погибли. Хотя военнопленные являются одной из самых многочисленных групп жертв немецких массовых преступлений, о них до сих пор практически не вспоминают.

В каталоге (ISBN: 978-3-86331-583-2) представлена одноименная передвижная выставка, цель которой – познакомить широкую публику с историей советских военнопленных. Статьи предлагают углубленное рассмотрение отдельных тем.

10 Antworten zu “DIMENSIONEN EINES VERBRECHENS. SOWJETISCHE KRIEGSGEFANGENE IM ZWEITEN WELTKRIEG”

  1. Hans Brinck said

    Ich bin gegen eine einseitige Aufarbeitung von Kriegsverbrechen an gefangenen Soldaten.
    Wann und wo gibt es eine Ausstellung über die „DIMENSION EINES VERBRECHENS. DEUTSCHE KRIEGSGEFANGENE IN RUSSLAND IM ZWEITEN WELTKRIEG ?

    • max koop said

      Nennt sich Erinnerungskultur, lieber Hans Brinck.

      Das Bewusstsein für deutsche Verbrechen und Verbrecher in der NS-Zeit scheint bei vielen älterer Generationen [noch immer] gänzlich zu fehlen. Ich finde das schlimm. #NieWieder

  2. heiner11 said

    Das Fundament der Bundesrepublik Deutschland ist die Werteordnung des Grundgesetzes. Es ist ein Zeichen von Stärke, wenn sich dieser Staat und seine Gesellschaft den Verbrechen stellt, die in der Vergangenheit im Namen Deutschlands verübt worden sind.
    Wenn sich andere Regime dieser historischen Pflicht, die eigene Geschichte kritisch zu hinterfragen und wissenschaftlich aufzuarbeiten, entziehen, sollte das demokratische Gesellschaften nicht davon abhalten.

    @ Sehr geehrter Herr H. Brink!
    Es geht dabei übrigens nicht um die Aufrechnung von Schuld, diesen Ansatz lese ich aus Ihrem Kommentar heraus, sondern um die aktuelle Stärkung unserer Demokratie durch historische Einsichten und Einblicke.

    Ich empfehle Ihnen einen Besuch der Ausstellung und den Kauf des Kataloges. Ich war gestern bei der Eröffnung in Esterwegen.
    Ich kann Ihnen versichern, man lernt nie aus!

    So war mir Folgendes nicht bewusst:
    Die rund 5, 7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen blieben fast ausnahmslos bis zum Kriegsende „in der Hand“ der Wehrmacht. Allein in den besetzten Gebieten der Sowjetunion starben unter der Befehlsgewalt der Wehrmacht durch Erschießungen, Seuchen, Hunger bei härtesten Arbeiteinsätzen hinter der Front rund 2 Millionen Gefangene.

  3. heinrich Liesen said

    an den namenslosen Heiner 11, sie haben sich nicht richtig eingelesen, unter DHI-Moskau finden sie viele Antworten.-Leider zur Zeit abgeschaltet, dranbleiben und versuchen.. mfg Heinrich Liesen

  4. Kib said

    Herr Liesen, die Sache mit dem Einlesen ist ein grundsätzliches Problem dieses Blogs. Auch Max Koop tut sich damit schwer, selbst dann, wenn ihm seriöse Quellen genannt werden. Es ist einfach “ Thesen nach Gusto“ rauszuhauen und nach Widerlegung einer nachweislich falschen Behauptung, mit einem „wischiwaschi“ zu behaupten: “ Sag ich doch…“.
    Ich bin übrigens dafür, die BR- Straße umzubenennen. Ihre Idee ein Museum zu eröffnen ist ihre Angelegenheit als Privatperson. Werde ich nicht besuchen, aber das ist meine persönliche Entscheidung.

  5. Der Müller said

    „ Das Deutsche Historische Institut Moskau erforscht die gemeinsame Geschichte Deutschlands und Russlands, intensiviert die Kooperation zwischen russischen und deutschen Wissenschaftlern, fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs, koordiniert gemeinsame Forschungs- und Editionsprojekte und führt diese durch. Mit einer Präsenzbibliothek, Internet-Arbeitsplätzen, Serviceleistungen und einer Vielzahl von Veranstaltungen bildet das Institut einen «Stützpunkt» für die russische Deutschland- und die deutsche Russlandforschung.“ So steht es auf der -erreichbaren- Website des DHI Moskau.
    Zu dem Thema der Esterwegener Ausstellung habe ich nichts gefunden. Damit hat dies auch erst einmal nichts zu tun, wie Herr Liesen meint, und auch nicht mit dem Einlesen, wie Kib behauptet.
    Die Ausstellung in Esterwegen beleuchtet die millionenfachen Verbrechen Deutschlands an den sowjetischen Kriegsgefangenen im 2. Weltkrieg. Falsch ist es, dass solche Mahnungen durch Äußerungen wie „Aber die haben auch…“ und „wir dürfen nicht einseitig sein“ relativiert werden.
    Ein Verbrechen wird nicht dadurch weniger verbrecherisch, dass es ein zweites gibt. Den 2.Weltkrieg haben außerdem die Deutschen begonnen.

    • Kib said

      Herr „Der Mueller“, die von Deutschen während des Zweiten Weltkrieges begangen Verbrechen stehen ausser Frage. Ebenso die der Russen und die Frage „….. aber der hat angefangen“ greift zu kurz. Jeder Krieg bedingt grundsätzlich Kriegsverbrechen, als strategisches Mittel. Hinsichtlich der deutsch-russischen Beziehungen hat unser Bundeskanzler unlängst Stellung bezogen. Glauben Sie tatwahrhaftig an eine historisch seriöse Aufarbeitung ausgerechnet durch ein „unabhängiges“ Institut in Moskau?
      Sind Sie auch Putin-Fan und/oder total naiv?
      Das ist also bitte nicht Ihr Ernst, oder? In jedem Fall ist Ihr Kommentar absolut unzureichend kritisch.

  6. heinrich Liesen said

    der Ansatz ist zu oberflächlich und zu einseitig.

  7. „Der Ansatz“ ist genau richtig. Oder wie „Der Müller“ geschrieben hat: „ Ein Verbrechen wird nicht dadurch weniger verbrecherisch, dass es ein zweites gibt.“ Man kann und man muss jedes Verbrechen unabhängig auch kritisieren.

  8. Hans Brinck said

    Zur „Erinnerungskultur der Deutschen“ gehören auch folgende Daten, lieber Herr Max Koop:
    Zwischen 1941 und 1945 gerieten schätzungsweise 3,2 bis 3,6 Millionen Soldaten der deutschen Wehrmacht in sowjetische Kriegsgefangenschaft.
    Davon starben unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen 1,11 Millionen.
    Die ersten kranken Gefangenen wurden von ihnen in den Nachkriegsmonaten entlassen. Aber erst zwischen Oktober 1955 und Januar 1956 ( also nach mehr als 10 Jahren!) kamen die letzten deutschen Häftlinge aus sowjetischen Lagern frei – dank einer Moskaureise Konrad Adenauers. Was haben doch diese Mittmenschen in russischer Gefangenschaft erlitten! Das sollten wir nicht vergessen.
    Diese Tatsachen sollten auch zu unserer „Erinnerungskultur“ gehören, wie auch allen anderen unschuldigen Opfern des Nazisregimes .
    Unseren (auch meinen) damaligen Aktionen unter dem Leitsatz „Nie wieder Krieg“ ist leider kein Erfolg beschieden gewesen. Was bis zum heutigen Tage an Kriegsverbrechen in der Welt geschieht, können wir den täglichen Nachrichten entnehmen. So kamen von 1945 bis heute weitere Millionen unschuldiger Menschen durch kriegerische Ereignisse ums Leben.
    Was muss noch geschehen, um allen Menschen ein friedliches und glückliches Dasein zu gewähren? Was können wir alle dafür tun?

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