Kein Beschluss

22. Juni 2022

Die „Umbenennung der Bernd Rosemeyer-Straße “ war gestern der zentrale Punkt der Sitzung des Kulturausschusses der Stadt Lingen (Ems). Der neue Vorsitzende des Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V., Simon Göhler, hatte dazu im Vorfeld erklärt: „Seit langem tritt das Forum für eine Umbenennung dieser Straße ein. Diese Benennung durch die Nazis 1938 ist eine Ehrung, die dem SS- Hauptsturmführer Rosemeyer als Propagandisten des NS-Regimes in der Demokratie nicht zusteht.“

Göhler verwies auf einen Vorstandsbeschluss des Forum, demzufolge der in der Erinnerungs- und Antirassismusarbeit tätige Verein für die Umbenennung der „Bernd-Rosemeyer-Straße“ in „Fredy-Markreich-Straße“ eintritt. Damit solle anstelle der Ehrung eines Täter-Repräsentanten ein Vertreter der Opfer des Naziterrors geehrt wer­den.

Das Forum setze sich Göhler zufolge im Vorfeld der entscheidenden Ratssitzung am 6. Juli weiter für die Abkehr der Ehrung für einen SS-Offizier ein.

Zur Erinnerung: Vor der Kommunalwahl 2021 hatte die FDP den Antrag gestellt, die Anfang 1939 vom damaligen NS-Bürgermeister Plesse nach dem Führerprinzip beschlossene Umbenennung der Lingener Bahnhofstraße nach dem SS-Offizier Bernd Rosemeyer rückgängig zu machen und künftig nach dem Kaufmann Fredy Markreich zu benennen. Der Lingener Jude Fredy Markreich (Foto) konnte nach brutaler Erniedrigung und Entrechtung nach der Reichspogromnacht mit wochenlanger Haft im KZ Buchenwald zwar in das westafrikanische Liberia flüchten; der Kaufmann starb dort aber nach wenigen Jahren „an einer Seuche“.

Soweit so klar und so nachvollziehbar. Gestern aber setzte die in der Frage offenbar zerstrittene CDU-Fraktion eine Novität durch: Der städtische Kulturausschuss lehnte eine Beschlussfassung ab. Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus durfte noch die Biografien von Opfer Markreich und Täter Rosemeyer darstellen; zuvor aber hatte die CDU die anstehende Beschlussfassung zu dem seit Jahren vorbereiteten Thema in einer ausufernden Geschäftsordnungsdebatte strikt abgelehnt.

Bemerkenswert: Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion Andreas Kröger stimmte dem CDU-Vorstoß zu und Peter Altmeppen, der die Antrag stellende FDP-Fraktion vertrat, enthielt sich bei dem Geschäftsordnungsantrag der CDU, im Kulturausschuss über die Umbenennung besser nicht zu beschließen. Eine entsprechenden Beschluss stufte die Ausschussvorsitzende Irene Vehring (CDU) dabei übrigens tatsächlich als „arrogant“ ein; man müsse, sagte sie, den Mitgliedern des Rates der Stadt die Gelegenheit geben, nach dem eigenen Gewissen abzustimmen.

Grüne-Ratsfrau Martina Pellny erwiderte, dass dagegen niemand etwas habe, es aber die Pflicht des Ausschusses sei, in der Sache klar Position zu beziehen und abzustimmen. Dann stimme der Rat ab. Für einen Beschluss votierten dann aber mit ihr und Claudia Meinert von den Grünen nur Jens-Uwe Schütte (SPD) sowie der Betreiber dieses kleinen Blogs – also nur vier Ausschussmitglieder. Der FDP-Mann -seine Partei bildet mit der CDU eine sog. Gruppe im Stadtrat- wollte offenbar auch kein Votum über seinen Antrag und enthielt sich;  mit dem irrlichternden Andreas Kröger (SPD) lehnten alle sieben CDU-Vertreter Irene Vehring, Jürgen Herbrüggen, Stefan Heskamp, Florian Niemeyer, Björn Roth, Ulrike Schulte und Manfred Schonhoff eine Beschlussfassung ab – wie gesagt eine Novität, die es in dem Gremium seit Gründung der Bundesrepublik nicht gegeben hat. Man könnte auch sagen: Sie zeigten sich gleichermaßen feige und geschichtslos. Auf die Abstimmung a 6. Juli und darauf, was die CDU sich dazu einfallen lässt, bin ich gespannt. Gemunkelt wurde gestern von einer geheimen Abstimmung.

Spoiler:
Dass die CDU überhaupt trotz ihres Verlustes der absoluten Mehrheitbei der Kommunalwahl im vergangenen September  sieben (von 13) Mitglieder/n im Kulturausschuss stellt, liegt daran, dass fünf Wochen nach der niedersächsischen Kommunalwahl die große Koalition von SPD und CDU im niedersächsischen Landtag ein anderes Auszählverfahren bei der Ausschussbesetzung durchsetzte, das große Ratsfraktionen über Gebühr bevorzugt. Daran darf man sich heute erinnern und für den Tag der Landtagswahl Niedersachsen am 9. Oktober schon mal notieren…

 

12 Antworten zu “Kein Beschluss”

  1. Hans Brinck said

    In dem Blog „Kein Beschluss“ lese ich folgenden Absatz:

    „Stadtarchivar Dr. Mirko Crabus durfte noch die Biografien von Opfer Markreich und Täter Rosemeyer darstellen; zuvor aber hatte die CDU die anstehende Beschlussfassung zu dem seit Jahren vorbereiteten Thema in einer ausufernden Geschäftsordnungsdebatte strikt abgelehnt.“

    Hier wird der erfolgreiche Rennfahrer Bernd Rosemeyer als „Täter“ bezeichnet.“ Das ist er mit Sicherheit nicht gewesen. Gewiss war er ein Mitglied der SS, hat aber nie selbst eine Tat begangen.

    Im Strafrecht Deutschlands ist Täter, wer eine mit Strafe bedrohte Tat selbst oder durch einen anderen begeht (§ 25 StGB). An der Tat Beteiligte wie Anstifter oder Gehilfen sind keine Täter im strafrechtlichen Sinne.

    Hier wäre dann zu prüfen, ob Herr Crabus üble Nachrede begangen hat:
    „Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts (§ 11 Absatz 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“
    Müsste er demnach jetzt zur Anzeige gebracht werden sollen (müssen)?

    • Mathis said

      Na da muss ja jemand das polizeiliche Führungszeugnis vom Rennfahrer auswendig kennen. Da die Waffen SS ja alle Taten ordentlich notiert und dokumentiert hat, ist die das dann ja ohne Lücke nachweisbar.
      Rechtstaatliche Maßstäbe für jemanden der in einer faschistischen Diktatur gedient hat. Lustig.
      Nazis Raus! Früher, Heute und in Zukunft.
      Ich würde Herrn Crabus §240 StGB empfehlen, wenn hier im Netz zu Anzeige aufgerufen wird. Egal ob „gut“ gemeint oder als Hinweis. Was das Ziel? Einschüchterung, an den Pranger stellen?

    • max koop said

      Wäre da nicht das „kleine Detail“, lieber Herr Brinck, dass die Nürnberger Prozesse mit Urteil vom 1.10.1946 eine Kollektivschuld für alle Mitglieder der SS als Täterorganisation ausgesprochen haben.

      Noch einmal zum Mitschreiben:

      Für alle Mitglieder der SS. Alle. Alle Mitglieder.
      Eine Kollektivschuld als Täterorganisation.
      Auch für Rennfahrer aus Lingen.

      Die SS war eine Verbrecher-, Täter- und Terrororganistion.
      Bernd Rosemeyer war freiwillig und reguläres Mitglied.

      Hören Sie endlich auf mit diesem törrichten Versuch das rein waschen zu wollen. Sie argumentieren gegen die Urteile der Nürnberger Prozesse und somit übrigens auch gegen die Grundlage für die Gründung der Vereinten Nationen.

      Eine Ehrung haben Verbrecher und Täter schlicht nicht verdient. Ekelha(f)dt und erschreckend, dass ich 2022 überhaupt so etwas schreiben muss.

        • max koop said

          Aus deiner Quelle, die meine Aussagen im wesentlichen bestätigt:

          „(…) Angeklagt waren 24 Personen und sechs Kollektive, die im Sinne der Anklage als ‚verbrecherische Organisationen‘ definiert waren: deutsche Reichsregierung, NSDAP, SS, Geheime Staatspolizei, SA, Generalstab und Oberkommando der Wehrmacht. (…)“

          Liebe*r Kib, da steht dann doch „leider“ exakt das, was ich oben schrieb und heutzutage auch so im Dokumentationszentrum auf dem Gelände des ehemaligen SS-Hauptquartiers nachzulesen: *Alle* Mitglieder der SS sind mit dem Urteil vom 1.10.1946 Verbrecher. Alle. Es gibt laut dem Urteil keine unschuldigen SS-Mitglieder.

          Ich empfehle dir daher einen Besuch in Berlin (www.topographie.de). Der Eintritt ist frei, übrigens ebenso der Audio-Guide.

          Das wäre wohl auch für Hans Brinck zu empfehlen. Hier fürchte ich allerdings, dass es zu spät ist; Wer in seinem Alter noch immer nicht verstanden hat, worum es geht und noch immer der NS-Propaganda rund um Bernd Rosemeyer verfällt, der wird es wohl nicht mehr begreifen — oder möchte es nicht mehr. Jedenfalls hatte ich gehofft, dass diese Generation es ‚mittlerweile‘ besser weiß.

          Zugegeben ist es allerdings eindrucksvoll, dass die NS-Propaganda bis ins Jahr 2022 nachwirkt.
          Zugleich ist es es jedoch ein Armutszeugnis, dass unsere Stadt [hier] noch immer nicht erinnerungskulturell, nun, „nachgeschärft“ hat. Nicht einmal für einen korrekten Erklär-Hinweis am Straßenschild hat es gereicht; Da steht weiter nur etwas von „Weltrekordler“ [sic!] und „Rennfahrer“:

          https://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/bernd-rosemeyer-strasse-rat-lingen-soll-am-6-juli-entscheiden-42377954

          • Kib said

            Max, zur Sache: ich bin auch dafür, die Straße umzubennen. Allerdings nicht in Bahnhofstraße, denn dann wären wir dort, wo wir einmal waren. Ich denke allerdings, dass der Vorwurf der Taeterschaft bei Rosemeyer nicht greift. Er war passives Mitglied. Die Nürnberger Prozesse urteilten eben nicht (und das habe ich mittels seriöser Quelle versucht zu belegen) über Organisationen. Es gibt/gab auch keine Kollektivschuld. Lies einfach mal in Ruhe nach. Juristisch anzumerken ist, dass keine Straftat (ergo kein Täter) vorliegt, wenn zum Zeitpunkt der vermeintlichen Begehung nicht gegen geltendes Recht verstoßen wurde. Die Mitgliedschaft (passiv) in der SS gehört nicht dazu. Leider gilt das sogar fuer den Schiessbefehl (aktiv) an der deutsch/ deutschen Grenze.Selbst Gregor Gysi hat hierzu klar Stellung genommen (kein Rechtsbruch). Kannst ja mal nachlesen…. Fazit: Mitläufer sind keine Täter.
            Loeblich, wenn innerhalb Deiner Familie absolut keine Beziehung zum NS-Regiem bestand….

          • max koop said

            (Kann leider nicht klüger im Thread antworten, muss aber noch mal widersprechen, daher erscheint diese Antwort nun über dem Text, auf den sie sich bezieht.)

            Es stimmt schlicht nicht, was du schreibst, Kib.

            Mit dem Urteil von 1.10.1946 wurde „NSDAP-Führerkorps, die Gestapo, der SD und die SS (mit Ausnahme der Reiter-SS)“ vom Internationalen Militärgerichtshof zu verbrecherischen Organisationen erklärt.
            Das gilt für alle Mitglieder und Mitarbeiter*innen. (Ausgenommen waren davon nur einfache Hilfs- und Schreibkräfte.)

            Kurzum, ich wiederhole es noch einmal: Es gibt nach dem Urteil des Internationalen Militärgerichtshofes 1946 keine unschuldigen Mitglieder der SS.

            Und ja, schau’s dir genau an. Diese Kollektivschuld für Mitglieder dieser Organistionen war 1946 ein Novum (und wohl auch der Hauptgrund, warum viele ihre Mitgliedschaft später tunlichst versteckten). Wir kennen das mit einer Kollektivschuld so heute nicht, es wurde aber 1946 für besonders schlimme Verbrechervereinigungen so umgesetzt. Natürlich ist die SS eine besonders schlimme Täter-, Terror- und Verbrecherorganisation. Die mitunter schlimmsten der NS-Verbrechen gehen auf das „Konto“ der SS (und SA).

            Es gab natürlich(!) auch *keine* „passive Mitgliedschaft“ in der SS. Das ist geschichtsrevisionistischer Unfug und dementsprechend natürlich(!) komplett unbelegbar.

            Es ändert auch nichts am Urteil von 1946. Frech, dass ich sowas hier lesen muss, hört man so einen Unfug eigentlich nur aus der Ecke, die genau wissen, was das Problem ist und deshalb das Bernd Rosemeyer-„Museum“ kurzerhand zu einem „Bernd Rosemeyer und Elly Beinhorn-‚Museum'“ umgemünzt haben – klingt halt besser. Einen Lingen-Bezug zu Elly Beinhorn habe ich bis heute nicht finden können.

            Bahnhofsstraße wäre ein Schlag ins Gesicht für alle Opfer der NS-Verbrechen. Können wir dann machen, wenn die Straße jetzt 85+ Jahre nach einem opfer benannt wird. Aktuell steht es 85:0. -.-

            ___
            Quellen und Belege:
            https://museen.nuernberg.de/memorium-nuernberger-prozesse/themen/die-nuernberger-prozesse/der-international (sehr kurze Zusammenfassung – die Ausstellung ist tatsächlich spannend anzusehen, allerdings auch eine enorme Informationsflut.)

            Statut für den Internationalen Militärgerichtshof vom 8. August 1945; lesbare Version, hier sind es Artikel 9 und 10 in denen die Kollektivschuld geregelt und ermöglicht wird:
            https://www.jura.uni-muenchen.de/fakultaet/lehrstuehle/satzger/materialien/img1945d.pdf (pdf)

            „Die Artikel 9 und 10 ermöglichten es dem Gericht, auf Antrag der Anklage eine Gruppe oder Organisation zu einer verbrecherischen Organisation zu erklären, so dass Mitglieder dieser Organisation wegen Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation gemäß Kontrollratsgesetz Nr. 10 vor einem Militär- oder Okkupationsgericht angeklagt und verurteilt werden konnten, ohne dass darüber hinaus ein individuelles Verbrechen nachgewiesen werden musste. Da eine so weitreichende Feststellung große Ungerechtigkeiten hervorrufen könnte, sollte das Gericht nur davon Gebrauch machen, wenn sichergestellt wäre, dass keine unschuldigen Personen dadurch bestraft würden.“ – via Text aus der Wikipedia mit dieser englischsprachigen Belegquelle dazu:
            https://avalon.law.yale.edu/imt/judorg.asp (Englisch, entsprechend ausgeführt.)

            **Für das Protokoll: Es gab „förderende Mitglieder der SS“, die anders als Bernd Rosemeyer, keine vollen Mitglieder der SS waren.

          • Kib said

            Fuer Blog-Voyeure: Max und ich werden persönlich reden. Wir entscheiden gemeinsam, ob jemand dabei ist!

  2. Paul Haverkamp, Lingen said

    Eine traurige und zugleich erbärmliche Lehrstunde ….

    Für mich gab es gestern als Zuhörer der Kulturausschusssitzung eine vernichtende Lehrstunde in Sachen politischer Kommunikation und des Versuchs, eigene Uneinigkeiten und Disharmonien zu verschleiern und zu kaschieren – aufgeführt von der Lingener CDU-Fraktion.

    Der Volksmund kennt den Satz „Politik ist ein schmutziges Geschäft“. Wer nach einer Bestätigung dieser Volksweisheit sucht, hätte nur die Kulturausschusssitzung vom 21.6.22 besuchen müssen.

    Entgegen den politischen Gepflogenheiten einer Empfehlung für den gesamten Lingener Stadtrat in Sachen Umbenennung der Bernd-Rosemeyer-Str. abzugeben, versuchten die CDU Vertreter erfolgreich, eine solche Empfehlungsabstimmung zu unterbinden.
    Ihr Argument war genauso bizarr wie verlogen. Die CDU-Vertreter argumentierten mit der Behauptung, dass man den Stadtratsmitgliedern doch keine vorgefasste Meinung vorlegen wolle, denn ein jeder solle doch frei entscheiden dürfen.

    Dieser nur konstruierte Widerspruch – warum können die Stadtratsmitglieder nicht auch dann frei entscheiden, wenn die Kulturausschussmitglieder ein Votum abgegeben haben? – diente ausschließlich dem Verdecken eigener Uneinigkeiten und Kontroversitäten. Angeblich wollte man den kompletten Lingener Stadtrat in seiner entscheidenden Sitzung im nächsten Monat in seiner unabhängigen Entscheidungsfindung nicht beeinflussen.

    Was für ein an den Haaren herangezogenes Argument und gleichzeitig ein Eingeständnis des Misstrauens gegenüber den eigenen CDU-Mitgliedern!!!

    Man hält diese Stadtratsmitglieder offensichtlich für leicht manipulierbar, wenn der Kulturausschuss im Vorfeld seine öffentliche Meinung kundgetan hat. Was für eine dilettantische Argumentation, was für eine Ignoranz, die von einem dummen Wahlbürger ausgeht, der die Taktik der CDU nicht zu durchschauen in der Lage ist.

    Mein Eindruck: Viele CDU-Mitglieder möchten die Namensnennung „Bernd-Rosemeyer-Str.“ unbedingt beibehalten, doch wollte man diese innere Zerrissenheit nicht in die Öffentlichkeit tragen. Wohl allzu stark war der Druck, der entstünde, wenn die CDU als einzige Partei in Lingen gegen eine solche Umbenennung aufträte. Auf Biegen und Brechen wollte die CDU eine solche Außenschau vermeiden.

    Bereits im letzten Jahr hatte die CDU mit Hilfe ihres Vorschlages, eine Expertenkommission Kriterien für Straßennamensumbenennungen einzusetzen, den erfolgreichen Versuch gemacht, ihre innere Zerrissenheit nicht der Öffentlichkeit kundzutun. Zudem wollte man keine potentiellen CDU-Wähler für die Kommunalwahlen verlieren.

    In meinen Augen leistet ein Kriterienkatalog bezüglich der Umbenennung der Bernd-Rosemeyer-Str. – ich beschränke meine Meinung ausdrücklich nur auf diesen konkreten Fall – absolut überflüssig, da jedem politischen Repräsentanten in Lingen es doch eine Selbstverständlichkeit sein müsste, keine Straße mehr nach dem Namen eines SS-Hauptsturmführers benennen zu dürfen. Für diesen konkreten Fall bedurfte es gewiss keiner zusätzlichen Kriterienkommission – normaler Menschenverstand und gesundes Rechtsempfinden in Verbindung mit der prioritären Zielsetzung, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bewahren zu wollen, hätte vollkommen ausgereicht.

    Die CDU wollte sich bereits im letzten Jahr also nur Zeit „kaufen“ und die Uneinigkeiten in der eigenen Partei verschleiern. Was für eine verstörende Taktik!

    Bei der dann erfolgten Abstimmung fand diese CDU dann noch eine Mehrheit für ihren Antrag, in dieser Sitzung keine Abstimmung in dieser Frage – entgegen allen bisherigen Gepflogenheiten – stattfinden zu lassen. Hier zeigten auch SPD-und FDP-Vertreter ihre innere Zerrissenheit. Was sind das nur für Demokratie-Vertreter?!

    Es war eben eine Lehrstunde bezüglich Heuchelei und Verlogenheit von demokratisch gewählten Volksvertretern.

    Meine Hoffnung: Möge Robert Koop in der entscheidenden Ratssitzung den Antrag auf namentliche Abstimmung stellen, um für einen jeden Lingener Bürger einen Blick hinter die Kulissen eines solchen Schmierentheaters öffentlich kundzutun.

    Jeder Bürger kann dann selber entscheiden, ob sein gewählter Vertreter in der politischen Stadtratsvertretung seine Stimme abgegeben hat gegen eine politische Richtung in Deutschland, die behauptet, dass die Zeit von 1933-45 nur die Dauer eines „Vogelschisses“ dargestellt habe oder ob sein gewählter Vertreter seine Stimme gemäß eines Auftrages gegeben hat, der da lautet: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern müssen täglich neu erkämpft werden.

    Vor allem im gemeinsamen Kampf gegen rechte und linke politischen Strömungen, die unsere Demokratie zerstören und die Erneuerung eines Führerstaates anstreben.

    Hoffentlich werden alle Lingener Stadtratsvertreter frühzeitig von dieser Erkenntnis ergriffen.

    Paul Haverkamp, Lingen

  3. Günther Möller said

    Zunächst das Erfreuliche, das der besonnene Rat diesen irrsinnigen Vorschlag, die Abstimmung über den Namen der besagten Straße nicht vom überwiegend falsch informierten Volk machen zu lassen, richtig entschieden hat.
    Vorab legt mein Freund Robert los, weil er offenbar mal wieder beleidigt ist. Zum Abschluss der Hinweis auf die Landtagswahl im Herbst, wo er hofft, daß diese Entscheidung Einfluss haben wird.
    Dann geht das „Spiel“ von vorne los. Erst kommt Mathis, der offenbar immer noch keinen Nachnamen hat.
    Dann der große Auftritt von Max Koop (offenbar) Sohn und wahrscheinlich „Wohlstandsjüngling“.
    Bernd Rosemeyer war freiwilliges und reguläres Mitglied. Wissen Sie überhaupt den Unterschied von damals und heute was freiwillig war? „Ekelhaft und erschreckend“, dass ich das 3022 schreiben muss „Viel ekelhafter ist es, dass man es lesen muss!
    Dann später Herrn Brink etwas zu empfehlen und gleichzeitig anzuzweifeln und mit dem Alter verbindet und bezweifelt, ob er das noch begreift.
    Erstens, da sind wir Ihnen und den“ Neunmalklugen“ ein Stück voraus. Was bringen Sie als Lebensleistung denn schon auf den Teller?

    Wir haben gelernt, Respekt und Achtung und nicht bodenlose Frechheiten gegenüber älteren Menschen auszusprechen.
    Zum Schluss noch das „Wort zum Sonntag“ von Herrn Haverkamp.
    Einige Male in der seit Jahren dauernden Hin-und Herschreiberei entweder hier oder in der LT.

    Fakt ist und bleibt, Bernd Rosemeyer war ein untadeliger Sportler und ein Idol für mich als Nicht-Lingener und hatte mit den Machenschaften überhaupt nichts zu tun.

    Es wäre ein Skandal, wenn er durch eine Hand voll fanatischer Gegner aus der History Lingen verschwinden sollte.

    • Hans Brinck said

      Im Beitrag des Herrn Max Koop vom 24. Juni 2022
      unterstellt er mir mangelnde Denkfähigkeit aufgrund meines Alters (ich bin Jahrgang 1924). So schreibt er: „Hier fürchte ich allerdings, dass es zu spät ist; Wer in seinem Alter noch immer nicht verstanden hat, worum es geht und noch immer der NS-Propaganda rund um Bernd Rosemeyer verfällt, der wird es wohl nicht mehr begreifen — oder möchte es nicht mehr.“
      Diese Unterstellung möchte ich aufs Schärfste zurückweisen. Ich freue mich über den Beitrag von Herrn Günther Möller, der schreibt: „ Dann später Herrn Brink etwas zu empfehlen und gleichzeitig anzuzweifeln und mit dem Alter verbindet und bezweifelt, ob er das noch begreift.“
      Von Herrn Koop fühle ich mich diskriminiert. Ich entschuldige ihm das aber und führe sein Verhalten auf seine jugendliche Unerfahrenheit (Dummheit?) zurück.
      Wenn meine Altersgenossen sich auch unfair behandelt fühlen, dann gebe ich ihnen den Rat, sich zu wehren. Weil aber das Alter keine richtige Lobby hat, wissen von Altersdiskriminierung Betroffene oft nicht um ihre Möglichkeiten. Dabei sollten Sie wissen, dass Sie Anspruch auf Entschädigung und Schadensersatz haben, sofern ein Verstoß gegen das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungsg­setz (AGG) vorliegt.
      Als Zeitzeuge der Nazizeit verabscheue ich die Taten der SS usw. Ich war kein Mitglied der Hitlerjugend und betrachte mich heute als guten Demokraten. Deshalb verstehe ich auch den Rat der Stadt Lingen, dass er meiner Meinung nach hier den überwiegenden Volkswillen seiner Bürger befolgt. Der heisst: Beibehaltung der Bernd-Rosemeyer-Strasse zum Andenken an den erfolgreichen Lingener Rennfahrers und tadellosen Menschen.
      Für uns Jugendliche war er damals ein Idol und kein Täter oder Propangandist des NS-Regimes.

  4. Kib said

    Lieber Max,
    ich geh davon aus, dass Du den Text zu meinem link entweder nicht gelesen hast, oder eben doch, und nicht eingestehen magst, dass Du nicht recht hast, “ Max-nix 😉“Verstehe mich nicht falsch, aber zur Manifestation kritischer Haltungen gehört auch, dass man dazu steht, wenn man nicht richtig lag.

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