Nachruf: Erika Ahlers

31. Mai 2022

„Bis zum 30. April währte das Leben unseres  langjährigen Mitglieds Erika Ahlers auf dieser Welt. Dann starb sie – inzwischen 92 Jahre alt. Ihr Tod erfüllt uns mit Trauer.

Selbst Pfarrerstochter, hatte Erika Ahlers als Diakonin Beruf und Lebensaufgabe in der evangelischen Gemeindearbeit und Seelsorge gefunden. Zusammen mit Pastor Dreger von der Lingener Kreuzkirchengemeinde war sie schon bald auch bei den ersten Aktivitäten des damaligen Arbeitskreises Judentum-Christentum in den 1980-er Jahren dabei und sodann auch als aktives Mitglied des Forum Juden-Christen und bei Pax Christi.

Sie engagierte sich in den 80-er Jahren in der Friedensbewegung. Erika Ahlers initiierte bereits 1983 das halbstündige Friedensgebet an jedem Mittwochvormittag. Ein Protokollheft mit Namen, Liedern und Texten weist Themen für annähernd 2000 Friedensgebete aus. Erika Ahlers sorgte über vier Jahrzehnte stets für ein wechselndes Team zur Vorbereitung und Durchführung des Gebetes.

Unsere Erinnerungsarbeit unterstützte sie aus Überzeugung. Denn sie kannte den Schrecken des Nationalsozialismus mit seiner teuflischen, menschenverachtenden und mörderischen Ideologie aus eigener Anschauung, und was sie über die Shoah bis dahin noch nicht wusste, erfuhr sie bei ihren nimmermüden Besuchen der Schreckensstätten und Todesfabriken der Nazis, und sie war, so wie wir alle, in den vergangenen Jahren tief betroffen über das Wiedererstarken von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

Aus den Lehrhausgesprächen des Forum in der Jüdischen Schule war sie seit deren Start im Jahr 2003 nicht wegzudenken.

Erika Ahlers war ein Mensch, der überzeugt war, von dem, was man sagt und von dem, was man tut. Sie war von unerschütterlicher Beharrlichkeit, immer aber auch von vorbildlicher Geduld. Vor allem aber war sie ein Mensch von unüberwindlicher Güte.

So groß der Verlust auch ist, den ihr Tod für uns bedeutet, so gewiss wird die Erinnerung an sie in unseren Köpfen und in unseren Herzen weiterleben. Sie war für uns alle in ihrer fürsorglichen Weise eine Leuchte des Alters.“


Ein Beitrag des Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen eV
Foto: Wilfried Roggendorf, NOZ

Tradition

31. Mai 2022

Lasst uns über Tradition reden. Sie wird bekanntlich dann problematisch, wenn Formen um ihrer selbst willen bestehen, deren ursprünglicher Sinn verloren gegangen ist: „Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage“, sagt dazu Johann Wolfgang von Goethe.

Kenner dieses kleinen Blogs -jedenfalls solche aus Lingen- wissen, dass es jetzt natürlich um die Kivelinge geht. Die haben inzwischen alles an Tradition über Bord geworfen, was bisher unverrückbar schien: Kivelingskönig kann man sein, wenn man längst verheiratet ist – feiner Kerl sein reicht. 2022 gibt es auch kein Geschenk mehr an die Bürgerschaft. Die Festfolge ist ausgesprochen beliebig; man feiert hier und da und demnächst wieder. Die seltsamerweise Marketenderinnen genannten jungen Frauen engagieren sich für das Fest längst mehr als die jungen unverheirateten Bürgersöhne – oder jedenfalls genauso viel.

Das Kräftemessen von Tradition und Vernunft scheint gegen die Tradition entschieden. Die überkommenen Werte und Überlieferungen spielen keine Rolle mehr.

Also aus Anlass des bruchstückhaften Kivelingsfestes am kommenden Pfingstwochenende dieser herzliche Aufruf:

Öffnet unseren Junggesellenclub für die Junggesellinnen! Nehmt die jungen Frauen in den Verein auf! Civis, Civis, Civibus – der Wahlspruch unterscheidet nicht zwischen M, W oder D.

Kivelinge müssen nicht männlich sein. Und eine Kivelingskönigin, die eigenhändig den Papagei erlegt hat, auf den die Vereinsmitglieder schießen, und sich dann ihren Prinzgemahl auswählt -eine solche Frau wäre im 650. Jahr der Beginn einer großartigen neuen Tradition. 

Was meinen die Mitlesenden?