Einwohnerbefragung

3. April 2022

Der Lingener Reserveoffizier Hans-Wolfgang Biermann hat vor einigen Tagen bei der Stadt eine Einwohnerbefragung angeregt. Eine Einwohnerbefragung kann in Angelegenheiten der Kommune durch eine Befragung der Einwohnerinnen und Einwohner erfolgen, die mindestens 14 Jahre (!) alt sind und seit mindestens drei Monaten den Wohnsitz in der betreffenden Kommune haben. So reget es das Kommunalverfassungsrecht in Niedersachsen. Die Initiative hat OB Krone in der vergangenen Woche im Verwaltungsausschuss mitgeteilt. Die Ratsfraktionen und -gruppen haben sich das angehört. Gruppenvorsitzender Uwe Hilling (CDU) und der Betreiber dieses Blogs für die BürgerNahen haben dann geantwortet, dass sie diesen Antrag zuerst in ihren jeweiligen Gremien beraten wollen.

Biermann, begeistert-trotziger Befürworter des aktuellen Straßennamens, will mittels der Befragung die Frage klären lassen, ob „die Bernd-Rosemeyer-Straße in Fredy-Markreich Straße umbenannt werden (soll)? Ja/Nein“.

Dies passt nicht zu den Abläufen, die im Kulturausschuss vor und nach der Kommunalwahl verabredet wurden; sollte, so die Beschlusslage dort, die Prüfung des Namens Bernd-Rosemeyer-Straße anhand der dort erarbeiteten Kriterien ergeben, dass der Straßenname nicht tragbar ist, wird umbenannt. Dann steht Biermanns suggestive, weil unerklärte Fragestellung dazu im Gegensatz.

Sofern das Ergebnis der Namensprüfung nicht eindeutig ist, sondern „problematisch“, könnte über präzisere Fragestellung nachgesteuert werden, um was es eigentlich geht. Zum Beispiel: „Sollen in der Stadt (Ems) Lingen Straßennamen nach SS-Offizieren benannt sein? Ja/Nein“

Meine Meinung zu dem Thema kennt die Leserschaft dieses kleinen Blogs. Konkret gesagt hat es ein Lingener Kaufmann und Kiveling, der unter den lokalen und anderen Nazis unendlich gelitten hat, dennoch seiner Heimatstadt treu blieb, aber schließlich zwangsvertrieben wurde und schon bald danach im Ausland starb, also dasNS-Opfer Fredy Markreich in jedem Fall mehr verdient, dass seiner in Lingen in Form einer ihn ehrenden Straße gedacht und erinnert zwird, als ein Erfüllungsgehilfe und NS-Mitläufer, der bis zu seinem Tod bei einem „Weltrekord-Versuch“ für die Propagandamaschinerie der Nazis, nur zum Spaße noch seinen Geburtsort Lingen besuchte.

Ungeachtet dieser, meiner Meinung waren es allerdings die lokalen Nazis, die die Straße entlang des Bahnhofs ihren Namen gaben. Das allein ist allemal Grund genug für eine Änderung. Also um diese Straße nicht mehr so zu nennen, wie es die Nazis wollten. Das unterscheidet auch alle weiteren namentlichen Straßenamen in Lingen von der Bernd-Rosemeyer-Straße. Es gibt in Wahrheit kein „Aber was ist mit XY…?“ in diesem Kontext.

Ohnehin ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis der Straßenname geändert wird. Peinlich genug für Lingen, dass dies noch immer nicht erfolgt ist.