Peter Fischer
„Zweitastengesellschaft“
Schwarz sehen? Weiß nicht.
Lingen (Ems) – Professorenhaus, Universitätsplatz 5-6
Heute, 31.05.2022- 20 Uhr

Karten 15 €, erm. 7,50 €
Corona: 2 G+ und FFP2-Maske

Man könnte sich schwarzweiß ärgern. Wir wissen, dass wir unser blaues Wunder erleben, wenn unsere Klimabilanz weiter rote Zahlen schreibt – warum ist dann der neue Klimaschutz trotzdem fast nur dasselbe in grün? Warum wollen alte weiße Männer Kohle abbauen, bis sie schwarz werden? Wie können braune Populisten uns, ohne rot zu werden, das Blaue vom Himmel lügen und dabei einen auf weiße Weste machen? Warum werden uns diese Extreme nicht zu bunt? Und was machen wir mit der Wurzel allen Schwarzweißdenkens: dem Klavierunterricht? An diesen roten Fäden hangelt sich der prämierte Münchner Musikkabarettist Peter Fischer (Gewinner Deutscher Song Contest Troubadour, Kabarettpreis Krefelder Krähe u.v.m.) durch Abend voller Witz, Charme, Nachdenklichkeit und unterdrückten Wutanfällen. Und ein bisschen Jazz. Mit „Leichtigkeit verbindet Peter Fischer Klaviermelodien mit komödiantisch-sarkastischen und gesellschaftskritischen Texten (..) und bekommt dafür tosenden Applaus.“ (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG)


Junge Virtuosen
Gina Keiko Friesicke (Violine), Christian Köhn (Klavier)
Lingen (Ems) – Kunst-/Halle IV, Kaiserstraße 10a
Sonntag, 3. April 22 – 18 Uhr
Eintritt:  17 Euro, ermäßigt und für Mitglieder des Kunstvereins Lingen 15 Euro, Schüler*innen und Dozent*innen der Musikschule des Emslandes haben freien Eintritt
Aus organisatorischen Gründen wird um vorherige Anmeldung gebeten: T. (05 91) 5 99 95
info(at)kunsthallelingen.de

Gina Keiko Friesicke an der Violine in Begleitung des Pianisten Christian Köhn Kompositionen von Johannes Brahms, Serge Prokovjew, Ludwig van Beethoven und Camille Saint-Saens.


Foto: Kunstverein FB

 

 

Theatergruppe Thuine
„De Sündenbuck“ – Plattdeutsches Lustspiel
Lingen (Ems) – Theater an der Wilhelmshöhe
Willy-Brandt-Ring 44
Sa., 02. Apr. 15:00
Sa., 02. Apr. 20:00
ausverkauft

Bauer Hansen hat seine liebe Not mit seinen beiden ungleichen Söhnen. Günther, ein Tunichtgut und Weiberheld, läuft jedem Rockzipfel nach, während sein Bruder Alex wegen seiner Gutmütigkeit oft ausgenutzt wird. Vor lauter Schüchternheit bemerkt Alex nicht einmal, wie sehr Nachbarstochter Karin ihm zugetan ist.

Ein von Günther verschuldeter nächtlicher Autounfall führt zu allerhand Verwechslungen und Turbulenzen bei Familie Hansen und ihren Nachbarn. Dass der durchtriebene Günther seinen Bruder überredet, die Schuld auf sich zu nehmen, verschlimmert die Sache noch und bringt Alex in arge Bedrängnis.

Das Stück bietet alles, was man von einem plattdeutschen Lustspiel erwartet: Wortwitz, Schwung, Spannung, Missverständnisse und Überraschungen. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz.

Use Bühnenbauer wöörn flietig. Aber wi willt nich to vull verroahn. Wes’d gespannt up Linge. Denn Oabend is utverkofft, för de Vörstellung üm 3 Uhr gifft noch genoog Karten. Also, rut ut’n Sessel un Karten koapen.

Der Reinerlös der Veranstaltung wird dem Ortsverband Lingen des Deutschen Kinderschutzbundes zur Verfügung gestellt.

Verstieß die Veröffentlichung von Glyphosat-Gutachten gegen das Urheberrecht? Das Portal für Informationsfreiheit FragdenStaat hat endgültig den Rechtsstreit gegen das Bundesinstitut für Risikobewertung gewonnen. Der Bundesgerichtshof hat jetzt eine Beschwerde des BfR abgelehnt. 

Eine Demonstartion gegen die Verwednung von Glyphosat. Die Personen auf dem Bild tragen grüne T-SHirts. Sie halten Schilder in der Hand. Auf den Schildern steht: "Gemeinsam gegen Glyphosat" und Vorsorgeprinzip statt Konzerninteressen! Nein zu Glyphosat! Die Personen haben den Mund geöffnet und scheinen zu rufen.
Eine Demonstration von Glyphosat Gegner:innen 2016 CC-BY-SA 2.0 BUND Bundesverband

Der Bundesgerichtshof beendet endgültig den Urheberrechtsstreit zwischen FragdenStaat und der Bundesregierung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte die Informationsfreiheitsplattform bereits im Jahr 2019 abgemahnt und verklagt. Der Grund: FragdenStaat veröffentlichte ein Gutachten des BfR zu Krebsrisiken durch den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat.

Das BfR untersteht dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, zu der Zeit des beginnenden Rechtsstreits war Julia Klöckner (CDU) die zuständige Bundesministerin. Im Jahr 2015 hatte das BfR eine Stellungnahme zu einer Monografie der Internationalen Agentur für Krebsforschung verfasst. Dieses Dokument hatte FragdenStaat durch eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz erhalten und auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Urheberrechtsklage: Gutachten sollte gelöscht werden

Das Bundesinstitut für Risikobewertung ging gegen diese Veröffentlichung vor. Zuvor hatte das BfR bereits den MDR für die Veröffentlichung eines Reports zu Glyphosat und der BfR-Stellungnahme abgemahnt und schließlich verklagt.

Im Jahr 2020 bestätigte das Landgericht Köln im Fall von FragDenStaat, dass die Veröffentlichung des amtlichen Gutachtens keine Verletzung des Urheberrechts darstellte. Das Bundesinstitut ging dagegen in Berufung, aber auch das Oberlandesgericht Köln kam zum Ergebnis, dass die Veröffentlichung rechtmäßig war. Auch dagegen ist das BfR vorgegangen, scheiterte nun aber endgültig am Bundesgerichtshof. Die Beschwerde gegen eine Nicht-Zulassung einer Revision wurde endgültig abgewiesen.

Das Bundesinstitut betont, dass es in dem Gerichtsverfahren nicht um das Zurückhalten von Informationen ginge, sondern ausschließlich um die „Veröffentlichungs- und Weiterverbreitungsrechte an einem Wissenschaftlichen Dokument“, so das BfR in einer Pressemitteilung vom 7. Februar.

Die Gefahr von Glyphosat

Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO hat das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat als „wahrscheinlich Krebserregend“ eingestuft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft das Risiko anders ein und schreibt, dass bei bestimmungsgemäßem Gebrauch „kein krebserzeugendes Risiko für den Menschen zu erwarten ist“. Glyphosat ist in Deutschland bis 2023 zugelassen. Die Kritik an der Verwendung von Glyphosat dauert an.

Schon 2019 forderte FragdenStaat eine Reform des Urheberrechtsgesetzes. Sie wollen erreichen, dass die Veröffentlichung solcher behördlicher Dokumente, wie des Glyphosat-Gutachtens, nicht mehr durch das Urheberrecht verhindert werden kann.
BGH, Beschl v. 27.01.2022, Az. I ZR 84/21


Mehr:

zum Glyphosat-Gutachten

zum ausführlichen Urteil des OLG

zum Beschluss des BGH

mehr Infos zum Zensurheberrecht


Alexandra Conrad auf netzpolitik.org/Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

Streetfood

30. März 2022

Nach zwei Jahren Corona-bedinger Pause kehrt das Streetfood Festival zurück in die Emslandhallen nach Lingen (Ems).
Bei dieser Veranstaltung für die ganze Familie („Familienevent“) wird neben kulinarischen Besonderheiten von diversen Essen- und Getränke-Anbietern auch -so der Veranstalter- „noch eine große Kids Area“ (also Kinderspielbereich) geboten.
Viel Spaß und guten Appetit!

Max Raabe

30. März 2022

Max Raabe und das Palast Orchester
“Guten Tag, liebes Glück”

Lingen (Ems) – EmslandArena
Freitag, 1. April – 20 Uhr
Karten: ab 34.50 Euro – VIP-Ticket auf Anfrage: 0591 912950 oder 0591 9144144.

„Heute ist ein guter Tag, um glücklich zu sein” ist inzwischen ein geflügeltes Wort geworden. Max Raabe schrieb die Zeile für das Lied „Guten Tag, liebes Glück“. Nun wird “Guten Tag, liebes Glück” Titel des neuen Konzertprogramms von Max Raabe & Palast Orchester.

Das Album “Max Raabe & Palast Orchester MTV Unplugged” erreichte Goldstatus. Zu dieser besonderen Live-Produktion lud sich das Ensemble Künstler ein, die man nicht sofort mit ihm in Verbindung gebracht hätte. Max Raabe präsentiert beispielsweise „Guten Tag, liebes Glück“ zusammen mit der charmanten Sängerin LEA, mit Herbert Grönemeyer singt er „Mambo“, “Der perfekte Moment” entwickelt sich durch Samy Deluxe mühelos zur Rap-Nummer, und mit dem monströsen Mr. Lordi entsteht eine überraschend berührende Version von „Just A Gigolo“. Getragen wird das Ganze mit traumwandlerischer Sicherheit vom virtuosen Palast Orchester.

Diese und weitere Titel des Albums werden – wenn auch ohne Gastkünstler – Teil der Tour „Guten Tag, liebes Glück“. Dazu kommen weitere „Raabe-Pop“-Titel die geschickt verwoben werden mit alt-geliebten und neu entdeckten Liedern aus den 20er/30er Jahren.

„Die EmslandArena startet wieder nach Corona. Max Raabe ist einer der ersten großen Künstler, der sich die Ehre gibt. Karten sind noch ausreichend vorhanden. Das überrascht mich.“

Corona:
G3!
Geimpfte und genesene Besucher erhalten nach Vorlage eines entsprechenden Nachweises (Impfpass, digitales Zertifikat o.ä.) und eines Ausweisdokuments Zutritt in die EmslandArena.
Getestete Besucher müssen einen Testnachweis und ein Ausweisdokument mit sich führen, um Zutritt in die EmslandArena zu erhalten. Dies kann ein PoC-Antigen-Schnelltest (max. 24 St. gültig) oder ein PCR-Test (max. 48 St. gültig) sein. Von der Pflicht einen Testnachweis zu erbringen, sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren befreit. Weitere Informationen dazu erhaltet Ihr über unsere Hotline: 0591 91295-0.

Beim Einlass sind Personalausweis, Schülerausweis bereit zu halten.Eine FFP2-Maskenpflicht besteht bis zum Sitzplatz.

Tickets gibt es an allen bekannten Eventim-Vorverkaufsstellen sowie an unseren Ticket-Hotlines 0591 912950 oder 0591 9144144.

Reporter ohne Grenzen: „Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai veröffentlichen wir jährlich unser Fotobuch „Fotos für die Pressefreiheit“. Mit dem Fotobuch machen wir auf gravierende Verstöße gegen die Presse- und Meinungsfreiheit weltweit aufmerksam. Dazu stellen uns renommierte, aber auch unbekannte Fotografinnen und Fotografen ihre eindrucksvollsten Bilder zur Verfügung. Zudem berichten sie in bewegenden Interviews über ihre journalistische Arbeit und die Lage der Pressefreiheit in ihren Heimatländern. Unterstützt durch Länderbeiträge sowie Zahlen und Fakten entsteht ein einmaliger Jahresrückblick auf weltweite Begebenheiten rund um Presse-, Meinungs- und Informationsfreiheit.“

Reporter ohne Grenzen: „Recherchieren, Anklagen, Unterstützen – Reporter ohne Grenzen dokumentiert Verstöße gegen die Presse- und Informationsfreiheit weltweit und alarmiert die Öffentlichkeit, wenn Journalisten und deren Mitarbeiter in Gefahr sind. Wir setzen uns für mehr Sicherheit und besseren Schutz von Journalisten ein. Wir kämpfen online wie offline gegen Zensur, gegen den Einsatz sowie den Export von Überwachungstechnik und gegen restriktive Mediengesetze.“

Das Projekt darf noch unterstützt werden: Hier geht’s lang.

Das Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) ist in schwerer See. Die Corona-Krise hat tiefe Spuren im Etat der „Heimvolkshochschule“ hinterlassen – so tiefe, dass diskutiert wurde, das LWH zu aus Kostengründen zu schließen. Das Bistum Osnabrück wolle die Defizite der konservativen Bildungseinrichtung nicht tragen, war zu hören. Stadt und Landkreis schossen erhebliche Summen zu und als Feuerwehrmann sprang übergangsweise der Lingener Ex-OB Heiner Pott ein –  nach dem, wie eine Flucht aussehenden Weggang des LWH-Chefs Michael Reitemeyer und dem personellen Missgriff Hubert Wissing, der quasi schon wieder weg war, bevor er richtig angekommen war. Jetzt soll -von Pott vermittelt-  Marcel Speker die Dinge richten und den Bestand des LWH sichern. Den Lebenslauf des überzeugten CDU-Mannes – amtierender Vorsitzender der CDU in Bad Bentheim – mit Stationen als Angestellter der CDU-Stadtratsfraktion Münster und bei Arbeitgeberverbänden prägen fast 12 Jahre Tätigkeit als Angestellter beim Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen – iGZ e.V. geprägt – eine Lobbyorganisation und bekanntlich nicht unbedingt ein Hort christlicher Nächstenliebe und Werte.

Ich bin gespannt, ob das Personalexperiment trotzdem klappt, oder ob das LWH von seiner offenen, eher christlich-liberalen Ausrichtung inhaltlich ein Stück weit abrückt. Muss man erwarten, dass das LWH parteipolitischer und konservativ-fundamentalistischer wird al ohnehin schon. Auf ein christliches „Halbjahresmotto“ hat man schon mal verzichtet.

Ziemlich verspätet hat der neue Mann erst vor wenigen Tage sein erstes LWH-Halbjahresprogramm vorgelegt. Wenn ich es richtig sehe, sind die Akademieabenden gestrichen. Das zeigt inhaltliche Schwäche und ist deshalb bedauerlich, weil sie das LWH für nicht wenige Lingenerinnen und Lingener öffneten. Das „HJP“ gibt es auch nicht mehr gedruckt sondern nur noch online; man kann es also nicht mehr zur Hand nehmen und durchblättern. Speker schreibt außerdem über sich im Online-Vorwort mit sprachlich nicht unbedingt überzeugenden Ausflügen in den Konjunktiv:

„Das aktuelle Halbjahresprogramm des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) in Lingen ist online. Diesmal ist Einiges neu: „Das „HJP“, wie wir es nennen, liegt diesmal nicht in gedruckter, sondern nur in digitaler Form vor. Damit tragen wir dem Nutzerverhalten Rechnung und gleichzeitig auch zu einem ressourcenschonenden Umweltverhalten bei. Dabei bietet das rein digitale Format neue Möglichkeiten und mehr Nutzerfreundlichkeit – das interaktive Register ermöglicht eine schnelle und unkomplizierte Orientierung und Navigation. Die Möglichkeiten der Direktverlinkung bringen Sie direkt aus dem Programm zur Buchungsmöglichkeit oder eröffnen weitere Informationen zur Veranstaltung“, erklärt Akademiedirektor Marcel Speker.

Darüber hinaus suche man in diesem HJP auch das „Halbjahresmotto“ vergeblich. „Wir haben uns entschieden, diesmal auf ein Motto zu verzichten, weil wir die Breite unseres Angebotes dadurch deutlicher machen wollen. Wir sind ein Bildungshaus, das Qualifizierung und Fortbildung für Menschen anbietet, die Dienst am Menschen leisten. Das betrifft Lehrkräfte, Frühpädagogen, den Pflege-, Hospiz- und Palliativbereich und natürlich auch die diözesanen Angebote. Das ist unsere Kernkompetenz, neben den gesellschaftspolitischen Ertüchtigungen junger Menschen, die uns nicht zuletzt unser Namensgeber Ludwig Windthorst als Auftrag mitgibt“, so Speker.

Aufgrund der Corona-Pandemie hätten die ersten Wochen des Jahres nicht wie aus Sicht des LWH erhofft und gewünscht verlaufen können. Viele Teilnehmenden hätten aus Vorsicht Veranstaltungen, die eigentlich hätten stattfinden dürfen, storniert oder verschoben. Deswegen veröffentliche man auch jetzt erst das neue Programm. „Wie Sie aus diesem Programm erahnen können: wir gehen trotz Allem zuversichtlich und motiviert in das Jahr. Die Menschen möchten Bildung und Begegnung auch weiterhin miteinander verbinden. Dafür bieten wir die Inhalte, den Rahmen und den Raum“, so Speker. Dennoch nehme man die Möglichkeiten, die sich durch den allgemeinen Digitalisierungsschub der vergangenen Monate ergeben haben, punktuell mit auf. So gebe ein erstes Blended-Learning-Angebot in diesem Programm. Dabei gehe es darum digitale und Präsenz-Angebote sinnvoll und ergänzend miteinander zu verbinden. Diese Angebote sollen zukünftig weiter ausgebaut werden. Auch bei den Themen gebe es, neben den bewährten Angeboten, auch in diesem Jahr wieder neue Angebote.“

Die gepriesene Direktverlinkung ist bei mir hängen geblieben; denn sie wirft natürlich die grundsätzliche Frage auf, wohin?

Langzeitgewahrsam

27. März 2022

Das Polizeigesetz in NRW ermöglicht der Polizei, Personen länger festzuhalten – begründet wurde dies mit Terrorismus. Vier Jahre später stellt sich heraus: Die größte Einzelgruppe in Langzeitgewahrsam sind Menschen aus der Klimabewegung. Ein Beitrag von Netzpolitik.org.

Polizeimaßnahme gegen Demonstranten
Polizeimaßnahme gegen Klima-Aktivist:innen bei den Protesten im Hambacher Forst. CC-BY-NC 2.0 Aktion Unterholz

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen setzt immer mehr Menschen mit klimapolitischem Hintergrund in einem außergewöhnlich langen Gewahrsam fest. Rechtliche Grundlage dafür ist das geänderte Polizeigesetz des Landes. Eine Recherche von Krautreporter hat nun erstmals Zahlen zu diesen Gewahrsamnahmen veröffentlicht.

Im Jahr 2018 hatte das Bundesland ein neues Polizeigesetz mit erweitertem Präventivgewahrsam bekommen, gerechtfertigt wurde dieses vom NRW-Innenministerium mit Befugnissen gegen Terroristen. Mit der Gesetzesänderung wurde ein Gewahrsam von bis zu sieben Tagen und bei einer drohenden Gefahr bis zu 28 Tagen ermöglicht – ohne, dass eine Straftat vorliegen muss.

Die Polizei in NRW nutzt laut einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage das Mittel des längerfristigen Gewahrsams immer häufiger: Waren im Jahr 2019 noch 35 Menschen in einem solchen Langzeitgewahrsam, sind es 2021 mit 97 fast dreimal so viele gewesen.

Bei Krautreporter heißt es:

Schaut man sich an, wer da festgenommen wird, ergibt sich für den gleichen Zeitraum 2019 bis 2021 ein eindeutiges Bild: Kein einziger rechter Gefährder wurde in Gewahrsam genommen, sechs religiös motivierte Gefährder – und insgesamt 74 Menschen im Zusammenhang mit Klimaprotesten.

Nun landen also kaum die mutmaßlichen Terroristen, mit denen das Gesetz begründet wurde, in präventivem Gewahrsam, sondern Klima-Aktivist:innen. Schon ein Jahr nach Einführung des Polizeigesetzes zeichnete sich dieser Trend ab. Von einer „Lex Hambi“ war damals die Rede, also einem Gesetz, das sich gegen die Klimaproteste im Hambacher Forst richte.

Besonders gegen Klima-Aktivismus

Weil Aktivist:innen als Form des zivilen Ungehorsam oftmals auch die Identitätsverweigerung nutzen, keine Ausweise bei sich tragen und sich die Fingerkuppen mit Sekundenkleber verkleben, ist bei der Polizei nach einer Blockade-Aktion keine Identitätsfeststellung möglich. Die Identitätsverweigerung nimmt die Polizei dann als Vorwand, diese Aktivist:innen so lange in Gewahrsam zu halten, was wegen der Blockade selbst gar nicht möglich wäre.

Dass in Nordrhein-Westfalen Gesetze vermehrt gegen Klima-Aktivist:innen genutzt werden oder sogar für sie geschrieben werden, ist kein Einzelfall. Im neuen umstrittenen Versammlungsrecht, welches die Demonstrationsfreiheit im Bundesland deutlich einschränkt, ist auch ein Passus, der Demonstrationen auf Autobahnen pauschal verbietet. Dass die schwarz-gelbe Landesregierung mit dem Gesetzestext Klimaproteste im Fokus hatte, zeigt sich auch in der Gesetzesbegründung. Dort wurden die oftmals bei Klimaprotesten genutzten weißen Maleranzüge mit Uniformen von SA und SS gleichgesetzt.


Ein Netzpolitik-Beitrag von

 

Ukraine-Soli-Abo

26. März 2022