Die niedersächsischen Grünen fordern einen Not-Halt für das AKW Emsland in Lingen und zwar bis Mängel überprüft sind. Warum?

Im Kernkraftwerk Emsland wurden schon 2019 Risse an zwei Dampferzeuger-Heizrohren entdeckt. 2020 musste erneut ein schadhaftes Rohr verschlossen werden, an einem weiteren Rohr wurde fortschreitender Lochfraß festgestellt. Lediglich ein Teil der 16.000 Dampferzeuger-Heizrohre wurde aber 2019 und 2020 im Rahmen von „Sonderprüfungen“ untersucht. Weitere Prüfungen sind auch bei der anstehenden Jahresrevision 2022 nicht vorgesehen. Aktuell gebe es „keine Hinweise, die auf einen aktiven Korrosionsmechanismus innerhalb der Dampferzeuger hinweise,“ heißt es in der Regierungsantwort an die Grünen, die danach gefragt haben.

Bündnis’90/Die Grünen fordern wie die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt und das ‚Bündnis AgiEL – AtomkraftgegnerInnen im Emsland‘ eine vollständige Durchleuchtung aller Rohre. Betreiber und Atomaufsicht benennen Korrosion als Ursache der Schäden, diese sei auf den Eintrag von Verunreinigungen zurückzuführen. Im AKW Emsland und im AKW Neckarwestheim II wurden jeweils die gleichen Gegenmaßnahmen ergriffen: Vorsorgliches Verschließen potenziell betroffener Kondensatorrohre, Spülungen der Dampferzeuger-Rohre und eine engmaschigere Kontrolle der wasserchemischen Parameter. Dennoch werden im AKW Neckarwestheim bislang jährlich neue Roststellen identifiziert – nun auch an den sog. „kalten Enden“ der Rohre. Wegen der fortschreitenden Korrosion klagt .ausgestrahlt aktuell auf sofortige Stilllegung des AKW Neckarwestheim II vor dem Verwaltungsgericht Mannheim.

Die nur 1,23 mm dicken Wände der Dampferzeuger-Heizrohre sind die sicherheitstechnisch wichtige Barriere zwischen dem radioaktiven Reaktorkreislauf (Primärkreislauf) und dem nicht-radioaktiven, die Turbinen antreibenden Wasser-Dampf-Kreislauf (Sekundärkreislauf). Bereits der Bruch eines einzigen der mehr als 16.000 Rohre stellte einen schweren Kühlmittelverluststörfall dar, weswegen alle von Spannungsrisskorrosion betroffenen Rohre umgehend verschlossen werden müssen.Das letzte Betriebsjahr des Atomkraftwerks Emsland in Lingen ist angebrochen. Spätestens zum Jahresende 2022 wird es im Zuge des Atomausstiegs endgültig vom Netz gehen. Die Grünen im Landtag äußern nun scharfe Kritik am Sicherheitsmanagement von SPD-Umweltminister Olaf Lies. Trotz bekannter Korrosionsprobleme verweigert die Atomaufsicht weiterhin eine vollständige Überprüfung aller potentiell betroffenen Rohre, wie eine grüne Anfrage belegt.

Miriam Staudte, atompolitische Sprecherin der Grünen sagte zu all dem heute in einer Pressemitteilung:

„Ein Atomkraftwerk darf nicht im Blindflug betrieben werden. Das AKW Emsland muss sofort abgeschaltet werden, bis jedes einzelne Rohr überprüft ist. Umweltminister Lies vernachlässigt seine Aufsichtspflicht und nimmt damit die Gefahr von Störfällen in Kauf. Der Betreiber RWE und die Atomaufsicht handeln nach dem Prinzip Hoffnung, dass der alte Kessel noch bis zum Laufzeitende durchhält. Das ist ein eklatanter Bruch des öffentlichen Versprechens, dass höchste Sicherheitsanforderungen bis zum letzten Betriebstag umgesetzt würden.

Wer nicht in die dunklen Ecken guckt, will die Probleme offensichtlich nicht sehen. Lies ignoriert die Erkenntnisse aus dem baugleichen AKW Neckarwestheim. Dass es im AKW Lingen seit 2020 keine neuen Meldungen von Rostschäden gibt, ist keine Entwarnung. Der besorgniserregende Grund: Es wurde schlicht nicht weiter gesucht. Im Gegensatz zu Niedersachsen lässt die Atomaufsicht in Baden-Württemberg jedes Jahr alle Dampferzeugerrohe auf voller Länge überprüfen. Dort wurden Rostschäden nun auch in Bereichen gefunden, die bislang als unproblematisch galten und im AKW Emsland noch gar nicht untersucht wurden.“


Quelle: PM Bündnis’90/Die Grünen
Foto: © dendroaspis via flickr

Nichts, gar nichts davon

31. Januar 2022

Letzte Woche wurde im Landtag in Hannover die Novelle des Hochschulgesetzes verabschiedet. Die Studierenden fühlen sich – mal wieder – nicht gehört. Die aktuelle Novelle des niedersächsischen Hochschulgesetzes hat eher so Reförmchencharakter, ein bisschen mehr Autonomie hier, ein paar kleinere Korrekturen dort – nichts, was bisher eine Riesenwelle ausgelöst hätte.

Die hat Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) allerdings auch gerade erst hinter sich – Sparpläne und globale Kürzungen im Landeshaushalt hatten in den Hochschulen für viel Unruhe gesorgt.

Nun sollen also Präsidien und Senate gestärkt werden und mehr Befugnisse erhalten. „Differenzierte Hochschulautonomie“ nennt Thümler dies. Der FDP geht das längst nicht weit genug, noch immer regiere an den Hochschulen vor allem die landespolitische Bürokratie, nötig sei echte Autonomie, als ­Arbeitgeber wie als Bauherr, betont FDP-Fraktionschef Stefan Birkner.

„Mit den Einsparungen im Wissenschaftsbereich und auch mit der Änderung des Hochschulgesetzes bleiben die Hochschulen überreguliert und unterfinanziert“, hatte der hochschulpolitische Sprecher Lars Alt (FDP) schon im vergangenen Sommer kritisiert, als das Gesetz eingebracht wurde.

Die Beratung im Fachausschuss hat daran nicht viel geändert und auch die Studierenden sind frustriert. „Wir haben im Januar 2020 zum ersten Mal unsere Forderungen an den Wissenschaftsminister herangetragen“, sagt Daryoush Danaii vom „freien zusammenschluss von student*innenschaften“ (fzs) in einer Pressekonferenz am Dienstag. Auch in der Anhörung im Ausschuss habe man noch einmal versucht, den eigenen Standpunkt klar zu machen. „Nichts, gar nichts davon hat Eingang gefunden in den Gesetzentwurf.“

Die Studierenden befürchten…

[weiter bei der taz]

Schweinsteiger

30. Januar 2022

Nadia rüttelt nicht mehr, aber dieser Sonntag kann wohl besser lesend verbracht werden. Da kommt dies gerade recht:

Der in Zürich beheimatete Diogenes-Verlag zählt zu den renommiertesten in deutschsprachigen Landen. Er hat den neuen Roman von Martin Suter verlegt. Weltmeister Bastian Schweinsteiger ist der Held des Buches. Suter erzählt darin Wahres und fast Wahres aus dem Leben des Mannes, dem es nicht in die Wiege gelegt war, alles zu erreichen, was man als Fußballer erreichen kann. Wie der Sportler, den alle immer noch Basti nennen, so erfolgreich wurde? Wir erfahren: Nicht aus Ehrgeiz. Aus Freude am Erfolg.

Zu dem umfangreich beworbenen 384-Seiten-Buch gab es eine Diogenes-Pressekonferenz in Berlin. „Auch und gerade Journalisten und Journalistiinnen von Bild, RTL und Radio Schlagerparadies stellen ihre Fragen. Nicht gerade die kultursinnigsten Medien. Was ist denn da los?“ fragen die Revierpassagen.

„Martin Suter, Schweizer Schriftsteller von einigen Graden und Gnaden, hat ein Buch über den weltmeisterlichen Fußballer Bastian Schweinsteiger geschrieben. Da wittert halt auch der Boulevard womöglich knackige „Geschichten“. Ein „Bild“-Mann – schon spürbar gierig auf die Schlagzeile – will gar Näheres zu einer Roman-Sequenz wissen, in der sein Blatt vorkommt. Derlei Begehrlichkeiten mag Martin Suter denn doch nicht bedienen…“

…hier geht’s weiter bei Revierpassagen  

…und hier kann das Buch für 22,- Euro und den nächsten Wintersturmtag bestellt werden: Holzberg, Lingen (Ems). Am besten nicht über den Großhandels-Shop sondern direkt per E-Mail, weil finanziell mehr bei unserer Buchhandlung hängen bleibt. Die ISBN-13 lautet: ‎ 978-3257071689.

„Sie verkaufen dich, ohne mit der Wimper zu zucken“, hört man die Kurdin Hala sagen. Sie sitzt im Gras, ein Gewehr klemmt unter ihrem linken Arm. Im Hintergrund ist ein Stacheldrahtzaun zu sehen. Hala erzählt gerade, wie ihr Vater sie mit 19 Jahren an einen Freund der Familie verkaufen wollte. Eines Tages kam sie nach Hause und die beiden Männer standen im Wohnzimmer. Geld lag auf dem Tisch, und ihr Vater sagte zu ihr: „Das ist dein Verlobter.“

Hala wusste damals nicht, ob sie weinen oder lachen sollte. Sie flieht und schließt sich der Militärakademie in Rojava in Westkurdistan an. Dort beginnt der DokumentarfilmThe Other Side of the River“ von Antonia Kilian. Ihr Langfilmdebüt ist ein bewegendes Porträt der 21-jährigen Hala, die dafür kämpft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen

Im Jahr 2016 verschlug es die Regisseurin in die syrische Stadt Manbidsch, die kurz zuvor durch kurdische Truppen vom „Islamischen Staat“ befreit wurde. Manbidsch liegt in Rojava, einem autonomen kurdischen Gebiet in Syrien, das versucht, ein basisdemokratisches System mit einer progressiven Frauenpolitik aufzubauen. Antonia Kilian wollte diesen Wandel begleiten und mehr über die Frauenbewegung erfahren. In Manbidsch lernt sie Hala kennen. Sie ist… [weiter bei der taz]

und mehr hier


Antonia Kilian

studierte Visuelle Kommunikation, Kunst und Medien an der Universität für Kunst und Film in Berlin sowie Cinematografie an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und an der ISA in Havanna, Kuba. Sie arbeitet als Regisseurin, Kamerafrau und Produzentin mit eigener Produktionsfirma Pink Shadow Films. THE OTHER SIDE OF THE RIVER ist ihr „erstaunliches poetisches“ (epd) Dokumentarfilm-Regiedebüt.

Shkoon

das sind Thorben Diekmann und Ameen Khayer aus Hamburg. Das deutsch-syrische Duo macht die Film-Musik: Middle East Electronik. Die beiden Musiker haben sich einst in einer Hamburger Wohngemeinschaft gefunden. Shkoon paart orientalische Melodien mit abendländischer Elektronik. In ihrer Musik verschmelzen Klavier, Geige, Synthesizer, Percussions und Gesang, die Grenzen der Kulturen verschwimmen. Das Duo stellte 2019 ihr Debüt-Album „Rima“ vor. Auf youtube kann man ihre Stücke „33.9 Million Miles“ und die Titelmusik dieses Dokumentarfilms hören: „Forgotten Stories“. Es dominieren verschiedenste Tasteninstrumente und das elektronische Equipment den Sound. Er hat mir gefallen.

Lingener Stadtteile

28. Januar 2022

„Die Wikipedia ist ein am 15. Januar 2001 gegründetes gemeinnütziges Projekt zur Erstellung einer freien Internet-Enzyklopädie in zahlreichen Sprachen mit Hilfe des sogenannten Wikiprinzips. Gemäß Publikumsnachfrage und Verbreitung gehört die Wikipedia unterdessen zu den Massenmedien.
Die Inhalte der Wikipedia werden von freiwilligen Mitarbeitenden, auch Autorinnen und Autoren genannt, erstellt und gepflegt, die dafür keine finanzielle Entschädigung seitens Wikipedia/Wikimedia erhalten. Die freiwillige Mitarbeit steht prinzipiell jeder Person offen, die sich zu den Wikipedia-Grundprinzipien bekennt.“ [1]

Einer der Autoren ist Andi_69 — er hatte am 5. März 2006, einem kalten Sonntagnachmittag, das Lemma „Lingen_(Ems)“ unter dem Menupunkt „Vergrößerung des Stadtgebietes“ um eine Auflistung samt Grafik „Dörfer Lingen“ mit dem Kommentar „Gliederung Lingen“ beigetragen.[2] Am 30. April 2006 strich der Autor Robert Weemeyer das zuvor neben die Grafik hinzugefügte Reuschberge aus der Liste, mit dem Kommentar: „Reuschberge als Teil des alten Stadtgebietes ist auf der Karte nicht dargestellt.

Von einer Schweizer IP-Adresse erfolgte dann am 19. November 2006 – mittels Auskommentierung – eine Verknüpfung der Bereiche Stadtgliederung und Vergrößerung des Stadtgebietes. Mit eben dieser Änderung wurde die tatsächliche Liste der Ortsteile Lingens gestrichen und die Dörferlistung samt Grafik rückte an dessen Stelle.

Seit dieser Versionsänderung verblieb die Grafik samt Liste recht unbehelligt. Noch immer  befindet sie sich unter dem Eintrag Lingen (Ems) in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Lingen_(Ems)

Und jetzt gibt es seit kurzem in Lingen vom „Lingen Wirtschaft & Tourismus“ -kurz LWT- in der Tourist-Info und bei LingenLiefert! und in Kooperation mit Rabona Teamsport eine neue Klamottenkollektion für unsere Stadt. Analog und sehr schick!

Just das Motiv „Lingen Stadtteile“ führte jetzt zu Irritationen. Es fehlen nämlich einige Stadtteile, vor allem die großen. Unter anderem Damaschke und Reuschberge oder Heukamps Tannen und Stroot. Dafür finden sich allerdings gleichzeitig Hüvede, Mundersum, Münnigbüren, Ramsel auf dem Motiv des LWT. Man muss eben Schwerpunkte setzen…

Screenshot Facebook-Post LWT Lingen

Bild: Älterer Gastwirt und Fans mit Lingen-Hoodie, Facebook-Screenshot

[1] Seite „Wikipedia“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 18. Januar 2022, 05:42 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia
[2] https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stadt_Lingen.png

Strafzinsen unzulässig

27. Januar 2022

Kurze Info:

Zu den größten Ärgernissen für Sparer gehört derzeit der Umstand, dass Bankguthaben von selbst schrumpfen. Denn die meisten Banken berechnen neuerding auf Guthaben ein sogenanntes „Verwahrentgelt“, also einen Strafzins von meist 0,5 % pro Jahr. Die Freibeträge betragen mitunter gerade mal 5.000 €. Doch die Banken spüren auch juristischen Gegenwind. Nach dem Landgericht Berlinhat auch das Landgericht Düsseldorf den Strafzins für unwirksam erklärt (Urt. v. 22.12.2021; Az. 12 O 34/21).

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hatte gegen ein Verwahrentgelt der Volksbank Rhein-Lippe geklagt – und bekam nun recht. Die Richter halten den Strafzins neben den normalen Kontoführungsgebühren für unzulässig. Die Bank erbringe nur eine Leistung, verlange aber faktisch eine doppelte Gegenleistung. Den Kunden bleibe auch keine Wahl, ob sie die „Zusatzleistung“ des Verwahrentgelts annehmen oder nicht.

Auch das Landgericht Berlin hat Verwahrentgelte schon beanstandet, nämlich die der Sparda-Bank (Landgericht Berlin (Urt. v. 28.10.2021, Az. 16 O 43/21) . Auch hier hatten die Verbraucherschützer geklagt.

Beide Urteile aus Düsseldorf und Berlin sind noch nicht rechtskräftig, andere Gerichte haben Strafzinsen auch schon als möglich eingestuft. Am Ende wird wohl der Bundesgerichtshof Klarheit schaffen müssen. Bis dahin dürfte aber noch einige Zeit vergehen – zwei Jahre werden es werden.

Quelle: LawBlog Udo Vetter

Der kleine Schwindel

25. Januar 2022

Vorgestern hatten wir hier im Blog den großen Bautzener Schwindel, jetzt den kleinen Emsland-Schwindel, der mir fast durchgegangen wäre. Denn wer liest schon akkurat den überregionalen Teil unserer Lokalzeitung „Lingener Tagespost“, also die „Neue Osnabrücker Zeitung“ NOZ? Ich jedenfalls eher nicht, weil ich mich viel lieber an solch‘ wunderbaren Beiträgen erfreue, die es trotz hohen Bezugskosten in der NOZ nicht gibt; if you know you know – fröhlich SZ-übersetzt mit „Weißte bescheid!“

Also weißte bescheid? Dieser kleine Nachtreter-Leserbrief in der NOZ-Gesamtausgabe vom letzten Samstag (Ausriss re.)  ist ein Musterbeispiel von Unaufrichtigkeit. NOZ-Leser Björn Roth greift darin den Bundesvorstand der Grünen an. Dessen Mitglieder, längst hauptamtliche Politiker, haben sich den steuerfreien Corona-Bonus bewilligt, jeweils 1500,- Euro. Deswegen ermittelt jetzt die Berliner Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts einer Straftat – welcher auch immer; denn ermittelt wird bekanntlich viel. Und Björn Roth leserbrieft empört über das Geschehen an die NOZ.

Björn Roth? Da war doch was? Was die NOZ und er verschweigen und was kaum jemand weiß: Roth ist hauptamtlicher (!) Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Lingen. Er wird also für die Öffentlichkeitsarbeit seiner CDU bezahlt und weder die Zeitung noch der Leserbriefschreiber legen dies offen. Das ist bereits der kleine Emsland-Schwindel; denn man legt selbiges natürlich offen.

Und überhaupt: Wer weiß denn, ob der hauptamtliche CDU-Funktionär nicht auch den steuerfreien Corona-Bonus bekommen hat? Ich weiß es nicht, aber er könnte ja und bei all den offenen Händen in seiner Partei würde es mich nicht wundern, wenn. Oder nicht, Björn?

Fahrradstraße

24. Januar 2022

Das ist nun mit ziemlicher Sicherheit nicht der Ausgang, den sich der klagende Anwohner sich erhofft hatte. Im hannoverschen Zooviertel – einer der teureren Wohngegenden der Landeshauptstadt – hatte der von Beruf als Richter tätige Mann gegen die Einrichtung der Kleefelder Straße als Fahrradstraße vor seiner Haustür geklagt und bekam tatsächlich R echt und das nicht zum ersten Mal; schon vor gut zwei Jahren war er erfolgreich gewesen (mehr…) und jetzt wieder, auch wenn das Urteil vier Monate brauchte, um bekannt zu werden.

Es reiche nicht, einfach nur ein Schild aufzustellen, das eine Straße zu einer Fahrradstraße erkläre, urteilten die Verwaltungsrichter. Damit dies rechtens sei, müssten Radfahrer in der kleinen Wohnstraße, in der sich teils Pkw-Parkplätze längs der Fahrbahn befanden, tatsächlich Vorteile gegenüber normalen Straßen haben. Aber das sei nicht der Fall gewesen. Ein Nebeneinanderfahren mit dem Rad, wie es gesetzlich bei Fahrradstraßen eigentlich vorgesehen ist, war beispielsweise nicht möglich, wenn Radfahrern Kraftfahrzeuge entgegenkamen.

Okay sagte die Stadt Hannover nach kurzem Überlegen und akzeptierte das Urteil, ohne in Berufung zu gehen: Dann entfernen wir eben die hinderlichen Parkplätze. Künftig darf in der Kleefeldstraße nur noch gehalten, aber nicht mehr geparkt werden. Schwerbehinderte, Pflegedienste und Handwerker sind davon ausgenommen.

Die FDP im Hannoveraner Rat pöbelte: „Wer Grün wählt, muss mit der Grünen-Diktatur leben“, sagte deren Fraktionschef Wilfried Engelke. So berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ). Der Abbau von Parkplätzen zugunsten von Fahrrädern funktioniert in Hannover allerdings auch noch auf anderen Wegen, die unsereins nur staunen lassen. Darauf hat der ADFC noch einmal aufmerksam gemacht. So können schon seit 2019 Hausgemeinschaften beantragen, dass ein Parkplatz für Fahrradbügel geopfert wird – wenn sich dafür im Haus eine einfache Mehrheit findet (eine Stimme je Mietpartei) und bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Das sind Dinge, die von der gelebten Realität in unserem Lingen meilenweeiiiit entfernt sind. Hier ist man ja schon glücklich, wenn neben der vollständigen Versiegelung von Außenflächen um Neubauten auch nur ein Abstellhäuschen für Fahrräder entsteht. Unsere Stadt ist neben ausgesprochen autoorientiert, um nicht zu sagen nur autoorientiert. Dabei gibt es keine Berge und Hügel im Stadtgebiet, so dass das Fahrrad das Verkehrsmittel erster Güte ist. Aber, wie sagte es im vergangenen Jahr (oder war es schon 2020?)  ein Experte aus Hannover, in der Stadt Lingen herrsche eben schon ein sehr besonderes Verhältnis zum Auto. Deshalb wird nach wie vor für Autos gebaut, Radwege sind oft nur aufgemaltes Rot. Auch das aufwendig angekündigte Verkehrsgutachten kommt nicht voran, dessen einziges Resultat nach vier Jahren (!) Planerei eine grüne Welle für Autos auf dem Konrad-Adenauer-Ring ist – 400m mit vier Ampeln…


Quellen; Spiegel, taz, ADFC,; VG Hannover, Urt. v. 13.08.2021, Az 7 A 5667/19

Der große Schwindel

23. Januar 2022

Natürlich muss ich das Thema des Wochenendes noch an diesem späten Sonntagabend nachtragen. Das von einem NoAfD-Mann herausgegebene Werbeblättchen im schönen Bautzen. Der große Schwindel, der in Traunstein begann. t-online hat ihn hier aufgearbeitet.

Wie schreien die ungeimpften Schwurbler immer so laut: „Lügenpresse!“ Bitteschön:

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Am heutigen Sonntag wieder einmal ein Rezept in diesem kleinen Blog: Geschmorter Hähnchentopf mit Kokosmilch, Tomate und Ingwer

Hähnchenschenkel sind gut für Mahlzeiten unter der Woche geeignet, da sie relativ schnell gar werden, vielseitig sind und voller Geschmack sind. Bei diesem Rezept aus der NYT werden sie gebraten und dann in einer duftenden Tomaten-Kokos-Brühe geschmort, die mit Ingwer, Knoblauch, Kreuzkümmel und Zimt verfeinert ist. Das Resultat ist ein reichhaltiges, fast eintopfartiges Gericht, das gut zu weißem Reis passt. Man kann den Reis zubereiten, während das Huhn fertig schmort. Dann kommt alles gleichzeitig auf den Tisch. Ein kräftiger Spritzer Limette zum Schluss ist zwar nicht erforderlich, verleiht dem Ganzen aber ein glänzendes Finish. Restliche Soße kommt in die Sauciere und von dort über die Hähnchenschenkel und zu all dem gibt es knuspriges Brot zum Eintunken.

Die Zubereitung

  1. Die Hähnchenschenkel trocken tupfen und mit Salz und Pfeffer einreiben. In einer großen, tiefen Pfanne das Öl auf mittlerer Höhe erhitzen, bis es schimmert, dann die Hähnchenschenkel mit der Hautseite nach unten hinzugeben und 5 bis 6 Minuten braten, bis sie schön gebräunt sind. Wenden und die andere Seite weitere 4 bis 5 Minuten bräunen. Auf einen Teller geben und beiseite stellen.
  2. Schalten Sie die Hitze auf mittel bis niedrig, geben Sie die geschnittene Zwiebel in die Pfanne und kochen Sie sie 2 bis 3 Minuten lang, bis sie weich ist. Knoblauch, Ingwer, Kreuzkümmel, Zimt und Paprikaflocken hinzugeben und alles ca. 1 Minute kochen, bis der Knoblauch und die Gewürze duften. Ganz leicht salzen.
  3. Fügen Sie die Tomaten in ihrem Saft sowie die Kokosmilch hinzu und rühren sie um, bis sie sich vermischt haben. Kratzen Sie alle braunen Stücke ab, die sich am Boden der Pfanne gebildet haben. Legen Sie die Hähnchenschenkel zurück in die Pfanne. Ohne Deckel mindestens 15 bis 20 Minuten köcheln lassen, bis das Huhn gar und die Sauce leicht eingedickt ist. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  4. Den Reis (zur Zubereitung hier) auf Schüsseln verteilen und die Hähnchenschenkel darauf anrichten, zusätzlich die Soße darüber löffeln. Alles nach Belieben mit Koriander und einer Spritzer Limette verfeinern.

Die Zutatenliste

4 frische Hähnchenschenkel mit Knochen und Haut
Salz und schwarzer Pfeffer
2 Esslöffel Oliven- oder Rapsöl
1 mittelgroße rote Zwiebel, in dünne Scheiben geschnitten
3 Knoblauchzehen, fein gehackt
1 Stück frischen Ingwer (10cm), geschält und fein gehackt
1 Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel
½ Teelöffel gemahlener Zimt
½ Teelöffel Paprikaflocken
1 400g Dose gewürfelte Tomaten im Saft
1 400 ml Vollfett-Kokosmilch
Gedämpfter weißer Reis zum Servieren
3 Esslöffel grob gehackter Koriander
1 Limette, geviertelt, zum Servieren (optional)