Tatort des NS-Terrorsystems

26. Dezember 2021

Die aktuelle, vor gut einem Jahr eröffnete Ausstellung „Polizeigewalt und Zwangsarbeit“ in der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen-Ohrbeck nahe Osnabrück markiert ein wenig beachtetes Verbrechen im zweiten Weltkrieg und beleuchtet eindrucksvoll die Gewalttätigkeiten der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) gegen ausländische Zwangsarbeitende in NS-Deutschland.

Gedenkstätte Augustaschacht erinnert an einen Tatort des nationalsozialistischen Terrorsystems. Sie gibt den Opfern Gesicht und Stimme und macht Täterinnen und Täter sichtbar. Durch ihre Arbeit erklären sie den Transit- bzw. Straf- und Abschreckungscharakter  im Unterdrückungssystem des Nationalsozialismus. Damit halten sie nicht nur die Erinnerung wach, sondern zeichnen über die Verknüpfung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft politische Kontinuitäten und Entwicklungen nach.

Als Arbeitserziehungslager (AEL) wurden während der Nazi-Herrschaft offiziell Straflager bezeichnet, die der Disziplinierung und sog. Umerziehung dienten. Unter den Insassen waren viele Andersdenkende und ausländische Zwangsarbeiter. Ab 1940 von der Gestapo errichtet, häufig in Zusammenarbeit mit denvon der Zwangsarbeit profitierenden Unternehmen, entstanden so etwa 200 dieser Lager.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs – so nach offiziellen Schätzungen – wurden 500.000 Menschen in diesen Einrichtungen gequält, meist mit zeitlich begrenztem Aufenthalt, aber immer unter den unmenschlichsten Bedingungen.

Die Ausstellung in der Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen zeigt ein historisches Vermächtnis. Die Gedenkstätte Augustaschacht dokumentiert geschichtlich die mörderische Behandlung der Gefangenen – nicht nur im Allgemeinen, sondern eindrucksvoll auch anhand von Einzelschicksalen. Die erhaltenen, heute denkmalgeschützten Lagergebäude, die ursprünglich aus einem Gebäudekomplex aus Maschinenhaus und Kesselhaus bestanden, bildeten den Raum für eine große Wasserhaltungsmaschine des Bergbaus im Hüggel. Diese Gebäude, in welchen sich heute die Dauerausstellung befindet, gehörtem den damaligen Klöckner-Werk Georgsmarienhütte, das nahtlos mit der Gestapo zusammenarbeitete. Von Januar 1944 bis im April 1945 waren mehr als 2.000 Männer und Jugendliche aus 17 verschiedenen Ländern inhaftiert. Vornehmlich Menschen aus den Niederlanden, Polen, Italien und der ehemaligen Sowjetunion, die versucht hatten, sich dem Zwang der Zwangsarbeit zu entziehen. Sie wurden mit der Haft im Arbeitserziehungslager bestraft. Der Niederländer Phida Wolff schilderte die Verhältnisse im Februar 1945 so:

„Am Morgen früh erschallen Befehle und wenn du nur einen kleinen Moment zögerst, wirst du mit dem Knüppel geschlagen. Ab und zu darfst du dich waschen und du bekommst eine Kruste Brot, aber nach zwei, drei Wochen siehst du aus wie der hässliche Tod.“

Die Gedenkstätte Augustaschacht dokumentiert das Geschehen jener Zeit. Die Besuchenden erhalten durch Schriftstücke, Videos und Audios eine große Fülle an Informationen, sämtlich auf Deutsch, Niederländisch und Englisch.  So hat jede/r die Möglichkeit, sich mit der Geschichte  der oft vergessenen Zwangsarbeiter und den hunderttausenden AEL-Inhaftierten auseinanderzusetzen. .  Mehr…


Quellen: Osnabruekcer-Land.de; gedenkstaetten-augustaschacht-osnabrueck.de