Was bleibt, wenn die letzten Zeuginnen und Zeugen nicht mehr am Leben sind? Wie kann auch den nachfolgenden Generationen nachhaltig vermittelt werden, was während der NS-Zeit geschah? Diese Fragen gaben den Anstoß für die Portraitreihe „Zeuge der Zeit“ von ARD-Alpha. Die inzwischen 25 Filme widmen sich ohne Ablenkung den Worten der Überlebenden – ihren Erlebnissen und Gefühlen.

Jeder Interviewfilm der Filmautoren Andreas Bönte und Michaela Wilhelm-Fischer im Sinne einer „Oral History“ ist ausschließlich einem Zeitzeugen gewidmet. Teilweise berichten diese hier zum ersten Mal so ausführlich, was geschah. Der gezielte, reduzierte Einsatz von Archivbildern und bewusst gewählte, zurückhaltende Musikakzente rahmen die Worte ein. Die fast unmerkliche Kamera lässt den Menschen erzählen. Nah, intensiv und fokussiert. Geschichten, die bleiben und ohne Zeigefinger zum Frieden mahnen.

Der jüngste Film in der Reihe betrifft Georg Stefan Troller.  Sven Prange schreibt auf piqd: „Georg Stefan Troller zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dokumentarfilmern und Fernsehmachern der Nachkriegszeit. Der Mann  ist eine Legende für alle, die im Beobachten und Beschreiben ihre Berufung sehen. Ein Reporter, mittlerweile auch ein Zeitzeuge, der eher ein Zeitenzeuge – Plural – ist, so viele Epochen Bundesrepublik und Welt er erlebt hat.“

Verlust der österreichischen Heimat, Flucht und seine Zeit als US-Soldat in Deutschland haben das Schaffen Georg Stefan Trollers beeinflusst.“

Stefan Georg Troller, den alle kennen, die vor 50, 40, 30 Jahren TV geschaut hat, ist vor zwei Wochen 100 Jahre alt geworden. 1938 floh er über Prag nach Frankreich, dann in die USA, lebt seit 1949 in Paris. Berühmt wurde er in den 60er Jahren mit der Fernsehsendung „Pariser Journal“, danach lief seine „Personenbeschreibung“ über mehr als zwei Jahrzehnte. Troller hat bedeutende Dokumentarfilme („Mord aus Liebe“, „Unter Deutschen“, „Amok“) gedreht, Drehbücher geschrieben und mehrere Bücher veröffentlicht.

Von all dem berichtet dieser Interviewfilm, in dem der Sohn einer jüdischen Familie in Wien geborene Jahrhundert-Zeitzeuge auf sein bewegtes Leben zurückblickt. Eine Stunde Zuhören und Zusehen bitte: