Kromschröder und Vinke

29. November 2021

Die Journalisten Gerhard Kromschröder und Hermann Vinke stellen ihr Recherchematerial der NS-Gedenkstätte Esterwegen im nördlichen Emsland zur Verfügung. Die beiden haben in den 1960er-Jahren als Lokalreporter der Emszeitung als erste über die NS-Lager im Emsland berichtet und deshalb auch seinerzeit ihre Jobs bei der NOZ-Zeitung verloren, wie Martin Koers von der Gedenkstättenleitung am Mittwoch sagte.

Zusammen mit der Übersetzerin Saskia Bontjes überreichen die Journalisten am Dienstag Fotografien, Zeitzeugenberichte, Presseberichte und Tonbandaufnahmen vor allem über die Themen Emslandlager und Nationalsozialismus als Dauerleihgabe an die Gedenkstätte Esterwegen.Dienstag wird der Vertrag unterzeichnet.

Beide Journalisten haben in den 1960er-Jahren als Lokalreporter in Papenburg die Geschichte der Emslandlager recherchiert und veröffentlicht. Später wurde Kromschröder als Journalist beim Magazin «Stern» bekannt, Vinke arbeitete unter anderem als Korrespondent für den NDR in Fernost und war Hörfunkdirektor bei Radio Bremen.

Ab 1933 betrieb der NS-Staat auf dem Gebiet der heutigen Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim insgesamt 15 „Emslandlager“. Zunächst wurden sie als KZ benutzt und von SA und SS bewacht. Wegen massiver Schikanen und vieler Mordfälle sprachen die Häftlinge bald von der «Hölle im Moor». Von 1934 bis Kriegsende dienten einige Lager als Strafvollzugslager und in den Kriegsjahren als Kriegsgefangenenlager. Rund 70 000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene waren im Emsland interniert. Hinzu kamen während des Krieges mehr als 100 000 Kriegsgefangene. Mindestens 25 000 von ihnen sind in den Lagern gestorben.

Zu den prominenten, auf widerwärtigste Weise gequälten Inhaftierten in Esterwegen gehörten  der Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, der SPD-Politiker Ernst heilmann, der Kabarettist Werner Finck, der Rechtsanwalt Hans Litten und viele mehr. Im Lager Börgermoor schrieben Häftlinge im August 1933 das «Lied der Moorsoldaten», das als Symbol des Widerstands gegen den Nationalsozialismus gilt. Nach mehr als 50 Jahren Einsatz zahlreicher engagierter Demokraten eröffnete erst die Gedenkstätte Esterwegen 2011. Gerhard Kromschröder, Hermann Vinke und der lange verstorbene Bernd Rosema zählten dazu. Legendär wie Vinke und Rosema mit einem Banner protestierten und Kromschröder die Fotos schoss, und alles Tags darauf der Aufmacher der Emszeitung war.

Übrigens, Kromo:
Man möchte mehr über Bernd Rosema wissen, als nur, dass er aus Papenburg kam, auch bei der Emszeitung begann und dann zur Satirezeitschrift Pardon nach Frankfurt ging. Kannst das einmal in die Hand nehmen, bitte?

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