Absagen!

24. November 2021

Morgen tritt um 16 Uhr der Rat unserer Stadt in der Halle IV zusammen. Gemeinsam haben dafür am gestrigen Abend die SPD-Ratsmitglieder, die Fraktion Grüne-FWL und die BürgerNahen den Dringlichkeitsantrag gestellt, den bevorstehenden Weihnachtsmarkt abzusagen. Das ist zwar zeitlich knapp – weil in der vergangenen Woche die CDU und SPD noch nicht zu einer Absage bereit waren. Aber knapp ist immer noch besser als angesichts der dramatischen Inzidenzzahlen die Hände in den Schoß zu legen und zu hoffen, es werde schon irgendwie schon gut gehen. Zu erwarten ist nämlich, dass gar nichts gut gehen wird, weil alkoholisierte Glühweintrinker auf dem nicht abgegrenzten Weihnachtsmarkt nicht zu kontrollieren sind und auch die Abstände nicht einhalten werden. Zun Vergleich: Bei der Fußball-EM infizierten sich im Sommer etwa ein Siebtel der Zuschauer der Habfinal- und Finalspiele in London mit Corona…

Der gemeinsame Antrag der drei Fraktionen lautet im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister
oder Vertreter im Amt,

im Namen der Fraktionen von SPD, Bündnis’90/DieGrünen-FWL und „Die BürgerNahen“ wird beantragt, den Tagesordnungspunkt

„Vorsorge vor CoViD-19-Infektionen in der Stadt durch Absage des Weihnachtsmarkts 2021“

auf die Tagesordnung der Ratssitzung am 25. November zu nehmen und zwar als Punkt 6; die anderen Punkte verschieben sich entsprechend..

1) Der Antrag ist ein Dringlichkeitsantrag im Sinne von § 8 der Geschäftsordnung des Rates.

Dringlich ist er, weil im Gegensatz zu zahlreichen anderen Bundesländern heute die Niedersächsische Landesregierung die Durchführung von Weihnachtsmärkten trotz stark zunehmender CoViD-19-Infektionszahlen und Inzidenzen nicht in ihrer aktualisierten Corona-Verordnung untersagt hat. Der Lingener Weihnachtsmarkt soll am Tage der Ratssitzung beginnen, bis zur nächsten Verwaltungsausschuss- oder Ratssitzung Mitte Dezember kann nicht gewartet werden, weil die Einwohnerinnen und Einwohner unverzüglich geschützt werden müssen und daher nicht abgewartet werden kann.

2) In der Sache wird beantragt:
1. Der Weihnachtsmarkt 2021 in der Stadt Lingen (Ems) wird nicht durchgeführt und mit sofortiger Wirkung abgesagt.
2. Die Verwaltung wird beauftragt, mit den benachbarten Städten und Gemeinden ein gleichartiges Vorgehen zu erreichen sowie
im Einvernehmen mit dem LWT für die betroffenen Marktbeschicker eine Entschädigungsregelung vorzubereiten.

In der Sache verlangt der Schutz ungeimpfter Kinder und der vulnerablen Personengruppen in unserer Stadt die Absage des Lingener Weihnachtsmarkts, der unter der Verantwortung der Stadt Lingen (Ems) und des LWT veranstaltet wird. Angesichts der exponentiell steigenden Infektionszahlen und der zahlenmäßig deutlich zunehmenden sog. Impfdurchbrüche und der in der Folge zwingend bevorstehenden Inanspruchnahme von Krankenhäusern und ihren Intensivstationen und einer Sterblichkeit von rd. 1 % der Infizierten ist die Durchführung des Weihnachtsmarktes mit seinen Alkohol- und Verzehrbereichen nicht mehr verantwortbar. Sog. Auffrischungsimpfungen können den Impfdurchbrüchen zwar entgegenwirken; diese Boosterimpfungen erfolgen aber bisher nur zögerlich und zahlenmäßig unzureichend. Der Weihnachtsmarkt geht außerdem mit starkem Alkoholkonsum einher und läuft schon deshalb manifest Gefahr, sich zu einem sog „Superspreader-Event“ zu entwickeln. Dadurch werden vor allem ungeimpfte Kinder und andere vulnerable Personenkreise in der Stadt und dem Umland mittelbar gefährdet.

Das ist unvertretbar. Die späte, aber kurzfristig mögliche Absage schützt die Menschen in Lingen (Ems) und dem Umland vor exponentiell verlaufenden Infektionszahlen in den nächsten Wochen. Sie ist nicht aufschiebbar. Maßnahmen wie 2G oder -bekanntlich unzuverlässige- Schnelltestungen schützen nicht im bekannten Maße. Wir feiern auch gern, aber die Absage ist alternativlos.

Die Verwaltung soll im Einvernehmen mit dem LWT eine Entschädigungsregel prüfen, um betroffenenen Marktbeschickern angemessen zu helfen. Sie soll auch mit den benachbarten Städten und Gemeinden ein gleichartiges Vorgehen erreichen.

3) Der Antrag wird von allen, den Antrag stellenden Fraktionen ergänzend begründet.

Mit freundl. Grüßen

Die Fraktionen von SPD, Bündnis’90/DieGrünen-FWL und „Die BürgerNahen“
im Rat der Stadt Lingen (Ems)
iV Robert Koop, Vors. der Fraktion „Die BürgerNahen“

In den sozialen Medien hat es heute teilweise wütende Kritik an dem Antrag gegeben. Die BürgerNahen haben darauf wie folgt geantwortet:

„Wir hoffen, dass alle Menschen in Lingen ein besinnliches Weihnachtsfest feiern können, erst im neuen Jahr werden viele ihre Booster-Ipfung bekommen und Kinder unter 12 können geimpft werden.
Bis alle Menscen in Lingen ausreichend geschützt sind, soll auch der zentrale Weihnachtsmart in Lingen abgesagt werden. Zusammen mt den Ratsmitglieder von SPD und Grünen/FWL sehen wir zum aktuellen Zeitpunkt keine andere Möglichkeit alle Lingenerinnen und Lingener ausreichend zu schützen.“

So ist es.

 

 

5 Antworten zu “Absagen!”

  1. Eva Weckenbrock said

    Hallo Herr Koop. So sehr ich Ihre Bedenken verstehen und nachvollziehen kann. Die Budenbetreiber haben entsprechend Waren gekauft. Wie sollen sie das ausgleichen können? Das ist doch schrecklich wenn das alles hinüber geht. Gibt es nicht einen Mittelweg? Das zum Beispiel der Weihnachtsmarkt um 19 Uhr komplett endet? Und/Oder das die Glühweinbuden nicht ausschenken dürfen? Oder nur ein bestimmtes Kontingent pro Tag/Person. Es gibt doch bestimmt Kompromisse.

    • RAT said

      Eine Absage wäre kontraproduktiv, treibt die Menschen in Innenräume und bringt rein gar nichts:

      t-online unter Bezug auf „Welt“:

      „Nach der Absage von Weihnachtsmärkten in mehreren Bundesländern haben Aerosol-Forscher die Entscheidungen kritisiert. „Aus aerosolphysikalischer Sicht macht ein Verbot von Weihnachtsmärkten absolut keinen Sinn. Im Freien finden nur sehr wenige Ansteckungen statt“, sagte der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosolmedizin, Gerhard Scheuch, der „Welt“ (Mittwochsausgabe).
      Ähnlich äußerte sich der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach. „Ich halte die Öffnung von Weihnachtsmärkten, auf denen ausreichend Abstand gehalten werden kann, für vertretbar. Ich befürchte, dass eine generelle Schließung verstärkt dazu führt, dass die Menschen sich im privaten Umfeld in Innenräumen treffen, was das Infektionsrisiko deutlich erhöht“, sagte er der „Welt““

      Lt Umfrage erwägt eh nur noch jeder 3. (33%) den Besuch eines W-Marktes.Eng wird es da nicht zugehen. Aber der blog-Betreiber war ja auch nie ein Freund der „Glühweinkirmes“…

    • Der Antrag enthält den Auftrag an die Verwaltung, eine Entschädigungsregelung für betroffene Marktbeschicker vorzubereiten. Dass sie entschädigt werden müssen, ist für mich klar. Im Übrigen binnich aber der festen Überzeugung, dass wir einen Superspreader-Markt haben werden. Wie ich es geschrieben habe: etwa 1/7 der Fußballzuschauer im Sommer in Wimbledon hat sich infiziert – trotz des Umstandes, dass unter freiem Himmel gespielt wurde. Auch ich feiere gern und trinke auch Glühwein – aber jetzt in dieser Zeit ist dies nicht verantwortbar.

  2. Glühweinkirmes said

    Warum hören Entscheidungsträger nicht mehr auf den Rat von Experten, es ist nicht zu fassen!

    https://www.stern.de/gesundheit/aerosol-forscher–absage-von-weihnachtsmaerkten-sinnlos—gefahr-in-innenraeumen-30951748.html

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