Christian Drosten, 1/2021

21. November 2021

Totensonntag

21. November 2021

Heute ist Totensonntag.  

„Eher zufällig“, las ich vor einigen Wochen auf piqd von Hasnain Kazim, „stieß ich auf diesen – bald zweieinhalb Jahre alten – Nachruf auf einen Jungen namens Moritz, der mit nur 19 Jahren an Krebs starb. Ein Junge, der das Leben liebte, politisch war, gern diskutierte, sich für Gerechtigkeit einsetzte, den Mund aufmachte, auch wenn er sich damit nicht immer beliebt machte.

Ich stieß dann auch auf den Verfasser dieses Nachrufs: Karl Grünberg, ein Journalist, der sozusagen Spezialist für Nachrufe ist. Ein durchaus morbides Themengebiet, aber auch eines, das einen über das Leben nachdenken lässt.

Mich hat dieser Text jedenfalls sehr berührt, auch und besonders weil es sich hier um einen Text über einen jungen Mann handelt, der keineswegs in der Öffentlichkeit stand, keine Berühmtheit war, sondern einfach ein junger Mann, dessen Leben einfach viel zu früh endete. Und dessen Umgang mit seiner Krankheit und Einstellung zum Leben mich beeindruckt.

So ging Moritz mit seiner Krankheit um: Ein paar Stunden war er traurig, wenn es eine schlechte Nachricht gab. Dann, als ob er einen Schalter umgelegt hätte, stürzte er sich wieder ins Leben. „Wenn ich nur eine Woche zu leben habe, was bringt es mir, wenn ich davon drei Tage weine?“, sagte er einmal zu seinen Eltern.

Wenn ich einen Friedhof besuche, wünsche ich mir, viel mehr als das, was auf den Grabsteinen steht, zu erfahren über die Menschen, die hier ihre letzte Ruhe gefunden haben. Ich finde, man sollte viel mehr Menschen solche Nachrufe schreiben, sich ihrer erinnern und darüber freuen, dass es sie gegeben hat.“

Hier
Karl Grünbergs Nachruf auf Moritz: Man lebt ja nur einmal

…und seine Twitter-Nachricht, dass damit die „Geschichte noch nicht zu Ende“ war.

Bleibt gesund, liebe Leser*innen.

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(Bild von Katja Fissel auf Pixabay; , Text: Hasnain Kazim auf piqd)